Der CDU ist nicht zu helfen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Die CDU-Schleswig-Holstein hat heute ihren Online-Auftritt erneuert (neogermanisch: gerelauncht): www.cdu-sh.de

Um es als tl;dr vorwegzunehmen: Leider bleibt das Thema Union und das Netz ein Trauerspiel.

Der Form halber aber wiederhole ich zunächst im Rahmen von full-disclosure meine Disclaimer aus dem vorstehenden Blog-Beitrag:

[Disclaimer: Ich bin Mitglied der CDU-Schleswig-Holstein und versuche manchmal Tipps zu geben, was man besser machen könnte. Nicht alles davon wird umgesetzt, aber manches wurde schon umgesetzt, weshalb die CDU-SH.de vielleicht nicht so schlecht abschneidet, wie sie es vor ein paar Monaten getan hätte…]

[Disclaimer2: Auch diese Seite hat noch viel Potenzial in vieler Hinsicht. Aber: Es handelt sich um eine private Seite eines Ehrenamtlichen im Vorruhestand und nicht um eine Seite einer großen Volkspartei…]

Und ich möchte auch nicht alle Punkte aus dem vorigen Artikel wiederholen, daher hier nur eine kurze Site-Analyse (vielen Dank an die Hinweise, die dazu auf facebook und Google+ zusammengekommen sind; ich hoffe, es geht ok, wenn ich das alles hier einmal aufliste ohne einzelne Credits). Die meisten hier aufgelisteten Punkte wurden über viele Monate mehrfach den Zuständigen bei der CDU-SH und ihrer sicherlich nicht unterbezahlten Agentur gemeldet, teils intensiv und mehrfach besprochen:

  • Keine OpenGraph-Tags implementiert. Egal wie man zu Sozialen Netzwerken steht: Das ist heutzutage schon ein echter Killer, der (virale) Verbreitungsmöglichkeiten deutlich dämpft und auch die Wirkung in Timelines unterminiert. Ob man additiv noch Facebook-Like-/Twitter-/Plus-One-Plugins implementiert (und wenn ja wie (z.B. mit heise-2-click)), sei dahingestellt. Man kann (wie auch ich hier im Blog) durchaus zu der Ansicht gelangen, daß man dieses bis zu einer endgültigen rechtlichen Klärung unterläßt. So oder so: og:title, og:image usw. sind zwingend zu implementieren.
  • Die URL-Struktur der Site ist nach wie vor desaströs. Pfade sind irre lang, weil da beispielsweise obsolete Dinge wie “CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein/Seiten” drin stehen. Das kann man ohne negative Konsequenzen löschen. Gerade aber wenn man den Pfad so lang läßt, wäre ein <link rel=“shorturl”> mit eigenem Shortener cdu.sh nicht ganz unclever.
  • Falls der Pfadbestandteil “CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein” aus SEO-Gründen beibehalten wurde, wäre es m. E. auch aus Branding-Gründen wesentlich zielführender, von cdu-sh.de auf cdu-schleswig-holstein.de zu redirecten.
  • Peinliche Keywords. Ganz ehrlich, wie kann man eine Site mit <meta name=“keywords” content=“cms, publish, e-commerce, content management, development framework”> freischalten
    [Nachtrag] Jetzt sind plötzlich zwei Zeilen mit Keywords drin :-D
    <meta name=“keywords” content=“cms, publish, e-commerce, content management, development framework”>
    <meta name=“keywords” content=“CDU, Schleswig-Holstein, Partei, Fraktion, Wahlen”>
  • Ein Fehler, der „nur“ Performance-Nachteile hat: Die ganzen JavaScripts werden alle am Anfang geladen statt am soweit möglich am Ende.
  • Man fragt sich auch, warum niemand merkt, daß die weiße Schrift auf hellgrauem Grund im Footer fast unlesbar ist.
  • Apropos nicht merken: Ich habe erst nach einem entsprechenden Hinweis auf Twitter die Subnavigation entdeckt. Vielleicht sollte da noch mal jemand aus UX-Perspektive draufschauen.
  • Lustig sind die auskommentierten Lorem Ipsums im Quelltext. Oder die ca. 150 Leerzeilen da drin :-)
  • Weniger cool ist, daß der Link auf den Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten www.jostdejager.de zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrages immer noch unkonnektiert ist.
  • Zu einer richtigen Fehlerseite hat es leider auch nicht gereicht, da kommt dann: “Modul nicht gefunden. Das angeforderte Modul CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein konnte nicht gefunden werden.”
  • Dinge wie <meta http-equiv=“Content-Type” content=“text/html” /><meta name=“Content-Type” content=“text/html; charset=utf-8”> sind auch ein bisserl, ähm, merkwürdig.
  • Niedlich auch: <!-- Google SEO --><meta name=“google-site-verification” content=“” /><meta name=“robots” content=“index,follow” /><meta name=“verify-v1” content=“” />
  • Und ob eine öffentlich erreichbare Seite mit Versionsnummern aller Plugins ganz glücklich ist, dürfte fraglich sein (insb. wenn diese dann nicht alle aktuell sind).
  • Schön auch: http://www.cdu-sh.de/CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein/Seiten/Homepage = http://www.cdu-sh.de :-) (wobei canonical fast richtig, wenn auch unschön (weil auf die lange URL zeigen wollend (denn da ist eine relative URL drin!)) implementiert ist)
  • [Nachtrag] Ob und welche RSS-/Atom-Feeds implementiert sind, weiß ich nicht (habe noch nicht systematisch geprüft), aber Autodetect selbiger (absolut standard eigentlich) wird jedenfalls nicht unterstützt.
  • [Nachtrag] Äußerst schade auch (insb. aus SEO-Sicht), daß der Quelltext zwar HTML5 ist, aber die semantischen Möglichkeiten (section, article, header, footer, aside usw.) nicht nutzt.
  • [Nachtrag] Es sind viele Kleinigkeiten drin, aus denen man sehen kann, daß mit der heißen Nadel gestrickt wurde und man sich den Quellcode offenbar nicht wirklich angeschaut hat. Man könnte daher zum Urteil kommen: Hier wurde schlicht schlampig gearbeitet. So wird im Abstand von wenigen Zeilen zweimal das favicon definiert (<link rel=“Shortcut icon” href=“/design/CDU1/images/favicon.ico” type=“image/x-icon”>. Ein Copyright-Vermerk (mal vom Sinn eines solchen in D ganz abgesehen) <link rel=“Copyright” href=“/ezinfo/copyright”> verlinkt auf den Copyright-Text des eingesetzten CMS, der dann auch noch falsch escaped ist (\“). Auf der Suchseite erscheint dann u.a. ”/templates/content/search.tpl".
  • [Nachtrag] Und: Wer ist eigentlich Invitusfinanz und warum bindet das Onlineanmeldeformular einfach so https://www.invitusfinanz.de/cduonlineanmeldung/ ein und inwieweit korrespondiert das mit Angaben im Impressum (“Die Daten werden ausschließlich von der CDU Schleswig-Holstein, ihren Gliederungen, Vereinigungen und Sonderorganisationen genutzt und nicht an Dritte übermittelt.”)?
  • Immerhin scheint der abgebildete Leuchtturm wohl aus Schleswig-Holstein zu sein. Glück gehabt. Hoffentlich hat man neben Glück auch die Lizenz ;-)

(Screenshots reiche ich vielleicht nach, aus Zeitgründen habe ich das eben nur so runtergetippt; ggf. ergänze ich auch noch Punkte; ich habe mich auch auf formelle/handwerkliche Aspekte beschränkt, da ich davon ausgehe, daß sich inhaltlich noch im Rahmen des Wahlkampfes einiges tun wird)

Fazit

Es ist ganz schön traurig, was mein Landesverband und die Agentur hier handwerklich abgeliefert haben. Es bestätigt mich aber darin, keine weitere Zeit und Energie in Beratungen desselben zu investieren (ich habe sogar nicht unerhebliche Fahrtkosten für ehrenamtliche und zeitaufwendige Beratungsleistungen gehabt und erwäge nun, diese einzufordern). Schade.


Nachtrag 26.10.2011 11:50: Derzeit wird scheinbar fleißig an der Site gearbeitet. So wurde der (immer noch nicht funktionierende Link) auf jostdejager.de an eine andere (noch prominentere Stelle) verschoben; bis vorhin war er rechts unten am Footer, also der letzte, nun ist er links oben im Footer. Und an den Footer-Farben wurde auch gearbeitet. Auch eine bis vorhin nicht funktionierende Druckfunktion scheint nun zu funzen. Eigentlich mache ich es den Verantwortlichen und der Agentur mit diesem Blog-Beitrag viel zu leicht, die ganzen Fehler, die VOR einem Start hätten gefunden werden müssen (bzw. die bei hinreichender Kompetenz gar nicht erst hätten entstehen dürfen) nun schnell zu beheben. Vielleicht bekomme ich für meine Arbeit ja dann eine Aufwandsentschädigung :-P

Nachtrag 26.10.2011 12:00: Hm. Der Leuchtturm ist nun weg. Ob randomisiertes Hintergrundbild oder Rechte tatsächlich nicht vorhanden? Keine Ahnung, schaun mer mal.

Nachtrag 26.10.2011 12:30: Nun wurde aus dem nicht funktionierenden Link http://www.jostdejager.de/ der funktionierende Link http://jostdejager.cdu-sh.de/.

Nachtrag 26.10.2011 14:15: Johan von Hülsen hat sich eben auch seinen Frust von der Seele geblogt: CDU-SH.de – Relaunch: Eine Schaffhausen–Katastrophe die mich schafft. Besonders sehenswert bei ihm auch der Video-Ladezeitvergleich mit politischen Mitbewerbern.

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Dramatically delayed Deutscher Datenschutz

Dienstag, 25. Oktober 2011

Ob Social-Media-Plugins nun gut oder böse sind, mag jeder für sich selbst beantworten. Aber Henning Tillmann zeigt einmal mit einer simplen Beispielgrafik auf, daß die zugrundeliegende Problematik viel älter und fundamentaler ist. Deutscher Datenschutz aus dem Großrechnerzeitalter paßt jedenfalls nicht in dieses Jahrtausend. Und vielleicht spricht sich das auch bei den Entscheidern früher oder später mal rum…

PrivacyImg - Ein interaktives Beispiel. Konfiguration ueber http://tilli.me/privacyimg

Erläuterungen und weitere Infos zu obiger Grafik und dem durch sie ausgelösten Tracking findest Du auf: Der Facebook-Like-Button oder: das Datenschutzproblem seit 20 Jahren (PrivacyImg)


P.S.: Drüben bei @orte_im_norden gibt es auch einen schönen Artikel zu dem Thema unter dem bezeichnenden Titel Amish People des globalen Dorfes.

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