Was fehlt: Zeithorizont für Freundschaftsdaten auf Facebook & Co
Freitag, 13. August 2010
In meinem Beitrag „Was fehlt: Qualitativ ausdifferenziertes Soziales Meta-Netzwerk“ hatte ich ja mal ein paar grundlegende Gedanken zur Weiterentwicklung sozialer Netzwerke runtergeblogt (später ergänzt durch „Google Me — das Soziale Netzwerk der nächsten Generation?“). Aber es gibt auch viele kleine Dinge, die man als Betreiber solcher Netzwerke optimieren könnte (und deren Umsetzung wir Nutzer abfordern sollten).
Hier mal ein Beispiel, das mir vor längerer Zeit durch den Kopf gegangen ist: In vielen Netzwerken gibt es ja die Möglichkeit, festzulegen, wer die von einem eingespeisten Statusmeldungen, Links, Fotos, Video & Co sehen darf. Die Einstellungsmöglichkeiten sind unterschiedlich filigran. Bei Twitter kann man beispielsweise seinen Account auf protected schalten, so daß nur explizit freigegebene Follower die Meldungen lesen können (von Pannen wie der unabhängig davon manchmal möglichen öffentlichen Lesbarkeit dieser Tweets per Twittersuche mal abgesehen). Bei Facebook kann man äquivalent definieren, daß nur Freunde die Infos sehen.
Das alles ist schön und gut, leidet aber meines Erachtens regelmäßig unter einem Denk-/Implementationsfehler. Und zwar werden in dem Moment, wo ich jemandem das Leserecht einräume, auch alle bis dahin angefallenen Informationen sichtbar. Das kann gewollt sein. Wahrscheinlicher ist aber, daß es tendenziell nicht gewollt ist bzw. man erst viel später merkt, daß diese Standardeinstellung nicht ganz unproblematisch ist.
Warum? Nun, eigentlich recht einfach: Über längere Nutzung sammeln sich je nach Aktivitätsgrad des Anwenders eine ganze Menge von Informationen an. Über Jahre (oder vielleicht demnächst Jahrzehnte?) dann eine solche Masse, die nachträglich kaum mehr zu überblicken ist. Gewissermaßen ein digitales Vermächtnis. Aber über diese langen Zeiträume soll es nicht ganz unwahrscheinlich sein, daß Menschen sich ändern — und damit auch Sympathien und Freundschaften. Während man aber jemanden in sozialen Netzwerken in der Regel ganz einfach „entfrienden“ (schönes neogermanisch
) kann, ist es beim Hinzufügen eines neuen Freundes/Kontaktes faktisch später kaum möglich zu überblicken, was man vielleicht Jahre vorher (im damals kleinen Kreise) unschönes/abfälliges über diese Person geäußert hat. Solche Informationen können durchaus kompromittierend sein und böse Probleme nach sich ziehen — und das obwohl man in der Zwischenzeit seine Meinung der Person gegenüber geändert hat. Nun könnte man sagen: Was soll’s, das ist eben so. Aber aufgrund des enormen Potentials an Mißverständnissen und Konflikten auf der einen Seite und der vergleichsweise simplen Implementierung einer anderen Grundeinstellung auf der anderen Seite halte ich das für inakzeptabel.
Kurz: Ähnlich wie viele Anbieter von sozialen Netzwerken erst nach den ersten Todesfällen von Mitgliedern entsprechende Mechanismen zum Umgang mit den Profilen Verstorbener entwickeln, so müssen diese sich auch den Herausforderungen stellen, die durch lange Dateneinlagerung entstehen (ja, ich stelle hier bewußt jetzt nur auf einen Teilaspekt der Problematik ab, mir ist klar, daß es viele weieter Implikationen gibt). Daher halte ich es für dringend geboten, dem Nutzer die Entscheidung zu überlassen, welchen rückwirkenden Zeit- bzw. Archivhorizont neu hinzugefügte Freunde haben sollen. Als Standardeinstellung böte sich IMHO der Zeitraum 0 an: Neue Freunde sehen nur Informationen, die seit Einräumung des Leserechtes hinzugekommen sind. Der Nutzer kann dann entscheiden, ob er einem Freund auch einige Wochen, Monate, Jahre oder eben alles rückwirkend zur Verfügung stellen möchte (feinere Einstellungsmöglichkeiten nicht ausgeschlossen). Was haltet ihr davon? Was sind eure Ideen und Vorschläge für kleine, aber feine Verbesserungen? Ich freue mich auf Feedback.
| Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert: |
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