Brain drain
Sonntag, 16. Juli 2006
Die BILD schreibt: Stoppt die Auswanderungswelle! Immer mehr Leistungsträger verlassen Deutschland. Jetzt schlagen Politiker Alarm
Im letzten Jahr sind so viele Deutsche ausgewandert wie seit 1954 nicht mehr. (...) Seit 1820 haben immer wieder Menschen unser Land verlassen, vor allem in Richtung USA. Aber in dieser Zeit gab es nur vier Jahre, in denen mehr Menschen auswanderten als gegenwärtig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg 2005 die Zahl der deutschen Auswanderer auf 144 814. Ihnen standen 128 052 Einwanderer gegenüber. Zum ersten Mal seit Ende der 60er Jahre sind damit mehr Deutsche fortgezogen als zugezogen.
Damit wird nun vielleicht endlich breitenwirksam (denn egal was man von der BILD halten mag: Eine enorme Reichweite hat sie) auf ein Problem hingewiesen, daß insb. in der Wirtschaft schon länger zu Kopfzerbrechen führt und nun vielleicht auch Politiker langsam aber sicher nachdenklich stimmt - zumal die soziodemographische Zusammensetzung der Auswanderer (viele junge, hochqualifizierte Menschen, die in diesem Land keine Zukunft mehr sehen) besonders hervorzuheben ist.
Solch ein massiver brain drain motivierter Eliten kann einem Land ohne jeden Zweifel nicht guttun. Und die plumpe Forderung, zur Kompensation dieses enormern volkswirtschaftlichen Langfristschadens noch mehr Einwanderer ins Land zu lassen, ist leider auch eine Milchmädchenrecnung, da eben ganz offenkundig unser Land im globalen Wettbewerb offensichtlich nicht mehr in der Liga spielt, in der wir es vielleicht noch wähnen. Unabhängig von der erforderlichen Schubumkehr im Bildungssystem (Kampf der Kuschelpädagogik/Powern für Pisa: Leistung, Wissen und “Sekundärtugenden” müssen wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden) müssen die Rahmenbedingungen hierzulande eben auch für Leistungsträger wieder attraktiver werden. Wer durch Bürokratieblödsinn, Leitunsbremsbesteuerung und demotivierende Umverteilungsperverseion geradezu die Leute (und dabei gerade die, die es sich von Ausbildung und Verdiest (=Steuerleistung) her leisten können) in die Emigration treibt, muß sich sonst nicht wundern, wenn es mittelfristig nicht nur kein Wachstum beim Bruttosozialprodukt mehr gibt und - nachdem immer mehr Tafelsilber verscherbelt wurde - der (im Vergleich zu den meisten anderen Länder immerhin relative) Wohlstand und die Lebensbedingungen sich rapide verschlechtern. Und dann gute Nacht, Deutschland!
| Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert: |
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