Es tut mir außerordentlich leid: Ich kann es nicht lassen, über das Thema Google Street View und die von Desinformation, Hysterie und Deutscher Angst geprägte Debatte zu bloggen. Diesmal aber mit potentiell konkretem pekuniären Mehrwert für alle First-Mover, nämlich einer ausbaufähigen Geschäftsidee, deren Grundzüge ich hier skizzieren möchte. Denn: „Nichts ist so schlecht, daß es nicht auch eine gute Seite hat“!

Meine Idee ist simpel, aber IMHO <eigenlob intensität=“heftigst”>mindestens grenzgenial</eigenlob>. Kurz gesagt ist die These, daß die Kohorte der StreetView-Gegner eine hochinteressante Zielgruppe ist. Und zwar nicht nur für gezielte gecrowdsourcete „Nachrüstung“ der StreetView-Bilder der von Google auf Basis eingereichter Widersprüche verpixelter/gelöschter Häuser, sondern weit darüber hinaus.

Ich gehe davon aus, daß Google seine Maps-API in Kürze um eine Funktion streetview.isvisible(address) erweitern wird (ich bitte, dies als Feature-Request zu verstehen), die für jede Adresse zurückliefert, ob das Haus dort erlaubterweise sichtbar ist oder nicht (sollte Google das Potential dieser Abfragemöglichkeit nicht sehen, dürfte diese mittels Bildanalyse iVm reversem Geocoding von der Community umgesetzt werden können, davon gehe ich mal aus).

[Einschub: Ich stelle gerade fest, daß man wohl über das Property GStreetviewData.code feststellen kann, ob für einen Position Daten verfügbar sind, habe das aber noch nicht intensiver angeschaut.]

Dann kann man gezielt alle Straßenzüge eines Zielgebietes darauf abprüfen und durch Kopplung diverser verfügbarer Adreßdatenbanken/Telefonbüchern eine Datenbank der SpießerStreetView-Verweigerer erstellen, um diese einzeln anschreiben/anmailen zu können. Hilfsweise könnte man an die Bewohner der Häuser eben nicht-individualisierte Quasi-Hauswurfsendungen schicken.

Ich gehe fest davon aus, daß eine ganze Reihe weitsichtiger Unternehmen hier sofort normes Potential entdecken. Denn diese Target-Group dürfte aufgrund spezieller Charakteristika hochinteressant sein. So darf man annehmen, daß die Zielgruppe besonders auf Sicherheit, Recht und Ordnung erpicht ist. Was für eine Chance für Rechtsschutzversicherungen! Und die Zielgruppe schaut möglicherweise zu einem Großteil den ganzen Tag aus dem Fenster, um Falschparker anzuzeigen — hier kann man also hervorragend Kameras zur Beweissicherung vermarkten. Ganz abgesehen natürlich von dem hohen Bedarf an Alarmanlagen, der hier generiert werden könnte (insb. wenn man zeitgleich die Daten gewissermaßen als Add-On zu http://pleaserobme.com verfügbar macht. Auch Schneider könnten davon profitieren. Warum? Weil Pro-StreetView-Papst denjenigen, die ihr Haus nicht in der Öffentlichkeit zeigen wollen nicht zu Unrecht rät, dann doch einfach eine Burka drüberzuwerfen (übrigens eine wertvolle facettenreiche großartige Analogie). Usw. usf. — ihr seht, man muß es nur weiterdenken!



Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert:

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Kommentare


    #1 Jens Best am 08/14/10 um 10:16 [Antwort]

    *Danke Stecki,

    du erinnerst mich daran, den Humor nicht zu verlieren. Der war mir in den letzten 72 Stunden etwas abhanden gekommen.

    #1.1 Stecki am 08/14/10 um 10:20 [Antwort]

    *Ich muß gestehen, daß ich zeitweise auch nur noch entsetzt-fatalistisch war und manchmal wieder bin. Denn es ist schon alles sehr schwer faßbar, was da abgeht. Aber Dein Burka-Beispiel (das ich im FB-Thread gesehen hatte) war so tiefgründig, daß es mich aufgerichtet und damit diesen Beitrag ermöglicht hat ;-)

    #2 Dani am 08/24/10 um 04:32 [Antwort]

    *Hi Stecki,

    also ich weiss nicht:

    Warum ist es “spießig” wenn man z.B. nich will, das jeder potentielle Arbeitgeber sofort sieht, in welchem heruntergekommen Mietshaus man gerade wohnt, d.h. sich leisten kann, und sich dann vielleicht sofort “Na, ach so eine(r)...” denken kann?!

    Oder man nicht so genau weiß, ob man am Tag des Google-Fototermins nicht vielleicht gerade mal das Fenster offen hatte, und die teure KORG Workstation plus Mischpult usw. gut zu sehen ist, und Dank Screenshot + Photoshop (Helligkeit/Kontrast) nun jeder in diesem Zimmer rumschnüffeln kann?!
    Eine zeitgenaue (Vorher-)Ansage des Fototermins hat ja nicht bestanden.

    Ich denke ausserdem, dass das Problem bei Street View viel weniger der Umstand ist, dass da nun jemand komplette Städte abfotografiert, sondern vielmehr die Art und Weise WIE man das tut.
    Ohne Ankündigung, ohne Absprachen und einfach über die Köpfe der “Betreffenden” hinweg.

    Davon abgesehen, dass Google sich in einer fotorechtliche Grauzone bewegt, weil zoombare “Panoramen” eben sehr schnell zu Gruppenfotos geklickt werden können, und dann evtl. eben nicht mehr so ohne weiteres ein fest-formatiges Panorama sind und von deren Freiheit gedeckt sind.

    Warum hat Google seine Pläne nicht erst den “Volksvertretern” vorgestellt, Rechtliches ausgehandelt und Absprachen getroffen, die Fahrtroutepläne öffentlich angekündigt (damit jeder sich sein bestes Hemd anziehen, die Vorhänge schließen, den Garten aufräumen oder die Fassade streichen konnte), sondern alles heimlich, still und leise über die Köpfe der Bürger hinweg durchgezogen?!

    Das ist weder angemessener, noch guter Stil, und zu recht kritik - und ablehnungswürdig.

    #3 Dani am 08/24/10 um 05:01 [Antwort]

    *P.S.:

    Ich finde es übrigens auch ziemlich doppelzüngig und widersprüchlich, dass man zwar einerseits klug davor warnt, sich genau zu überlegen und zu prüfen, was für Informationen und Bilder man auf seine Websites und Social-Network-Profile stellt und öffentlich macht (deren konkrete Besuchswahrscheinlichkeit und “Klickzahl” relativ gering ist), aber es bei Google Street View dann OK ist oder sein soll, nicht mehr die Entscheidungsfreiheit zu haben, ob man mit Bikini im Garten, Zigarette im Mund und Wodka-Flasche in der Hand am Fester oder Balkon, oder offenem Hosenstall beim Verlassen der Haustür auf fotografischen Bildern abgelichtet auf Major-Websites erscheint, auf die dann auch noch die ganze Welt klickt.

    #4 Secur-web am 10/13/10 um 09:37 [Antwort]

    *Hallo an alle Geodienstgegner,
    hier ein kleines Update zur momentanen politischen Lage, zu Geodiensten wie Google Street-View.

    ---Infos und Widerspruchsmöglichkeit für alle gängigen Geodienste, unter www.secur-web.de ----

    Die Bundesregierung will vorerst nur besonders schwerwiegende Eingriffe in die Privatsphäre bei Internetangeboten wie Google Street View verbieten.
    Bundesinnenminister Thomas De Maiziere betonte, dass die alleinige Abbildung öffentlich sichtbarer Häuser kein pauschales Recht auf Widerspruch begründe. De Maiziere will hierzu einen Gesetzesentwurf bis zum IT-Gipfel am 07. Dezember vorlegen.
    Im Streit über Internetdienste wie Google Street View will die Bundesregierung vorerst nur besonders schwerwiegende Eingriffe in die Privatsphäre per Gesetz verbieten. Dazu zähle etwa die zielgerichtete Erstellung von Bewegungs- und Persönlichkeitsprofilen oder der Fall, dass jemand im Internet an den Pranger gestellt werden solle, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere nach dem Geodaten-Gipfel am Montag in Berlin. „Dann wäre die rote Linie überschritten.“ Einen Gesetzentwurf dazu will der Minister bis zum IT-Gipfel am 07. Dezember vorlegen. Ansonsten setzt er auf die Selbstregulierung der Branche durch einen noch zu schaffenden Datenschutz-Kodex, den die Diensteanbieter ebenfalls bis zum IT-Gipfel erarbeiten und mit Bund und Ländern abstimmen sollten. Ein generelles Widerspruchsrecht gegen die Abbildung von Häusern etwa bei Google Street View lehnte der Minister ab.

    Auf Einladung de Maizieres hatten in Berlin Politiker, Daten- und Verbraucherschützer sowie Internetexperten über den Umgang mit Geodaten beraten. Auslöser der Debatte war der heftige Widerstand gegen den Internetdienst Google Street View, der ganze Straßenzüge in Deutschland filmt und wie bereits im Fall von über 20 anderen Staaten im Internet zugänglich machen will. Geodienste helfen aber auch bei der Lenkung des Verkehrs, bei Naturkatastrophen, Wohnungssuche und Urlaubsplanung.

    De Maiziere betonte, dass die alleinige Abbildung öffentlich sichtbarer Häuser kein pauschales Recht auf Widerspruch oder Löschung begründe. „Die freie Nutzung der öffentlichen Räume müssen wir bewahren“, sagte der CDU-Politiker. Im Einzelfall könne sich aber aus Sicherheitserwägungen oder Gründen des Persönlichkeitsschutzes ein berechtigtes Interesse ergeben, dass die Bilder nicht veröffentlicht würden. Gebe es über die Abbildung eines Hauses Streit zwischen mehreren Betroffenen, müssten Verfahren für einen Interessenausgleich geschaffen werden.

    Ich als Datenschützer bin schockiert über diese
    Meldung bzw. Aussage Herrn Maiziere`s.
    Sind Gründe wie Lenkung des Verkehrs, bei Naturkatastrophen, Wohnungssuche und Urlaubsplanung, denn wirklich Grund genug um einen so tiefen Einschnitt in die Privatsphäre der Bürger und Bürgerinnen zu zulassen?
    In keinem Wort wurde von Herrn Maiziere, die Negativen Aspekte und die damit verbundenen Risiken solcher Dienste angesprochen.
    „Die freie Nutzung der öffentlichen Räume müssen wir bewahren“ sagte der CDU-Politiker.
    Ist eine Hausfassade oder ein privater Garten denn wirklich ein “öffentlicher Raum”, frage Ich!
    Zu dem darf man nicht vergessen dass durch eine Gesetzliche Regulierung, die eine Widerspruchsmöglichkeit gegen solche Dienste fast unmöglich machen könnte, auch einen tiefen Einschnitt in das jedem Bürger der BRD zustehende Grundgesetz darstellt!

    In meinen Augen muss eine Möglichkeit und freie Wahl zum Widerspruch gegen solche Geodienste unbedingt bestehen bleiben. Immerhin sind 52% der Deutschen Gesamtbevölkerung, gegen eine Veröffentlichung Ihrer Immobilien und grunstücksbezogenen Daten.

    Wenn ein einzelner auch bei gegenteiliger Meinung der breiten Masse eine solch schwerwiegende Entscheidung durchbringt, frage ich mich; leben wir denn überhaupt noch in einer Demokratie?

    (Quellen: Spiegel-Online,Secur-Web,Bmwi)

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