Als im Januar die erste Public Beta von Microsoft Windows 7, dem Nachfolger des (meines Erachtens ganz zu Recht) unbeliebten MS Windows Vista herauskam, hatte ich es mir sofort (iSv “sobald es nach dem Totalzusammenbruch der Microsoft-Server ging”) heruntergeladen und auf einer virtuellen Maschine installiert. Ich war positiv überrascht von der zügigen und problemlosen Installation — und es lief auch alles prima. Allerdings war es eben nur ein kurzer Test, um zu sehen, wie es sich verhält, was alles neu ist usw usf.

Daher hatte ich nach Erscheinen des Release Candidate (Win7 RC Build 7100 — für jedermann kostenlos bis Anfang März 2010 nutzbar) selbige Prozedur gleich wiederholt. Ebenfalls alles prima. Das System lief auf einer virtuellen Maschine unerwartet flott und war angenehm zu bedienen. Und obwohl ich kosmetischen Neuerungen prinzipiell abgrundtief skeptisch gegenüberstehe, weil diese häufig reiner Spielkram sind, nutzlos Rechenleistung verplempern und meist nur darüber hinwegtäuschen sollen, daß man keine substantiellen Verbesserungen an einer Software als Updateargument hat, muß ich zum konkreten Fall sagen: Ich bin einfach hin und weg von der neuen Optik und Haptik, quasi Liebe auf den ersten Blick.

Dennoch nutzte ich als eingefleischter XP-Nutzer Win7 in der Folgezeit eigentlich nur, um Internetseiten auf Internet Explorer 8 oder Programme unter Vista-Bedingungen zu testen.

Bis mir meine Notebook-Platte “abrauchte” (um genau zu sein rauchte sie nicht völlig ab, aber ich bekam derartige Probleme mit defekten Dateien, daß sie faktisch unbrauchbar wurde).

Da ich es etwas anachronistisch fand, im Jahre 2009 nochmal XP auf mein Notebook zu spielen und ich ohnehin immer Ärger mit passenden Treibern hatte, war dies ein guter Zeitpunkt, nun einmal Win7 einem echten Praxistest zu unterziehen. Gesagt, getan: Ich habe kurzentschlossen und wagemutig den RC von Win7 auf meinem Acer TravelMate 8204WLMi installiert. Und siehe da: Wow. Nicht nur ging die Installation wie schon bei den anderen Tests sehr fix, es fiel vor allem auf, daß danach wirklich so ziemlich alles ohne weiteren Treiber einwandfrei lief. Und das Beste: Das System verhielt (und verhält) sich wesentlich responsiver und schneller, auch bei relativ vielen geöffneten Anwendungen und Browser-Tabs.

Seit einer Woche nutze ich nun den RC täglich und sehr intensiv auf meinem Notebook. Zwischenzeitlich habe ich fast meine gesamte Software auf selbigem ohne Probleme installiert (nur das SP 1 meiner alten CorelDRAW Graphics Suite 12 ließ sich — unter Meldung eines Fehlers, zu dem ich ich Netz nichts sinnvolles finden konnte — hartnäckig nicht einspielen) und arbeite erstaunlich flott und produktiv mit dem neuen System.

Hier ein paar kurze Anmerkungen, positive wie negative (einige der Punkte gelten auch schon für Vista, welches ich aber nur kurze Zeit als Beta-Tester genutzt habe):

  • Die neue Oberfläche Aero mit (Halb-)Transparenzen, dickerem Fensterrahmen und gauß’scher Unschärfe gefällt mir recht gut. Man scheint an den Schriften und dem Rendering geschraubt zu haben, die Textdarstellung wirkt insgesamt jedenfalls deutlich besser als vorher.
  • Die Systemsteuerung ist neu sortiert worden. Wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig, so sind die Einstellungsmöglichkeiten nun letztlich besser zugänglich, weil untereinander sinnvoll(er) verknüpft.
  • Wenn auch nur SchnickSchnack, so finde ich die neuen quasi-fotorealistischen Gerätesymbole einfach hinreißend :-)
  • Ob man “Desktopminianwendungen” (vulgo: widgets) wirklich braucht, scheint mir Geschmackssache. Meiner einer nutzt das eigentlich nicht.
  • Schade finde ich, daß man bei Dateioperationen (Kopiervorgängen) zwar Zusatzinfos einblenden kann. Eine Möglichkeit, Vorgänge zu pausieren oder priorisieren fehlt aber leider. Ohne es bisher getestet zu haben, denke ich mal, daß ebenfalls keine Optimierung des Verhaltens bei Kopierfehlern vorgenommen wurde (sprich: Daß der Vorgang nicht bei einem Fehler abgebrochen wird).
  • Was mich etwas irritiert ist der insg. nur sehr defensiv gestaltete Startbildschirm (kaum Inhalt, daher muß man genau hinschauen, ob sich was tut). Noch mehr stört mich, daß beim Versetzen in den Ruhezustand der Bildschirm gleich schwarz wird und man letztlich nur am Lüftergeräusch bzw. an der Power-LED erkennen kann, ob sich der Rechner schon ausgeschaltet hat. Das ist riskant (zumal der Vorgang subjektiv manchmal recht lange dauert).
  • Richtig praktisch hingegen sind die neuen Möglichkeiten beim Fensterhandling, Fenster durch Ziehen an Bildschirmränder zu verändern: Nach oben maximiert das Fenster, nach rechts oder links skaliert das Fenster jeweils auf volle Höhe aber halbe Breite.
  • Auch die Suche in Explorerfenstern ist einfacher, schneller und praktischer geworden; besonders hilfreich, um sich beispielsweise in der neuen Systemsteuerung zu orientieren.
  • Besonders gut gelöst ist meines Erachtens der neuen Taskbar: Die bisherige Schnellstartleiste ist damit obsolet. Man kann jede Anwendung an den Taskbar anheften und sieht an unterschiedlicher Darstellung, ob diese läuft oder nicht. Da standardmäßig nur noch die Symbole dargestellt und gleichzeitig alle Fenster einer Anwendung gruppiert werden (mit einer Live-Vorschau beim Hovern über einem Symbol, die sogar Videos darstellt) spart das enorm Platz und macht die ganze Sache übersichtlich. Das wird dadurch noch optimiert, daß man nun die Reihenfolge der Symbole jederzeit einfach per Drag & Drop ändern kann.
  • Ergänzt wird die Effiziensteierung durch das Suchfeld im Startmenü, welches sofort nach Drücken der Windows-Taste den Focus erhält. Man gibt nur ein paar Zeichen eines Wortbestandteils des gewünschten Programmes ein und bekommt dynamisch passende Anwendungen aufgelistet. Sehr einfach und schnell, gerade wenn man eine große Menge an Programmen installiert hat.

Insgesamt fühlt sich das Arbeiten mit Windows 7 jedenfalls klasse an. Einige der Funktionen konnte (und kann) man auf älteren Systemen mit entsprechender Erweiterungssoftware emulieren/nachrüsten. Aber so ist es nunmal alles standardmäßig implementiert, zeitgemäß und aus einem Guß. Der Abstand zu Mac OS X von Apple ist jedenfalls sehr deutlich geschrumpft. Dazu kommen noch einige neue bzw. verbesserte mitgelieferte Programme, wie dem SnippingTool oder Windows Live Writer (mit dem ich diese Zeilen testhalber geschrieben habe), so daß ich unterm Strich nur empfehlen kann, Win7 eine Chance zu geben.



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Kommentare


    #1 Richard am 01/24/10 um 06:16 [Antwort]
    *Mir ging es ähnlich wie Dir. Ich war jahrelang eingefleischter Windows XP Nutzer. Mit XP ist MS ein richtig gutes BS gelungen. Auf meinen Netbook läuft auch immer noch Windows XP. (Wobei mir persönlich auch Windows 2000 recht gut gefallen hat)

    Vista war in meinen Augen ein totaler reinfalle - furchtbar. Habe mir einen Aldi-Rechner mit Vista gekauft und zwei Tage später (mit Hürden) ein XP installiert.
    Windows 7 finde ich bislang auch richtig gut (solange man die richtige Einstellungen vornimmt). Bei mir läuft Windows 7 mittlerweile wirklich flott und anständig. Ich bin sehr gespannt auf der SP1, ich denke damit wird sich entscheiden in welche Richtung es mit Windows 7 weitergeht.

    Ansonsten Daumen hoch für Deinen Blog, wirklich sehr spannende Posts und dazu noch benutzerfreundlich :-)

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