Was fehlt: Qualitativ ausdifferenziertes Soziales Meta-Netzwerk
Sonntag, 4. Juli 2010
Preludium
Als professioneller Prokrastinator bin ich durch jahreslanges Intensivtraining darauf spezialisiert, eine nicht unerhebliche Anzahl von Dingen (vornehmlich die, die sich nicht ganz so spontan umsetzen lassen) in Ermangelung von Resourcen wie Zeit, Muße, Lust, Motivation, Dringlichkeit usw. aufzuschieben — und ohne bösen Vorsatz dank optimal funktionierender Verdrängung schlicht zu vergessen. Man könnte ja argumentieren, daß die Sachen dann nicht wirklich wichtig waren, aber ich fürchte, daß das nicht zwingend so ist.
In Kenntnis dieses Phänomens habe ich irgendwann begonnen, mir Geistesblitze und Ideen jeder Art rein prophylaktisch in meinem privaten Wiki (nein, kein Link, es ist wie gesagt privat) zu notieren, um sie vor der gedanklichen Ausrottung zu bewahren. Dies allerdings führt dazu, daß zwar eine umfängliche Sammlung Unvollendeter Heurekismen (schöner Neologismus, oder?) aggregiert ist, dort aber unentdeckt sein Dasein fristet.
Diesen Umstand möchte ich zumindest beenden und eröffne daher hiermit offiziell die Rubrik „Was fehlt…“, in der ich gelegentlich Gedanken präsentieren werde, von denen ich meine, daß deren Realisierung Lücken füllen oder zumindest bestehende Verbessern helfen würde. Vielleicht kann ich auf diesem Wege einigen Ideen mittelbar zur Umsetzung verhelfen, sofern jemand sich davon inspiriert fühlt, entsprechendes anzugehen. Und mit ganz viel Glück wird das ein- oder andere Projekt ja ein Erfolg und der Schöpfer klickt wohltätig auf den Spendenbutton, um meinen kleinen Anteil daran zu würdigen
(man wird ja wohl noch träumen dürfen)
Nun denn, nach diesem Vorgeplänkel kommt hier mein erster Gedanke. Es mag sein, daß er bereits in den Untiefen des Netzes umgesetzt ist, aber dann jedenfalls hat dies den Weg zu mir nicht gefunden.
Zur Sache, Stecki
Was fehlt, ist ein qualitativ ausdifferenziertes Soziales Meta-Netzwerk. Das Netzwerk soll folgende Eigenschaften haben:
- Es soll bestehende (Soziale) Netzwerke wie Twitter, Facebook, Xing & Co. verbinden, indem man seine Profile dort hinzufügt, es per API der einzelnen Services Verbindungen zu anderen Personen herausfindet bzw. über öffentlich verfügbare Social-Graphs abbildet (siehe meinen Social-Graph via Google Social Graph API).
- Es soll diese Verknüpfungen normalisieren und vervollständigen, also — soweit anhand der Daten möglich — die verschiedenen Profile derselben Person vernüpfen und herausfinden, auf welchen Services ich noch nicht mit Personen verbunden bin, mit denen ich auf anderen Sites bereits Kontakte habe.
- Vor allem aber soll es die Möglichkeit haben, die Verbindungen zu einzelnen Resourcen auszudifferenzieren. Denn derzeit kennen die meisten Services nur sehr elementare Möglichkeiten der Strukturierung. Follow-Status bei Twitter ist entweder uni- oder bidriektional; die Listenfunktionalität ermöglicht elementare Einteilung. Bei Facebook ist man befreundet oder ist es nicht; man kann dort aber immerhin Gruppen definieren. Bei Xing gibt es ebenfalls nur echte oder gemerkte Kontakte. LinkedIn und Plaxo erlauben leichte Ausdifferenzierung im wesentlichen nach beruflich/privat. StayFriends ist da noch etwas feiner differenziert. Letztlich aber bleiben alle diese Services hinter den Möglichkeiten und IMHO auch Anforderungen zurück.
Meines Erachtens sollte es möglich sein, den Typ der Verbindung sowohl mit genormten (RDF, FOAF) als auch freiem Vokabular gewissermaßen qualitativ zu beschreiben und semantisch anzureichern, sowie die Intensität der Verbindung zu quantifizieren.
Ich möchte also qualifizieren können, ob jemand beispielsweise Bekannter, Freund, Nachbar, Kollege, Vereinskumpan und/oder Parteifreund ist. Ich möchte klassifizieren können, ob ich jemanden aus persönlichem Face2Face-Kontakt kenne usw., vor allem aber auch, wie nah diese Person mir steht. Hierzu wäre es hilfreich, wenn die Verbindung also nicht nur als Tag, sondern gewissermaßen als Vektor, sprich verbunden mit einem Intensitätswert gespeichert würde. Dieser Wert könnte ja sogar beispielsweise anhand des Kommunikationsverhaltens abgeschätzt (und voll- oder halbautomatisch dauerhaft nachjustiert/aktualisiert) oder/und manuell festgelegt werden. Mailt oder telefoniert man häufig? Enger Kontakt. Retweeted man jemanden oft? Inspirierende Informationsquelle. Ist man oft zur gleichen Zeit am selben Ort? Wenn der Ort eine Firma ist: Kollege. Wenn der Ort ein Privathaus ist: Nachbar oder Mitbewohner. Uswusf. - Man könnte dann als Nutzer spannende Selektionen und Verteiler kreieren (z. B. alle Freunde, die im 30 km Radius leben und die man länger nicht gesehen hat ). Und man könnte diese Dinge à la The Brain visualisieren, gruppieren und ganz neue Zusammenhänge entdecken, je nachdem, welche Daten der Personen sichtbar sein (z.B. über Freunde von Freunden alte Bekannte wiederfinden oder anhand von Inhalten getwitterter oder in delicious gebookmarkter Links sehen, wer sich gerade mit ähnlichen Themen/Gedanken beschäftigt. Auch Automatismen wie z.B. die Push-Meldung auf dem Telefon, wenn jemand sich in der Nähe aufhält könnte auf dem Wege intelligenter werden…viele Szenarien sind hier denkbar, je nachdem welche, wie viele und wie aktuelle Daten verfügbar sind bzw. gemacht werden.
- Der Service soll Open-Source und dezentral/self-hosted sein, so daß ich die Software auf meinem eigenen Server betreiben kann, statt die Daten der Cloud anzuvertrauen. Aber er soll sich ebeb auch mit anderen Nodes im Rahmen individueller Freigabe und Sichtbarkeit von Daten austauschen können.
Letztlich geht es mir nicht nur um eine bessere Abbildung der Realität; dies wäre auch viel zu technokratisch. Aber ich vermisse einfache, handhabbare Software, um diese Art von Aggregation, Normalisierung und Datenselektion vornehmen zu können. Gewissermaßen ein privates Google, das mir das Wissen, das in meinen Verbindungen steckt, besser zugänglich und nutzbar macht.
Wie findet ihr diese zugegeben nicht vollständig ausgereiften und möglicherweise auch nicht zuendegedachten Gedankenansätze? Sind sie unrealisierbar? Oder sind Google & Facebook faktisch eh schon so weit, nur daß wir als Endnutzer nicht viel davon haben? Wäre es datenschutztechnisch zu problematisch? Oder faktisch zu kompliziert und unbenutzbar? Oder gibt es das alles doch schon und ich habe es nur nicht gefunden oder nutze es falsch? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!
| Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert: |
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Kommentare
Ja, sowas schwebt mir auch schon seit Jahren vor allerdings auch noch mit der Möglichkeit Daten von einem zentralen Punkt aus zu aktualisieren. Beispielsweise nach einem Umzug müsste man nur noch einmal die neue Adresse eingeben und schon ist sie überall geändert. Da käme dann allerdings erschwerend hinzu, dass man natürlich auswählen können muss, was wo geändert werden sollte .....
Ich dachte (auch wenn ich das zugegeben oben nicht geschrieben hatte) durchaus auch zwingend an Bidirektionalität. Genaugenommen muß ein solches System eigentlich auch eine natürliche Person mit mehreren Identitäten/Rollen abbilden können. Und durch die Klassifizierung der Verbindungen in manuell oder (halb)automatische Gruppen wären dann auch u.a. deren Leserechte zu regeln, ganz klassisch quasi.
Wenn man dann Google Wave/Email/SMS integriert, kann es zur ultimativen Plattform werden ![]()


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