Glück auf, D64!

Samstag, 3. Dezember 2011

Die SPD hat also jetzt eine außerparteiliche Opposition, eine eigene APO. Das war meine erste Assoziation, als ich von der Gründung des sozialdemokratischen Netzkreises D64 hörte. Die Gründer des „Zentrums für Digitalen Fortschritt“, eine Handvoll primär sozialdemokratische Netzpolitiker (oder sind es netzpolitische Sozialdemokraten?) der Generation C64 plus Lobbyisten von Google (Stefan Keuchel betont, daß dies reine Privatsache sei) und Facebook bezeichnen sich im buzzwordgetränkten Mission-Statement mit dem IMHO etwas abgegriffen-überstrapazierten Begriff „Think Tank“. Nun, es sei ihnen gegönnt, sich nach (so Die Zeit) eineinhalb Jahren Aufbauarbeit mit gesundem Selbstbewußtsein zu präsentieren ;-)

Dennoch bin ich officially ein ganz klein bisserl underwhelmed. Nicht, weil die Netzpolitik hierzulande langsam die Fortsetzung deutscher Vereinsmeierei mit digitalen Mitteln zu sein scheint (meiner einer ist beispielsweise mit Freude ein happy PolitCamper), sondern weil es ein wenig nach einem desillusionierten Verzweiflungsoutsourcing aussieht (und letztlich wird die Überzeugungskraft fürs Digitale ja nicht dadurch gestärkt, daß man auf möglichst vielen Hochzeiten tanzt, sondern daß die Basis verbreitert wird). Die Zeit schreibt:

„Vor allem scheint er eine Plattform für frustrierten SPD-Nachwuchs zu sein.

„Die Partei von innen verändern zu wollen, funktioniere nicht, sagt Mathias Richel, der Vorsitzende von D64. Man müsse von außen auf sie einwirken, wenn etwas erreicht werden solle.“

Aber bitte versteht mich nicht miß: Ich finde das Grundanliegen des Vereins sehr unterstützenswert. Denn natürlich muß unsere Demokratie fit gemacht werden für die Zukunft. Gerade als Leidensgenosse der anderen Feldpostnummer weiß ich nur zu gut, was für eine Kärrnerarbeit es ist, Neo-Ludditen zu erklären, daß das Internet nicht nur nicht mehr weggeht, sondern die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht transformieren wird; daß man die damit verbundenen Querschnittsaufgaben verstehen und angehen muß.

Und da die Erkenntnise hinsichtlich dieser Ziele und überhaupt das Problembewußtsein eben in der Breite der Bevölkerung nicht überall sehr ausgeprägt sind (und leider auch und gerade in der Politik noch viel Luft nach oben hat), finde ich alles super, was beiträgt, unser Land hier voranzubringen und dabei die Menschen auch mitzunehmen (Die D64er sagen, daß sie „weniger elitär“ sein wollten als die Piraten. Abgesehen von den 120 € Jahresbeitrag muß ich sagen, daß ich bisher das Wort elitär nicht als spontane Assoziation bzgl. Piraten hatte…)

Netzpolitik.org verortet den Verein jedenfalls „irgendwo zwischen dem Politcamp e.V. und dem von Google initierten Collaboraty“. Nun, wir werden sehen, wohin sich das entwickelt. Ob der Verein so offen ist, wie er ankündigt oder ob er eher sozialdemokratisches Netzalibi wird. Bisher sieht das eigentlich ganz hoffnungsvoll aus.

Wie dem auch sei: Ich wünsche D64 aufrichtig Glück und Erfolg, sowohl beim Wirken in die SPD als auch in die Gesellschaft und bin gespannt, wie es weitergeht.

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spd.de — Achtung: Augenkrebs-Alarm

Freitag, 2. Dezember 2011

Schön ist was anderes…
So sieht also ein „Startschuß für Regierungsübernahme“ aus. Und zwar primär Purpur, wenn es nach der SPD geht, die gestern ihren Internetauftritt neu gestartet hat. Ok, Frau Nahles nennt es „die neue und moderne Sekundär-Farbe Purpur“ und behauptet tapfer, diese stehe für Frische und Selbstbewußtsein“. Na denn.

Fest steht: Ein gesundes Selbstvertrauen braucht man schon, wenn man mit der Farbkombination rot-lila in den Kampf ziehen will. Ich jedenfalls twitterte gesten schon: Rot und purpur? Ernsthaft‽.

Meine Vermutung ist ja, daß der zuständige Designer farbenblind war oder vergessen hat, seinen Monitor zu kalibrieren… ;-) Andererseits darf man wohl annehmen, daß eine solch gruseligeauffällige Farbe nicht aus Versehen zustande gekommen ist. Sprich: Man hat sich etwas gedacht. Vielleicht wollte man um jeden Preis auffallen und ins Gespräch kommen? Das jedenfalls wäre gelungen. Oder ist es ein verfrühtes Koalitionsangebot an die optisch häufig farblich ähnlich repräsentierte Linke? Oder will man sich nur bei der Frauenbewegung anbiedern? Man weiß es nicht und grübelt. Und ja: Natürlich kann man meckern, daß eine Diskussion um eine Corporate-Design-Farbe oberflächlich ist. Aber wie gesagt: Man muß sich etwas Gedacht haben und laut Wiki gehören nicht Frische und Selbstbewußtsein zu den Farbassoziationen, sondern es werden Begriffe gelistet wie Lithurgie, Spiritualität und Unbefriedigt. Frau Nahles jedenfalls scheint die Farbwahl zu gefallen.

Lesenswert in diesem Zusammenhang das Designtagebuch: Bei der SPD ist der Würfel gefallen. Dort sind auch sehr spannende Kommentare zu finden :-)

Was den Würfel angeht: Daß der vormals etwas orientierungslos im Raum schwebende 3D-Würfel nun verschwunden ist, darf als überfällig bewertet werden. Die jetzige Platzierung jedoch wirkt allerdings nicht wesentlich weniger orientierungslos schwebend. Einfach so ohne Halt durch die Struktur in die Mitte geworfen — soll auch das eine politische Aussage sein?

Auf die Technik möchte ich jetzt nicht groß eingehen, wie ich es unter „der CDU ist nicht zu helfen“ getan habe. Nicht, weil die Seite technisch besser wäre (eher im Gegenteil, wie auch Johan andeutet), sondern weil ich meiner Partei gern kostenlos Tips zur Verbesserung des eigenen Auftritts gebe, nicht aber politische Mitbewerber pro bono beraten möchte. Ich bitte um Verständnis.

Was für ein Quellcode!

Dennoch möchte ich ein paar Worte dazu loswerden: Ob man wirklich ein Layout auf 1280 Pixel konzipieren sollte, darf bezweifelt werden. Daß man den Relaunch nicht zum Einsatz von HTML5 genutzt hat, ist ein anderer suboptimaler Punkt. Sehr heftig finde ich, daß die Seite sportliche >150 Requests macht. Wenn man sich dann noch die Seitenlänge und Struktur anschaut (hier verkleinert), kann man nur den Kopf schütteln. Überfrachtet, unübersichtlich, man wollte alles unterbringen, was man irgendwie einbauen konnte. Dabei sollte man doch gerade in der Politik wissen, daß die Kunst darin besteht, Prioritäten zu haben, klare Aussagen zu treffen und nicht ein Catch-All-Sammelsurium von Inhalten zu produzieren. Nun denn, die SPD muß selbst wissen, womit sie glücklich wird. Der Nutzer der Seite wird es jedenfalls mit Sicherheit nicht.

Nachtrag 05.12.2011: Purpur-Blabla des neuen SPD-Designs

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Prospektives Metawissen FTW

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Ich sage es ganz deutlich: Ich komme mit Menschen nicht klar, die eine bestimmte Geisteshaltung an den Tag legen. Und zwar die des chronischen Für-Sich-Behaltens von Informationen.

Bei einigen ist dieses Verhalten einem egoistischen Konkurrenz-Mindset geschuldet. Solche Leute meinen besser voranzukommen, wenn sie Herrschaftswissen akkumulieren, um es später gegen andere ausspielen zu können. Doch ähnlich wie bei der OpenAccess-Debatte übersehen sie, daß sie zwar relativ einen Wettbewerbsvorteil haben mögen, aber gar nicht wissen, welches Potential frühzeitige und umfassende Wissensweitergabe hätte freisetzen können. Sie handeln kurzsichtig. Denn unser aller Wohlstand hängt elementar mit Wissensentwicklung zusammen. Und diese gedeiht nur da optimal, wo Erkenntnisse und Erfahrungen ausgetauscht werden und sich gewissermaßen fortpflanzen können.

Leider wird man solche Zeitgenossen wohl kaum mit einem freundlichen Hinweis auf das Gemeinwohl bekehren können. Anders aber steht es mit grundsätzlich vielleicht sogar altruistisch motivierten Menschen, deren Versäumnis zu Teilen auf Unwissenheit/Trägheit/Denkfaulheit oder Nachlässigkeit beruht. Ich bilde mir ein, daß es hier nur einiger (gern wiederholter) Impulse und Denkanstöße bedarf, ihnen den Nutzen aufzuzeigen und sie darauf zu trainieren, daß sie Endpunkt einer informationstechnischen Einbahnstraße bleiben.

Denn wo wären wir, wenn jeder immer Stur alles für sich behielte? Schließlich stehen wir auf den Schultern von Giganten. Und es ist ein Zeichen der Weitsicht und Dankbarkeit dem kategorischen Imperativ folge zu leisten und zu helfen, uns alle voranzubringen.

Aber dafür müssen wir Erkenntnis erzeugen. Dies geht nicht ohne Aufklärung. Dafür brauchen wir einen prägnanten Begriff, welcher unser Konzept beschreibt, nämlich den des prospektiven Metawissens.

Prospektives Metawissen ist das Wissen um die Wichtigkeit einer Information für Andere.

Zusammenarbeit, ja Zusammenleben kann nicht ohne Berücksichtigung dieser Idee funktionieren. Kollaborationswerkzeuge wären stumpf, die Wikipedia wäre leer, wenn wir ein geschlossenes Hamster-Hirn hätten.

Um den Geist des Gedankens zu transportieren, habe ich die (wirklich sehr) kleine µ-Site prospektives-metawissen.de eingerichtet. Sie ist derzeit zugegeben etwas lieblos und leer (ich ziehe die Beschreibung „minimalistisch“ natürlich vor), erfüllt aber IMHO ihren Zweck (vielleicht habt ihr ja in den Kommentaren ein paar Anregungen, was man sinnvoll als weitere Erläuterungstexte oder Funktionalität (Kür des Kollaborations-Königs zB?) einbauen könnte).

Die Internet-Seite soll ermöglichen, Mitmenschen durch einen kleinen Wink für die Idee zu sensibilisieren. Oder auch Menschen quasi als positive Verstärkung für praktiziertes prospektives Metawissen zu danken.

Ich würde mich jedenfalls außerordentlich freuen, wenn ihr helfen könntet, den guten Gedanken für diese gemeinnützige Geisteshaltung unter die Leute zu bringen: Verweist bei passender Gelegenheit beispielsweise in Sozialen Netzwerken auf prospektives-metawissen.de, sprecht es bei Schulungen an, weist Menschen, mit denen ihr produktiv Wirken wollt darauf hin. Schaden wird es nicht, mit Glück bringt es uns alle voran!

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Friedrich im netzpolitischen Tiefflug

Mittwoch, 30. November 2011

Heute fand in Berlin unter dem Titel „Digitale (Un)Kultur und Demokratie“ der 3. Demokratie-Kongress der Konrad-Adenauer-Stiftung statt. Ich hatte mich frühzeitig dazu angemeldet, war aber leider kurzfristig verhindert, was mich angesichts der Tatsache, daß neben einer Keynote von Jeff Jarvis auch eine netzpolitische Grundsatzrede von Innenminister Hans-Peter Friedrich angekündigt war, ziemlich ärgerte. Dankenswerterweise aber gab es einen funktionierenden Live-Stream (liebe KAS: Nächstes Mal bitte HTML5-Video nutzen mit Flash-Fallback), so daß ich weite Teile der Veranstaltung mehr oder weniger nebenbei schauen konnte. Nicht so toll, aber besser als nichts.

Chance vertan

Zur Rede: Man hatte schon den Eindruck, daß der Minister gekommen war, um etwas Positives über das Netz zu sagen. Die Kurzmeldung des Ministeriums titelte daher auch Friedrich sieht Chancen des Internets. Nur: Tut er das wirklich? Zunächst einmal ist festzustellen, daß man kein Heavy-User sein muß, um zu begreifen, welch grundlegender Wandel durch das Internet in Gang kommt. Dennoch offenbaren (sicherlich gut gemeinte) Aussagen wie die, daß seine 78-jährige Schwiegermutter begeistert über Skype mit ihren Enkeln kommuniziere und das Internet ja auch beim Auslandsaufenthalt seines Sohnes sehr hilfreich für den Familienzusammenhalt war, daß das Internet für ihn eher als Hilfsmittel verstanden wird, eher als graduelle Verbesserung von Möglichkeiten. Und natürlich ist dies das Internet auch. Aber es ist eben auch mehr als das, wesentlich mehr.

Das Internet ist mehr

Mal für Herrn Friedrich & Co: Das Internet ist mehr als ein besseres Telefon. Es ist mehr als ein besseres Fernsehen. Es ist mehr als ein besseres Fax. Das Internet reißt Hierarchien und Strukturen ein. Das klassische Sender-Empfänger-Modell ist nicht mehr. Das Internet emanzipiert Individuen, es gibt ihnen wesentlich mehr Möglichkeiten und Macht als früher. Es schafft Transparenz. Es entreißt Kontrolle. Es ermöglicht Teilhabe. Und als Resultat, Symptom von und Fundament technologischen Fortschritts verändert es die Rahmenbedingungen für Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft von Grund auf und nachhaltig.

Und es kommt noch schlimmer: Das ist alles erst der Anfang. Während Herr Friedrich noch „hin und wieder mit dem iPad ins Netz geht“ (oder wie Bärbel Höhn sagen würde „Internet guggt“), ist das dauerhaft Online-Sein für viele andere schon seit Jahren der Normalzustand. Da geht schon längst niemand ins Internet. Denn man ist die ganze Zeit drin. Und es ist eben auch kein anderer Ort mehr. Es ist da. Überall. Es ist quasi die Erweiterung des Ichs zum Exo-Brain.

Und es geht weiter. Längst sind wir auf dem Weg des Internets der Dinge, wo unsere Alltagsgegenstände integraler Bestandteil des Netzes werden, wo das Internet sprichwörtlich ubiquitär und allumfassend wird. Man kann nur erahnen, was das in Konsequenz bedeuten wird.

Exponentielle Entwicklung

Daher nochmal: Das ist erst der Anfang, genauergenommen sogar nur der Anfang vom Anfang. Man kann gar nicht häufig genug betonen, daß technologische Entwicklung (im Schnitt) sich selbst beschleunigt, also exponentiell entwickelt. Sprich: Der Blick zurück als Maßstab für Entwicklungsgeschwindigkeit ist ungeeignet. Ebenso wie die meisten Analogien stärker hinken als jeder Vergleich.

Um es anders zu sagen: Wer mit Methoden und Adaptionsrate von Gestern heute Politik für morgen machen will, hat schon verloren. Wer aber noch nicht mal wirklich im Heute angekommen ist, der sollte bitte ein anderes Hobby finden als ausgerechnet Zukunftsgestaltung.

Man kann das alles bösen Technikdeterminismus schimpfen und sich dagegen sträuben. Man kann auch die Augen verschließen. Oder sich auf den Kopf stellen. Es hilft alles nichts. Das Internet ist da. Es wird nicht wieder verschwinden. Und es nimmt keine Rücksicht darauf, ob man es toll findet oder nutzt oder versteht. Und daher wird der technologische Wandel stetig schneller. Und dieser wird gesellschaftlichen Wandel nach sich ziehen. Die Politik kann das versuchen, mitzugestalten. Ich würde das sehr begrüßen. Das setzt aber Kenntnis der Entwicklungen, Weitsicht und nach vorn gerichtetes Denken voraus.

Nach vorn denken

Wer — wie Friedrich in seiner Rede — ständig fast sentimental davon redet, wie es damals™ war und wie es jetzt sei (wohlgemerkt: Das Jetzt des Herrn Friedrich, nicht das Jetzt der Fortschrittlichen), der zeigt nur, daß er nicht wirklich verstanden hat, worum es geht. Der zeigt, daß er nicht erkannt hat, daß wir an einem Gesellschafts- und Politikentwurf arbeiten müssen, der zukunftsfähig ist. Daß wir netzpolitisch eben auch über den Tag denken müssen.

Man verstehe mich nicht falsch: Ein Innenminister soll sich um Extremismusbekämpfung im Jetzt kümmern. Und er soll alles tun, um dafür zu sorgen, daß Menschen Teilhabe am politischen Prozeß und der technischen Entwicklung haben, daß unser Land ein zukunftsfähiges Netz hat (und nicht das, was heute unter Breitbandinitiativen verstanden wird, die nicht vom Fleck kommen). Aber es muß eben weit darüber hinausgehen (einige Impulse dazu gab Jeff Jarvis, dessen Rede hoffentlich in voller Länge zur Verfügung gestellt wird; unten ein kurzes Interview der KAS mit ihm). Ich hoffe sehr, daß die Politik insb. in der Führungsriege begreift und dokumentiert, daß sie verstanden hat. ich kann verstehen, daß man vor lauter drängender Tagespolitik manchmal den Blick über den Tellerrand versäumt. Es darf nur nicht sein, daß unser Land deshalb den Anschluß verliert. Daher bin ich der KAS dankbar, daß sie mit dem Demokratie-Kongress ein wichtiges Zeichen gesetzt hat, das hoffentlich hilft, die Diskussion dort in Gang zu bringen, wo sie geführt werden muß.


Als kleinen Input und Denkanstoß folgende Links:

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Es lebe die Demokratie

Sonntag, 27. November 2011

Tja, so kann es kommen. In Bawü hat sich das Volk in einer direkten Abstimmung klar für das Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 ausgesprochen. Wenn man sich anschaut, welche Ergebnisse Volksentscheide in Deutschland bringen (ich denke da an das Nein zur Rechtschreibreform in Schleswig-Holstein oder auch den zur Bildungspolitik in Hamburg), kann man wirklich zum Fan von Plebisziten werden :-)

Aber da ich mich nicht von der politischen Opportunität einer Sache leiten zu lassen gedenke, bleibe ich überzeugter Anhänger der repräsentativen Demokratie, auch wenn sie manchmal als langwierig oder umständlich betrachtet wird. Die Erwägungen dazu kann ich gern einmal ausführlicher darlegen — am heutigen Abend möchte ich nur kurz ein paar Gedanken festhalten.

Öffentliche und veröffentlichte Meinung

Nicht, daß es vorher nicht bekannt war, aber eine wichtige Lehre kann und sollte gezogen werden: Nur weil „Wutbürger“ sich lautstark bemerkbar machen, müssen sie nicht die Mehrheit darstellen. Politische Repräsentanten und Entscheider sollten daher immer sehr genau prüfen, wie stark eine Position wirklich ist. Sprich: Wenn eine Meinung vehement bis renitent artikuliert wird und viel Platz in Medien eingeräumt bekommt, sagt das letztlich nichts über ihren Rückhalt aus.

Schlimmer: Es können Effekte wie die Schweigespirale in Gang gesetzt werden, die dazu führen, daß andere Sichtweisen immer seltener artikuliert werden, weil sich Menschen angesichts der vermeintlichen Dominanz einer behaupteten Mehrheit auf der Verliererseite wähnen. Gerade übrigens mit Blick auf Politikverdrossenheit und Wahlbeteiligung sollte so zum Beispiel auch meine Partei einmal überlegen, ob nicht vielleicht „da draußen“ möglicherweise viele Leute abzuholen sind, die sich derzeit schlicht nicht wiederzufinden meinen.

Vorerst gescheitert?

Ich war schon sehr genervt von der Attitüde vieler S21-Gegner, die ständig so taten, als hätten sie die Mehrheit. Das war auch einer der Gründe, daß ich letztlich froh war, das eine Volkabstimmung stattfand. Denn ich hatte immer die Hoffnung und Vermutung, daß die Mehrheit das anders sieht — und das ist nun ja bestätigt worden. Was mich aber wirklich befremdet ist, daß auch nach der Abstimmung Stimmen laut werden, daß man weiter protestieren will. Da muß ich ehrlich sagen: Leute, jetzt ist mal gut. Die Sache war vor über zehn Jahren schon demokratisch entschieden. Und sie ist nun mit der breitesten Legitimation ausgestattet, die man haben kann. Wer das nicht wahrhaben will oder akzeptieren kann, der sollte mal sein Demokratieverständnis rekalibrieren.

Damit meine obigen Ausführungen nicht mißverstanden werden: Ich bin großer Fan von ausführlicher Bürgerbeteiligung und ebenso ein hartnäckiger Verteidiger des Demonstrationsrechtes. Aber Partizipation darf immer nur auf Basis demokratischer Legitimation stattfinden, nicht als Nachgeben gegen die, die sich am hartnäckigsten bemerkbar machen (vulgo: am stärksten nerven). Teilhabe bedarf immer des Mehrheitsentscheids. Und wenn das Demonstrationsrecht als Ersatzvornahme mißbraucht wird, indem man demokratisch legitimierte Vorhaben behindern oder bewußt verteuern will (siehe auch das Schottern beim Castor), dann fällt das eher in die Kategorie Selbstjustiz.

Hört die Signale

Meine Hoffnung ist also, daß dieses Ergebnis auch als Signal verstanden wird: Nicht alle Maßnahmen haben zwingend so wenig Rückhalt im Volk, wie vielleicht vermutet oder suggeriert wird. Es lohnt sich, zu seinen Positionen und Entscheidungen zu stehen und nicht immer danach zu schielen, was wo vielleicht wie ankommt. Die Energie sollte man lieber darauf verwenden, Beweggründe, Argumente, Verfahren und Entscheidungen so transparent wie möglich zu machen, so intensiv wie möglich zu kommunizieren und diskutieren und die Menschen einzubinden, mitzunehmen und zu überzeugen. Es lebe die Demokratie!

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Schwarze Netzpolitik am Black Friday

Freitag, 25. November 2011

Vergangene Woche hatte ich unter dem Titel CDU-AK-Netzpolitik wird sichtbar über die neuen Internetauftritt des CDU-AK-Netzpolitik geblogt. Nun hat auch der CDU-Netzexperte im Bundestag, Peter Tauber (@petertauber) erfreut gelobgt: Endlich! Schwarze Netzpolitik!.

Peter Tauber faßt in dem lesenswerten Beitrag auch einige Positionierungen in Sachen Internetpolitik zusammen. Dabei macht er deutlich, daß die Union die Welt auch im Netz nicht schwarz-weiß sieht und auf dogmatischen Extrempositionen beharrt, sondern differenzierend vermittelnde Lösungen sucht, die den unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen gerecht werden:

Das Thema Netzneutralität ist hierfür ein gutes Beispiel. Da die CDU eine gesetzliche Regelung nur für den Fall treffen will, dass Netzneutralität ernsthaft gefährdet sein sollte – und entgegen den Behauptungen der politischen Linken ist sie es in Deutschland derzeit nicht –, riecht manch einer sofort Verrat. Wer also nicht für eine „Vorratsgesetzbung“ zur Netzneutralität ist, der ist anscheinend grundsätzlich gegen Netzneutralität, so die Unterstellung. Das ist natürlich falsch. Die CDU ist für Netzneutralität. Kein Wunder, denn wir sehen darin einen Grundpfeiler des Internets.

[…]

Wir haben selten spektakuläre Ziele formuliert, sondern wir suchen meist nach einem dritten Weg. Die Soziale Marktwirtschaft redet weder dem Sozialismus noch dem Kapitalismus das Wort, sondern ist ein erfolgreicher Versuch, etwas Neues zu schaffen. Genauso wollen wir mit unseren netzpolitischen Vorstellungen einen anderen Weg suchen: Wir setzen weder auf die Regulierungsmacht des Staates noch auf die vollständige Freiheit – was immer darunter zu verstehen wäre.

Übrigens stelle ich immer wieder mit Erstaunen fest, dass es gerade diejenigen sind, die eben noch den Staat und seine Institutionen verdächtigen, Bürgerrechte aushöhlen zu wollen, die dann von eben diesem Staat erwarten, dass er das „freie Internet“ durch Gesetze sichert. Das ist ein Widerspruch, den die politische Linke bis heute nicht ausräumen kann.

Und ich schließe mich mit Blick auf den Diskurs um eine gute Netzpolitik dem Schlußsatz an und hoffe auf Diskussionen, die das Netz für die Gesellschaft voranbringen: Wie wir miteinander umgehen – gerade auch im Internet – wird am Ende zeigen, ob wir eine aufgeklärte, reife und wirklich tolerante Gesellschaft sind.

Also: Lest mehr zu schwarzer Netzpolitik.

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CDU-AK-Netzpolitik wird sichtbar

Samstag, 19. November 2011

Auch wenn bei mir arbeitsmäßig ein wenig landunter ist (so daß ich noch weniger (µ)blogge als sonst), für diesen wichtigen Hinweis muß Zeit sein: Netzpolitik in der Union wird nun sichtbar(er): www.netzpolitik.cdu.de

Kurzer historischer Exkurs

Spätestens seit den heißen Diskussionen um das Zugangserschwerungsgesetz Anfang 2009 fanden sich (primär über Twitter) eine ganze Reihe netzpolitisch Interessierter Mitglieder aus CDU/CSU bzw. JU informell zusammen, weil sie nicht mehr mit anschauen konnten und wollten, wie ihre Partei sich in Internetfragen positionierte. Heraus kam eine mehr oder minder lose Gruppierung von Netzaktiven, die sich intern traf und über Twitter/Facebook/Googlegroups miteinander kommunizierte und diskutierte. Auch gab es erste (leider gescheiterte) Gehversuche wie ein unter meiner Mitarbeit gebasteltes Webseitenprojekt unter dem Arbeitstitel „meine-union — das digitale Gewissen der Union“ ;-) und auch die Konrad-Adenauer-Stiftung rief einen bunt besetzten Gesprächskreis ins Leben.

Anfang 2010 wurde dann durch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe ein Arbeitskreis Netzpolitik der CDU unter der Leitung von Michael Kretschmer initiiert. Dieser traf sich seitdem im Schnitt alle zwei Monate und diskutierte wichtige Themen der Internetpolitik, in 2011 standen bereits Open Data, Netzneutralität, Rote-Linien-Gesetz, Jugendmedienschutz, Netzpolitik auf EU-Ebene, Datenschutz im Web 2.0 und ein Workshop zu den Grundsätzen einer CDU-Netzpolitik auf dem Programm (siehe Arbeitskalender). Sofern ich es zeitlich einrichten konnte, habe ich gern an den Sitzungen teilgenommen, weil sie sehr informativ und aufschlußreich waren.

Was bisher fehlte, war eine transparente Darstellung der Aktivitäten des AK-Netz (es fehlte nicht der Wille dazu). Natürlich wurde gelegentlich dazu von Teilnehmern ge(micro)blogt (ich selbst bekenne mich schuldig, zu wenig zur Vermittlung getan zu haben: Veranstaltungstwittern liegt mir (altersbedingt?) mangels Multitaskingfähigkeit nicht so und die Ruhe zum Bloggen finde ich zu selten).

Heraus aus dem Hinterzimmer

Zum Parteitag in Leipzig letzte Woche (an dem ich aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen konnte, was mich umso mehr ärgerte, da es dort auch ein vom Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Peter Altmaier (@peteraltmaier) eingeladenes Twitter-Treffen der Netzleute gab) legte der AK seinen 1. Bericht zur Netzpolitik vor. Und dank tatkräftigen Einsatzes (ein dicker Dank an alle Beteiligten) konnte dort auch die Site des AK Netzpolitik www.netzpolitik.cdu.de gestartet werden.

Die Seite soll als Anlaufstelle für das Thema Internet in der Union dienen. Sie soll Streitstände aufzeigen, zum Nachdenken und Diskutieren anregen und damit zur Plattform für die Entwicklung einer zukunftsfähigen Internet-Politik dienen. So werden die Grundwerte der CDU im Spiegel der Netzpolitik betrachtet, es werden zahlreiche Themen (bisher bereits zu finden sind Breitband-Ausbau, Datenschutz, Datenschutz in sozialen Netzwerken, E-Partizipation, Jugendmedienschutz, Medienkompetenz, Netzneutralität, Open Access, Open Data, Pseudonyme und Anonymität, Urheberrecht) dargestellt. Die Bandbreite von Meinungen in der Union wird am ersten Pro & Contra deutlich: Günter Krings pro „Speicherung von Telekommunikationsdaten“ vs. Michael Kretschmer contra Vorratsdatenspeicherung.

Das zeigt auch: In der großen Volkspartei ist Internetpolitik wirklich ein zartes Pflänzchen, es muß noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden (wie es auch der virtuelle Verband CSUnet in der Schwesterpartei tut). Aber es ist ein wichtiger Schritt, daß nun auch die breitere Öffentlichkeit gesucht wird und wir raus aus den Hinterzimmern kommen. Denn es gibt in der Union deutlich mehr progressive Kräfte (und es werden täglich mehr, sofern sie denn wie beispielsweise Peter Altmaier ihre Skepsis überwinden und es einfach mal selbst mit dem Netz probieren), die im Netz vor allem riesige Chancen sehen, die nicht nur den Blick auf Risiken verengen sondern ganz gelassen abwägen, die nicht ewiggestrig sind sondern nach vorn schauen und unserem Land und seinen Menschen die Nutzung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und partizipatorischen Potentiale ermöglichen wollen.

Auf dem Weg zu einer besseren Netzpolitik

Natürlich haben sowohl der AK als auch seine Site noch Luft nach oben. Aber die Einrichtung des Arbeitskreises war ein wichtiges Signal, die Arbeit, die der AK leistet, wird die Netzpolitik der Union besser machen und die Plattform für Aktivitäten im Internet wird helfen, Netzpolitik in Partei und Öffentlichkeit voranzubringen.

Insgesamt sehe ich es wie einer meiner Mitstreiter, Sven Przepiorka in seinem Blog schreibt:

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich es vor einem Jahr nicht möglich gehalten, dass so ein erstes gutes Ergebnis jemals online zu finden sein wird. Über technische und optische Unzulänglichkeiten kann man dieser Stelle getrost hinwegsehen. Dies kann später immer noch nachgeholt werden.

Kann man sich nun zurücklehnen und sich damit zufrieden geben, dass man die Grundwerte einer “konservativen” Netzpolitik definiert und sich zu jedem momentan wichtigen Themenschwerpunkt geäußert hat? Ich glaube nicht. Und meinem Gefühl nach hat dies auch keiner vor.

Viel mehr gilt es jetzt zu akzeptieren, dass wir gerade einmal die Grundpfeiler definiert und damit zu den meisten anderen Parteien aufgeschlossen haben.

Ich bin mir sicher, daß man vom AK Netzpolitik in Zukunft häufiger und mehr hören wird. Die Internetversteher ;-) in der Union werden sichtbarer und bekommen mehr Einfluß. Die Union ist auf dem Weg zu einer besseren Netzpolitik — weiter so!


Als kleinen Service habe ich einen Google+ Circle mit Mitgliedern des CDU-Arbeitskreises Netzpolitik erstellt.

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Der CDU ist nicht zu helfen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Die CDU-Schleswig-Holstein hat heute ihren Online-Auftritt erneuert (neogermanisch: gerelauncht): www.cdu-sh.de

Um es als tl;dr vorwegzunehmen: Leider bleibt das Thema Union und das Netz ein Trauerspiel.

Der Form halber aber wiederhole ich zunächst im Rahmen von full-disclosure meine Disclaimer aus dem vorstehenden Blog-Beitrag:

[Disclaimer: Ich bin Mitglied der CDU-Schleswig-Holstein und versuche manchmal Tipps zu geben, was man besser machen könnte. Nicht alles davon wird umgesetzt, aber manches wurde schon umgesetzt, weshalb die CDU-SH.de vielleicht nicht so schlecht abschneidet, wie sie es vor ein paar Monaten getan hätte…]

[Disclaimer2: Auch diese Seite hat noch viel Potenzial in vieler Hinsicht. Aber: Es handelt sich um eine private Seite eines Ehrenamtlichen im Vorruhestand und nicht um eine Seite einer großen Volkspartei…]

Und ich möchte auch nicht alle Punkte aus dem vorigen Artikel wiederholen, daher hier nur eine kurze Site-Analyse (vielen Dank an die Hinweise, die dazu auf facebook und Google+ zusammengekommen sind; ich hoffe, es geht ok, wenn ich das alles hier einmal aufliste ohne einzelne Credits). Die meisten hier aufgelisteten Punkte wurden über viele Monate mehrfach den Zuständigen bei der CDU-SH und ihrer sicherlich nicht unterbezahlten Agentur gemeldet, teils intensiv und mehrfach besprochen:

  • Keine OpenGraph-Tags implementiert. Egal wie man zu Sozialen Netzwerken steht: Das ist heutzutage schon ein echter Killer, der (virale) Verbreitungsmöglichkeiten deutlich dämpft und auch die Wirkung in Timelines unterminiert. Ob man additiv noch Facebook-Like-/Twitter-/Plus-One-Plugins implementiert (und wenn ja wie (z.B. mit heise-2-click)), sei dahingestellt. Man kann (wie auch ich hier im Blog) durchaus zu der Ansicht gelangen, daß man dieses bis zu einer endgültigen rechtlichen Klärung unterläßt. So oder so: og:title, og:image usw. sind zwingend zu implementieren.
  • Die URL-Struktur der Site ist nach wie vor desaströs. Pfade sind irre lang, weil da beispielsweise obsolete Dinge wie “CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein/Seiten” drin stehen. Das kann man ohne negative Konsequenzen löschen. Gerade aber wenn man den Pfad so lang läßt, wäre ein <link rel=“shorturl”> mit eigenem Shortener cdu.sh nicht ganz unclever.
  • Falls der Pfadbestandteil “CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein” aus SEO-Gründen beibehalten wurde, wäre es m. E. auch aus Branding-Gründen wesentlich zielführender, von cdu-sh.de auf cdu-schleswig-holstein.de zu redirecten.
  • Peinliche Keywords. Ganz ehrlich, wie kann man eine Site mit <meta name=“keywords” content=“cms, publish, e-commerce, content management, development framework”> freischalten
    [Nachtrag] Jetzt sind plötzlich zwei Zeilen mit Keywords drin :-D
    <meta name=“keywords” content=“cms, publish, e-commerce, content management, development framework”>
    <meta name=“keywords” content=“CDU, Schleswig-Holstein, Partei, Fraktion, Wahlen”>
  • Ein Fehler, der „nur“ Performance-Nachteile hat: Die ganzen JavaScripts werden alle am Anfang geladen statt am soweit möglich am Ende.
  • Man fragt sich auch, warum niemand merkt, daß die weiße Schrift auf hellgrauem Grund im Footer fast unlesbar ist.
  • Apropos nicht merken: Ich habe erst nach einem entsprechenden Hinweis auf Twitter die Subnavigation entdeckt. Vielleicht sollte da noch mal jemand aus UX-Perspektive draufschauen.
  • Lustig sind die auskommentierten Lorem Ipsums im Quelltext. Oder die ca. 150 Leerzeilen da drin :-)
  • Weniger cool ist, daß der Link auf den Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten www.jostdejager.de zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrages immer noch unkonnektiert ist.
  • Zu einer richtigen Fehlerseite hat es leider auch nicht gereicht, da kommt dann: “Modul nicht gefunden. Das angeforderte Modul CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein konnte nicht gefunden werden.”
  • Dinge wie <meta http-equiv=“Content-Type” content=“text/html” /><meta name=“Content-Type” content=“text/html; charset=utf-8”> sind auch ein bisserl, ähm, merkwürdig.
  • Niedlich auch: <!-- Google SEO --><meta name=“google-site-verification” content=“” /><meta name=“robots” content=“index,follow” /><meta name=“verify-v1” content=“” />
  • Und ob eine öffentlich erreichbare Seite mit Versionsnummern aller Plugins ganz glücklich ist, dürfte fraglich sein (insb. wenn diese dann nicht alle aktuell sind).
  • Schön auch: http://www.cdu-sh.de/CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein/Seiten/Homepage = http://www.cdu-sh.de :-) (wobei canonical fast richtig, wenn auch unschön (weil auf die lange URL zeigen wollend (denn da ist eine relative URL drin!)) implementiert ist)
  • [Nachtrag] Ob und welche RSS-/Atom-Feeds implementiert sind, weiß ich nicht (habe noch nicht systematisch geprüft), aber Autodetect selbiger (absolut standard eigentlich) wird jedenfalls nicht unterstützt.
  • [Nachtrag] Äußerst schade auch (insb. aus SEO-Sicht), daß der Quelltext zwar HTML5 ist, aber die semantischen Möglichkeiten (section, article, header, footer, aside usw.) nicht nutzt.
  • [Nachtrag] Es sind viele Kleinigkeiten drin, aus denen man sehen kann, daß mit der heißen Nadel gestrickt wurde und man sich den Quellcode offenbar nicht wirklich angeschaut hat. Man könnte daher zum Urteil kommen: Hier wurde schlicht schlampig gearbeitet. So wird im Abstand von wenigen Zeilen zweimal das favicon definiert (<link rel=“Shortcut icon” href=“/design/CDU1/images/favicon.ico” type=“image/x-icon”>. Ein Copyright-Vermerk (mal vom Sinn eines solchen in D ganz abgesehen) <link rel=“Copyright” href=“/ezinfo/copyright”> verlinkt auf den Copyright-Text des eingesetzten CMS, der dann auch noch falsch escaped ist (\“). Auf der Suchseite erscheint dann u.a. ”/templates/content/search.tpl".
  • [Nachtrag] Und: Wer ist eigentlich Invitusfinanz und warum bindet das Onlineanmeldeformular einfach so https://www.invitusfinanz.de/cduonlineanmeldung/ ein und inwieweit korrespondiert das mit Angaben im Impressum (“Die Daten werden ausschließlich von der CDU Schleswig-Holstein, ihren Gliederungen, Vereinigungen und Sonderorganisationen genutzt und nicht an Dritte übermittelt.”)?
  • Immerhin scheint der abgebildete Leuchtturm wohl aus Schleswig-Holstein zu sein. Glück gehabt. Hoffentlich hat man neben Glück auch die Lizenz ;-)

(Screenshots reiche ich vielleicht nach, aus Zeitgründen habe ich das eben nur so runtergetippt; ggf. ergänze ich auch noch Punkte; ich habe mich auch auf formelle/handwerkliche Aspekte beschränkt, da ich davon ausgehe, daß sich inhaltlich noch im Rahmen des Wahlkampfes einiges tun wird)

Fazit

Es ist ganz schön traurig, was mein Landesverband und die Agentur hier handwerklich abgeliefert haben. Es bestätigt mich aber darin, keine weitere Zeit und Energie in Beratungen desselben zu investieren (ich habe sogar nicht unerhebliche Fahrtkosten für ehrenamtliche und zeitaufwendige Beratungsleistungen gehabt und erwäge nun, diese einzufordern). Schade.


Nachtrag 26.10.2011 11:50: Derzeit wird scheinbar fleißig an der Site gearbeitet. So wurde der (immer noch nicht funktionierende Link) auf jostdejager.de an eine andere (noch prominentere Stelle) verschoben; bis vorhin war er rechts unten am Footer, also der letzte, nun ist er links oben im Footer. Und an den Footer-Farben wurde auch gearbeitet. Auch eine bis vorhin nicht funktionierende Druckfunktion scheint nun zu funzen. Eigentlich mache ich es den Verantwortlichen und der Agentur mit diesem Blog-Beitrag viel zu leicht, die ganzen Fehler, die VOR einem Start hätten gefunden werden müssen (bzw. die bei hinreichender Kompetenz gar nicht erst hätten entstehen dürfen) nun schnell zu beheben. Vielleicht bekomme ich für meine Arbeit ja dann eine Aufwandsentschädigung :-P

Nachtrag 26.10.2011 12:00: Hm. Der Leuchtturm ist nun weg. Ob randomisiertes Hintergrundbild oder Rechte tatsächlich nicht vorhanden? Keine Ahnung, schaun mer mal.

Nachtrag 26.10.2011 12:30: Nun wurde aus dem nicht funktionierenden Link http://www.jostdejager.de/ der funktionierende Link http://jostdejager.cdu-sh.de/.

Nachtrag 26.10.2011 14:15: Johan von Hülsen hat sich eben auch seinen Frust von der Seele geblogt: CDU-SH.de – Relaunch: Eine Schaffhausen–Katastrophe die mich schafft. Besonders sehenswert bei ihm auch der Video-Ladezeitvergleich mit politischen Mitbewerbern.

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Dramatically delayed Deutscher Datenschutz

Dienstag, 25. Oktober 2011

Ob Social-Media-Plugins nun gut oder böse sind, mag jeder für sich selbst beantworten. Aber Henning Tillmann zeigt einmal mit einer simplen Beispielgrafik auf, daß die zugrundeliegende Problematik viel älter und fundamentaler ist. Deutscher Datenschutz aus dem Großrechnerzeitalter paßt jedenfalls nicht in dieses Jahrtausend. Und vielleicht spricht sich das auch bei den Entscheidern früher oder später mal rum…

PrivacyImg - Ein interaktives Beispiel. Konfiguration ueber http://tilli.me/privacyimg

Erläuterungen und weitere Infos zu obiger Grafik und dem durch sie ausgelösten Tracking findest Du auf: Der Facebook-Like-Button oder: das Datenschutzproblem seit 20 Jahren (PrivacyImg)


P.S.: Drüben bei @orte_im_norden gibt es auch einen schönen Artikel zu dem Thema unter dem bezeichnenden Titel Amish People des globalen Dorfes.

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Die Union und das Netz — ein Trauerspiel

Donnerstag, 11. August 2011

Unter dem prägnanten, aber leider nicht unzutreffenden Titel Mies, mieser, richtig schlecht: CDU-Seiten (unbedingt lesen!) hat @Johanstormarn stahlharte Nerven bewiesen, indem er sich einmal Internet-Auftritte der Union im Netz etwas näher angeschaut und die technische Basis untersucht hat. Und ich danke ihm für diese tapfere Tat, um die er nicht zu beneiden ist, denn ich weiß nicht, ob ich mir das in dieser Konsequenz angetan hätte.

Zunächst aber zitiere ich hier Johans Disclaimer, weil sie auch für mich gelten und ich sie auch nicht schöner formulieren könnte ;-)

[Disclaimer: Ich bin Mitglied der CDU-Schleswig-Holstein und versuche manchmal Tipps zu geben, was man besser machen könnte. Nicht alles davon wird umgesetzt, aber manches wurde schon umgesetzt, weshalb die CDU-SH.de vielleicht nicht so schlecht abschneidet, wie sie es vor ein paar Monaten getan hätte…]

[Disclaimer2: Auch diese Seite hat noch viel Potenzial in vieler Hinsicht. Aber: Es handelt sich um eine private Seite eines Ehrenamtlichen im Vorruhestand und nicht um eine Seite einer großen Volkspartei…]

Validierung, Semantik, Speed oder: Was läuft alles schief?

Johan hat die Seiten auf elementare technische Aspekte geprüft, von korrekten Status-Codes und zu Nicht-Validierung führende Fehler in HTML und CSS über Barriereunfreiheit und LahmarschigkeitGeschwindigkeitsproblemen bis hin zu grundlegenden semantischen Schwierigkeiten in Sachen Überschriftenlogik und Seitenbeschreibungen/-titel.

Sein Ranking deckt im Ergebnis den Bereich von schlecht nach noch schlechter über mies bis richtig mies ab. Insgesamt vermag keine Site in technischer Hinsicht auch nur ansatzweise zu überzeugen oder auch nur einen guten Eindruck abzugeben. Und auch wenn er selbst darauf hinweist, daß seine Untersuchung weder wissenschaftlich noch gründlich (das wäre vermutlich für den Untersuchenden auch zu schmerzhaft) ist, so stimmt sie und auch seine Schlußfolgerungen mit meinen Beobachtungen überein.

SEO, mobile, Struktur oder: Was noch alles fehlt…

Natürlich könnte man (Delegativ I) wenn man Zeit hat (Delegativ II) die Untersuchung noch verfeinern. Denn neben Standardkonformität, Barrierefreiheit, Geschwindigkeit und Grundsemantik wären ja viele weitere technische und strukturelle Aspekte interessant, um die technische Qualität zu bewerten (spontan fragt man sich, inwieweit die Sites optimal von Suchmaschinen ausgewertet werden können oder auf mobilen Geräten auch nur halbwegs nutzbar sind). Und viele andere Dinge wären schon auch interessant: Wie steht es grundlegend um Usability und Ergonomie? Sind die erzeugten URLs kurz, prägnant, les- und merkbar (und wie halten die Systeme es mit cool uris never change?)? Wie findet der Besucher die gewünschten Informationen? Funktioniert die Suchfunktion brauchbar? Sind die Informationen logisch strukturiert, gibt es Tags und/oder Kategorien oder vielleicht sogar Georeferenzierung? Wie steht es um Feeds, Microformats/Microdata/schema.org/openGraph-Tags etc.?

Fragen über Fragen…(ihr könnt das ja gerne mal systematischer angehen, ich habe da eine hinreichend fundierte Ahnung; und ja: inhaltliche Aspekte sind dabei noch nicht mal thematisiert)

Warum?

Am Ende aber grübelt man: Warum ist das so? Warum scheitern solche Sites häufig schon an den technischen Fundamenten? Ist den Machern nicht klar, daß eine formal-technisch defekte und/oder schlicht lahme Seite den Nutzer bestenfalls zumindest subliminal negativ voreinnimmt? Sind die teils gravierenden Konsequenzen hinsichtlich Auffindbarkeit durch Suchmaschinen und damit Sichtbarkeit im Netz bewußt? Kommt es den Verantwortlichen überhaupt in den Sinn, daß Seiten, die nur unter erschwerten Bedingungen oder mit erhöhtem Aufwand gefunden und aufgerufen werden können, weit unter Potential liegen? Daß man seine Inhalte nicht an den Mann bringt, wenn man Menschen durch mangelnde Mobilunterstützung oder Unzugänglichkeit mangels Barrierefreiheit ausschließt? Und daß man seine Informationen nur schlecht (insb. nicht viral und schnell) streuen kann, wenn An- und Einbindungsmöglichkeiten in Soziale Netzwerke fehlen?

Einfache Antworten gibt es darauf sicher nicht. Aber wer in Slate Overdone – Why are restaurant websites so horrifically bad? gelesen hat, kann einige der dort herausgearbeiteten Gründe auch im politischen Umfeld finden.

Meine persönliche Erfahrung zeigt, daß die Ursachen unter anderem (nicht abschließend) in einer Melange folgender Problemkreise liegen:

  • Häufig wird eine Webpräsenz als notwendiges Übel gesehen. Muß man haben. Darf aber nichts kosten. Und auch keine Arbeitszeit binden. Entsprechend folgt daraus eine finanziell, konzeptionell und personell problematische Prioritätensetzung.
  • Dies ist den Verantwortlichen (lies: Vorständen) in der Regel nicht einmal (zumindest nicht in vollem Umfang) klar, da sie gar kein Gefühl für die Materie haben. Wenn überhaupt, nutzen Sie nur kleine Teile des Netzes. Vielleicht bisserl Email. Mal was googlen (Vanity-Searches?). Gelegentlich mal eine Website anschauen. Aber eben auch nicht ernsthaft nutzen, sprich: Keine Feeds abonniert haben, alles nur oberflächlich erleben.
  • Die mangelnde Erfahrung möchte ich dabei niemandem vorwerfen. Denn natürlich sollen Politiker primär ihren eigentlichen Job machen (bitter wird es, wenn Netzpolitik zum Betätigungsfeld gehört, aber das ist eine andere traurige Baustelle). Und wenn sie das mit alten Mitteln und Werkzeugen tun wollen, dann soll das eben so sein. Daß dies nicht zeitgemäß ist, ihnen dabei viele wichtige Erfahrungen und viel Austausch fehlt, ist dann eben so. Nur: Dann sollen sie eben bitte auch nicht entscheiden, wie ein Internetauftritt auszusehen hat.
  • Neben (in technischen Internetfragen) inkompetenten Entscheidern liegt eine Ursache natürlich auch in Dienstleistern, die es sich leicht machen. Sieht die Seite nett aus, ist alles gut. Ob dahinter technisch alles zusammenbricht oder nicht, bekommt der Kunde ja nicht mit. Und ob bzw. wie die Seite genutzt wird, ja auch nicht wirklich (Johan hatte hier auch extra über Trackingtools geschrieben: Ich persönlich glaube, daß nur ein minimaler Bruchteil der Daten überhaupt zur Analyse genutzt wird).

Was tun?

Offengestanden bin ich hier fatalistisch. Denn ich beschäftige mich seit bald zwei Jahrzehnten mit der Thematik Internet und Politik. Zwar geht es (natürlich) in der Politik auch Stück für Stück voran. Aber eben auch zu langsam. Denn der Rest der Welt bewegt sich schneller vorwärts. Sprich: Auch wenn natürlich die Internet-Auftritte von heute nicht mehr so mies sind wie vor einigen Jahren, sind sie gemessen an zeitgemäßen Präsenzen relativ mieser.

Vor allem scheint Online-Kommunikation nach wie vor zu wenig strategisch ausgelegt. Und nach wie vor sieht man mindestens in der Union Websites wie früher primär als Visitenkarte mit paar Kontaktinfos und etwas News-Broadcasting. Ohne Interaktion und Partizipation als Schlagwörter überstrapazieren zu wollen, müssen Parteien im Internet lernen, auf gleicher Augenhöhe mitzukommunizieren. Sie müssen also auch zuhören und antworten. Und sie müssen echte Transparenz schaffen. Die Zeiten bloßen Rauspustens von Pressemitteilungen ist lang vorbei. Auch die professionelle Politik muß das Internet als echte Arbeitsplattform (nicht als Alibi) erkennen und nutzen. Funktionäre und Mitglieder müssen befähigt, geschult und motiviert werden. Ich kenne viele Leute, die sich gern mehr einbringen würden, denen aber schlicht die Werkzeuge und das Wissen fehlen.

Wo sind denn die Verbände in der Union (neben meinem eigenen kleinen Ortsverband), die für Mitglieder (aber gern durchaus auch offen) Wikis als institutionalisiertes Gedächtnis nutzen oder kollaborativ in Docs oder Etherpads Dinge erarbeiten?

Bottom-Up funktioniert hier nicht unbedingt immer, solange übergeordnete Ebenen/Vorstände bestimmte Dinge einfach totlaufen lassen bzw. nicht ernst genug nehmen, um entsprechende Priorität einzuräumen. Wenn die Union den Anschluß nicht verlieren will, muß etwas geschehen.

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit…

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