Glück auf, D64!

Samstag, 3. Dezember 2011

Die SPD hat also jetzt eine außerparteiliche Opposition, eine eigene APO. Das war meine erste Assoziation, als ich von der Gründung des sozialdemokratischen Netzkreises D64 hörte. Die Gründer des „Zentrums für Digitalen Fortschritt“, eine Handvoll primär sozialdemokratische Netzpolitiker (oder sind es netzpolitische Sozialdemokraten?) der Generation C64 plus Lobbyisten von Google (Stefan Keuchel betont, daß dies reine Privatsache sei) und Facebook bezeichnen sich im buzzwordgetränkten Mission-Statement mit dem IMHO etwas abgegriffen-überstrapazierten Begriff „Think Tank“. Nun, es sei ihnen gegönnt, sich nach (so Die Zeit) eineinhalb Jahren Aufbauarbeit mit gesundem Selbstbewußtsein zu präsentieren ;-)

Dennoch bin ich officially ein ganz klein bisserl underwhelmed. Nicht, weil die Netzpolitik hierzulande langsam die Fortsetzung deutscher Vereinsmeierei mit digitalen Mitteln zu sein scheint (meiner einer ist beispielsweise mit Freude ein happy PolitCamper), sondern weil es ein wenig nach einem desillusionierten Verzweiflungsoutsourcing aussieht (und letztlich wird die Überzeugungskraft fürs Digitale ja nicht dadurch gestärkt, daß man auf möglichst vielen Hochzeiten tanzt, sondern daß die Basis verbreitert wird). Die Zeit schreibt:

„Vor allem scheint er eine Plattform für frustrierten SPD-Nachwuchs zu sein.

„Die Partei von innen verändern zu wollen, funktioniere nicht, sagt Mathias Richel, der Vorsitzende von D64. Man müsse von außen auf sie einwirken, wenn etwas erreicht werden solle.“

Aber bitte versteht mich nicht miß: Ich finde das Grundanliegen des Vereins sehr unterstützenswert. Denn natürlich muß unsere Demokratie fit gemacht werden für die Zukunft. Gerade als Leidensgenosse der anderen Feldpostnummer weiß ich nur zu gut, was für eine Kärrnerarbeit es ist, Neo-Ludditen zu erklären, daß das Internet nicht nur nicht mehr weggeht, sondern die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht transformieren wird; daß man die damit verbundenen Querschnittsaufgaben verstehen und angehen muß.

Und da die Erkenntnise hinsichtlich dieser Ziele und überhaupt das Problembewußtsein eben in der Breite der Bevölkerung nicht überall sehr ausgeprägt sind (und leider auch und gerade in der Politik noch viel Luft nach oben hat), finde ich alles super, was beiträgt, unser Land hier voranzubringen und dabei die Menschen auch mitzunehmen (Die D64er sagen, daß sie „weniger elitär“ sein wollten als die Piraten. Abgesehen von den 120 € Jahresbeitrag muß ich sagen, daß ich bisher das Wort elitär nicht als spontane Assoziation bzgl. Piraten hatte…)

Netzpolitik.org verortet den Verein jedenfalls „irgendwo zwischen dem Politcamp e.V. und dem von Google initierten Collaboraty“. Nun, wir werden sehen, wohin sich das entwickelt. Ob der Verein so offen ist, wie er ankündigt oder ob er eher sozialdemokratisches Netzalibi wird. Bisher sieht das eigentlich ganz hoffnungsvoll aus.

Wie dem auch sei: Ich wünsche D64 aufrichtig Glück und Erfolg, sowohl beim Wirken in die SPD als auch in die Gesellschaft und bin gespannt, wie es weitergeht.



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    Urheberrecht & Co. — Der digitale Riß geht quer durch die Parteien
    Das iRights.info-Blog für „Kreativität und Urheberrecht in der digitalen Welt“ orakelt: CDU droht Spaltung beim Urheberrecht. Es verweist dabei auf die von netzaffinen Mitgliedern aus CDU und CSU ins Leben gerufene Initiative Faires Urheberrecht (Dislaim
    Weblog: Stecki's Blog
    Aufgenommen: Dez 17, 18:47

Kommentare


    #1 Nico am 12/04/11 um 12:56
    *danke :-)
    #2 Kai am 12/04/11 um 12:58
    *Man darf skeptisch sein. Die Intuition ist ehrenhaft und sollte befürwortet werden, die bisherige Umsetzung, bzw. alles im Vorfeld erinnert mitunter aber tatsächlich an Kleingärtnerverein.

    Ich verfolgte den Parteitag der Piraten, und auch hier wurde deutlich: Wenn es ernst wird, dann gelten andere Regeln. Wenn es plötzlich um Ernsthaftigkeit geht, darum einen Konsens, auch innerhalb einer breiten Bevölkerung, zu finden, dann ist halt nichts mehr mit “irgendwie so, ja, machen wir, super Idee...etc.”.

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