Web 2.0? Ohne Delingsdorf :-(

Mittwoch, 29. Juni 2011

Die Gemeindevertretung Delingsdorf hat auf ihrer gestrigen Sitzung (Tagesordnung) mit deutlicher Mehrheit beschlossen, Facebook und Twitter nicht als Kanal der Onlinekommunikation zu nutzen und angewiesen, die entsprechenden Accounts (facebook.com/delingsdorf und @delingsdorf) zu löschen.

Google startet sein Soziales Netzwerk. Der Papst twittert. Und @Delingsdorf steigt aus Facebook und Twitter aus. #nuffsaid

Unter dem Tagesordnungspunkt Internetseite der Gemeinde Delingsdorf, hier: Verlinkung zu „sozialen Netzwerken (Internet)“ wurde rund eine Stunde bei tropischen Temperaturen im Bürgerhaus diskutiert und es hat schon eine gewisse Ironie, daß die Gemeinde den Ausstieg just am selben Tag beschließt, an dem Google sein Soziales Netzwerk Google+ der Öffentlichkeit vorstellt und der Papst seinen ersten Tweet absetzt.

Hintergrund/Disclaimer

Zunächst einmal ein paar Fakten zur Einordnung: Seit Anfang 2003 betreue ich zusammen mit Constantin Dabelstein die Website der Gemeinde Delingsdorf www.delingsdorf.de in technischer wie auch redaktioneller Hinsicht. Sprich: Die Site ist damals komplett in Eigenarbeit entstanden (ich möchte nicht wissen, wie viele hundert (oder gar tausend) Mannstunden wir über die Jahre in Programmierung des Content-Management-Systems, der Templates und vor allem der stets nach Kräften möglichst umfangreichen und aktuellen Inhaltspflege gesteckt haben, ehrenamtlich und mit Spaß an der Sache). Dies geschah quasi im Auftrag der Gemeinde und mit selbiger, vertreten durch den Bürgermeister, im Impressum. Ich schreibe hier quasi, weil man uns sehr freie Hand gelassen hat und die Gemeinde(vertreter) auch kein besonderes Interesse hatten sich auch nicht wirklich mit Micromanagment der Angelegenheit beschäftigt haben. Wir haben daher stets versucht, den Onlineauftritt verantwortungsvoll, fair, objektiv und vor allem natürlich im Sinne der Gemeinde zu administrieren und es spricht insofern denke ich auch für sich, daß es in diesem Zusammenhang auch nie Ärger o.ä. gab.

Irgendwann kamen dann Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter auf die Bildfläche. Da wir verhindern wollten, daß die Gemeinde durch Aktivitäten von Trollen/Name-Grabbern/Fake-Accounts in ein schlechtes Licht gerückt wird und in der Annahme, daß mangels anderer aktiver und kompetenter Akteure diese Dienste letztlich auch nur weitere Kommunikationskanäle sind, die insofern unter unseren Auftrag und Autorisierung fallen, haben wir die jeweiligen Zugänge gesichert, aktiviert und stets aktuell befüllt. Es gab auf den Accounts keinerlei Probleme, alles verlief social-media-technisch normal.

Und was ist passiert?

Nichts. Jedenfalls nichts, was ich wüßte. Auf einem Ausschuß vor ein paar Wochen (habe die analogen Akten hier gerade nicht zur Hand) wurde unter dem Catch-All-TOP „Anfragen und Mitteilungen“ einmal kurz problematisiert, ob es gut sei, daß es von delingsdorf.de Links zu Facebook gäbe. Weitere Anfragen (beispielsweise direkt an einen der beiden Webmaster) gab es zu dem Thema zwischenzeitlich nicht. Bis zur gestrigen Sitzung.

Dort trug Bürgermeister Knudsen vor, daß er große Probleme darin sehen würde, daß von der Gemeindeseite aus Links zu Facebook & Co existieren würden. Hier handele es sich um US-amerikanische und nicht Delingsdorfer Unternehmen, die von dieser „Werbung“ profitieren und Geld verdienen würden. Darüber hinaus könne es nicht angehen, daß „irgendjemand“ unter dem Wappen der Gemeinde dort Informationen verbreiten würde. Es schlossen sich Beiträge anderer Gemeindevertreter (u.a. die Fraktionsvorsitzenden von WGD und SPD (Sitzverteilung in der Gemeinde ist 12 WGD, 3 CDU, 2 SPD)) an. Aufgrund der Länge der Diskussion ist es mir offengestanden nicht möglich, alle Aussagen im Einzelnen zuzuordnen. Ich versuche die Punkte zusammengefaßt und entsprechend paraphrasiert wiederzugeben:

  1. US-amerikanisches Unternehmen, das damit Geld verdient
  2. Unzulässige Werbung für 1.
  3. Wappenmißbrauch
  4. Datenschutz
  5. Da könne ja jeder etwas schreiben.
  6. Im Netz sei nur eine bestimmte Schicht/ein bestimmter Typus unterwegs.
  7. Kann man eine Sperre einrichten, damit Delingsdorfer Inhalte nicht auf Facebook erscheinen? (im konkreten Fall wollte man nicht, daß die Tagesordnung der Sitzung bei Facebook erscheint, dabei handelte es sich schlicht um einen Link zur Tagesordnung auf delingsdorf.de).
  8. Soziale Netzwerke seien Zeitverschwendung, denn es würde [den Vortragenden] nicht interessieren, was Person xy von sich gibt.
  9. Wer etwas über Delingsdorf wissen will, möge die Internetpräsenz der Gemeinde besuchen oder enstprechend Googeln.

Ich habe versucht, auf alle Punkte sachlich und differenziert einzugehen. Dabei muß ich einräumen, daß es bei solchen Situationen nicht leicht fällt, alle Diskussionspartner dort abzuholen, wo sie mit ihrem Wissen um Funktionsweise des Internets stehen (man kann da ja keinen mehrstündigen Schulungs-Exkurs mit reinpacken). Insbesondere fehlten völlig eigene praktische Erfahrungen mit der Nutzung Sozialer Netzwerke. Jeder, der Facebook und/oder Twitter lebt, hat eine Ahnung, was das heißt ;-)

Ob es also wirklich Werbung für Facebook ist, wenn die Gemeinde darauf verlinkt, dürfte recht zweifelhaft sein angesichts Größe und Trafficmenge der Gemeinde aber vor allem mit Blick darauf, daß Facebook nun wirklich ständig und überall auftaucht (Medienberichte, Werbung, Smalltalk) und ohnehin ca. die Hälfte der Internetnutzer in Deutschland dort bereits aktiv ist. Viel eher hat die Aktivität Delingsdorfs auf Facebook den Blick der Nutzer sowie Traffic auf die Gemeindeseite und ihre Informationen gelenkt.

Auch hatte sich uns als Befüllern der Accounts nie die Frage des Wappenmißbrauchs gestellt, weil wir davon ausgegangen waren und IMHO auch ausgehen konnten, daß genau das von unserem Auftrag hinsichtlich der Online-Kommunikation der Gemeinde umfaßt (und wie oben erläutert auch erforderlich) war. Das Argument hatte mich auch insofern überrascht, da wir den Facebook-Account z.B. schon seit fast 1,5 Jahren betreuten.

Objektiv bestehende Datenschutzproblematiken kamen kaum zur Diskussion. Hier stehe auch ich insb. FB durchaus kritisch gegenüber (auch wenn mein Abwägungsergebnis wie man auf dieser Seite sieht pro FB-/RT-Button ausfällt (ich aber derzeit auch an einer datenschutzrechtlich unproblematischen Version zum Nachladen der iframes bastele)).

Daß jeder kommentieren und posten könne, tja, was soll man dazu sagen? So ist das im Web 2.0. Kommunikation auf Augenhöhe, den Nutzern ein Forum bieten, sie aktivieren. Genau das, was eigentlich im Interesse der Gemeinde liegen sollte, weil es die Gemeinschaft zusammenbringt.

Und wie soll ich erklären, daß man das Setzen von Links und auch Deeplinks auf Inhalte nicht (wirksam|sinnvoll) unterbinden kann, diese Diskussion aus den Urzeiten des Webs stammt und Verlinkungen nun geradezu konstitutiv für selbiges sind‽

Die Diskussion über Filtersouveränität und Sinn/Funktion/Mechanismen bestimmter Statusmeldungen/Posts und der daraus entstehenden Kommunikation, war in der erforderlichen Tiefe leider nicht zu führen, auch wenn ich versucht habe, das anzuschneiden.

Zum „man kann ja Googeln“-Argument muß ich glaube ich dann nicht mehr viel sagen (und konnte auf der Sitzung leider nicht in der gebotenen Tiefe auf die darin befindliche Realsatire eingehen, ebenso wie ich nur am Rande darauf verweisen konnte, daß es sehr inkonsequent sei, dann nicht auch das Embedding von Google Maps, Youtube und Verlinkungen zu externen Services wie Picasa zu unterlassen).

Ich hatte noch versucht anzuregen, den TOP zu vertagen und im Rahmen eines Ausschusses, einer Klausursitzung oder einer Projektgruppe einmal ganz grundlegend darüber zu sprechen, wie eine zeitgemäße Online-Kommunikationsstrategie für das Dorf aussehen könnte. Ich erwähnte Dinge wie Email-/SMS-Verteiler, niederschwellige digitale Einsehbarkeit des Flächennutzungsplans und der Bebauungspläne etc. pp. (was heutzutage eben auch für eine Amtsgemeinde unserer Größenordnung (Amt=ca. 15.000 Einwohner, Gemeinde=ca. 2.200) darstellbar oder zumindest mittelfristig erstrebenswert wäre. Ich wies hin auf Aspekte wie Bürgernähe und Transparenz der Kommunalpolitik sowie auf die aktuelle Allensbach-Infosys-Studie „Social Media, IT & Society 2011“ (68% der Bevölkerung ab 16 Jahre für mehr Online-Beteiligung zu lokalen Themen). Es hat alles nichts genützt.

Am Ende habe ich selbst dann (um eine explizite, klare Ansage zu haben) gefragt, ob die Gemeinde nun auf Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter vertreten sein möchte oder diese Account zu löschen seien.

Für Nutzung Sozialer Netzwerke stimmten zwei Gemeindevertreter (mein CDU-Fraktionskollege und ich), gegen die Nutzung gab es acht Stimmen (7×WGD, 1×SPD) bei drei Enthaltungen aus der WGD (vier der 17 Gemeindevertreter waren verhindert).

Weisungsgemäß werde ich diesen Beschluß — auch wenn er mich persönlich außerordentlich hart trifft — umsetzen. Die Links von der Gemeindeseite sind (sofern ich nichts übersehen habe) allesamt entfernt. Die Accounts sind „entwappnet“ und werden nachher, so schade es um die ganzen Beiträge dort ist, unwiderbringlich gelöscht. Was dann bzgl. Delingsdorf auf den entsprechenden Plattformen passiert, kann ich nicht sagen. Ich hoffe, daß dort niemand böswillig die freigewordenen Namen abgreift. Man kann davon ausgehen, daß eine entsprechende Vernetzung dort früher oder später stattfinden wird.

Wer weiterhin „sozialmedial“ über Delingsdorf auf dem Laufenden sein möchte, dem lege ich zwischenzeitlich facebook.com/delingsdorf und @cdu_delingsdorf ans Herz — denn dem CDU Ortsverband Delingsdorf ist auch der virtuelle Kontakt und Austausch wichtig (auch wenn dessen digitaler Auftritt so manches Mal darunter litt, daß ich ihn als Admin gegenüber dem überparteilichen Gemeindeauftritt gelegentlich hintangestellt habe).

Fazit

Mich läßt die gestrige Sitzung jedenfalls sehr traurig und nachdenklich zurück. Für mich stellen sich durchaus sehr grundlegende Fragen nach dem mehrheitlichen Selbstverständnis Delingsdorfer Kommunalpolitik und auch des Sinns ehrenamtlichen Engagements. Vor allem kann ich schlicht und ergreifend die Entscheidung wirklich nicht verstehen. Sie paßt nicht in diese Zeit.

Hoffen kann ich nur, daß nicht ein Kommentator meines Facebook-Threads zu dem Thema mit seiner Spekulation recht hat:

Kann es sein, das Du der einzige, bzw der kompetenteste und aktivste Anwender von Social Media in der Gemeindevertretung bist, und Dir die anderen Ratsherren nur dieses Meinungsverbreitungsmonopol aus der Hand nehmen wollten? So eine Motivation würde in einer Sitzung ja nicht zugegeben werden.

Meine Antwort darauf war jedenfalls:

Wenn dem so sein sollte, hat die Mehrheit leider den Weg mit den größtmöglichen Kollateralschäden für die Delingsdorfer gewählt :-(

Allgemeiner Hinweis: Ich habe obigen Text in knapp bemessener Zeit verfaßt, um dem Informationsbedürfnis im Dorf Rechnung zu tragen. Der Text gibt den Sachverhalt nach bestem Wissen und Gewissen so wieder, wie er sich für mich darstellt. Ich spreche auch nur für mich persönlich, nicht für meinen Cowebmaster oder meine Partei. Sollten inhaltliche Mißverständnisse, Fehler oder falsch zu verstehende Formulierungen entstanden sein, bitte ich um Hinweis und Entschuldigung.


Nachtrag 07.07.2011: Siehe auch Delingsdorf steigt aus — Protokoll und Link-Dump.

Nachtrag 18.07.2011: Siehe auch Delingsdorf steigt aus — Interview-Mitschnitt aus RSH.



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Kommentare


    #1 crackpille am 06/30/11 um 12:13
    *Da kann man wirklich nur den Kopf schütteln - ich frage mich ja immer, ob man das nicht merkt, wenn das Gegenüber mit und man selber ohne Sachverstand agiert.

    Wollen wir hoffen, dass sich viele Delingsdorfer Bürger über die nun fehlende Kommunikation beschweren.

    Wie ich das sehe, bist du (zumindest in dieser Hinsicht) in der falschen Partei ;-)
    #2 Sascha Stoltenow am 06/30/11 um 09:01
    *Ein sehr guter, sehr differenzierter Beitrag. Und einer, der unglaubliche viele Einblicke bietet. Das einzige Argument, das ich anzubieten hätte, ist folgendes. Delingsdorf, jedes Dorf, ist überall dort, wo Menschen aus diesem Dorf leben, oder Menschen, die eine Beziehung dazu haben - und das kann heute weltweit sein. Und wenn diese Menschen ein Interesse daran haben, dass das Dorf auf Facebook ist, werden sie es reinverlinken - ob der Gemeinderat will oder nicht. Es kommt also auf diese Delingsdorfer an. Auch das wird aber vermutlich nicht die Nicht-Anerkennung Eurer Arbeit heilen. Bleibt nur der Rückgriff auf das, was schon Großmutter wusste: Was der Bauer nicht kennt ...
    #3 horax am 06/30/11 um 10:34
    *Ungläubiges Staunen und tiefe Erschütterung erfaßt mich bei dem Text. Es ist sehr schade, daß wir gesellschaftlich nicht weiter sind. Dies gilt unabhängig von der Parteienpräferenz.
    #4 aha11 am 06/30/11 um 05:37
    *Bist du sicher, dass der ort Delingsdorf heißt und nicht Schilda?
    #5 Shorten am 06/30/11 um 05:55
    *Naja, dann nutze Du doch den Account facebook/delingsdorf. Wenn die anderen kein Interesse daran haben, steht Dir als Privatperson ja nichts im Wege. Mach halt ein paar schöbe Fotos rein und gut :-)

    Ansonsten: Auweia Delingsdorf
    #6 Sillmann am 06/30/11 um 05:55
    *Tue nichts Gutes, dann widerfährt dir nichts Böses. Ein vergleichsweise netter Post, wenn man mal überlegt, dass die Gemeindevertreter eure Leistung lieblos in die Tonne treten. ABER:

    1. Wenn ich es mir recht überlege, könnte der Beschluss der Gemeinderäte auch einfach zukunftsweisend sein. Die Flucht aus dem Social Web kommt sicher.
    2. So ist Lokalpolitik. Ein bunter Haufen sozial engagierter Bürger wuselt so lange um ein Thema, bis man es endlich an die Wand gefahren hat. (Ist auf Bundesebene ja auch nicht anders.)
    3. Was nix kost’, ist nix wert - der Blöde bist am Ende du und nicht die.
    #7 Jan am 06/30/11 um 06:26
    *Was für eine Posse - unfassbar, wie engstirnig und unwissend einige Menschen doch sind. Danke für die Aufklärung.
    Habe bei Facebook mal daraufhin gleich angeklickt, dass mir Ahrensburg gefällt, wo ich ja größenteils aufgewachsen bin. Weil ich mich mit dem Ort identifiziere und das darf auch gerne jeder wissen. Da muss man doch keine Angst vor einem US-Unternehmen haben... ;-)
    #8 oohpss am 07/01/11 um 09:23
    *Ein schöner Text, der aber einen Aspekt nicht ausleuchtet.
    Warum in aller Welt sollte und muss man als öffentliche Einrichtung in anderen Ländern entwickelte und auch dort kontrollierte, verwaltete und vermarktete Technologie unreflektiert einsetzen, nur weil es ein Masse Social-Internet-affiner auch tun?
    Mit den bsiherigen Argumenten - man verpasse den Aschluß oder so - können wir auch die AKWs weiter betreiben, uns könnte jeder gefällte Baum egal sein und Hybridautos ebenso.
    Aber im Umweltschutz füllen wir uns verantwortlich und engagieren uns. Auch gegen die vorherschenden Strömungen im Rest der Welt.
    Nur in der Welt der sogenanten Social-Networks habe ich kaum etwas reflektierendes gefunden. Insbesondere wenn es nicht um den kommerziellen Hintegrrund geht. Mir ist also schon klar warum BMW und dpa twittern und facebooken müssen.
    Warum aber Gemeinden und öffentlich rechtliche Einrichtungen wir ARD und ZDF?
    Ich kann einige der Gemeindevertreter verstehen, wenn Sie zumindest nachhaltige Antworten haben möchten. “Weil es alle machen”, ist da zu wenig.
    Grüße
    oohpss
    PS: Allerdings ist die Art und Weise der Gemeindevertreter im Umgang mit ihren Ehrenamtlichen schon etwas eigenartig. Da sehe ich dann auch Verbesserungspotentiale - gewaltige.
    #8.1 Stecki am 07/01/11 um 10:09
    *Ähm, lieber oohpss, niemand wollte der Gemeindevertretung empfehlen, „in anderen Ländern entwickelte und auch dort kontrollierte, verwaltete und vermarktete Technologie unreflektiert einsetzen, nur weil es ein Masse Social-Internet-affiner auch tun“.

    Die Antwort ist doch an sich ganz einfach: Wer die Menschen erreichen will, muß da hin gehen, wo sie sind (Stichworte hier: Berg/Prophet *g+). Und man kann sich drehen und wenden und antiimperialistische Reflexe haben so viel man will — das ändert nichts daran, daß ein Großteil der Onlinezeit auch hier in Deutschland nun einmal auf Facebook verbracht wird (demnächst vielleicht auf Google+; ich hatte auch andere Netzwerke wie VZ angesprochen und begründet, daß diese leider nicht so angenommen wurden und daher bei begrenzten Kapazitäten und dortigen technischen Möglichkeiten man sich auf das Wesentliche und Leistbare beschränken müsse).

    Aus genau dem Grund werden auch öffentlich-rechtliche Rundfunksender dort aktiv. Und auch beispielsweise das Land Schleswig-Holstein.

    Wir hatten mit stark wachsender Tendenz ca. 150 „Fans“ auf FB, die dort die Informationen aus dem Dorf mitbekamen, über die Kommentarfunktion ins Gespräch kamen oder dorfrelevante Infos einstellten.

    Dazu kommt, daß ein zunehmend großer Teil der Aufrufe der eigentlichen Internetseite der Gemeinde von Sozialen Netzwerken kam (der Rest zum allergrößten Teil — nur so am Rande — über das US-Unternehmen Google).

    Ansonsten verweise ich auf die auch oben genannten Punkte zum Thema Transparenz, Bürgernähe und zeitgemäße Onlinekommunikation.

    Ich hätte auch kein so großes Problem mit dem Beschluß gehabt (auch wenn ich ihn dann dennoch für falsch gehalten hätte), wenn die Entscheidungsbasis der Mehrheit informierter gewesen wäre, also Facebook nicht nur aus tendenziöser Medienberichterstattung (denn natürlich ist Internet für klassische Medien eine Bedrohung (oder kann es zumindest bei inadäquatem Umgang sein)), einem gelegentlichen Blick auf die Seite oder gar nur dem als Tischvorlage gelieferten Ausdruck…

    Summa summarum: Von unreflektiert kann keine Rede sein.
    #9 Sparbier am 07/01/11 um 10:41
    *Ein schöner Artikel. Man merkt, dass viel Herzblut in dem Projekt für die Gemeinde Delingsdorf steckte (und hoffentlich noch steckt).

    So schade diese Entscheidung der Gemeindevertretung auch seien mag, so ist sie doch in einer demokratischen Abstimmung gefallen. Also muss man die Entscheidung an dieser Stelle einfach erst einmal akzeptieren.
    So viel „Entsetzen“ auch in den vorherigen Antworten steckt, man muss einfach akzeptieren, dass die abstimmenden Personen (größtenteils) die Zusammenhänge sicherlich nicht verstanden haben. Kann man sie dafür verurteilen wenn es so ist? Ich denke nicht! Man kann nicht erwarten, dass Menschen die sich mit dem Thema Web 2.0 nicht auskennen, jubelnd und ohne zu fragen in diesen Trend stürmen.

    Natürlich heißt das nicht, dass man jetzt aufhören sollte. Ganz im Gegenteil! Es klingt nach viel Aufklärungsarbeit die geleistet werden muss. Auch wenn sicherlich große Hürden zu nehmen sein werden, um die Gemeindevertretung (oder vielleicht besser die Bürger der Gemeinde direkt?) von den Vorteilen eines Auftritts im Web 2.0 zu überzeugen. Das kann eine sehr große Herausforderung für den Überzeugenden sein. Aber ich hoffe, dass er sie annehmen wird.
    #10 hinterwald am 07/03/11 um 03:09
    *gratuliere Delingsdorf!

    und du, hr auf zu heulen!
    #11 r3v am 07/04/11 um 02:05
    *Gratulation zur Rückkehr in die Steinzeit. Da ist scheinbar die Panikmache in den Medien auf fruchtbaren Boden gefallen.
    Nun, wir sind nun mal in einer Demokratie also muss man wohl den Generationenwechsel abwarten wenn man etwas moderner agieren will :-(
    #12 Dirk V. Franz am 07/18/11 um 01:34
    *Wie schon auf Facebook mitgeteilt, kann ich es nicht glauben, was die “alten Herren und Damen” da entschieden haben. Aber so ist das eben in einem Dorf, wo man nicht mit der Zeit gehen möchte. Mein Sohn schreibt gerade sein Diplomarbeit zu diesem Thema und wie wichtig diese Medien geworden sind. Wir können uns nicht einfach verschließen und so machen, als ob uns solche Themen nicht angehen. Schade, dass die Gemeindevertretung hier nicht die “Gemeinde” vertritt, sondern seine eigene Meinung. Wäre mal interessant zu sehen, was eine Umfrage im Dorf zu diesem Thema bringen würde. Aber wie schon geschrieben wurde, da kann man nichts machen.
    #13 Rocky Balboa am 08/23/11 um 02:41
    *Hallo und moin hier im Blog,

    Hier ein Nachtrag zum Thema Facebook & Delingsdorf:

    Auch ich als Delingsdorfer habe den Facebook Ausstieg von Delingsdorf sehr überrascht zur Kenntnis genommen und war zunächst etwas geschockt und irritiert über die Entscheidung, obwohl ich keineswegs ein intensiver Facebook User bin und mir berufsbedingt nicht ganz unbekannt ist, dass Facebook hinter Google als einer der größten “Datenkraken” gilt.
    Man kann zu dieser Entscheidung nun also stehen wie man will dennoch muss man wohl festhalten, dass die Entscheidung der Gemeindevertretung möglicherweise sehr vorausschauend war und Delingsdorf mit der Facebookablehnung sicher nicht die letzte Gemeinde, zumindest in Schleswig-Holstein, war.
    Anbei ein paar aktuelle und interessante Links, insbes. vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig Holstein (Unterer Link)

    Besten Gruß

    http://www.shopanbieter.de/news/archives/4911-datenschutz-zentrum-uld-fordert-zur-entfernung-von-facebook-fanpages-und-gefaellt-mir-buttons-auf.html

    http://www.shopanbieter.de/news/archives/4911-datenschutz-zentrum-uld-fordert-zur-entfernung-von-facebook-fanpages-und-gefaellt-mir-buttons-auf.html
    :-)
    #13.1 Malte Steckmeister am 08/23/11 um 10:10
    *Lieber “Rocky Balboa”,

    bitte lies noch mal meinen Blogbeitrag, insb. folgende Passage:

    “Objektiv bestehende Datenschutzproblematiken kamen kaum zur Diskussion. Hier stehe auch ich insb. FB durchaus kritisch gegenüber (auch wenn mein Abwägungsergebnis wie man auf dieser Seite sieht pro FB-/RT-Button ausfällt (ich aber derzeit auch an einer datenschutzrechtlich unproblematischen Version zum Nachladen der iframes bastele)).”

    Will heißen: Ja, es wäre total vorausschauend und weitsichtig gewesen, wenn die Betroffenen diesen Punkt ernsthaft diskutiert hätten. Taten sie aber nicht — man muß aus dem Rest der Diskussion annehmen: Mangels entsprechendem Hintergrundwissen/fachlicher Kenntnis über die Zusammenhänge. Ein unsubstantiiertes Pauschalargument “Datenschutz” erfüllt mE jedenfalls nicht das Kriterium von informierter Weitsicht…

    Ansonsten sei angemerkt, daß derzeit eine sehr heiße Diskussion zu den Maßnahmen des ULD stattfindet.

    http://www.diwish.de/index.php?id=38&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=1266&tx_ttnews[backPid]=16&cHash=ea4a21f8d1

    mit Verweis auf http://www.computerundrecht.de/media/2011_08-22_Haerting_Oeffentlichkeitsarbeit_einer_Landesbehoerde.pdf

    http://www.schleswig-holstein.de/STK/DE/Service/Presse/PI/2011/CdS/110819_stk_cds_facebook.html

    http://www.buzzmachine.com/2011/08/19/disliking-like-in-germany/

    http://blog.orte-im-norden.de/lieber-thilo-weichert/117

    …und viele andere…

    SO einfach ist das jedenfalls alles auch wieder nicht, von Argumentationen hinsichtlich Pragmatismus, Eigenverantwortung, Zukunftsfähigkeit etc. ganz zu schweigen…

    http://blawg.legalit.de/2011/08/22/bussgeld-androhung-des-uld-wegen-angeblichem-verstoss-gegen-das-tmg-rechtswidrig/
    #13.1.1 Rocky Balboa am 08/24/11 um 06:44
    *Ja, die aktuelle Diskussion ist ziemlich spannend und skuril zugleich. Sie zeigt wie langsam, wenig und tiefgehend sich die Politik ( inklusive der politischen Verantwortlichen in Delingsdorf )mit dem Thema “Sinnvolle, notwendige und sichere Nutzung von Webdaten” im allgemeinen aueinnandersetzen will oder kann (das sei mal dahingestellt).

    Als neutraler Betrachter würde ich das Delingsdorfer Votum mal so zusammenfassen:
    Ohne eine vorherige notwendige Debatte und ohne Einbeziehung von Experten wurde eine ad-hoc- Entscheidung getroffen, die von Unwissenheit aber auch Unsicherheit geprägt war und ist.
    Zumindest im Sinne des ULD ist diese vorausschauend gewesen. Ob es das auch für Image, Dorfkommunikation etc. pp. ist, darf sicher bezweifelt werden.

    Unwissenheit kann jeder selbst bekämpfen...
    Unsicherheit muss von außen genommen werden (medien, politik, web companies etc.)....

    Aber wie gesagt, ich bin und bleibe auch ohne Facebook ein Fan ;-)von Delingsdorf

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