Gesichtserkennung: Normen vs. normative Kraft des Faktischen
Dienstag, 6. Juli 2010
Unter der Überschrift „Gesichtserkennung: Machen, was machbar ist?“ fragt @Johanstormarn:
„Datenschutz ist ein wichtiges Thema, aber es ist absehbar, dass die Macht des Möglichen den Datenschutz in der heutigen Form außer Kraft setzen wird. Wenn also die normative Kraft des Faktischen zuschlagen wird, warum dann nicht heute schon den Nutzen nutzen?“
Dieselbe Frage habe ich mir auch schon gestellt (siehe in diesem Zusammenhang Lächerliche Lex Google: OpenLiveStreetView3D wird kommen und Laßt uns über die wirklichen Probleme reden…).
Hinsichtlich der Frage, warum Google zwar (selbstverständlich) technisch über hochwertige Bilderkennungstechnologie verfügt, diese Endnutzern auch via Picasa verfügbar macht, sie aber bei Diensten wie Google Goggles bewußt unter Hinweis auf Datenschutzproblematiken nicht aktiviert, vermute ich, daß insb. Google nach den Erfahrungen mit zunehmender Problematisierung seiner (All)macht (Krake, Analytics, StreetView, unameit) neue Funktionalitäten vermutlich nicht mehr ganz so blauäugig-naiv-technobegeistert aktiviert, weil es weiter am “don’t be evil”-Slogan zehren würde. Sprich: Google verzichtet derzeit schlicht darauf, sich noch intensiver ins Visier von Datenschützern und Politik zu befördern.
Aber natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Google Gesichtserkennung im großen Stil implementieren wird. Ohnehin sollte man klar und deutlich sagen: Professionelle Gesichtserkennung ist jetzt ja schon für jeden machbar. Zum einen kann man mit Picasa sein eigenes Bildarchiv in kürzester Zeit scannen lassen; zum anderen wird aber niemand davon abgehalten, beispielsweise gezielt Websites, Feeds oder seinen Social Graph (bzw. darüber zugängliche Alben) automatisiert auszulesen und erkennen zu lassen — entweder durch Nutzung einer lokalen Picasa-Software quasi als Proxy (was angesichts der simplen Datenhaltung in picasa.ini-Dateien trivial ist) oder durch Nutzung von APIs wie der von face.com.
Wir sind also ohnehin auch hier an einem Punkt, wo schon jedem Einzelnen ganz erhebliche technologische (und kostenlose oder zumindest relativ extrem billige) Möglichkeiten zur Verfügung stehen (Möglichkeiten von denen Polizeien, Geheimdienste & Co vor ein paar Jahren noch geträumt haben). Und wenn es ohnehin jeder, also nicht nur Big Player, im großen Stil machen kann, stellt sich eben die Frage, was andere davon noch abhält und warum man sich nicht (fatalistisch?) dem Unausweichlichen ergibt.
Und der nächste Schritt ist ja auch absehbar: Es wird (falls es das nicht sogar schon gibt) sich ein Datenaustauschformat für Gesichts-/Personencharakteristika (denn bei reiner Gesichtserkennung wird es nicht bleiben: Mit mehr verfügbaren Daten (also Bild-/Video-/Tonmaterial sowie Zusatzinformationen (Social Graph, Lebenslauf-Daten aus Profilen, persönliche Routinen (Geo-Infos)) die die statistischen Erkennungswahrscheinlichkeiten verbessern) werden immer mehr Erkennungsmöglichkeiten kommen) etablieren, quasi Personenfingerprinting. In einer kleinen XML- oder JSON-Datei wird dann kompakt die mathematische Kodifizierung der Erkennungsparameter einer Person sein (so wie die biometrischen Merkmale eines Ausweises).
Wir landen also immer wieder bei einer Fragestellung: Wie gehen wir damit um, daß heutzutage Individuen Möglichkeiten haben, die früher weder technisch, noch kapazitativ oder finanziell selbst von Staaten nicht umgesetzt werden konnten? Wie soll ein deutsches Datenschutzrecht, daß primär auf Unternehmen und logischerweise auf nationale Regulierung zugeschnitten ist, auch nur ansatzweise noch wirksam sein können? Wie klar sind sich Politik und Gesellschaft in der Breite dieser Problematik bewußt?
Es mag zwar unbefriedigender Kontrollverlust für alle Beteiligten sein, aber ich fürchtevermute ähnlich wie Johan, daß die normative Kraft des Faktischen den Großteil der Diskussion schnell verobsoletieren wird. Ich sehe kaum ernsthaft umsetzbare Vorschriften, die die sich exponentiell beschleunigende Entwicklung in den Griff bekommen könnten, da der systemimmanente Gesetzeslag und die sich zwangsläufig ergebenden Vollzugsdefizite stetig größer und nicht kleiner werden werden.
Mein Leitmotto in diesem Zusammenhang ist:
„Herr, gib mir Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Ich für meinen Teil werde versuchen, zu akzeptieren, daß bestimmte Entwicklungen kommen werden. Und ich werde diese dann nicht sinnlos verzögern wollen, sondern stattdessen die sich daraus ergebenden Chancen nutzen und helfen, die entstehende Risiken zu minimieren. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, diesen Wandel positiv mitzugestalten, der Technophobie keinen Vorschub zu leisten, sich den Herausforderungen mit positiver Grundhaltung zu stellen. Wir werden nicht drumherumkommen!
Nachtrag: Siehe auch Netzwertig: Technischer Fortschritt - heißes Eisen Gesichtserkennung.
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Der Nürnburger — eine herrlich-schottisch-bajuwarische Brotzeit
Montag, 5. Juli 2010
Seit Wochen habe ich diesem Tag entgegengefiebert, nachdem McDonald’s angekündigt hatte, daß es ab heute um die Wurst geht. Denn der heutige Tag markiert hoffentlich ein neues Zeitalter bei meinem Lieblings-Restaurant: Hemische Würstchen als niegelnagelneue Burgerkomponente.
Als echter McDonaldist bin ich also heute Mittag zum McDo meines Vertrauens gedüst und habe mir das gute Stück geholt, den neuen Nürnburger von Uli Hoeneß und seiner HoWe.
Hier die Fotos meines “Burger-Unboxing”:



Der Nürnburger entpuppt sich als gelungene Kreation. Schon der ungewohnte Duft läßt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Er ist zwar nur ein relativ kleiner (aber dafür feiner) Snack (kostet dafür auch nur 1,79 €), aber verbindet gewissermaßen das Beste beider Welten, nämlich des klassischen Burgers und der traditionellen Grillwurst.
Der Neue scheint mir recht gelungen: Das Ciabatta-Brötchen ist nicht zu dick, die original Nürnberger Rostbratwürstchen waren erstaunlich gut gebräunt (optimal kross, aber eben nicht zu lang zubereitet). Und auch die Röstzwiebeln waren wirklich knackig, was man nicht häufig sagen kann, wenn diese auf Burgern verarbeitet werden. Vermutlich liegt dies aber (und das ist der einzige Wermutstropfen) daran, daß er ein wenig mehr Senf hätte vertragen können, denn mir war er — jedenfalls ohne Erfrischungsgetränk — einen Hauch zu dröge; aber die Grundgesamtheit von 1 (in Worten: einem) getesteten Burger reicht hier ohnehin nicht für eine statistisch belastbare Aussage.
Jedenfalls möchte ich euch unbedingt empfehlen, den Burger zu testen. Aus meiner Sicht hat er das Zeug, ins Standardrepertoire wirklich dauerhaft aufgenommen zu werden, da er eben eine ganz neue Geschmacksrichtung darstellt.
Am Ende bleiben nur drei Fragen:
- Wird McDonald’s zukünftig auf Oktoberfesten mit einem McWiesn-Tresen präsent sein?
- Wird es auch noch einen großkalibrigen Burger mit Leberkäs und Sauerkraut geben?
- Und vor allem: Wann kann man dazu eine anständige Maß aus einem amtlichen Bierkrug ordern?
In diesem Sinne: An Guaden!
Auch @acabelt hat einen Testbericht über den Nürnburger verfaßt und @florianehrich schließt sich dem neuen Trend des Burger-Unboxings an.
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Mein Leben mit dem iPad
Sonntag, 4. Juli 2010
Seit nunmehr ca. zwei Wochen bin ich ja stolzer Besitzer meines STECKiPAD®. Und eigentlich wollte ich schon längst einen Erfahrungsbericht abgeben, aber aus unerfindlichen Gründen mußte ich mir erst meine erste Woche mit meinem iPhone von der Seele schreiben.
Wie ist also dieses neue Gadget in der Praxis? Nun, ganz allgemein möchte ich sagen: Klasse. Punkt. Es ist ein völlig neues Nutzungsgefühl, um nicht das Wort „Erweckungserlebnis“ zu strapazieren. Denn offengestanden bin ich davon überzeugt, daß ich — ohne die Sache überhöhen zu wollen — damit Teil einer historischen Zäsur werde, oder (um mich ganz locker und komplett unbescheiden mal selbst zu zitieren):
„Ich bin mir sicher: Heute hatte ich die Zukunft in der Hand!“
Der Blick für’s große Ganze
Nun ist die Idee eines Quasi-Screen-Only-Gerätes ja alles andere als neu. Sogenannte Tablet-PCs gab und gibt es in diversen Ausführungen. Nur waren diese bisher aller Miniaturisierung zum Trotz nach wie vor schwer, klobig — und eben richtige Computer mit allen Vor- aber auch allen Nachteilen. Das iPad ist daher ein klarer Einschnitt. Ähnlich konsequent wie 2007 das iPhone reduziert es bewußt die Komplexität seiner Geräteklasse (wenn man „Geräteklasse“ so weit dehnt, daß man es überhaupt zusammen mit Tablet-PCs in einer prinzipiell ähnlichen Kategorie sehen will). Es beschränkt auch bewußt User-Interface, Optionen und Konfigurationsmöglichkeiten. Und darüber hinaus beschränkt es auch noch (Stichworte Flash, Walled Garden für Apps) die Einsatzmöglichkeiten.
Aber genau weil es das tut, ist es genaugenommen eine Klasse für sich, gewissermaßen der Anfang eines neuen Zeitalters, der Aufbruch in die Ära des (wie ich es mal nennen möchte) Convenience Computers.
Anwendungslückenfüller
Das iPad schließt aus meiner Sicht die Lücke zwischen Anwendungsbereichen, wo ein Smartphone aufgrund seiner sehr beschränkten Maße zu klein oder frickelig und unbequem zu handhaben ist oder ein Notebook bzw. selbst ein Netbook aufgrund der Ausmaße zu groß und schwer ist, zu heiß wird bzw. eine (ggf. akustisch und thermisch störende) Belüftung erforderlich macht oder die Klappmechanik des Displays gefährdet bzw. im Weg ist.
Es ist aufgrund seiner Instant-On-Fähigkeit geradezu gemacht für das „mal eben schnell“-Nachschauen in Google/Wiki/IMDB & Co (kleine Anmerkung am Rande: Ich persönlich hätte das Gerät ja deshalb auch anders benannt, denn am Anfang nahm ich an, daß sein Haupteinsatzgebiet darin liegen würde, beim DVD-Schauen Infos zu Filmen und Schauspielern nachzuschlagen; daher wäre der Name iMDB sicher angemessener gewesen
).
Manko: Mangelnde Multiuserfähigkeit
Aus meiner Sicht ist Apple mit dem Konzept noch nicht weit genug gegangen. Denn der eigentliche Markt dieser Geräte könnte und sollte IMHO im Bereich des Familien-Internet-Zugangsgerätes liegen. Optimalerweise stelle ich mir das so vor, daß man im Haus zwischen Wohn- und Eßzimmer, Küche und Schlafzimmer zwei bis drei oder gern auch mehr iPads verstreut hat, auf die jedes Familienmitglied bei Bedarf schnell zugreifen kann. Das Gerät würde per Frontkamera (die das iPad derzeit leider nicht hat) erkennen, wer es gerade nutzt und entsprechend diesen User einloggen mit entsprechend individuellen Einstellungen und Mailkonten etc.; bedauerlicherweise ist genau dieser Einsatzbereich derzeit nicht möglich, weil das iPad nicht für Multiuserbetrieb sondern nur als persönlicher Begleiter ausgelegt ist. Dies ist aus meiner Sicht das größte Manko neben der Tatsache, auch keine normale Kamera und klassische Telefonfunktionalität an Bord ist.
Insofern hoffe ich im Interesse der technischen Emanzipation der Massen
auf ein baldiges Nachfolgemodell, welches diese Schwachstellen behebt. Dies könnte dann auch helfen, Gelegenheitsnutzer und Senioren mit einem bequemen und vor allem extrem leicht zu bedienenden Wohnzimmer-Allzeitzugriffsgerät auszustatten.
Meine Erfahrungen im Detail
Aber genug der abstrakten Worte. Ich persönlich habe das iPad nicht nur als IMDB-Browser gekauft, sondern vor allem als E-Reader zur gemütlichen Lektüre von (multimedialen) Ebooks, Epapers und Feeds/Websites verbunden mit der Möglichkeit, mal eben Kalender/Kontakte/Mails zu checken oder Geo-Apps wie Google Earth bzw. Lokalisierungsdienste zu nutzen (übrigens ist gerade auch mit Blick auf Augmented Reality die fehlende Kamera ein wirkliches Ärgernis).
Seitdem ich mein iPad habe, habe ich viel mehr Zeit lesenderweise auf der Terrasse verbracht (was mir leider einen recht üblen Sonnenbrand beschert hat; böses iPad…). Mein iPhone ist zwar für gelegentliche Lektüre geeignet, auf Dauer aber einfach zu klein. Mein Notebook ist zu wuchtig und wird zu heiß, als daß man es locker auf den Beinen ablegen würde; damit wäre man immer genötigt, aufrecht an einem Tisch zu sitzen — weshalb ich es selten „mal eben“ mit nach draußen genommen haben. Das Handling des iPad dagegen ist absolut klasse — ein völlig neues und schönes Nutzungsgefühl.
Die erste Inbetriebnahme lief vollkommen problemlos, die Apps wurden alle reibungslos synchronisiert (es mußte nur hie und da Zugangsdaten oder kleinere Einstellungen erneut vorgenommen werden). Die Maße hätten gern noch minimal größer ausfallen können (z.B. auf A4-Format), aber man will ja nicht meckern. Das Display jedenfalls ist gut (wenn auch nicht vergleichbar mit dem Retina-Display des iPhone), auch wenn mich verspiegelte Displays generell recht nerven (wobei ich zugeben muß, daß diese naturgemäß genialer aussehen als die matten Konkurrenten).
Sehr praktisch ist der Knopf für die Rotationssperre. Schade, daß diese Einstellung beim iPhone etwas unpraktischer ist (bzw. mit Geräten ohne iOS4 unmöglich). Allerdings fehlt mir doch der Stummschalt-Knopf ein wenig, zumal man eingelogt sein muß, um das Gerät leise zu stellen. Sprich: Wenn einem Nachts einfällt, daß man volle Lautstärke angeschaltet hatte und nicht von Erinnerungen geweckt werden will, muß man erst das Gerät einschalten und den Zahlencode zum Entsperren eingeben (also 5 laute Geräusche erzeugen, sofern man akustisches Tastenfeedback angestellt hat (was ich wiederum aus allgemeinen Ergonomiegründen habe)). Im Zweifel hat man damit andere Mitbewohner dann schon geweckt. Auch wenn das ein kleiner Punkt ist: Hier muß sollte mit einem Software-Update nachgebessert werden, daß man die Lautstärke auch uneingelogt ändern kann.
Apropos Update. Schade ist, daß das iPad noch unter Version 3.2 des OS läuft. Damit fehlen Multitasking und Ordner, die ich beide sehr vermisse. Interessant ist, daß es dennoch Funktionen (oder praktische Bugs?) hat, die es auf dem iPhone mit iOS4 nicht gibt. So kann man beispielsweise häufig benutzte Sonderzeichen und Umlaute auf der Tastatur schneller erreichen, indem man über dem Grundbuchstaben einfach mit dem Finger nach oben wischt. Eine echt praktische Sache.
Im Gegensatz zum iPhone scheint mir die Batterielaufzeit sehr gut zu sein. So konnte ich z. B. zwei komplette WM-Spiele von EyeTV auf meinem iMac mittels EyeTV-App am Pad anschauen und es war da nach noch mehr als genug Power über. Die Verwendung als Garten-Fernseher hatte ich vorher gar nicht im Auge gehabt, aber umso mehr bewährt hat sie sich… ![]()
Schade ist, daß immer noch nicht alle Apps mit dem Format klarkommen. So werden die offiziellen Twitter- und Facebook-Apps nur auf iPhone-Größe dargestellt. Alternativ kann man diese um Faktor 2 zoomen, aber das sieht furchterregend aus, weil die Vergrößerung extrem pixelig wird. Toll aber sind Epaper-Anwendungen. Den Spiegel lese ich nun wesentlich intensiver; auch Welt HD ist klasse gemacht, aber bei weitem noch übertroffen von Wired, welches für nur 2,99 € pro Ausgabe zu lesen ist.
Was mich etwas nervt ist, daß Safari nur neun geöffnete Tabs zuläßt und — schlimmer noch — bei weiteren Anforderungen neuer Tabs über „in neuem Fenster öffnen“ einfach mal sang- und klanglos ein bestehendes Tab überschreibt. Ebenfalls ärgerlich die Macke, Seiten beim Wechsel zwischen Tabs ohne Not zu reloaden, was mich vorhin (unter Beihilfe einer versagenden Autosave-Funktion in dieser Blogsoftware) einen längeren Text gekostet hat…
Insbesondere diese Macke verhindert effektive Recherche während man in einem Safari-Fenster tippt.
Zubehör
Spezielles iPad-Zubehör gibt es kaum. Ich habe mir bisher nur das offizielle Apple iPad-Case zugelegt, mit dem ich mich nicht so recht anfreunden kann. Es ist überteuert und funktionell nicht ausgereift, denn insb. steht es nicht gut hochkant; auch geht der iPad schwer rein und vor allem wieder raus. In Sachen Schutzhülle muß ich mich also noch mal umsehen.
Das Tastatur-Dock mag ich etwas lieber. Denn für längere Texte ermöglicht es eben eine effizientere Texteingabe. Und es kompensiert partiell die mangelnde Standstabilität des Case; allerdings läßt sich das iPad dort nur hochkant stellen, was für viele Anwendungen suboptimal ist und auch ästhetisch fragwürdig. Schlimmer allerdings ist, daß es scheinbar bisher nicht möglich ist, mit den Cursortasten durch Tabs oder Apps zu navigieren. Auch kann man den Cursor nicht nutzen, um vorgeschlagene Autocomplete-Einträge auszuwählen oder im Text einer App oder Website zu scrollen. Hier ist softwaretechnische Nachbesserung wichtig.
Fazit
Völlig unkritisch habe ich mich dem Gerät nicht hingegeben. Man merkt, daß es nunmal das Erste seiner Art ist und es kleinere Macken hat. Insgesamt ist also wie immer noch Luft nach oben. Aber: Die Nutzung fühlt sich toll an, ist glatt und bequem und erfüllt exakt meine Vorstellungen und Anforderungen. Daher bin ich äußerst zufrieden, die Kaufentscheidung getroffen zu haben und kann das iPad wärmstens weiterempfehlen.
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Was fehlt: Qualitativ ausdifferenziertes Soziales Meta-Netzwerk
Sonntag, 4. Juli 2010
Preludium
Als professioneller Prokrastinator bin ich durch jahreslanges Intensivtraining darauf spezialisiert, eine nicht unerhebliche Anzahl von Dingen (vornehmlich die, die sich nicht ganz so spontan umsetzen lassen) in Ermangelung von Resourcen wie Zeit, Muße, Lust, Motivation, Dringlichkeit usw. aufzuschieben — und ohne bösen Vorsatz dank optimal funktionierender Verdrängung schlicht zu vergessen. Man könnte ja argumentieren, daß die Sachen dann nicht wirklich wichtig waren, aber ich fürchte, daß das nicht zwingend so ist.
In Kenntnis dieses Phänomens habe ich irgendwann begonnen, mir Geistesblitze und Ideen jeder Art rein prophylaktisch in meinem privaten Wiki (nein, kein Link, es ist wie gesagt privat) zu notieren, um sie vor der gedanklichen Ausrottung zu bewahren. Dies allerdings führt dazu, daß zwar eine umfängliche Sammlung Unvollendeter Heurekismen (schöner Neologismus, oder?) aggregiert ist, dort aber unentdeckt sein Dasein fristet.
Diesen Umstand möchte ich zumindest beenden und eröffne daher hiermit offiziell die Rubrik „Was fehlt…“, in der ich gelegentlich Gedanken präsentieren werde, von denen ich meine, daß deren Realisierung Lücken füllen oder zumindest bestehende Verbessern helfen würde. Vielleicht kann ich auf diesem Wege einigen Ideen mittelbar zur Umsetzung verhelfen, sofern jemand sich davon inspiriert fühlt, entsprechendes anzugehen. Und mit ganz viel Glück wird das ein- oder andere Projekt ja ein Erfolg und der Schöpfer klickt wohltätig auf den Spendenbutton, um meinen kleinen Anteil daran zu würdigen
(man wird ja wohl noch träumen dürfen)
Nun denn, nach diesem Vorgeplänkel kommt hier mein erster Gedanke. Es mag sein, daß er bereits in den Untiefen des Netzes umgesetzt ist, aber dann jedenfalls hat dies den Weg zu mir nicht gefunden.
Zur Sache, Stecki
Was fehlt, ist ein qualitativ ausdifferenziertes Soziales Meta-Netzwerk. Das Netzwerk soll folgende Eigenschaften haben:
- Es soll bestehende (Soziale) Netzwerke wie Twitter, Facebook, Xing & Co. verbinden, indem man seine Profile dort hinzufügt, es per API der einzelnen Services Verbindungen zu anderen Personen herausfindet bzw. über öffentlich verfügbare Social-Graphs abbildet (siehe meinen Social-Graph via Google Social Graph API).
- Es soll diese Verknüpfungen normalisieren und vervollständigen, also — soweit anhand der Daten möglich — die verschiedenen Profile derselben Person vernüpfen und herausfinden, auf welchen Services ich noch nicht mit Personen verbunden bin, mit denen ich auf anderen Sites bereits Kontakte habe.
- Vor allem aber soll es die Möglichkeit haben, die Verbindungen zu einzelnen Resourcen auszudifferenzieren. Denn derzeit kennen die meisten Services nur sehr elementare Möglichkeiten der Strukturierung. Follow-Status bei Twitter ist entweder uni- oder bidriektional; die Listenfunktionalität ermöglicht elementare Einteilung. Bei Facebook ist man befreundet oder ist es nicht; man kann dort aber immerhin Gruppen definieren. Bei Xing gibt es ebenfalls nur echte oder gemerkte Kontakte. LinkedIn und Plaxo erlauben leichte Ausdifferenzierung im wesentlichen nach beruflich/privat. StayFriends ist da noch etwas feiner differenziert. Letztlich aber bleiben alle diese Services hinter den Möglichkeiten und IMHO auch Anforderungen zurück.
Meines Erachtens sollte es möglich sein, den Typ der Verbindung sowohl mit genormten (RDF, FOAF) als auch freiem Vokabular gewissermaßen qualitativ zu beschreiben und semantisch anzureichern, sowie die Intensität der Verbindung zu quantifizieren.
Ich möchte also qualifizieren können, ob jemand beispielsweise Bekannter, Freund, Nachbar, Kollege, Vereinskumpan und/oder Parteifreund ist. Ich möchte klassifizieren können, ob ich jemanden aus persönlichem Face2Face-Kontakt kenne usw., vor allem aber auch, wie nah diese Person mir steht. Hierzu wäre es hilfreich, wenn die Verbindung also nicht nur als Tag, sondern gewissermaßen als Vektor, sprich verbunden mit einem Intensitätswert gespeichert würde. Dieser Wert könnte ja sogar beispielsweise anhand des Kommunikationsverhaltens abgeschätzt (und voll- oder halbautomatisch dauerhaft nachjustiert/aktualisiert) oder/und manuell festgelegt werden. Mailt oder telefoniert man häufig? Enger Kontakt. Retweeted man jemanden oft? Inspirierende Informationsquelle. Ist man oft zur gleichen Zeit am selben Ort? Wenn der Ort eine Firma ist: Kollege. Wenn der Ort ein Privathaus ist: Nachbar oder Mitbewohner. Uswusf. - Man könnte dann als Nutzer spannende Selektionen und Verteiler kreieren (z. B. alle Freunde, die im 30 km Radius leben und die man länger nicht gesehen hat ). Und man könnte diese Dinge à la The Brain visualisieren, gruppieren und ganz neue Zusammenhänge entdecken, je nachdem, welche Daten der Personen sichtbar sein (z.B. über Freunde von Freunden alte Bekannte wiederfinden oder anhand von Inhalten getwitterter oder in delicious gebookmarkter Links sehen, wer sich gerade mit ähnlichen Themen/Gedanken beschäftigt. Auch Automatismen wie z.B. die Push-Meldung auf dem Telefon, wenn jemand sich in der Nähe aufhält könnte auf dem Wege intelligenter werden…viele Szenarien sind hier denkbar, je nachdem welche, wie viele und wie aktuelle Daten verfügbar sind bzw. gemacht werden.
- Der Service soll Open-Source und dezentral/self-hosted sein, so daß ich die Software auf meinem eigenen Server betreiben kann, statt die Daten der Cloud anzuvertrauen. Aber er soll sich ebeb auch mit anderen Nodes im Rahmen individueller Freigabe und Sichtbarkeit von Daten austauschen können.
Letztlich geht es mir nicht nur um eine bessere Abbildung der Realität; dies wäre auch viel zu technokratisch. Aber ich vermisse einfache, handhabbare Software, um diese Art von Aggregation, Normalisierung und Datenselektion vornehmen zu können. Gewissermaßen ein privates Google, das mir das Wissen, das in meinen Verbindungen steckt, besser zugänglich und nutzbar macht.
Wie findet ihr diese zugegeben nicht vollständig ausgereiften und möglicherweise auch nicht zuendegedachten Gedankenansätze? Sind sie unrealisierbar? Oder sind Google & Facebook faktisch eh schon so weit, nur daß wir als Endnutzer nicht viel davon haben? Wäre es datenschutztechnisch zu problematisch? Oder faktisch zu kompliziert und unbenutzbar? Oder gibt es das alles doch schon und ich habe es nur nicht gefunden oder nutze es falsch? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!
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Laßt uns über die wirklichen Probleme reden…
Freitag, 2. Juli 2010
Bereits in meinem Beitrag „Lächerliche Lex Google: OpenLiveStreetView3D wird kommen“ zeichnete ich ein Szenario auf, wie in nicht all zu ferner Zukunft durch massives Crowdsourcing die Möglichkeit bestehen könnte, ein schwarmbasiertes, georeferenziertes, dreidimensionales Live-Bild der Welt zu erstellen — und dies mit allen Konsequenzen. Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird das, was wir heute Smartphone nennen, zukünftig zu einem wirklichen digitalen Assistenten und Begleiter; echtes Lifestreaming (ja: mit f) wird möglich.
Bislang war das gelegentliche Einloggen bei Foursquare, Brightkite, Latitude, Gowalle & Co das höchste der Gefühle. Schon jetzt wird klar, daß permanentes GPS-Loggen der nächste Trend wird. Und man darf davon ausgehen, daß die uns ständig begleitenden Mobiltelefone sukzessiv immer mehr Umgebungsdaten loggen und auch manuell oder (halb-)automatisch in entsprechende Dienste hochladen können. Noch wird das beispielsweise nur für sog. HD-Traffic etc. genutzt, aber warum sollten eben nicht auch meteorologische Daten zu einem immer engmaschigeren Sensor-Netz geknüpft werden?
Und als nächster Schritt werden Geeks anfangen, eben nicht mehr nur gelegentlich ihre Position oder Fotos/Videos zu posten, sondern per default ihre Umgebungsdaten — und diese beinhalten dann eben auch Live-Video mit Ton — ins Netz schieben und dort auch archivieren. Schon jetzt sind die technischen Möglichkeiten zur Indizierung dieser Daten gegeben. Gesichts-,Bild- und Spracherkennung mögen zwar noch hie und da unperfekt sein, sind aber auf jeden Fall bereits erschreckend leistungsfähig.
Während deutsche Datenschützer und Politiker sich im Kampfgetümmel von Nachhutgefechten befinden und damit beschäftigt sind, Dinge in den Griff kriegen zu wollen, die teils seit vielen Jahren breit im Markt etabliert sind, steht eine rechtzeitige, die technische Entwicklung begleitende Diskussion von Datenschutz im kommenden Zeitalter durch jedermann jederzeit vollumfänglich einspeis-, archivier- und durchsuchbarer ubiquitärer Live-Daten noch aus — jedenfalls kann ich bei den gesellschaftspolitischen Akteuren außerhalb der Geek-Szene eine solche nicht feststellen.
Insofern mein Appell: Laßt uns endlich über die wirklichen Probleme und Herausforderungen für einen modernen Datenschutz diskutieren. Welche Werte und Normen müssen wir rechtlich bzw. gesellschaftlich etablieren, um in Zukunft wichtige Grundrechte zu gewährleisten, damit man sich und seine Handlungen nicht selbst zensiert. Wie schon David C. Thompson in “The Future of Privacy: Facial Recognition, Public Facts, and 300 Million Little Brothers” deutlich macht: Es kommt nicht das Zeitalter des Big Brothers, sondern das der unzähligen Little Brothers.
Ich bin gespannt auf eure Kommentare, Denkanstöße und gern auch weiterführende Informationen.
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Eine Woche iPhone 4 — ein kleiner Erfahrungsbericht
Donnerstag, 1. Juli 2010
Wie ich zu meinem Glück kam, weiß ich immer noch nicht: Vor nicht ganz einer Woche (am Donnerstag, den 24. Juni) hatte ich gleich morgens früh über die T-Mobile-Hotline ein iPhone 4 bestellt. Noch am selben Abend erhielt ich zu meiner großen Verwunderung eine SMS von DHL, daß die Telekom ein Paket an mich versandt habe. Und absolut unerwartet hielt ich das gute Gerät dann doch glatt am nächsten Tag — keine 30 Stunden nach Bestellung — in den Händen.
Nach dem Öffnen der schicken Verpackung (nur halb so groß wie beim Vorgängermodell) war ich gleich angetan vom neuen Spielzeug. Denn es ist etwas schwerer als das 3 GS und liegt damit (subjektiv) besser in der Hand. Zwar fand ich schon den Vorgänger seiner herrlichen Rundungen wegen stilistisch außerordentlich gelungen. Aber das neue Design mit dem Metallband und beidseitig glatter Glasoberfläche sieht IMHO wesentlich hochwertiger aus, eben nicht so plastikmäßig.
Das Inbetriebnehmen erwies sich leider als recht problematisch, aber nicht wg. Apple, sondern wegen der Telekom. Denn die Dame an der Telekom-Hotline wollte mir partout nicht glauben, daß ich das Gerät bereits habe und mir daher die legal und mit allen Authorisationsdaten vorliegende Mikro-SIM nicht freischalten (und hat sich daraufhin absolut unerhört benommen und nach einigem Pöbeln einfach aufgelegt. Ohne Worte). Naja, 25 weitere Minuten und mehrere Gesprächspartner später gelangte ich schlussendlich an eine gleichsam freundliche wie auch kompetente und bemühte Mitarbeiterin, die sich höflich für meine etwas abstruse Erfahrung entschuldigte und die Karte unverzüglich aktivierte, so daß der vollumfänglichen Verwendung des neuen Gadgets nichts mehr im Wege stand.
Die Umstellung vom alten 3GS auf das 4er-Modell erwies sich als unerwartet unkompliziert. Daten gesichert, neues Telefon an iTunes ran, aktualisiert und Einstellungen und Apps wurden übernommen. Lediglich mußte ich bei ein paar Apps Zugangsdaten neu eingeben etc., aber der Aufwand war minimal.
Was als allererstes sofort ins Auge fällt beim neuen iPhone 4 ist das sog. Retina-Display. Es ist wirklich extrem scharf, man sieht aus normaler Distanz absolut keine Pixel mehr (außer bei App-Icons, die noch nicht für diese Auflösung erstellt wurden). Das macht vor allem Websites und andere Anwendungen mit relativ zum Display kleinen Schriften plötzlich sehr gut les- und bedienbar. Allein das wäre meines Erachtens ein Grund, auf das neue Phone zu wechseln.
Das nächste klare Pro ist die Kamera. Nicht nur reagiert und knipst sie deutlich schneller (was m. W. eine Optimierung im Rahmen des Updates von iPhone OS 3 auf iOS4 ist), sondern Auflösung und Bildqualität sind wesentlich besser und erstmals wirklich als (für eine Handycam) brauchbar zu bezeichnen. Auch bei leichter Dämmerung gelingen Bilder (und Filme) noch erstaunlich gut. Ansonsten gibt es jetzt ja einen Blitz, der weiterhilft — auch wenn ich bisher hiermit nur mittelprächtige Erfahrungen gemacht habe, weil die Farben recht verfälscht waren. Scheinbar aber gibt es noch ein kleines (vielleicht multitaskingbedingtes) Problem, welches sich bei mir mehrfach gezeigt hat: Ruft man Fotos auf, finden sich frisch geknipste Fotos nicht im Album. Erst wenn man aus der Kamera-App unten links auf die Aufnahmen klickt, werden diese im Album aktualisiert. Das ist verwirrend und sehr unpraktisch, wird aber hoffentlich gefixt.
Apropos Multitasking: Da bisher fast keine Anwendung so richtig dafür optimiert/ausgelegt ist, kann ich hier noch keine Erfahrungen berichten.
Eine andere Sache macht mir aber ernsthaft Sorgen: Rein subjektiv (leider keine belastbare Empirie vorhanden) scheint mir der Akku noch schneller leergelutscht zu sein. Woran dies genau liegt, kann ich nur mutmaßen. Möglicherweise eine Mischung aus besserem Display, Multitasking und vielleicht auch begeisterter Mehrnutzung meinerseits… ![]()
Zu den sich häufenden Berichten über antennenkonzeptionsbedingte Empfangsprobleme kann ich bisher nichts sagen mangels hinreichender statistischer Basis. Ich jedenfalls hatte bislang keine Probleme beim Telefonieren oder Surfen. Auch kann ich auf meinem Display keine Verfärbungen feststellen. Vielleicht bin ich auch einfach nur nicht anspruchsvoll genug… ![]()
Ein wenig ärgere ich mich, daß ich mir im Bestell-Rausch bei Apple auch einen Bumper zum Schutz des iPhones bestellt habe. Irgendwie war mir nicht klar, daß es wirklich nur ein kleines Gummibändchen für den Rand ist (ich hatte gedacht, daß es auch die Rückseite abdeckt; nächstes Mal schaue ich mir Zubehör genauer an; denn 29 Euronen für das Busserl Gummi sind offengestanden frech).
Insofern muß ich auch dringend noch eine für iPhone 4 geeignete Tasche/Hülle finden, denn ich habe schon Schiß um Glasfront- und Rückseite. Meine bisherige Ledertasche paßt zwar vom Format an sich, aber die Kamera wird dadurch abgeschattet. Aber man kann vermutlich nicht alles haben: Ein erstklassig designtes, stilisches Gerät, daß gleichzeitig obertaff ist.
Summa summarum halte ich fest: Ich gebe mein iPhone 4 nicht wieder her (jedenfalls nicht, bis es dafür einen würdigen Nachfolger gibt). Und ich freue mich auf eure Erfahrungen!
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