Gehirnsdurchfall reloaded

Donnerstag, 4. September 2008

“Kein Gesetz ist so schlecht, daß nicht irgendein Weltverbesserer es noch schlimmer machen kann.” (Stecki)

Das jedenfalls war das, was mir einfiel, als davon hörte, mit welcher Volksbeglückung sich das Europäische Parlament nun beschäftigt. Es sei nämlich "besonders wichtig, daß Fernsehwerbung ‘ethisch und/oder rechtlich verbindlichen Regeln’ unterliege, so ein heute im EP vorgestellter Bericht.

“Schließlich werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, Bildungsinitiativen zu konzipieren und in die Wege zu leiten, die im ”Geiste der Toleranz“ entwickelt wurden und die alle Formen von Stereotypisierung, die die Beziehungen zwischen Männern und Frauen deutlich verschlechtern, unterlassen, um ”die Kultur der Geschlechtergleichstellung“ mit Hilfe von geeigneten Bildungsprogrammen zu fördern.”

Es geht also auch bei weitem nicht nur um Werbung, sondern eigentlich um jeden Lebensbereich. Nachtgall, ick hör dir trapsen! Wollen wir die totale Gedankenkontrolle? Denkt man auf Basis dieses Mindsets zuende, wäre die Einführung einer Gedankenpolizei wohl am besten. Als großen Schritt zur Perfektionierung der Schere im Kopf ruft man ersteinmal gewissermaßen zum vorbereitenden Bildersturm auf:

“Insbesondere sei es notwendig, Botschaften, die die menschliche Würde verletzen und Geschlechterstereotype vermitteln, aus Lehrbüchern, Spielzeug, Videos, Computerspielen und Internet zu beseitigen.”

Wenn man annehmen dürfte, daß hiermit nur schwerste und gröblich verletzende und nach allen anzulegenden Maßstäben inakzeptable Aussagen gemeint wären, könnte man diese Aussage fast unterschreiben. Aber aus langjähriger Erfahrung mit chronischem Gutmenschentum in Politik und Gesellschaft bleibt leider nur die sichere Gewißheit, daß hier ein Relaunch des ADG bevorsteht, sozusagen ein Antidiskriminierungsgesetz 2.0:

“Es gibt da ja mittlerweile einen ganzen Blumenstrauß an hirnrissigen Albernheiten, mit denen Brüsseler Kommissare sich die Zeit vertreiben. Muss schon ein geiles Gefühl sein, sich irgendwelchen Blödsinn auszudenken (man gewinnt den Eindruck, da läuft bisweilen eine Art perverser Wettbewerb zwischen den einzelnen Ressorts) und ein ganzer Kontinent tanzt nur wenige Jahre später nach der eigenen Gaga-Pfeife. Ganz ehrlich: Ich glaube, da könnte ich auch nicht widerstehen und würde vielleicht sowas wie die Mülltrennung bei Weihnachtsbäumen anordnen (’Ab sofort gehören die Nadeln vom Holz getrennt entsorgt’) oder so.”

PI-News hat eine schöne Überschrift dafür gefunden: “Irrenhaus jagt Tante Klementine” (der Server ist vermutlich aufgrund von DoS-Attacken leider immer seltener erreichbar - das zum Thema Toleranz und gelebte Meinungsfreiheit bei Linken; mit dem Credo “Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.” oder dem Rosa-Luxemburg-Motto (sic!) “Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden” hat das jedenfalls nicht viel zu tun, wie man auch bei anderen Debatten, beispielsweise zum Thema Islamismus, immer wieder erlebt).

Apropos Freiheit: Der Bonsaibaum von Freiheit, Selbstbestimmung und -Verantwortung wird damit weiter beschnitten. Das Magazin “eigentümlich frei” schreibt dazu:

“Jetzt geht es – auch im Wortsinne – ans Eingemachte. Kochende Muttis, waschende Omis, putzende Mädels – das kommt uns nicht mehr auf den dann von innen gesäuberten Bildschirm. Das EU-Parlament will solcherlei ‘klischeebehaftete’ Fernsehwerbung im Sinne der regierenden Genderideologie nachhaltig und porentief weißwaschen. Frauen sind Männer sind Männer sind Frauen sind gleich.”

Der mmündige Konsument ist - wie auch bei unendlichen vielen Gesichtspunkten des sog. “Verbraucherschutzes” - in den Augen der Parlamentarier wohl leider zu dumm, selbst zu entscheiden was und von wem er kauft und durch sein aktives Konsumverhalten den Markt zu formen.

Sind wir jetzt endgültig auf dem Weg in die Gesinnungsdiktatur? Vermutlich insbesondere deshalb nicht, weil die Menschen bereitwillig vorauseilenden Gehorsam leisten. Ist das noch echter Pluralismus, der die Basis ist für echte, gelebte Demokratie? Es ist doch leider für jeden von uns inzwischen selbstverständlich, jede auch nur halböffentliche Äußerung einem mehrfachen geistigen Antidiskriminierungs-Check zu unterwerfen. Was eigentlich fehlt, ist eine Behörde, bei der man sich die Rechtmäßigkeit seiner Aussagen im Vorhinein bescheinigen lassen kann. Daher forder ich - auch zur eigenen Rechtssicherheit bei Veröffentlichungen in diesem Blog, die schnellstmögliche Einrichtung eines "Zentralkomitees für Emanzipation, Nichtdiskriminierung und Sicherstellung der Unbedenklichkeit von Redebeiträgen (ZENSUR)". Peace!



Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert:

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    Speculatio praecox - konsumkritische Betrachtungen eines Weihnachtsmanngläubigen
    Ja ist denn schon wieder Weihnachten? Ganz ehrlich: Ich kann es nicht mehr ertragen. Da stehen jetzt schon kurz nach den Sommerferien die Supermärkte voller Weihnachtssachen. Einfach pervers. Egal wo man hinschaut — palettenweise Lebkuchen, Pfeffernüsse,
    Weblog: Stecki's Blog
    Aufgenommen: Sep 15, 16:41

Kommentare


    #1 Michael am 09/05/08 um 07:53 [Antwort]

    *Ich habe gerade mal wieder “Wohlstand für Alle” rausgekramt und lese mal wieder darin.

    Erhardt müßte doch so im Grab rotieren, das er durch seine Kreiselwirkung die Erde aus dem Gleichtakt bringt und sie dann in der Weltgeschichte torkelt.

    ;-)

    Der Staat soll sich um wichtige Sachen kümmern, daß das Recht und Gesetz gilt, daß die Krankenhäuser funktionieren, daß die Marktwirtschaft funktioniert, anderes Thema sind die Renten und Bildung.

    Aber ob nun in der Werbung eine Hausfrau auftaucht (ach, wie diskrimierend für die Frau!). Sollen vielleicht auch intakte Familien verschwinden und dafür ein schwules Paar auftauchen?

    Oder muß bei Autowerbung der Fahrer(in) geschlechtsneutral auf der “Autobahn” dargestellt werden?

    Ich denke, die Werbewirtschaft weiß schon, was sich verkaufen läßt und der Staat soll die Hände raus lassen!

    Als nächstes wird gesagt, was die Firmen zu produzieren habe.

    Gruß

    Michael

    #2 Luke am 09/06/08 um 10:19 [Antwort]

    *Ich kann nur den Kopf schütteln... wie kommen die überhaupt auf so einen Mist? Also wie kommt man auf solche Gedanken?

    #2.1 Stecki am 09/06/08 um 10:43 [Antwort]

    *Tja, also die Frage stelle ich mir bei solchen Dingen auch. Man darf hoffen, daß da zumindest prinzipiell guter Wille hintersteckt (wobei gut gemeint nunmal leider nur zu oft das Gegenteil von gut ist...)...oder aber es herrscht im Apparat zu viel Langeweile, so daß die Leute beim stundenlangen Kontemplieren auf solche Themen stoßen. Oder sehen wir es richtig positiv: Wir haben sehr kreativ-phantasievolle Parlamentarier und Bürokraten! :-)

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