Die Union und das Netz — ein Trauerspiel

Donnerstag, 11. August 2011

Unter dem prägnanten, aber leider nicht unzutreffenden Titel Mies, mieser, richtig schlecht: CDU-Seiten (unbedingt lesen!) hat @Johanstormarn stahlharte Nerven bewiesen, indem er sich einmal Internet-Auftritte der Union im Netz etwas näher angeschaut und die technische Basis untersucht hat. Und ich danke ihm für diese tapfere Tat, um die er nicht zu beneiden ist, denn ich weiß nicht, ob ich mir das in dieser Konsequenz angetan hätte.

Zunächst aber zitiere ich hier Johans Disclaimer, weil sie auch für mich gelten und ich sie auch nicht schöner formulieren könnte ;-)

[Disclaimer: Ich bin Mitglied der CDU-Schleswig-Holstein und versuche manchmal Tipps zu geben, was man besser machen könnte. Nicht alles davon wird umgesetzt, aber manches wurde schon umgesetzt, weshalb die CDU-SH.de vielleicht nicht so schlecht abschneidet, wie sie es vor ein paar Monaten getan hätte…]

[Disclaimer2: Auch diese Seite hat noch viel Potenzial in vieler Hinsicht. Aber: Es handelt sich um eine private Seite eines Ehrenamtlichen im Vorruhestand und nicht um eine Seite einer großen Volkspartei…]

Validierung, Semantik, Speed oder: Was läuft alles schief?

Johan hat die Seiten auf elementare technische Aspekte geprüft, von korrekten Status-Codes und zu Nicht-Validierung führende Fehler in HTML und CSS über Barriereunfreiheit und LahmarschigkeitGeschwindigkeitsproblemen bis hin zu grundlegenden semantischen Schwierigkeiten in Sachen Überschriftenlogik und Seitenbeschreibungen/-titel.

Sein Ranking deckt im Ergebnis den Bereich von schlecht nach noch schlechter über mies bis richtig mies ab. Insgesamt vermag keine Site in technischer Hinsicht auch nur ansatzweise zu überzeugen oder auch nur einen guten Eindruck abzugeben. Und auch wenn er selbst darauf hinweist, daß seine Untersuchung weder wissenschaftlich noch gründlich (das wäre vermutlich für den Untersuchenden auch zu schmerzhaft) ist, so stimmt sie und auch seine Schlußfolgerungen mit meinen Beobachtungen überein.

SEO, mobile, Struktur oder: Was noch alles fehlt…

Natürlich könnte man (Delegativ I) wenn man Zeit hat (Delegativ II) die Untersuchung noch verfeinern. Denn neben Standardkonformität, Barrierefreiheit, Geschwindigkeit und Grundsemantik wären ja viele weitere technische und strukturelle Aspekte interessant, um die technische Qualität zu bewerten (spontan fragt man sich, inwieweit die Sites optimal von Suchmaschinen ausgewertet werden können oder auf mobilen Geräten auch nur halbwegs nutzbar sind). Und viele andere Dinge wären schon auch interessant: Wie steht es grundlegend um Usability und Ergonomie? Sind die erzeugten URLs kurz, prägnant, les- und merkbar (und wie halten die Systeme es mit cool uris never change?)? Wie findet der Besucher die gewünschten Informationen? Funktioniert die Suchfunktion brauchbar? Sind die Informationen logisch strukturiert, gibt es Tags und/oder Kategorien oder vielleicht sogar Georeferenzierung? Wie steht es um Feeds, Microformats/Microdata/schema.org/openGraph-Tags etc.?

Fragen über Fragen…(ihr könnt das ja gerne mal systematischer angehen, ich habe da eine hinreichend fundierte Ahnung; und ja: inhaltliche Aspekte sind dabei noch nicht mal thematisiert)

Warum?

Am Ende aber grübelt man: Warum ist das so? Warum scheitern solche Sites häufig schon an den technischen Fundamenten? Ist den Machern nicht klar, daß eine formal-technisch defekte und/oder schlicht lahme Seite den Nutzer bestenfalls zumindest subliminal negativ voreinnimmt? Sind die teils gravierenden Konsequenzen hinsichtlich Auffindbarkeit durch Suchmaschinen und damit Sichtbarkeit im Netz bewußt? Kommt es den Verantwortlichen überhaupt in den Sinn, daß Seiten, die nur unter erschwerten Bedingungen oder mit erhöhtem Aufwand gefunden und aufgerufen werden können, weit unter Potential liegen? Daß man seine Inhalte nicht an den Mann bringt, wenn man Menschen durch mangelnde Mobilunterstützung oder Unzugänglichkeit mangels Barrierefreiheit ausschließt? Und daß man seine Informationen nur schlecht (insb. nicht viral und schnell) streuen kann, wenn An- und Einbindungsmöglichkeiten in Soziale Netzwerke fehlen?

Einfache Antworten gibt es darauf sicher nicht. Aber wer in Slate Overdone – Why are restaurant websites so horrifically bad? gelesen hat, kann einige der dort herausgearbeiteten Gründe auch im politischen Umfeld finden.

Meine persönliche Erfahrung zeigt, daß die Ursachen unter anderem (nicht abschließend) in einer Melange folgender Problemkreise liegen:

  • Häufig wird eine Webpräsenz als notwendiges Übel gesehen. Muß man haben. Darf aber nichts kosten. Und auch keine Arbeitszeit binden. Entsprechend folgt daraus eine finanziell, konzeptionell und personell problematische Prioritätensetzung.
  • Dies ist den Verantwortlichen (lies: Vorständen) in der Regel nicht einmal (zumindest nicht in vollem Umfang) klar, da sie gar kein Gefühl für die Materie haben. Wenn überhaupt, nutzen Sie nur kleine Teile des Netzes. Vielleicht bisserl Email. Mal was googlen (Vanity-Searches?). Gelegentlich mal eine Website anschauen. Aber eben auch nicht ernsthaft nutzen, sprich: Keine Feeds abonniert haben, alles nur oberflächlich erleben.
  • Die mangelnde Erfahrung möchte ich dabei niemandem vorwerfen. Denn natürlich sollen Politiker primär ihren eigentlichen Job machen (bitter wird es, wenn Netzpolitik zum Betätigungsfeld gehört, aber das ist eine andere traurige Baustelle). Und wenn sie das mit alten Mitteln und Werkzeugen tun wollen, dann soll das eben so sein. Daß dies nicht zeitgemäß ist, ihnen dabei viele wichtige Erfahrungen und viel Austausch fehlt, ist dann eben so. Nur: Dann sollen sie eben bitte auch nicht entscheiden, wie ein Internetauftritt auszusehen hat.
  • Neben (in technischen Internetfragen) inkompetenten Entscheidern liegt eine Ursache natürlich auch in Dienstleistern, die es sich leicht machen. Sieht die Seite nett aus, ist alles gut. Ob dahinter technisch alles zusammenbricht oder nicht, bekommt der Kunde ja nicht mit. Und ob bzw. wie die Seite genutzt wird, ja auch nicht wirklich (Johan hatte hier auch extra über Trackingtools geschrieben: Ich persönlich glaube, daß nur ein minimaler Bruchteil der Daten überhaupt zur Analyse genutzt wird).

Was tun?

Offengestanden bin ich hier fatalistisch. Denn ich beschäftige mich seit bald zwei Jahrzehnten mit der Thematik Internet und Politik. Zwar geht es (natürlich) in der Politik auch Stück für Stück voran. Aber eben auch zu langsam. Denn der Rest der Welt bewegt sich schneller vorwärts. Sprich: Auch wenn natürlich die Internet-Auftritte von heute nicht mehr so mies sind wie vor einigen Jahren, sind sie gemessen an zeitgemäßen Präsenzen relativ mieser.

Vor allem scheint Online-Kommunikation nach wie vor zu wenig strategisch ausgelegt. Und nach wie vor sieht man mindestens in der Union Websites wie früher primär als Visitenkarte mit paar Kontaktinfos und etwas News-Broadcasting. Ohne Interaktion und Partizipation als Schlagwörter überstrapazieren zu wollen, müssen Parteien im Internet lernen, auf gleicher Augenhöhe mitzukommunizieren. Sie müssen also auch zuhören und antworten. Und sie müssen echte Transparenz schaffen. Die Zeiten bloßen Rauspustens von Pressemitteilungen ist lang vorbei. Auch die professionelle Politik muß das Internet als echte Arbeitsplattform (nicht als Alibi) erkennen und nutzen. Funktionäre und Mitglieder müssen befähigt, geschult und motiviert werden. Ich kenne viele Leute, die sich gern mehr einbringen würden, denen aber schlicht die Werkzeuge und das Wissen fehlen.

Wo sind denn die Verbände in der Union (neben meinem eigenen kleinen Ortsverband), die für Mitglieder (aber gern durchaus auch offen) Wikis als institutionalisiertes Gedächtnis nutzen oder kollaborativ in Docs oder Etherpads Dinge erarbeiten?

Bottom-Up funktioniert hier nicht unbedingt immer, solange übergeordnete Ebenen/Vorstände bestimmte Dinge einfach totlaufen lassen bzw. nicht ernst genug nehmen, um entsprechende Priorität einzuräumen. Wenn die Union den Anschluß nicht verlieren will, muß etwas geschehen.

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit…

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Habemus PolitCamp e.V.

Montag, 8. August 2011

Aus einer Idee…wird eine Veranstaltung…wird ein Verein…

Tja, dem gemeinen Deutschen wird ja allgemein ein gewisser Hang zur Vereinsmeierei nachgesagt. Dennoch liegt manchmal nichts näher, als eben diese Form einer organisierten Zusammenarbeit anzustreben, wenn gemeinsame Ideen und Ziele verwirklicht werden wollen.

In diesem Geiste trafen sich am vergangenen Wochenende netzpolitisch Engagierte aus dem gesamten Bundesgebiet in Hamburg zur Gründungsversammlung des PolitCamp e.V. — und als #pc09/10/11-Veteran war auch ich sehr gern dabei.

Wir Gründungsmitglieder haben dort über Ziele, Aufgaben und Arbeitsweise gesprochen, eine Satzung beschlossen (die vollständig veröffentlicht wird, sobald der Verein offiziell eingetragen ist) und einen Vorstand gewählt.

Der PolitCamp e.V. soll keine klassische Lobby-Organisation sein, die konkrete politische Vorstellungen durchsetzen oder inhaltliche Kampagnen durchziehen will. Vielmehr geht es darum, gemeinnützig auf der Meta-Ebene die Netzpolitik zu befördern und ihr in Politik, Parteien und Gesellschaft mehr Gewicht zu verleihen. Die Satzung formuliert:

„Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

Zweck des Vereins ist

  1. die allgemeine Förderung des demokratischen Staatswesens; hierzu gehören nicht Bestrebungen, die nur bestimmte Einzelinteressen staatsbürgerlicher Art verfolgen oder die auf den kommunalpolitischen Bereich beschränkt sind;
  2. die Förderung der überparteilichen netz- und medienpolitischen Diskussionen, um weiterhin einen offenen und konstruktiven Austausch zu ermöglichen;
  3. die Vernetzung netzpolitischer Kompetenzen überparteilich zu unterstützen;
  4. netz- und medienpolitische Diskussionen innerhalb der Parteien voran zu treiben, ohne jedoch konkrete Handlungsempfehlungen zu geben;
  5. die Förderung von medienpolitischen Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen.“

Ich freue mich sehr, daß sich aus den gelungenen PolitCamps — auf denen man eben auch überparteilich (gewissermaßen als Leidensgenossen) zusammengefunden hat — nun ein festeres Fundament mit schlagkräftiger Struktur gebildet hat. Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit tollen Leuten, die bei allen politischen Unterschieden eben auch große Gemeinsamkeiten haben und sich für diese einsetzen.

Ich bin also nun ein happy PolitCamper ;-)


Infos über den PolitCamp e.V.:

Und natürlich freut sich der PolitCamp-Verein über jeden, der mitmachen udn/oder fördern will…

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Big Flavour? Wo genau?

Donnerstag, 21. Juli 2011

tl;dr: Sorry, aber das war wohl nix.

Im Rahmen meiner OCD McSucht Neugier nach Burgerchen habe ich eben den letzten der im Rahmen der „Mein Burger“-Reihe erscheinenden Burger, den Big Flavour probiert. Leider bin ich ziemlich enttäuscht. Denn das Teil wird seinem Namen nur (um es diplomatisch auszudrücken) sehr ansatzweise gerecht.

So ist die Verpackung zwar durchaus big, aber der Burger darin höchstens vom Durchmesser (Bun ist vom Big Tasty) groß, ansonsten irritierend flach. Zugegeben mag das daran liegen, daß die Zutaten (Mexico-Sauce, Jalapeño-Ringe, Tomatenscheiben, karamellisierte Zwiebeln und Bacon nicht so fürchterlich dick auftragen.

Leider tragen sie aber nicht nur physikalisch wenig auf, sondern auch geschmacklich. Von der Mexico-Sauce ist bestenfalls zu sehen, daß sie da ist. Die Zwiebeln gehen im Gemansche ohnehin unter. Insg. scheinen sich die Eigengeschmäcker der Zutaten — so diese über selbige verfügen — gegenseitig zu neutralisieren. Insgesamt ist das Ding jedenfalls überraschend fad und öde. Es reizt mich nicht. Wenn man zufällig auf einen Jalapenõ-Ring trifft, wird es kurz leicht scharf. Das war es aber auch. Von wegen Flavour.

Ich würde gern mehr berichten, aber mehr ist da nicht. Wirklich. Im Ranking der Reihe kommt der BigFlavour nur deshalb nicht auf den letzten Platz, weil er im Gegensatz zum McBrezel geschmacksneutral und nicht absonderlich ist ;-)

Fazit: Muß man nicht haben.


Siehe auch: Habe mal eben die Tanja vernascht.

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Am vergangenen Freitag strahlte Radio Schleswig-Holstein im Frühstücksclub mit Carsten Köthe ein kurzes Interview mit mir zum Ausstieg Delingsdorfs aus den Sozialen Netzwerken Facebook und Twitter aus, das ich hier der Vollständigkeit halber dokumentiere:

Die Veröffentlichung des Mitschnittes erfolgt mit freundlicher Genehmigung von RSH.


P.S.: Wie nicht anders zu erwarten war (und wie ich der Gemeinde auch vorhergesagt habe, siehe Web 2.0? Ohne Delingsdorf :-(), ist heute nun eine neue Delingsdorf-Seite auf Facebook entstanden. Ich weiß leider nicht, wer dahintersteckt. Aber ich hoffe, daß dort kein Schindluder getrieben wird. Bisher sieht das dort aber alles ganz ok aus.

Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert:

Habe mal eben die Tanja vernascht…

Donnerstag, 14. Juli 2011

Abstract: Ich konnte den Reizen des Chics nicht widerstehen. Es mußte einfach sein. Und Tanja war echt heiß… #sabber #inflektivnutz

Dem einen oder anderen ist ja eine gewisse Neigung meinerseits zu US-amerikanischer Feinkost nicht ganz unbekannt. Nicht umsonst nennt man mich gelegentlich auch McSteck. Ganz früher habe ich ja mal als selbsternannter zertifizierter Qualitätssicherer mein Unwesen getrieben, sogar die inzwischen leider antiquarische Seite www.burgertest.de ins Leben gerufen. Und da @griepentrog ja auch wieder verstärkt fachmännisch tätig wird (siehe seinen sehr lesenswerten Test des Just-Stevinho), möchte ich ihm in nichts nachstehen. Mein Testbeitrag Der Nürnburger — eine herrlich-schottisch-bajuwarische Brotzeit ist schließlich auch lang her.

Eigentlich wollte ich die Testreihe bayerisch fortsetzen. Aber der McBrezel war leider eine herbe Enttäuschung (kalter, sog. Kartoffelsalat paßte einfach nicht dadrauf, eine ordentliche Ladung süßer Senf wäre hilfreicher gewesen), so daß ich das dann lieber gelassen habe.

Seit heute und nur für eine Woche gibt es jedenfalls im Rahmen der Mein Burger-Aktion bei McDo den Tanja Grilled Chicken Barbecue, eine Kreation aus Barbecue-Sauce, Mais, Salat-Mix, Tomatenscheiben, Pepper-Jack-Käse auf gegrilltem Hähnchenfleisch im McRib-Brötchen.

Und ich muß sagen: Ein schönes Ding.

Da ich Burger eher als Gesamtkunstwerk sehe, verzichte ich auf einen zu systematischen Test. Natürlich ist für Viele schon die Tatsache, daß auf dem Bun kein Beef ist ein ernstzunehmendes Problem. Wer nicht auf Chicken steht, der wird in der Tat mit der Tanja nicht glücklich. Allerdings lohnt der Test dennoch. Denn die Zutaten sind geschmacklich eine spannende Kombination. Das Hähnchen ist sehr saftig. Die Barbecue-Soße gibt eine rauchige Note. Dazu leicht süßlich der Mais. Insg. vom Volumen ganz adäquat, vielleicht etwas schwierig in der Handhabung, ergibt sich ein harmonisches Gesamtgefühl mit pfefferkäsebedingt leicht würzigem Abgang. Das Mouthfeeling war anständig sabschig, man hat nicht das Bedürfnis, ständig nachzuspülen.

Summa summarum: Von den bisher vier Burgern dieser Reihe reiht er sich gaaanz knapp haarscharf hinter dem Stevinho auf einen sehr guten zweiten Platz ein. Daher eine uneingeschränkte Genußempfehlung!

Bleibt mir nur eins: Liebste Tanja, vielen Dank für diese tolle Kreation und herzliche Grüße nach Oberleichtersbach! ;-)

Standardverpackung für „Mein Burger“, daher etwas langweilig…
Statisch etwas suboptimal gepackt.
Aber dank der verrutschten Ladung kann man einen schönen Blick auf die inneren Werte werfen.
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Vor einigen Tagen hatte ich unter dem Titel Web 2.0? Ohne Delingsdorf :-( vom Ausstieg meines Dorfes aus Sozialen Netzwerken berichtet.

Heute halte ich das — wie üblich per Schneckenpost — übermittelte Protokoll der Gemeindevertretersitzung vom 28.06.2011 in der Hand (zwischenzeitlich habe ich es auf Delingsdorf/Politik/Protokolle hochgeladen, es ist zum Download als PDF verfügbar). Zur Dokumentation gebe ich den betreffenden Abschnitt hier (inkl. vorhandener Formulierungsfehler) wieder:

Punkt 10, betr.: Internetseite der Gemeinde Delingsdorf, hier: Verlinkung zu „sozialen Netzwerken (Internet)“

Herr Knudsen berichtet, dass auf der Internetseite der Gemeinde Delingsdorf Links auf Facebook, Twitter und flickr vorhanden sind, und dies als Werbung für diese sozialen Netzwerke angesehen werden könnte. Er hält dies für fragwürdig und regt an, diese Verlinkung zu entfernen. Weiterhin existiert auf Facebook ein Account „Delingsdorf“, auf dem auch das Delingsdorfer Wappen verwendet wird, so dass hier der Eindruck entsteht, es handele sich um einen offiziellen Auftritt der Gemeinde in diesem Netzwerk. Dieser Account wurde von den Betreuern der Webseite als zusätzliches Angebot eingerichtet.

Es entwickelt sich eine ausführliche und kontroverse Diskussion über Sinn, Nutzen, Gefahren und positive oder negative Effekte, die eine Registrierung der Gemeinde in den genannten sozialen Netzwerken und die Verlinkung darauf von der Homepage der Gemeinde haben kann. Insbesondere wird auch die Verwendung der Hoheitszeichen thematisiert.

Abschließend stellt Herr Knudsen folgende Frage zur Abstimmung:

Soll die Gemeinde einen offiziellen Account bei Facebook und Twitter führen?

Abstimmungsergebnis: 2-Ja-Stimmen, 8 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen

Daraus ergibt sich, dass die im Namen der Gemeinde eingerichteten Accounts für Facebook und Twitter zu löschen und die Links auf Facebook und Twitter von www.delingsdorf.de zu entfernen. Die Verlinkung zu anderen externen Dienstleistern (für Bilder, Videos etc.) sind davon nicht erfasst.

Ich lasse das jetzt mal unkommentiert wirken. Es ist schon generell immer sehr interessant, wie wenig (und welche Teile/Redner) sich in Protokollen wiederfinden. Mein Ratschlag (ganz allgemein): Verlaßt euch nicht auf Protokolle, geht am besten (soweit zeitlich machbar) selbst zu den Sitzungen oder sprecht mit Leuten (Plural, sprich: holt mehrere Berichte, möglichst aus unterschiedlichen Perspektiven, ein), die dabei waren.

Link-Dump

Da die ganze Geschichte (nicht zu Unrecht) einiges an Staub aufgewirbelt hat, hier ein kleiner Link-Dump:

Zeitungen

Blogs

Ansonsten findet man Reaktionen und Diskussionen dazu bei diversen Leutchen auf Facebook oder auch über eine Twitter-Suche.

Zu guter letzt…

Wer weiterhin „sozialmedial“ über Delingsdorf auf dem Laufenden sein möchte, der möge bei facebook.com/delingsdorf auf “gefällt-mir” klicken und/oder @cdu_delingsdorf bei Twitter folgen — denn meinem CDU Ortsverband Delingsdorf ist auch der virtuelle Kontakt und Austausch wichtig. Wir stehen für Transparenz, Bürgernähe und Partizipation!


Technischer Hinweis: Keine Ahnung warum, aber die Facebook-Like-Box funktioniert bei diesem Beitrag nicht. Verschluckt Sie sich evtl. am em-Dash im Titel? Kann es derzeit nicht prüfen/ändern…


Nachtrag 18.07.2011: Siehe auch Delingsdorf steigt aus — Interview-Mitschnitt aus RSH.

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Ein paar Notizen zu Google+

Freitag, 1. Juli 2011

Seit ungefähr einem halben Tag habe ich nun dank zuvorkommender Menschen die Möglichkeit, Google+ zu nutzen. Es bedurfte nur einer recht kurzen Eingewöhnung, um die grundlegenden Funktionalitäten zu bedienen. Eine gewisse Grundähnlichkeit zu Facebook ist nicht abzustreiten. Aber letztlich scheint + durchdachter und stärker an Benutzbarkeit orientiert.

Hier möchte ich nun ein paar Dinge auflisten, die mir aufgefallen sind, im Guten wie im Schlechten. Dabei muß ich einräumen, noch lange nicht alle Möglichkeiten getestet zu haben (vielleicht habe ich Mankos notiert, die keine sind, weil ich nur zu blind oder dusselig war — dann bitte ich um höflichen Hinweis). Für Hangout und tiefergehende Experimente mit Sparks fehlte mir die Zeit, für Huddle gar das Device ;-)

Die nachfolgende Liste ist nicht sonderlich sortiert. Und ggf. werde ich sie um weitere Punkte ergänzen, die mir auffallen. Vielleicht finde ich auch noch die Zeit, ein paar Screenshots beizufügen.

+punkte

Slick

Das wäre das Wort, mit dem ich das gesamte Look & Feel von Google+ beschreiben würde. Es ist optisch ansprechend, aufgeräumt und modern, die UI ist nicht zu verspielt, nutzt aber zeitgemäße technische Möglichkeiten (bestes Beispiel das Handling von Circles) für bisher so nie dagewesenen Bedienkomfort. Wenn man sich das UI anschaut, glaubt man zunächst nicht, in einem Google-Produkt zu stecken.

Posten aus der Google-Bar

Richtig praktisch ist die Möglichkeit, direkt oben rechts aus der optimierten Google-Toolbar Beiträge absetzen und Benachrichtigungen lesen zu können. Dies macht Bedienung aus anderen Google-Diensten sehr praktisch. Und ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß Google seine Toolbar sogar für Websites einbindbar macht (aufgebohrtes Connect sozusagen). Schade, daß bei einigen Google-Diensten naheliegende Möglichkeiten zum sharen auf + noch nicht implementiert sind (so bspw. bei Reader).

Sehr lange Beiträge möglich

Twitter erlaubt 140 Zeichen, Facebook in Statusmeldungen auch nur magere 420 (die für sehr viele Fälle nicht ausreichen). Google+ scheint nach meinen ersten Tests eine solche Begrenzung nicht zu haben.

Textformatierung

Mit Steuerzeichen *fett*, -durchgestrichen-, kursiv kann man Text angenehm lesbar auszeichnen. Gerade im Zusammenhang mit dem vorigen Punkt sehr sinnvoll. Fehlt nur (vielleicht habe ich es auch übersehen) die Möglichkeit, Aufzählungen und Zwischenüberschriften :-) im Beitrag zu formatieren.

Beitrags-Optionen

Nützlich ist, daß man einzelne Beiträge noch konfigurieren kann, beispielsweise um Kommentierung oder das Teilen zu deaktivieren.

Profil ansehen als

Als eine echte Killerfunktion zumindest für Paranoiker könnte sich diese Funktion erweisen, ermöglicht sie doch, genau zu prüfen, wie das eigene Profil für andere Nutzer oder das öffentliche Web angezeigt wird (nützlich gerade auch dann, wenn man Beiträge an sog. erweiterte Kreise postet, also an alle Nutzer in den eigenen Kreisen und den Kreisen der Kontakte.

(noch) keine Bots

Das wird sich sicherlich ändern, aber derzeit ist Google+ weitgehend spamfreie Zone und es gibt auch keine nervigen Bots (LOL-Polizei etc.).

Minus bei Google Plus

Aufrücker-Threads

Beiträge rücken bei neuen Kommentaren wieder an das obere Ende des Nachrichtenstroms. Ob das die optimale Anzeigelogik ist, wage ich zu bezweifeln. Man sollte zwischen Sortierung nach Aktualität des Beitrages, der Kommentare oder Relevanz (das müßte Google doch am besten hinbekommen) wählen können.

Nachtrag 01.07.2011 01:55: Laut Scoble ist Google bereits an dieser Sache dran und man kann durch “mute” (in den Beitragsoptionen) nervig nach oben blubbernde Beiträge ausblenden.

Wie taggen?

Ganz schlicht gefragt: Wo gibt es Hashtags wie bei Twitter oder eine anderweitige Möglichkeit, Dinge zu taggen, um sie später entsprechend retrieven (vielleicht auch per RSS) zu können?

Unschöne URLs

Profilseiten haben numerische IDs, à la https://plus.google.com/102951224065923126631/posts. In Zeiten, wo darüber diskutiert wird, URLs de facto aus dem Browser zu verbannen, mag das altbacken sein. Aber dennoch sehe ich in optisch schönen, aussagekräftigen sprechenden URLs einen Mehrwert.

Keine +1-Funktionalität in den Benachrichtigungen

Während die Benachrichtigungen oben rechts an sich (s.o.) sehr praktisch sind, ist es etwas lästig, daß man dort zwar kommentieren, nicht aber den Beitrag oder Kommentare plussen kann.

Mal eben eine Message?

Vielleicht habe ich etwas übersehen, aber: Wie kann ich mal eben innerhalb + jemanden (schriftlich) anchatten oder eine Nachricht schreiben? Muß ich dazu wirklich in den richtigen Google Chat oder nach Google Mail wechseln? Das wäre mir zu nervig.

Nachtrag 01.07.2011 12:05: Verschiedene Nutzer weisen mich darauf hin, daß man schlicht einfach nur einen einzelnen (oder die gewünschten) Empfänger statt ganzer Kreise als Personen dem Beitrag hinzufügt. Das ist so straightforward, daß ich es wirklich übersehen habe. Muß über mich selbst Lachen! :-) Allerdings ein kleines Manko: Der/die Angeschriebenen sieht nicht sofort, daß das nur an ihn geht, da wie bei anderen Einträgen auch dann als Adressat schlicht „eingeschränkt“ steht, sprich: Man muß erst dort draufklicken, um zu merken, daß man ggf. alleiniger Empfänger ist (dies ist insg. ein Schwachpunkt: Ich verstehe, daß man Circle-Namen dort nicht anzeigen kann, weil die ja dem Absender vorbehalten und dem Empfänger verborgen sein sollen; dennoch ist es nervig, die Personenlisten dort zu analysieren. Da ist Nachbesserungsbedarf!).

Gemeinsame Gruppen

Während Circles an sich superpraktisch ist, so stört mich, daß diese Definitionen ja nur für das eigene Profil gelten. Schön wäre schon, wenn man auch Circles teilen könnte, um sie gemeinsam zu nutzen und zu administrieren. Aber ich bin mir sicher, daß sich in dieser Hinsicht noch einiges tun wird.

Fazit

Google+ bringt Spaß. Es ist zum Start genug Funktionalität da, um Facebook das Fürchten zu lehren. Es wurde besser propagiert, nutzerorientierter gestaltet und cleverer gestartet als das leider viel zu früh von uns gegangene Wave.

Ich glaube, Google+ ist gekommen, um zu bleiben!


Siehe auch:

Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert:

Web 2.0? Ohne Delingsdorf :-(

Mittwoch, 29. Juni 2011

Die Gemeindevertretung Delingsdorf hat auf ihrer gestrigen Sitzung (Tagesordnung) mit deutlicher Mehrheit beschlossen, Facebook und Twitter nicht als Kanal der Onlinekommunikation zu nutzen und angewiesen, die entsprechenden Accounts (facebook.com/delingsdorf und @delingsdorf) zu löschen.

Google startet sein Soziales Netzwerk. Der Papst twittert. Und @Delingsdorf steigt aus Facebook und Twitter aus. #nuffsaid

Unter dem Tagesordnungspunkt Internetseite der Gemeinde Delingsdorf, hier: Verlinkung zu „sozialen Netzwerken (Internet)“ wurde rund eine Stunde bei tropischen Temperaturen im Bürgerhaus diskutiert und es hat schon eine gewisse Ironie, daß die Gemeinde den Ausstieg just am selben Tag beschließt, an dem Google sein Soziales Netzwerk Google+ der Öffentlichkeit vorstellt und der Papst seinen ersten Tweet absetzt.

Hintergrund/Disclaimer

Zunächst einmal ein paar Fakten zur Einordnung: Seit Anfang 2003 betreue ich zusammen mit Constantin Dabelstein die Website der Gemeinde Delingsdorf www.delingsdorf.de in technischer wie auch redaktioneller Hinsicht. Sprich: Die Site ist damals komplett in Eigenarbeit entstanden (ich möchte nicht wissen, wie viele hundert (oder gar tausend) Mannstunden wir über die Jahre in Programmierung des Content-Management-Systems, der Templates und vor allem der stets nach Kräften möglichst umfangreichen und aktuellen Inhaltspflege gesteckt haben, ehrenamtlich und mit Spaß an der Sache). Dies geschah quasi im Auftrag der Gemeinde und mit selbiger, vertreten durch den Bürgermeister, im Impressum. Ich schreibe hier quasi, weil man uns sehr freie Hand gelassen hat und die Gemeinde(vertreter) auch kein besonderes Interesse hatten sich auch nicht wirklich mit Micromanagment der Angelegenheit beschäftigt haben. Wir haben daher stets versucht, den Onlineauftritt verantwortungsvoll, fair, objektiv und vor allem natürlich im Sinne der Gemeinde zu administrieren und es spricht insofern denke ich auch für sich, daß es in diesem Zusammenhang auch nie Ärger o.ä. gab.

Irgendwann kamen dann Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter auf die Bildfläche. Da wir verhindern wollten, daß die Gemeinde durch Aktivitäten von Trollen/Name-Grabbern/Fake-Accounts in ein schlechtes Licht gerückt wird und in der Annahme, daß mangels anderer aktiver und kompetenter Akteure diese Dienste letztlich auch nur weitere Kommunikationskanäle sind, die insofern unter unseren Auftrag und Autorisierung fallen, haben wir die jeweiligen Zugänge gesichert, aktiviert und stets aktuell befüllt. Es gab auf den Accounts keinerlei Probleme, alles verlief social-media-technisch normal.

Und was ist passiert?

Nichts. Jedenfalls nichts, was ich wüßte. Auf einem Ausschuß vor ein paar Wochen (habe die analogen Akten hier gerade nicht zur Hand) wurde unter dem Catch-All-TOP „Anfragen und Mitteilungen“ einmal kurz problematisiert, ob es gut sei, daß es von delingsdorf.de Links zu Facebook gäbe. Weitere Anfragen (beispielsweise direkt an einen der beiden Webmaster) gab es zu dem Thema zwischenzeitlich nicht. Bis zur gestrigen Sitzung.

Dort trug Bürgermeister Knudsen vor, daß er große Probleme darin sehen würde, daß von der Gemeindeseite aus Links zu Facebook & Co existieren würden. Hier handele es sich um US-amerikanische und nicht Delingsdorfer Unternehmen, die von dieser „Werbung“ profitieren und Geld verdienen würden. Darüber hinaus könne es nicht angehen, daß „irgendjemand“ unter dem Wappen der Gemeinde dort Informationen verbreiten würde. Es schlossen sich Beiträge anderer Gemeindevertreter (u.a. die Fraktionsvorsitzenden von WGD und SPD (Sitzverteilung in der Gemeinde ist 12 WGD, 3 CDU, 2 SPD)) an. Aufgrund der Länge der Diskussion ist es mir offengestanden nicht möglich, alle Aussagen im Einzelnen zuzuordnen. Ich versuche die Punkte zusammengefaßt und entsprechend paraphrasiert wiederzugeben:

  1. US-amerikanisches Unternehmen, das damit Geld verdient
  2. Unzulässige Werbung für 1.
  3. Wappenmißbrauch
  4. Datenschutz
  5. Da könne ja jeder etwas schreiben.
  6. Im Netz sei nur eine bestimmte Schicht/ein bestimmter Typus unterwegs.
  7. Kann man eine Sperre einrichten, damit Delingsdorfer Inhalte nicht auf Facebook erscheinen? (im konkreten Fall wollte man nicht, daß die Tagesordnung der Sitzung bei Facebook erscheint, dabei handelte es sich schlicht um einen Link zur Tagesordnung auf delingsdorf.de).
  8. Soziale Netzwerke seien Zeitverschwendung, denn es würde [den Vortragenden] nicht interessieren, was Person xy von sich gibt.
  9. Wer etwas über Delingsdorf wissen will, möge die Internetpräsenz der Gemeinde besuchen oder enstprechend Googeln.

Ich habe versucht, auf alle Punkte sachlich und differenziert einzugehen. Dabei muß ich einräumen, daß es bei solchen Situationen nicht leicht fällt, alle Diskussionspartner dort abzuholen, wo sie mit ihrem Wissen um Funktionsweise des Internets stehen (man kann da ja keinen mehrstündigen Schulungs-Exkurs mit reinpacken). Insbesondere fehlten völlig eigene praktische Erfahrungen mit der Nutzung Sozialer Netzwerke. Jeder, der Facebook und/oder Twitter lebt, hat eine Ahnung, was das heißt ;-)

Ob es also wirklich Werbung für Facebook ist, wenn die Gemeinde darauf verlinkt, dürfte recht zweifelhaft sein angesichts Größe und Trafficmenge der Gemeinde aber vor allem mit Blick darauf, daß Facebook nun wirklich ständig und überall auftaucht (Medienberichte, Werbung, Smalltalk) und ohnehin ca. die Hälfte der Internetnutzer in Deutschland dort bereits aktiv ist. Viel eher hat die Aktivität Delingsdorfs auf Facebook den Blick der Nutzer sowie Traffic auf die Gemeindeseite und ihre Informationen gelenkt.

Auch hatte sich uns als Befüllern der Accounts nie die Frage des Wappenmißbrauchs gestellt, weil wir davon ausgegangen waren und IMHO auch ausgehen konnten, daß genau das von unserem Auftrag hinsichtlich der Online-Kommunikation der Gemeinde umfaßt (und wie oben erläutert auch erforderlich) war. Das Argument hatte mich auch insofern überrascht, da wir den Facebook-Account z.B. schon seit fast 1,5 Jahren betreuten.

Objektiv bestehende Datenschutzproblematiken kamen kaum zur Diskussion. Hier stehe auch ich insb. FB durchaus kritisch gegenüber (auch wenn mein Abwägungsergebnis wie man auf dieser Seite sieht pro FB-/RT-Button ausfällt (ich aber derzeit auch an einer datenschutzrechtlich unproblematischen Version zum Nachladen der iframes bastele)).

Daß jeder kommentieren und posten könne, tja, was soll man dazu sagen? So ist das im Web 2.0. Kommunikation auf Augenhöhe, den Nutzern ein Forum bieten, sie aktivieren. Genau das, was eigentlich im Interesse der Gemeinde liegen sollte, weil es die Gemeinschaft zusammenbringt.

Und wie soll ich erklären, daß man das Setzen von Links und auch Deeplinks auf Inhalte nicht (wirksam|sinnvoll) unterbinden kann, diese Diskussion aus den Urzeiten des Webs stammt und Verlinkungen nun geradezu konstitutiv für selbiges sind‽

Die Diskussion über Filtersouveränität und Sinn/Funktion/Mechanismen bestimmter Statusmeldungen/Posts und der daraus entstehenden Kommunikation, war in der erforderlichen Tiefe leider nicht zu führen, auch wenn ich versucht habe, das anzuschneiden.

Zum „man kann ja Googeln“-Argument muß ich glaube ich dann nicht mehr viel sagen (und konnte auf der Sitzung leider nicht in der gebotenen Tiefe auf die darin befindliche Realsatire eingehen, ebenso wie ich nur am Rande darauf verweisen konnte, daß es sehr inkonsequent sei, dann nicht auch das Embedding von Google Maps, Youtube und Verlinkungen zu externen Services wie Picasa zu unterlassen).

Ich hatte noch versucht anzuregen, den TOP zu vertagen und im Rahmen eines Ausschusses, einer Klausursitzung oder einer Projektgruppe einmal ganz grundlegend darüber zu sprechen, wie eine zeitgemäße Online-Kommunikationsstrategie für das Dorf aussehen könnte. Ich erwähnte Dinge wie Email-/SMS-Verteiler, niederschwellige digitale Einsehbarkeit des Flächennutzungsplans und der Bebauungspläne etc. pp. (was heutzutage eben auch für eine Amtsgemeinde unserer Größenordnung (Amt=ca. 15.000 Einwohner, Gemeinde=ca. 2.200) darstellbar oder zumindest mittelfristig erstrebenswert wäre. Ich wies hin auf Aspekte wie Bürgernähe und Transparenz der Kommunalpolitik sowie auf die aktuelle Allensbach-Infosys-Studie „Social Media, IT & Society 2011“ (68% der Bevölkerung ab 16 Jahre für mehr Online-Beteiligung zu lokalen Themen). Es hat alles nichts genützt.

Am Ende habe ich selbst dann (um eine explizite, klare Ansage zu haben) gefragt, ob die Gemeinde nun auf Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter vertreten sein möchte oder diese Account zu löschen seien.

Für Nutzung Sozialer Netzwerke stimmten zwei Gemeindevertreter (mein CDU-Fraktionskollege und ich), gegen die Nutzung gab es acht Stimmen (7×WGD, 1×SPD) bei drei Enthaltungen aus der WGD (vier der 17 Gemeindevertreter waren verhindert).

Weisungsgemäß werde ich diesen Beschluß — auch wenn er mich persönlich außerordentlich hart trifft — umsetzen. Die Links von der Gemeindeseite sind (sofern ich nichts übersehen habe) allesamt entfernt. Die Accounts sind „entwappnet“ und werden nachher, so schade es um die ganzen Beiträge dort ist, unwiderbringlich gelöscht. Was dann bzgl. Delingsdorf auf den entsprechenden Plattformen passiert, kann ich nicht sagen. Ich hoffe, daß dort niemand böswillig die freigewordenen Namen abgreift. Man kann davon ausgehen, daß eine entsprechende Vernetzung dort früher oder später stattfinden wird.

Wer weiterhin „sozialmedial“ über Delingsdorf auf dem Laufenden sein möchte, dem lege ich zwischenzeitlich facebook.com/delingsdorf und @cdu_delingsdorf ans Herz — denn dem CDU Ortsverband Delingsdorf ist auch der virtuelle Kontakt und Austausch wichtig (auch wenn dessen digitaler Auftritt so manches Mal darunter litt, daß ich ihn als Admin gegenüber dem überparteilichen Gemeindeauftritt gelegentlich hintangestellt habe).

Fazit

Mich läßt die gestrige Sitzung jedenfalls sehr traurig und nachdenklich zurück. Für mich stellen sich durchaus sehr grundlegende Fragen nach dem mehrheitlichen Selbstverständnis Delingsdorfer Kommunalpolitik und auch des Sinns ehrenamtlichen Engagements. Vor allem kann ich schlicht und ergreifend die Entscheidung wirklich nicht verstehen. Sie paßt nicht in diese Zeit.

Hoffen kann ich nur, daß nicht ein Kommentator meines Facebook-Threads zu dem Thema mit seiner Spekulation recht hat:

Kann es sein, das Du der einzige, bzw der kompetenteste und aktivste Anwender von Social Media in der Gemeindevertretung bist, und Dir die anderen Ratsherren nur dieses Meinungsverbreitungsmonopol aus der Hand nehmen wollten? So eine Motivation würde in einer Sitzung ja nicht zugegeben werden.

Meine Antwort darauf war jedenfalls:

Wenn dem so sein sollte, hat die Mehrheit leider den Weg mit den größtmöglichen Kollateralschäden für die Delingsdorfer gewählt :-(

Allgemeiner Hinweis: Ich habe obigen Text in knapp bemessener Zeit verfaßt, um dem Informationsbedürfnis im Dorf Rechnung zu tragen. Der Text gibt den Sachverhalt nach bestem Wissen und Gewissen so wieder, wie er sich für mich darstellt. Ich spreche auch nur für mich persönlich, nicht für meinen Cowebmaster oder meine Partei. Sollten inhaltliche Mißverständnisse, Fehler oder falsch zu verstehende Formulierungen entstanden sein, bitte ich um Hinweis und Entschuldigung.


Nachtrag 07.07.2011: Siehe auch Delingsdorf steigt aus — Protokoll und Link-Dump.

Nachtrag 18.07.2011: Siehe auch Delingsdorf steigt aus — Interview-Mitschnitt aus RSH.

Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert:

<disclaimer>Ja, es ist keine wirkliche Neuigkeit, daß viele Smartphones/Computer/Programme/Apps mehr oder minder spannende Daten über das Nutzerverhalten sammeln und dann „nach Hause telefonieren“, um diese Daten an DatenfresserUnternehmen zur Auswertung oder gar zum Verkauf zu übermitteln. Und ja, wenn dies ohne informierte Zustimmung (z.B. durch Verschweigen oder Verschleierung mittels undurchschaubarer 6-Punkt-Formulierung in AGB-Konvoluten) des Nutzers und/oder unverschlüsselt passiert, ist dies eine inakzeptable Frechheit. Und auch ja, solche Dinge sind dann tatsächlich ein Fall für Datenschützer.</disclaimer>

Gestern war im (allgemein sehr lesenswerten) O’Reilly-Radar zu lesen, daß Apple iPhones und iPads mit iOS>=4 nicht nur (wie schon seit längerem bekannt) Lokalisierungsdaten aus GSM-Funkzellen/WLAN-Kennungen kumulieren, um diese alle 24 Stunden — sofern Wifi-Verbindung vorhanden — an Apple zu übertragen, sondern daß diese Daten im Gerät selbst offenbar über die gesamte Lebensdauer aggregiert und bei Synchronisationen/Datensicherungen mit iTunes entsprechend auf den jeweiligen Rechner übertragen werden. Dort sind sie dann über relativ simple Methoden aus einer Datei consolidated.db auslesbar (dies ist übrigens insofern ein Problem, daß natürlich dann lokale Spyware diese Daten abgreifen kann).

Mit dem iPhone-Tracker kann man diese Daten rudimentär visualisieren (das Programm ist letztlich ja nur proof-of-concept; je nach Zoomlevel rundet es die Ortungen auch; allerdings kann natürlich jeder das forken und verbessern). Das sieht dann ungefähr so aus:

Über die Privacy-Implikationen solcher faktisch Hidden-Features darf man sich IMHO grundsätzlich zu Recht aufregen (siehe sehr zutreffend Randnotiz: Bewegungsprofil@home). Aber das überlasse ich anderen :-) Denn ähnlich wie Johan und Sven kann ich dieser Datenerfassung durchaus etwas Positives abgewinnen. Denn seit vielen Jahren nutze ich beispielsweise auf Reisen und Ausflügen einen dedizierten GPS-Logger (insb. zur Georeferenzierung von Fotos) und bin bekanntermaßen auch ein Fan von Lokalisierungsdiensten.

Allerdings sind die vom Telefon gelogten Daten leider qualitativ minderwertig. Denn es werden eben außerhalb der Zeitfenster, in denen der GPS-Modus aktiv eingeschaltet wurden, letztlich nur sehr ungefähre Funkzellendaten verwendet. Das führt dann auch zur teilweisen Unbrauchbarkeit der Daten für eigene Zwecke, da diese teils (beispielsweise bei Zugfahrten) komplett falsch und irreführend sind. So war ich nicht an allen oben im Bild markierten Orten, insgesamt ist das doch alles eben sehr rudimentär. Ich kommentierte daher:

Was insg. fehlt ist eine richtige, über alle von einem genutzten Devices konsolidierte Datenbank, die umfangreiche Meta-, Attention- und Ambient-Data für Dateien, Programme/Apps und deren Inhalte (URLs, Mails) enthält. Echter Lifestream, am besten dazu noch für Quantified Self Dinge wie Mood, Körpertemperatur, Puls, Blutdruck, Adrenalin-/Cholesterin-/usw-Spiegel… #hach #träum #inflektivnutz

Wer beispielsweise The Numerati von Stephen Baker (s.a. thenumerati.net) gelesen hat, bekommt eine Ahnung davon, welche Daten man mit etwas Phantasie erfassen und — auch und insbesondere für sich selbst — aussagekräftig und hilfreich auswerten kann. Lifelogging/Lifestreaming, also Häufung und Langzeit-Archivierung solcher Daten sind ja kein Selbstzweck, sondern letztlich erst die Grundlage für einen m.E. richtungsweisenden Trend zum Quantified Self. Nicht umsonst werden langsam tragbare Daueraufzeichnungsgeräte wie Looxcie marktfähig (auch wenn sie heutzutage noch viel zu wenig Daten viel zu schlecht aufnehmen; siehe auch Microsoft Researchs SenseCam). Denn in der Regel ergibt sich die Auswertbarkeit ja erst bei Vorliegen großer Mengen kontinuierlich erfaßter unterschiedlicher Daten in entsprechender Qualität. Und in der Regel weiß man erst später, was man alles mit den Daten anstellen kann, da Phantasie für kreative Verknüpfbarkeit wie auch technische Möglichkeiten (noch) nicht vorhanden sind (siehe dazu OpenLiveStreetView3D wird kommen). Auch Informationen, mit denen man heute so in Rohform nichts meint anfangen zu können, können bzw. werden später durchaus spannend sein. Private (!) Vorratsdatenspeicherung ist insofern durchaus nicht abwegig. Absehbare Fortschritte in Sprach- und (Bewegt)Bilderkennung, Sensorik, Software, Preis pro Datenmenge usw. werden angesichts der zunehmend einfachen Möglichkeiten zu Visualisierung und Korrelation (Stichworte Google Visualisation API und Google Prediction API) mit Sicherheit Rahmenbedingungen für einen enormen Erkenntnisgewinn sein, minimiertes Vergessen durch dieses Exobrain eingeschlossen.

Was allerdings dramatisch fehlt ist eine solide, standardisierte Grundlage dafür. Eigentlich wäre meine Erwartung an das Jahr 2011, daß per OS-Integration in alle Geräte Erfassung von Attention-Data (welche Inhalte/Dateien/Programme/URLs besuche ich von wo wie lange) mit abgleichbaren Ambient-Metadaten (also welche Umgebungsbedingungen galten, s.o.) im Rahmen eines definierten Austauschformates transparent stattfindet. Aber das ist leider noch Zukunftsmusik; all’ diese tollen Informationen verpuffen erratisch oder gar nicht gespeichert :-(

Daher formuliere ich nun neben meinem Datenhaltungsmantra („Daten, die man hat, hat man.“) ein Datennutzungsmantra: Meine Daten gehören mir. Ich will diese Daten. Alle. Überall. Jederzeit.

Nun brauche ich nur Hard- und Software, die das auch umsetzt…

Further reading:

Und aus Gründen der Übersichtlichkeit und Praktikabilität die Buchtips als Amazon-Partnerlinks:

  • Stephen Baker: The Numerati
  • Constanze Kurz/Frank Rieger: Die Datenfresser
  • Gordon Bell: Total Recall: How the E-Memory Revolution Will Change Everything
  • Und als iTüpfelchen dann noch FWIW: Mehr Dünnschiss geht nicht: Merkbefreite Fanboys verteidigen Schnüffel-iPhone

    Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert:

    re:trospektive: re:infall re:publica

    Freitag, 15. April 2011

    Ok, vielleicht ist der Titel ein bisserl dolle, zu re:ißerisch gewissermaßen ;-) Und zugegeben: Ich habe jetzt nicht noch eine Nacht darüber geschlafen und schreibe daher in einem recht angefressenen Zustand. Und natürlich war nicht alles schlecht. Aber irgendwie muß man den leicht aufgestauten Frust ja loswerden…

    Und es ging ja schon mit einem — sagen wir mal — suboptimalen Auftakt los. Denn die Startup-Session Design Thinking versprach mehr als sie hielt und war latent einschläfernd. Ein schlechtes Omen sozusagen. An so eine herausragende Stelle der Konferenz hätte etwas anderes gehört; etwas, daß dem Event einen Kickstart verpaßt und/oder ihn auch thematisch mitbestimmt (denkbar wäre da beispielsweise die Digitale-Gesellschaft-Erklärbär-Session gewesen).

    Durch die Langeweile beim Auftakt wurde natürlich auch gleich das nächste Problem deutlich, nämlich das wie immer im wesentlichen non-funktionale Netz. Aber zum einen ist man das ja gewöhnt, zum anderen denke ich mal, daß bei der hohen Funkdevicedichte zufriedenstellende Anbindungen faktisch nach heutiger Technik unmöglich sind. Dennoch fühlt man sich durch faktisch fast fehlendes Netz fast schon kastriert, so abhängig ist man (ich verallgemeinere das sicherheitshalber mal) davon. Denn man wird eigene Gedanken oder Memo-Tweets nicht los und hat auch nicht den Überblick, was in anderen Räumen so läuft und die anderen Anwesenden mental so umtreibt.

    Dann gab es diesmal ja leider keine Killer-Keynote. Letztes Mal waren mit Jeff Jarvis und Peter Kruse ja zwei wirkliche Highlights dabei. Das wiederum hatte zur Folge, daß der Friedrichstadtpalast selber eigentlich kaum so richtig doll voll war, was seinerseits dazu führte, daß das Raumchaos in der Kalkscheune um Größenordnungen schlimmer war als letztes Jahr. In viele der eigenen Wunsch-Sessions kam man gar nicht erst rein, scheiterte ja sogar mal noch vor der Kalkscheune. Und wenn man es in einen der Räume schaffte, war er so überbelegt, daß man stehen durfte und Angst um den Sauerstoffgehalt der Luft hatte :-) Um dann getrost dem Motto erst hat man kein Glück und dann kommt noch Pech hinzu Vorträge zu erwischen, die ihrer Ankündigung oder jedenfalls den in sie gesetzten Erwartungen nicht gerecht wurde. Für meinen Geschmack jedenfalls waren viele Inhalte (ich kann natürlich nur von denen sprechen, die ich aufgrund der widrigen Umstände mitkriegen konnte — und erspare mir die Auflistung, weil ich auch niemanden dissen möchte) zu rückwärtsgewandt, Internet-Archäologie quasi, sprich: Zu viel was war, zu wenig was wird. Oder sie kamen jedenfalls um eine Grundeinführung nicht hinaus. Wirklich Neues, Denkanstößiges oder Überdentaghinausdauerndes habe ich leider kaum mitgenommen. Ich will zwar nicht von GAU sprechen, aber eine Verkettung unglücklicher Umstände war es insofern schon :-(

    Die inoffiziellen Komponenten der #rp11 hingegen waren dann doch schon nicht schlecht. Viele nette Gespräche gab es, dazu wieder einen Haufen Leute mal live und in Farbe gesprochen, die man sonst nur virtuell kennen- und schätzengelernt hatte. Und auch die Mittags-Sessions schmeckten mir ganz gut.

    Das Beste zum Schluß: Wer nicht im Workshop Information, Gestalt und Prognosen zum Leben von morgen war, hat IMHO den absoluten Top-Act der re:publica Ⅺ (man beachte den Unicode “Roman numeral eleven“; SCNR) verpaßt. Steffen Hoellein hat mit viel Charme, Ausstrahlung und (Wort-)Witz über die Essenz der Klassischen Moderne referiert. Inspiration pur! Seine Begeisterung war ansteckend und ich werde von diesem Vortrag (dessen Slides hoffentlich online gestellt werden?) noch lange zehren!

    Insgesamt überwiegen was das offizielle Programm anbelangt leider also die negativen Erfahrungen. Ob ich beim nächsten Klassentreffen dabei bin, kann ich daher noch nicht sagen. Ich hoffe jedenfalls darauf, daß klare organisatorische Konsequenzen gezogen werden.

    So, jetzt ist der Frust runtergeschrieben und ich entspanne mich dann mal…CU


    Hier eine weitere (ähnliche) Stimme:

    Und dann war da noch der etwas andere #rp11-Rückblick von PattyRo: Die Geschichte von Nerdjunge und Bloggermädchen.

    Dieser Text ist mir eine kleine Burgerbeteiligung fü McSteck wert:
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