Disclaimer: Nein, ich bin kein eitler, selbstverliebter Narziß — ich war nur so verblüfft von den folgenden Zahlen, daß ich mich dazu entschlossen habe, kurz dazu zu bloggen…

Am gestrigen Tag hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, schon wieder ein Jahr zu altern. Das Schlimme daran ist ja, daß nicht nur subjektiv die Frequenz der Geburtstage steigt bzw. die Zeit immer schneller vergeht, sondern man sich (bzw. jedenfalls ich mich) erschwerend dazu noch überproportional und beschleunigend älter fühle. Whatever :-)

Nun aber erstmal ein Dank, so viel Zeit muß sein:

Nach einem schönen Tag sage ich: WOW! Ich bin ganz gerührt über die vielen, vielen lieben Glückwünsche. Nochmal einen herzlichen Dank an alle, die an mich gedacht haben!

Worauf ich aber eigentlich nach all den Worten hinaus will, ist das: Schon kurz nach 0 Uhr stellte ich fest, daß sich auf meiner Facebook-Pinnwand schon recht viele Glückwünsche sammelten, während sich dies bei Twitter in engen Grenzen hielt. Nun könnte man ja zu der These gelangen, daß sich zum einen die Kontaktstrukturen zwischen Twitter und Facebook unterscheiden (unidirektionale Follower vs. bidirektionale Friends mit entsprechender Neigung zu weak ties bei Twitter und strong ties bei Facebook) und zum anderen bei Facebook deutlich angezeigt wird (sofern vom Geburtstagskind freigeschaltet), welche seiner Freunde gerade Geburtstag haben.

Allerdings ist meine subjektive Erfahrung aus den vorhergehenden Jahren eine vollkommen andere gewesen. Da war zwar Facebook durchaus auch nicht schwach im Feedback, aber bei Twitter ging die Post ab. Schade, daß ich das heute mangels sauberer Datenerfassung nicht belastbar empirisch nachweisen kann. Seid also einfach so nett und vertraut mir (ich weiß: Ich verlange viel!).

Der für mich überraschende Punkt ist: Das Interaktionsverhalten hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr dermaßen geändert, daß über Facebook fast drei Mal so viele Glückwünsche eingegangen sind wie über alle anderen Wege zusammen!

Über Twitter und Email sind nicht einmal jeweils 10% davon eingegangen, der Rest zusammen macht keine 15% aus. Interessant auch, daß die Quote (sofern aufgrund quantifizierbarer Kontaktzahl ermittelbar) innerhalb der einzelnen Services nirgends auch nur ansatzweise an die von Facebook reicht. Von den ca. 700 Kontakten haben sich fast 27% gemeldet.

Schaut euch die Zahlen einfach mal an (am liebsten hätte ich das natürlich in einem mehrere Jahre umfassenden Motion Chart dargestellt, allein mir fehlen wie gesagt hinreichend präzise Daten):

Ich kann nur sagen: WOW!

Das scheint das Gefühl zu bestätigen, daß das soziale Leben jedenfalls meines Umfeldes sich sehr stark zu Facebook verlagert hat. StudiVZ und Xing finden faktisch in dieser Hinsicht nicht mehr statt. Und auch Twitter wird — ich hielt das letztens schon in einem Tweet fest — immer mehr zum Schalltoten Raum mit vergleichsweise wenig Resonanz:

Für mich ist Twitter zunehmend schalltoter Raum statt Echo-Chamber…sukzessive Twitteratiwanderung gen Facebook… :-(

Und das finde ich eigentlich recht schade. Denn auch wenn Facebook das bessere User Interface hat, so ist die Plattform zum einen technisch nicht so offen wie Twitter und zum anderen bedingt das bidirektionale Freundschaftsprinzip latent ein Kochen im eigenen Saft. Es fehlt erheblich an Serendipität, an der Möglichkeit, spontan neue Gedanken durch neue Leute kennenzulernen und denen einfach mal unverbindlich draufloszufolgen. Mein nicht komplett scherzhaft gemeinter Aufruf daher:

Facebook Users of All Countries, Unite! Save Serendipity — turn to http://twitter.com

Wie sind eure Erfahrungen?


Ergänzung (02.04.2011):

Soeben hat @Johan ein ebenfalls statistisches (man muß wohl sagen Pseudo-)Geburtstagsexperiment beendet und darüber eine garstige Geburtstagsgeschichte geblogt. Schöner Neologismus im Zusammenhang mit seiner Auswertung ist der Gratulationskoeffizient :-)

Insofern bin ich (siehe dazu auch meinen Kommentar weiter unten sehr beruhigt, nicht der einzige zu sein, der neugierig mit solchen Daten herumexperimentiert…

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