Sobooks, kurz angetestet

Sonntag, 12. Oktober 2014

Sobooks [sollte gerade schön eine Wikipedia-Definition hier präsentieren, stelle aber fest, daß es dazu noch gar keinen Eintrag dort gibt], die auf der Frankfurter Buchmesse gestartete Social-Book-Lese-Kommentierplattform von Sascha Lobo und Christoph Kappes ist von der Grundidee genau das (oder jedenfalls so ziemlich), was ich mir wünsche. Nofrillsmäßige Ebook-Basis mit sozialen Kommentier-/Diskutierfunkionen, unabhängig von konkreter Reader-Hardware oder fieser DRM-Kacke (ich bitte, den Vulgarismus zu verzeihen).

Schade aber, daß nach langer Beta-Phase von einem Jahr doch noch sehr viele Bugs und vor allem Usability-Probleme vorhanden sind, die es offengestanden nicht ganz leicht machen, damit so richtig warm zu werden. Über folgende Dinge bin ich gestolpert (vielleicht waren das Ausnahmefälle oder möglicherweise sind davon Sachen schon gefixt oder gerade in Behebung, dennoch liste ich sie hier einmal auf):

  • "gelegentliche"Zeichenencodierungsprobleme
  • Keine klickbaren Links in Kommentaren
  • Damit auch keine Verlinkung auf andere Seiten (eigentlich müßte man Markierungen als Linkziel angeben/auswählen können)
  • (zumindest) auf Chrome@iPad kann man nicht mal den Text aus den Kommentaren kopieren, um nicht klickbare Links aufzurufen oder etwas zu recherchieren
  • Fußnotenhandling? Man klickt z.B. im Buch von Michael Seemann auf Fußnote 13 auf Seite 30, die URL ändert sich zu https://sobooks.de/book/das-neue-spiel/30#so_footnotes.html_footnote_3-13 aber sonst passiert nichts :-( — GERADE bei Fußnoten könnte ja eigentlich der Vorteil zum gedruckten Buch Gold wert sein)
  • Sehr ph-ant-asi-evoll-e Silbentrennung
  • Der Seitenindikator unten verschwindet regelmäßig auf unerklärliche Weise; Reload der Seite hilft
  • Apropos Reload: Nach Reload einer Seite sind Kommentare ausgeblendet, egal was deren voriger Status war

Am meisten hadere ich damit, daß das „Markieren“ (das wohl zum Merken von Passagen dienen soll?) unintuitiv ist: Warum muß es unbedingt die rechte Maustaste sein? Und warum wird der aktuelle Satz markiert (was ist, wenn ich nur ein, zwei Wörter, einen Halbsatz oder aber mehrere Sätze markieren möchte?)? Vor allem gelingt es mir kaum, unfallfrei Sachen auszuwählen; meist löse ich die Umblätter-Funktion aus; manchmal blieb diese stecken, so daß ich zwei halbe Seiten sah (das mag auf einem Touch-Only-Gerät besser funktionieren, aber ich hoffte eigentlich, daß man auch/gerade am Desktop-Browser effizient damit arbeiten können sollte).

Warum kann man dann nicht wie gewohnt mit linker Maustaste von Anfang bis Ende markieren und z.B. mit Doppelklick ganzen Satz, mit Dreifachklick ganzen Absatz?

Zumal durch Deaktivierung des Browser-Kontext-Menüs (das normalerweise auf die rechte Maustaste reagiert) auch keine Funktionen (Copy, Search etc.) auf ausgewähltem Text ausgeführt werden können.

Auch einiges anderes erschließt sich nicht von selbst (ein z.B. auch wie üblich mit ?-Taste aufzurufendes Hilfs-Overlay wäre praktisch).

Und überhaupt: Wo finde ich eine Liste meiner Markierungen und Kommentare, wie kann ich diese editieren/löschen?

(Wo) werde ich wie über neue Kommentare benachrichtigt? Gibt es dafür RSS-Feeds (auch für neue Bücher?)?

Schön wäre es, wenn ich entscheiden könnte, ob ich ungestört lesen oder im Text Kommentarmarkierungen sehen möchte (derzeit muß man einen Kommentar auswählen, um zu sehen, auf welche Textstelle er sich bezieht). Man könnte solche als Balken am Rand oder dezentes Highlight anbieten. Unabhängig davon wäre es natürlich praktisch, wenn die Kommentare an der jeweiligen Zeile „kleben“, also auf derselben Höhe.

Zum Thema Kommentare: Eine Filtermöglichkeit der Kommentarsichtbarkeit (0. Grad=nur eigene, 1. Grad=nur Freunde, 2. Grad=Freunde von Freunden, ∞ = alle) könnte gut sein, mindestens aber entsprechende Visualisierung.

Auch die Breite der Leseansicht würde ich gern selbst konfigurieren (insb. da diese bei eingeblendeten Kommentaren sehr schmal ist).

Ein grundsätzliches Problem bleibt — insb. für mich als jemand, der zugegebenermaßen mehr passiv liest und nicht viele Kommentare abzugeben hat: Ich habe elementare Hemmungen, mich auf eine Digital-Only Medienstrategie einzustellen. Das hat etwas mit der Verfügbarkeit und Kontrolle zu tun. Ich möchte nicht von Netzzugang, Lizenzen abhängig sein oder nach Insolvenz eines Anbieters mit leeren Händen dastehen. Lieber habe ich Bücher, Filme und Musik in der eigenen Kontrollsphäre, also im Haus (ob physisch oder elektronisch). Und da ich ungern Totholzbuch UND Elektronenausgabe zum jeweils vollen Preis — also gewissermaßen doppelt — kaufen kann und will, fehlen mir insg. am Buchmarkt sinnvolle Bundling- bzw. E-Upgrade-Angebote (bei O’Reilly kann man beispielsweise eingeben, welche Bücher man besitzt und bekommt sehr faire Upgrade-Konditionen für die Ebooks (die dann auch noch automatisch in die Dropbox wandern, wenn man das möchte).

Auch der Aspekt Data Liberation ist mir wichtig: Kann ich Markierungen (also markierter Text und Seitenzahl) und Kommentare simpel in bulk exportieren/sichern?

Ich werde Sobooks schon aus grundlegendem Wohlwollen solchen Ideen und den Initiatoren gegenüber ;-) gern weiter nutzen in der Hoffnung auf Optimierungen. Viel Erfolg, Sobooks!

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