Was sich schon seit einigen Wochen angesichts der teils fast schon hysterische Züge annehmende Diskussion abzeichnete, konkretisiert sich nun wie erwartet. Die Justizministerkonferenz hat beschlossen (PDF), durch eine Lex GoogleGesetzesinitiative einen „wirksamen Schutz der Betroffenen zu gewährleisten.

Der Hamburger Justizsenator, von dem die Initiative ausgeht, sagt dazu:

“Die Persönlichkeitsrechte und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht länger vom Wohlwollen der Anbieter abhängen.“

Nun kann man lange diskutieren, welche konkreten Persönlichkeitsrechte denn nun wirklich betroffen sind und inwiefern die Sicherheit der Bürger bedroht ist. Die Argumente dazu sind hinlänglich ausgetauscht und mein Standpunkt dazu ist klar.

Die Politik wäre gut beraten, einen Gang zurückzuschalten, verbal abzurüsten und weniger Angst vor Neuem zu schüren. Es geht mir nicht darum, Probleme zu bagatellisieren. Aber Google macht durch Verpixelung von Personen und Autokennzeichen schon mehr als alle andere, die Bilder ins Netz stellen.

Was mich aber nun eigentlich bewegt, sind folgende Aspekte:

Die Justizminister haben — auch wenn man stets betont, daß es anders sei — ganz im Wesentlichen ein Einzelfallgesetz vor, das von seiner Stoßrichtung auf einen Großanbieter wie eben Google ausgerichtet ist. Und es mag sein, daß man es schafft, Google regulatorisch am Nasenring durch sein Google Earth zu ziehen. Nur: Sollte Google als Folge der rechtlichen Einschränkungen nicht so interessant und attraktiv sein, wie es sich die potentiellen Nutzer wünschen, dann ist die logische Konsequenz, daß diese die Sache in die eigene Hand nehmen und crowdsourcen. @JensBest hatte dies als erster auf Twitter deutlich ausgesprochen (und wurde deswegen in der FAZ unter „Googles windige Helfer“ rubriziert).

Und natürlich startete sofort das Projekt openstreetview.org. Auch wenn dieses bisher letztlich nur symbolischen Wert hat: Es sollte jedem der Beteiligten klar sein, daß es technisch angesichts schierer Unmengen von georeferenzierten Bildern im Netz nur eine Frage der Zeit ist, bis diese mit hinreichender Dichte und Aktualität zu einem StreetView-Analogum aggregiert werden.

Und was genau will die JMK dann tun? Oder warum besteht sie dann nicht auch darauf, daß schon jetzt jeder, der Bilder ins Netz einspeist, die Einwilligung „betroffener“ Hauseigentümer oder -bewohner einholt bzw. einen Mechanismus zur Einlegung eines Widerspruchs vor Veröffentlichung implementiert?

Solche Bildaggregationen im großen Stil werden kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Und mit Techniken wie Photosynth werden diese zu 3D-Welten werden, gegen die StreetView nur ein zaghafter Anfang war.

Und man muß auch nur ein bißchen weiter in die Zukunft schauen: Wie lange noch wird es dauern, bis wir möglicherweise zu wirklichen Lifestreaming-Devices aufgemotzte PDAs/Handys mit uns herumtragen, die (so wir dies wollen) die ganze Zeit Livebilder ins Netz übertragen, welche dann mit einer Art Realtime-Videosynth zusammengefügt werden zu einem OpenLiveStreetView3D

Bundesinnenminister de Maizière hat den Punkt in seiner Grundsatzrede „Grundlagen für eine gemeinsame Netzpolitik der Zukunft“ (siehe dazu auch meine Materialsammlung) sehr gut deutlich gemacht:

„Nehmen wir das Beispiel Google Street View. Der Bundesrat berät hier gerade über einen Gesetzentwurf. Der Ansatz dieses Entwurfs ist aller Ehren wert, aber nach meiner Überzeugung falsch: Wir sollten gesetzgeberisch nicht den Weg einschlagen, dass wir für jeden neuen Dienst ein neues und eigenes Gesetz schaffen. Bei einer solchen Einzelfallgesetzgebung würden wir bald hoffnungslos hinterherhinken. Das Recht wäre dann weder technikneutral noch entwicklungsoffen.“

Einen solchen Wettstreit mit der globalen Innovationskraft des Netzes wird die deutsche Politik nicht gewinnen, sofern sie nicht mehr und mehr Freiheiten beschränken und Menschen bevormunden will. Die Justizminister der Länder sollten sich die ganze Sache unter besonderer Berücksichtigung der deutlichen Ausführungen des Bundesinnenministers noch einmal überlegen…


Nachtrag (25.06.2010 11:00): Zu recht fragt Jens Best in den Kommentaren bei Telemedicus nach einer wirklich nachvollziehbaren Begründung.

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Gestatten, mein Name ist Pad, STECKiPAD

Dienstag, 22. Juni 2010

Das war ein denkwürdiger Tag. Nicht nur, weil sich an diesem 22. Juni der Geburtstag des Computer-Pioniers Konrad Zuse zum 100. Mal jährte und dies u.a. mit einem tollen Google Doodle gewürdigt wurde. Und nicht einmal allein deswegen, daß Bundesinnenminister de Maizière mit seiner Grundsatzrede zur Netzpolitik richtungsweisend war.

Nein, dieser Tag ist deshalb denkwürdig, weil ich heute um 11:44 Uhr von UPS ein unscheinbares kleines Päckchen geschickt bekommen habe: Mein eigenes iPad, das ich liebevoll STECKiPAD® getauft habe, ist da! (hier geht es zu den Unboxing-Fotos — einen Tag vorher hatte ich schon mal sozusagen als Generalprobe und leicht selbstironisch den vorab gekauften iPad-Case unboxed) Vielleicht ist es ja das Jubiläums-iPad, denn Apple gab am selben Tag bekannt, daß inzwischen drei Millionen iPads verkauft worden sind.

Am iPad gab es (schon vor dem Verkaufsstart) viel (kleinliche) Kritik. Aus erster Hand werde ich es zwar erst in einiger Zeit umfassend beurteilen können, aber ich muß schon sagen: Ich bin beeindruckt. Das Teil hat bisher alle meine Erwartungen erfüllt. Es fühlte sich von der ersten Minute einfach toll an.

Ich bin mir sicher: Heute hatte ich die Zukunft in der Hand!  

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Heute präsentierte Bundesinnenminister de Maizière in einer Grundsatzrede die „Perspektiven Deutscher Netzpolitik“ (#pdn) als Ergebnis seiner netzpolitischen Dialogreihe. In seiner Tour d’Horizon ordnete der Innenminister sachlich-nüchtern und analytisch-abstrakt Streitstände und Spannungsfelder und zeichnete vor, wie sich Internet-Politik in Deutschland weiterentwickeln könnte. Eine abschließende Bewertung möchte ich noch nicht abgeben, da ich die Rede im Büro nur nebenbei teilweise hören konnte. Daher an dieser Stelle zunächst eine Materialsammlung, die helfen soll, sich den angesprochenen Problemfeldern, Fragestellungen und Thesen zu nähern:

Einige der obigen Links wie auch diese Seite selbst werden ggf. weiter ergänzt (über Ergänzungstips in Kommentaren bin ich dankbar).

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Simpel, schmackhaft, sättigend: Steak

Donnerstag, 17. Juni 2010

Vermutlich verrate ich hier kein Geheimnis, wenn ich konstatiere, daß ich nicht nur ein guter Esser sondern auch ein Esser guten Essens bin (und nein, das schließt Fast-Food von McDonalds und Burger King meines Erachtens keineswegs aus).

Um die Bandbreite dieses Blogs ein wenig zu erweitern, möchte ich daher nun die neue Rubrik „Mahlzeit“ einführen, meine kleine kulinarische Kochecke. Vorweg muß ich sagen, daß sich meine handwerklichen Küchenfertigkeiten auf bisher nur wenige, simple aber effektive und wohlschmeckende Rezepte beschränken. Dennoch möchte ich die Welt im Rahmen meines meist recht ungezügelten Mitteilungsbedürfnisses mit diesem gesunden Nichtmalganzeindrittelwissen bereichern!

Legen wir also aus aktuellem Anlaß los mit einem simplizistischen Menü, dem Steak. Wo bleibt der aktuelle Anlaß, werdet ihr euch fragen? Ganz einfach: Ich hatte heute ein solches. Und zwar ein — wie ich ohne falsche Bescheidenheit sagen möchte — ganz vorzüglich selbstbereitetes Exemplar desselben.

Das perfekte Steak

Das Rohmaterial. Etwas marmoriert sollte es schon sein. Hört ihr es „brat mich“ rufen?
Wie geht Mann also am besten vor, um das perfekte Steak zu machen? Nun, nichts einfacher als das. Zunächst jagen und erlegen wir uns beim Schlachter des Vertrauens (in meinem Fall mußte es die Fleischtheke eines Supermarktes sein, da der Hunger akut war und mein Lieblingsschlachter Mittagspause hatte) ein brauchbares Ausgangsmaterial. In meinem Fall habe ich mich in Abwägung von Sättigungsbedürfnis und Preisbewußtsein für Block House Beefsteak (bei gutem Rindfleisch reicht dies als Qualitätsniveau durchaus, aber nach oben ist natürlich nie ein Limit; wichtig ist nur, daß es hinreichend marmoriert ist) entschieden, eine angemessen ca. zwei Finger dicke Scheibe von 380 g Gewicht. Schnell nach Hause und die Pfanne mit sehr wenig Öl voll aufgeheizt (wichtig).

 

Als nächstes kommt ein noch viel, viel wichtigerer Aspekt: Unbedingt sicherstellen, daß das Fleisch nie direkt aus der Kühlung in die Pfanne kommt. Es muß wohltemperiert sein, bevor man es unter brutalem Zischen gefühlvoll in die Pfanne legt.

Nach der ersten Wendung sieht das doch schon ganz passabel aus.
Sobald es da liegt, läßt man es. Also weiterliegen. Ich weiß, das ist schwer. Man ist immer versucht zu prüfen, wie die jeweils auf der Pfanne liegende Seite aussieht. Laßt das. Nie nich machen sowas! Also: Volle Konzentration und Selbstbeherrschung und dann beide Seiten bei voller Hitze jeweils 2 (in Worten: zwei) Minuten scharf anbraten. Und nochmal: Nicht mittendrin wenden oder andere Sperenzchen damit veranstalten. Am besten ist, man stellt wie ich bei seinem iPhone für diesen Zweck den Timer ein, sonst wird man nämlich an dieser Problematik potentiell gravierend scheitern.

Nachdem man nun beide Seiten zwei Minuten schön angebuzzelt hat, wendet man es erneut und läßt jede Seite auf so ca. 40% Hitze (das hängt vom Erfahrungswert mit dem eigenen Herd zusammen) für jeweils 3-5 Minuten weiter braten. Und ich sage es noch mal: Nicht wild mit dem Heber das Teil die ganze Zeit hinundherbewegen. Ab-so-lut still muß es liegen. Wie lange ihr es genau in der Pfanne laßt, hängt natürlich elementar mit dem erhofften Aggregatzustand des Endproduktes zusammen. Simple Logik: Je mehr Fleischsaft rausbrät, desto weniger ist im Fleisch und desto garer wird das Teil. Bei meiner Konfiguration sind 4 Minuten für ein für mich persönlich gerade eben noch innen leicht rosa erscheinendes Steak optimal. Es hilft nichts, da müßt ihr testen (und gebt es zu: Das ist keine soooo schlechte Ausrede, um häufiger mal ein amtliches Stückchen Rind in die Pfanne zu hauen.

Saftig, gut gewürzt — es kann gleich losgehen… #jamjam

Am Ende kommt der Verzehr. Meine Technik ist auch hier umwerfend zielführend: Man bestreue die designierte Ablagefläche auf dem Teller generös mit Block House Steak Pfeffer (soll keine Werbung sein, ist aber IMHO die beste Mischung) und platziere das Teil exactemente dorten. Dann kommt noch mal eine Ladung des Pfeffers rauf, um sicherzustellen, daß auch wirklich die gesamte Oberfläche eingepfeffert ist (oder wie der Franzose sagt: au poivre). Optional kann man auch noch ein bisserl Block House Steak Sauce darauf drapieren (mein Traum übrigens wäre, DAS dann alles mal mit Käse zu überbacken, aber bisher konnte ich mich zusammenreißen).

Und dann kommt das aller-aller-wichtigste — und mit Abstand die größte Herausforderung der ganzen Aktion: Das gute Stück muß jetzt exakt so mindestens zwei Minuten ruhen, um sich vom Bratstreß zu entspannen, die Würze anzunehmen und in perfekten „Ich-will-Dir-fressen“-Zustand zu reifen.

Dann — und nur dann — heißt es: Guten Appetit!

Fertig.
Und bevor hier irgendwelche Kleingeister fragen, ob ich Gemüse oder Salat vergessen hätte: Nein, es fehlt sonst nichts. Es ist absolut kampfentscheidend, daß man das Prachtstück ohne weitere geschmacksverfälschende oder gefährlich-sättigende Beilagen verzehrt. Der Mensch an sich ist kein Beilagenesser. Am Ende muß das alles jedenfalls so aussehen, während man sich wohlig über den opulent gefüllten Bauch streicht. Mein Steak jedenfalls war ein kulinarischer Höchstgenuß!

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Notizen zur Netzneutralität

Mittwoch, 16. Juni 2010

Am vergangenen Montag (14.06.2010) hat die Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ (#eidg) des Deutschen Bundestages auf ihrer dritten Arbeitssitzung (und somit der ersten regulären öffentlichen Sitzung) den Themenschwerpunkt Netzneutralität diskutiert (vom Parlamentsfernsehen gibt es einen Mitschnitt der Sitzung als Stream und Download).

Unterm Strich fand ich viele vorgetragene Ausführungen, Frage- und Problemstellungen der Mitglieder und Experten der Internet-Enquête durchaus spannend. So wurde das Spannungsfeld schon nach wenigen Wortbeiträgen sehr klar und auch, daß Einigkeit letztlich vor allem darin bestand, überhaupt eine gemeinsame Definition für den Begriff Netzneutralität zu finden, um für die weiteren Beratungen ein Fundament zu haben (Experte Harald Lemke machte in diesem Zusammenhang schön deutlich, daß es nun mal Eigenart eines Netzes sei, daß alles irgendwie zusammenhängt). 

Ich habe mir vor allem folgende Aspekte zum Nachgrübeln und zur vertiefenden Recherche/Erörterung/Diskussion (siehe Forum Netzneutralität) notiert (ich verweise hier insb. auf den gut strukturierten und umfassenden Wortbeitrag von Prof. Dr. Gersdorf). Ich bitte, dies nicht als abschließende Stellungnahme zu verstehen, sondern als Gedankensammlung und work-in-progress:

Sprechen wir über Netzneutralität nur mit Blick auf das Transportnetz oder auch hinsichtlich von Plattformen oder Zugang zum Netz? Meines Erachtens gehört alles zusammen und kann nicht separat betrachtet werden, wobei die potentiell erforderliche Regulierungsintensität aufgrund der Eingriffsrelevanz vermutlich vom ersten bis zum letzten sinken dürfte.

Wie ist der Kreis der potentiell Diskriminierten differenziert zu bestimmen, wer genau sind die betroffenen Interessengruppen? Sind es nur Nutzer und Netzanbieter oder bzw. wie sind Dienstanbieter zu berücksichtigen (insb. im Rahmen des netzemanzipatorischen Konvergierens von Sendern und Empfängern)? Problematisch kann hier dann auch die Tatsache sein, daß nicht der Bundesgesetzgeber sondern die Länder für Inhalteregulierung zuständig wären.

Über welche die Netzneutralität im engeren Sinne („alle Datenpakete sind gleich“) einschränkenden Diskriminierungspotentiale sprechen wir? Das Spektrum reicht hier von Sperren über Spamfilter, Netzwerkmanagement/QoS, Entgeltdifferenzierung bis hin zu Bandbreitendifferenzierung (Stichwort z. B. Unterversorgung im ländlichen Raum)/asymmetrischen Netzzugang. Insbesondere bei dieser Auflistung fallen einem sofort jede Menge weitere teils sehr spezielle aber nichtsdestotrotz nicht irrelevante Parameter ein, wie beispielsweise die Begrenzung von addressierbaren Mailempfängern oder Anzahl abgeschickter Mails und ähnliches.

Meines Erachtens sind Markmechanismen durchaus im Stande, viele dieser Herausforderungen sachgerecht zu lösen, sofern ein Mindestmaß an Transparenz gewährleistet ist und auch Opt-Out-Möglichkeiten gegeben sind (es könnte ja z.B. jemand auch jede einzelne evidente Spammail zur Analyse haben wollen, während es im Interesse des Netzes sowie des Großteils der Nutzer wäre, diese frühestmöglich wegzufiltern). Insofern ist es schon auch richtig wie Dr. Osthaus zu fragen, was der einzelne Nutzer wirklich will. Hier gibt es sicherlich sehr unterschiedliche Prioriäten. Daß ein gewisser padeluun (Quizfrage: padeluun ist das staatlich sanktioniert Pseudonym für wen?) hier vom Netz-Ideal ausgeht und für einen sehr radikalen Neutralitätsansatz steht, ist zwar in gewisser Weise ehrenwert, grenzt aber bei praktischer Umsetzung an Zwangsbeglückung. Sachgerechter scheint hier zu sein, Neutralitätsansprüche auch im Verhältnis zur Marktmacht zu sehen, also einen asymmetrischen Regulierungsansatz zu wählen. So könnten an Teilnehmer mit beträchtlicher Marktmacht schärfere Maßstäbe angelegt werden, während relative Nieschenanbieter weniger hohe Ansprüche zu erfüllen hätten, um ihre Leistungsfähigkeit und Innovationsstärke nicht zu gefährden (dies würde auch das oben schon erwähnte Phänomen, daß der Übergang von Nutzer in Diensteanbieter fließend sein kann, gut berücksichtigen).

Gerade in diesem Zusammenhang bin ich übrigens froh, daß z.B. die Thematik Vertragslaufzeiten sehr strittig diskutiert wurde. Hier scheint es mir schon so zu sein, daß zwar wenige kleine Anbieter als Alleinstellungsmerkmal sehr flexibel sind aber eben dennoch die standardmäßigen 24-monatigen Verträge der Großanbieter in Zeiten enormen technischen Fortschritts fast schon einer Knebelung nahekommen. Es würde zu weit gehen, dies als Marktversagen zu brandmarken, aber ein freundlicher Hinweis politischer Kreise, daß hier Regulierung drohen könnte, falls es nicht zu kürzeren Standardlaufzeiten kommt, kann sicher nicht schaden, um bei Providern einen Denkprozeß anzustoßen. Wobei ich ganz grundsätzlich (hinreichende Auswahl — also tstsächlichen Wettbewerb — vorausgesetzt) an den kritischen Konsumenten glaube.

Ich könnte mir vorstellen, daß es in der weiteren Debatte auch noch intensiver um die Frage gehen wird, ob bzw. wie der Staat im Rahmen der Daseinsvorsorge diskriminierungsfreie Teilhabe am Netz zu gewährleisten gedenkt . 

Am Ende des Denkprozesses werden für mich in der Abwägung jedenfalls folgende Gedanken ausschlaggebend sein:

Das Netz ist durch erst durch seine inhaltliche Agnostik das geworden, was es ist. Jeder kann nicht nur empfangen, sondern auch senden. Diese Offenheit ist für mich nicht nur schützenswert sondern förderungswürdig.

Als Verfechter der sozialen Marktwirktschaft vertraue ich primär den Marktmechanismen, sofern die Leitplanken sicherstellen, daß Grundrechte, Meinungs- und Rezipientenfreiheit, Datenschutz und diskriminierungsfreier Zugang angemessen gewährleistet sind.

Ich bin gespannt auf die weitere Diskussion des Themas im Rahmen der EIDG-Projektgruppe Netzneutralität, die von Peter Tauber geleitet wird, auf dessen Blog ich daher gern zur weiteren Lektüre verweise.

Ergänzung 17.06.2010 00:30 als Lesetipp: Hubertus Gersdorf auf Carta: Netzneutralität: Erster Aufschlag der Enquete-Kommission

Ergänzung 17.06.2010 12:30, SPD-Netzpolitik: Definition von Netzneutralität

Ergänzung 17.06.2010 17:00: Infos zur Netzneutralität auf blogfraktion.de

Ergänzung 19.06.2010 13:00: Grün digital — Die Enquete stürzt sich in die inhaltliche Arbeit

Ergänzung 19.06.2010 14:00: Manuel Höferlin in The European: Web Freiheit — Kein neutrales Netz

Ergänzung 19.06.2010 19:45: Stephan Zeidler: Netzneutralität – oder die Frage, ob der Sozialismus zurückkehrt…

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De Platt-App, een paßlich Ding

Dienstag, 15. Juni 2010

Auch wenn ich es leider mangels Sprachpraxis nicht im Ansatz unfallfrei sprechen kann und stets nach Worten ringen würde, wenn ich den untauglichen Versuch starten würde, so hänge ich doch sehr am Plattdeutschen. So bin ich nicht nur ein großer Fan von zweisprachigen Ortstafeln, weil dies gewissermaßen eine stete, dauerhafte Mahnung und Erinnerung an die örtliche Geschichte ist (und beispielsweise ein guter Ausgangspunkt für Schulklassen, sich mit der Heimat zu beschäftigen). Nein, ich habe deshalb extra mal die von mir co-gewebmasterte (schönes neudeutsch) Seite meiner Gemeinde Delingsdorf (aka Deinsdörp) „plattgemacht“. Und auch die Niederdeutsche Wikipedia finde ich genial.

Plattdeutsch verstehen kann ich (jedenfalls die örtliche Variante) glücklicherweise ganz prima, schließlich haben das meine Großeltern untereinander und mit Freunden, Bekannten und Verwandten ständig gesprochen, es war nunmal deren Muttersprache. Insofern habe ich nicht wie angeblich 70 Millionen Deutsche ein Verständnisproblem (Dank an Lydia für den Video-Tip):

Nur das mit dem Sprechen klappt eben nicht. Denn es fehlen einem immer die Worte. Es gibt zwar natürlich erstklassige Wörterbücher (auch online), aber die sind nicht so schnell zur Hand, wie man sie bräuchte, wenn man wirklich mal in die Situation kommt, von oder nach Platt zu übersetzen.

Umso glücklicher bin ich nun, wo plattnet.de, eine meiner niederdeutschen Lieblingsseiten, im sehr empfehlenswerten Newsletter von einem Plattdeutschen Wörterbuch als iPhone-App berichtete, also quasi einer Platt-App.

Sofort bin ich zur Hersteller-Seite (itx systems) gesurft, das einfache aber überzeugende Konzept und Screenshots für gut befunden und die 1,59 € im iTunes-Store investiert.

Was soll ich sagen? Die Platt-App hält, was sie verspricht. Der Start könnte zwar einen Tick schneller sein, aber die eigentliche Aufgabe löst sie sehr straightforward. Man kann also einfach und bequem „mal eben“ ein nicht verstandenes Wort nachschlagen oder einen passenden Plattdeutschen Ausdruck finden. Das Vokabular scheint einigermaßen umfangreich zu sein und hat durchaus auch passende Begriffe für moderne Erscheinungen. Computer z. B. wird mit Blickbregen, Isernbreegen oder Rechenknecht übersetzt (für Blog hingegen habe ich nichts gefunden, etwas ausbaufähig ist es also schon noch). Einige der Wörter sind quasi geokodiert, so daß man erfährt, für welche Regionen diese gelten.

Insgesamt kann ich diese Platt-App für uns Möchtegern-Plattsnacker also durchaus empfehlen. 

Allerdings würde ich mir durchaus noch ein paar Ergänzungen wünschen. Beispielsweise eine Möglichkeit, Suche und Wortvorschläge von Hochdeutsch zu Plattdeutsch nur für bestimmte Bereiche durchzuführen (also Regionalfilter). So könnte man dann auch Wortspezialitäten einer Region filtern/anzeigen. Auch eine Unscharfsuche (oder habe ich die übersehen?) wäre sicher toll, denn die Schreibweise Plattdeutscher Wörter kann doch recht unerwartet sein.

Laut Macfriesland wird es in der nächsten Version auch die Möglichkeit geben, fehlender Wörter/Alternativbegriffe vorzuschlagen — ein vielversprechender Crowdsourcing-Ansatz (den man dann vielleicht auch zu einem sozialen Netzwerk ausdehnen könnte).

Nun denn, wie auch immer: Ich finde es toll, aber testet doch einfach selbst! 

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Es gibt Dinge, da kann manMann nicht widerstehen. Vor einiger Zeit war ich schon mal auf den Lego Digital Designer (LDD) gestoßen (siehe Steckbausteine, virtuell-reloaded), mit dem man gewissermaßen Lego-CAD machen, also in 3-D direkt am Rechner mit Lego-Steinen spielenkonstruieren und dann diese eigene Kreation als Individual-Bausatz bestellen (!) kann. In einer wild durchsurften Nacht bin ich dann erneut auf die Lego-Seite gestolpert (wie so oft weiß ich gar nicht mehr, wie es mich dahin verschlagen hatte). Also schwups die Software zum Experimentieren runtergeladen und losgelegt.

Lange überlegen, was ich bauen wollte, mußte ich gar nicht. Denn als Kind habe ich mit Begeisterung bevorzugt Häuser/Türme und jede andere Art von Gebäude aus meinen geschätzt paar Tausend Steinchen zusammengesteckt. Also gab ich mir den Auftrag, mein eigenes zuhause lego-technisch nachzuempfinden. Nachdem ich mich ein bisserl in das Programm reingefuchst hatte, insb. geschaut, welcher Maßstab/Größe von Grundplatte sinnvoll wäre (denn aus Kostengründen wollte ich bei diesem ersten Versuch keine teuren Unmengen von Klötzen verbrauchen). Ca. 1,5 h später (etwas Trial & Error, welche Fenstertypen am ehesten passen usw. dauerte nunmal etwas) war mein Design fertig:

Anschließend ging alles erstaunlich schnell. Mit einem simplen Klick kann man für den Bausatz automatisch (!) eine Bauanleitung erstellen lassen. Und dann wieder mit einem Klick in den Shop wechseln, wo ich nach individueller Gestaltung der Verpackung (!!) die Bestellung aufgab.

Nach nicht ganz drei Wochen Lieferzeit war es dann heute so weit. Das Paket von Lego war in der Post. Boah, was war ich happy. Natürlich habe ich es sofort ausgepackt (Unboxing-Fotos auf flickr). Alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Eine tolle Verpackung, schöne Bauteilliste, Plastiktüte mit allen Teilen, dazu farbig gedruckte und gebundene Bauanleitung. Einfach nur Wow:

Hier ein Video vom Zusammenbauen:

Und so sieht das Ergebnis aus (es hat schon seinen Ehrenplatz in einer Vitrine im Wohnzimmer gefunden):

Boah, das war ein Spaß! Ich bin mir sicher, daß das nicht mein letzter eigener Lego-Bausatz gewesen sein wird, zumal man auch Lego Mindstorms NXT Bausätze erstellen kann…also Leute: Unbedingt selbst mal ausprobieren (nein, leider kriege ich keine Provision — ich gönne euch schlicht die Freude und den Spaß). Und dann unbedingt hier im Kommentar einen Link auf das Ergebnis hinterlassen, ok? Ich bin gespannt. Viel Vergnügen!

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Pawlowscher Parteitag

Sonntag, 13. Juni 2010

Es gibt Dinge, da weiß man sofort: Jetzt ist schon wieder etwas passiert. Und dies meine ich nicht im Sinne von Wolf Haas, der dies als herrliches Stilmittel in einen Krimis (unbedingt als Hörbuch vom Autor selbst gesprochen erwerben) kunstvoll verwendet.

Nein, als eben im ZDF die Moderatorin die Formulierung „innerer Reichsparteitag“ verwendete, war klar, welche Lawine losgehen würde. Man ist ja heutzutage derart auf solche Dinge trainiert, daß man noch bevor die Worte zu ende gesprochen waren wußte, daß das ein Nachspiel haben würde. Nicht umsonst twitterte ich justamente: „Eine ZDF-Reporterin weniger…“

Und tatsächlich: Sofort ging auf Twitter das Gegeifer los.

Fast scheint dies inzwischen zu einem festen Mechanismus, gleich einem pawlowschen Reflex geworden zu sein. Sobald ein Wortfetzen mit bekannt vorkommender Konnotation wahrgenommen wird, werden die Keulen der political correctness geschwungen.

Leider häufig ohne Rücksicht auf Verluste. Und nicht selten auch ohne Sinn und Verstand. Jeder von uns sollte in solchen Augenblicken einmal innehalten und kontemplieren, ob er erstens wirklich verstanden hat (nicht nur akustisch), was gesagt wurde (ich habe viele Reflexe auf Kombinationen aus „rechtsfrei“, „Raum“ und „Internet“ erlebt, die sachlich inkorrekt waren, weil gerade das Gegenteil gesagt worden war) und zweitens tatsächlich den Hintergrund oder die vermeintliche Konnotation richtig bewertet.

Denn gerade im vorliegende Fall bin ich mir insbesondere nach Lektüre der Definition dieser Redewendung im Wiktionary und Beachtung der Diskussionsseite dort eigentlich ziemlich sicher, daß der sprachliche Hintergrund der Redewendung eben ausgerechnet nicht so verwerflich ist, wie viele der jetzt brutalstmöglich Echauffierten so meinen:

(spöttisch) etwas, das die bezeichnete Person mit Genugtuung erfüllt (Gefühl der inneren Zufriedenheit, nachdem jemand nach großem Auftritt nun von der Realität eingeholt wurde).

Der innere Reichsparteitag soll demnach ja gerade den Gegensatz herstellen, wäre von der ganzen Motivation her eben nicht nationalsozialistisch ideologisch aufgeladen und belastet.

Insofern ist eigentlich auch die Entschuldigung des ZDF und die Ermahnung der Moderatorin ein eigentlich unnötiger Kotau:

ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: “Es war eine sprachliche Entgleisung im Eifer der Halbzeitpause. Wir haben mit Katrin Müller-Hohenstein gesprochen, sie bedauert die Formulierung. Es wird nicht wieder vorkommen.”

Andererseits muß man wohl feststellen, daß die Formulierung eben deshalb unglücklich war, weil das Mißverständnispotential so hoch war. Ich habe in der Vergangenheit auch häufiger schon Sprüche gelassen, die aus meiner Wahrnehmung vollkommen harmlos waren aber beim Gegenüber unbeabsichtig (und wie ich meine auch ungerechtfertigt) als Beleidigung angekommen sind, nur weil der Sinn der Aussage nicht zum gemeinsamen Wissens- und Erfahrungsschatz gehörte.

So hielt ich den Spruch „Zwei Dumme — ein Gedanke“ für absolut ungefährlich, bis jemand sich ernsthaft angegriffen fühlte. Und als ich mit jemandem über die Fehlleistungen von Telekomikern sprach und meinte „denn sie wissen nicht, was sie tun“, hörte mein Gegenüber offenbar ein Großgeschriebenes „Sie“ und fühlte sich herabgesetzt.

Ich frage mich also: Wie gefährlich sind Redewendungen, wenn man offenbar viele nicht als bekannt voraussetzen darf?

Woher weiß man, welche man einsetzt, ohne vorher den Gesprächspartner einem Wissenstest ausgesetzt zu haben? ;-)

Und: Wie vermeidet man dieses fast massenhysterischen Züge, wenn solche Formulierungen in einer Öffentlichkeit landen, die sie bewußt oder unbewußt fehl- bzw. anders interpretiert als intendiert?

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Da das Einbetten des Videos deaktiviert ist, bitte zunächst dieses Video anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=g11JHTTSCjM

Dann die Meldung Extremisten werfen Sprengsatz auf Polizisten als Hintergrundinfo lesen.

Wenn die vorliegenden Informationen korrekt sind, muß man feststellen:

Sowas hat mit Demokratie und Demonstrationsfreiheit nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun. Das ist auch nicht mehr mit dem unerträglichen Euphemismus von „Erlebnisorientiertheit“ zu beschönigen. Und es ist auch nicht mehr einfach nur kriminell, wie so vieles, was auf sog. Demonstrationen (vulgo Krawallorgien) heutzutage zum Repertoire gehört.

Was wir da sehen ist Terrorismus und ausgelebte Mordlust.

Wann werden endlich die juristischen, ausrüstungstechnischen und einsatztaktischen Rahmenbedingungen geschaffen, damit Einsatzkräfte besser gegen solche Attentate geschützt sind, sich adäquat zur Wehr setzen und eine nachhaltig-effektive Strafverfolgung einleiten können?

Muß es erst tote Beamte geben?

Wo bleibt der Aufstand der Anständigen?

Ich bin fassungslos. 

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Anfang Juni durfte ich für den Regionalteil Stormarn der Lübecker Nachrichten die Pro-Seite eines Pro & Contra Google StreetView schreiben. Hier mein Beitrag:

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass viele der Argumente gegen Google Streetview auf unvollständigen oder gar falschen Annahmen und Informationen beruhen. Es ist ein ärgerliches Phänomen, dass gerade hierzulande oftmals die Debatte von Angst und Misstrauen beherrscht wird, welche leider nur zu häufig auf Unkenntnis beruhen oder interessengeleitet geschürt werden. Chancen und Möglichkeiten neuer Technologien werden übersehen, geraten in den Hintergrund oder werden totdiskutiert.

In vielen Ländern läuft Streetview seit Jahren ohne nennenswerte Probleme und Proteste. Denn außer der stetigen Behauptung recht konstruierter potentieller Missbrauchshypothesen ist bisher niemandem ein Schaden zugefügt, erhöhte Einbruchsraten sind nirgends festgestellt worden. Denn die Straßenzüge werden nicht – wie häufig geschrieben – „gefilmt“ (was vermutlich das Gefühl dauerhafter Videoüberwachung suggerieren soll), sondern einmalig aufgenommen. Und diese Aufnahmen unterliegen der seit dem Kaiserreich geltenden Panoramafreiheit, sind also vollkommenlegal. Um von vornherein Datenschutzprobleme zu vermeiden, werden Personen und Autokennzeichen ohnehin unkenntlich gemacht. Wo soll hier der Eingriff in die Privatsphäre liegen? Denn Streetview nimmt eben einmalig nur das auf, was jeder andere ständig beobachten kann. Gelegentlich wurde in diesem Zusammenhang die Höhe, aus der die Aufnahmen gemacht werden, kritisiert. Übereifrige Datenschützer werfen dann Google vor, es würde über Zäune in Hintergärten gespäht. Aber auch andere Verkehrsteilnehmer sitzen erhöht und haben exaktdieselbe Perspektive.

Der Blick für den Nutzen geht völlig verloren: Streetview erweitert wie auch Google Maps und Google Earth den Blick für die Welt. Es eröffnet tolle Möglichkeiten, Reise- und Ausflugsziele vorher zu erkunden. Und nicht zuletzt wird es zunehmend auch zu einem wichtigen Faktor im Stadtmarketing, weil Gäste und Investoren sich auf diesem Weg über den Standort informieren. Wenn diese dann schwarz sehen, weil die Gemeinde den Aufnahmen widersprochen hat, macht es den Ort sicher nicht attraktiver. Am Ende gilt: Lassen Sie sich nichts erzählen und nicht bevormunden. Schauen Sie einfach selbst und probieren Streetview einfach mal aus. Ich bin mir sicher, dass Sie dann zum Fan werden!

Siehe vollständiges Pro & Contra: Streetview: Begrüßt oder abgelehnt (Lübecker Nachrichten, Stormarn-Teil vom 01.06.2010).

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