spd.de — Achtung: Augenkrebs-Alarm

Freitag, 2. Dezember 2011

Schön ist was anderes…
So sieht also ein „Startschuß für Regierungsübernahme“ aus. Und zwar primär Purpur, wenn es nach der SPD geht, die gestern ihren Internetauftritt neu gestartet hat. Ok, Frau Nahles nennt es „die neue und moderne Sekundär-Farbe Purpur“ und behauptet tapfer, diese stehe für Frische und Selbstbewußtsein“. Na denn.

Fest steht: Ein gesundes Selbstvertrauen braucht man schon, wenn man mit der Farbkombination rot-lila in den Kampf ziehen will. Ich jedenfalls twitterte gesten schon: Rot und purpur? Ernsthaft‽.

Meine Vermutung ist ja, daß der zuständige Designer farbenblind war oder vergessen hat, seinen Monitor zu kalibrieren… ;-) Andererseits darf man wohl annehmen, daß eine solch gruseligeauffällige Farbe nicht aus Versehen zustande gekommen ist. Sprich: Man hat sich etwas gedacht. Vielleicht wollte man um jeden Preis auffallen und ins Gespräch kommen? Das jedenfalls wäre gelungen. Oder ist es ein verfrühtes Koalitionsangebot an die optisch häufig farblich ähnlich repräsentierte Linke? Oder will man sich nur bei der Frauenbewegung anbiedern? Man weiß es nicht und grübelt. Und ja: Natürlich kann man meckern, daß eine Diskussion um eine Corporate-Design-Farbe oberflächlich ist. Aber wie gesagt: Man muß sich etwas Gedacht haben und laut Wiki gehören nicht Frische und Selbstbewußtsein zu den Farbassoziationen, sondern es werden Begriffe gelistet wie Lithurgie, Spiritualität und Unbefriedigt. Frau Nahles jedenfalls scheint die Farbwahl zu gefallen.

Lesenswert in diesem Zusammenhang das Designtagebuch: Bei der SPD ist der Würfel gefallen. Dort sind auch sehr spannende Kommentare zu finden :-)

Was den Würfel angeht: Daß der vormals etwas orientierungslos im Raum schwebende 3D-Würfel nun verschwunden ist, darf als überfällig bewertet werden. Die jetzige Platzierung jedoch wirkt allerdings nicht wesentlich weniger orientierungslos schwebend. Einfach so ohne Halt durch die Struktur in die Mitte geworfen — soll auch das eine politische Aussage sein?

Auf die Technik möchte ich jetzt nicht groß eingehen, wie ich es unter „der CDU ist nicht zu helfen“ getan habe. Nicht, weil die Seite technisch besser wäre (eher im Gegenteil, wie auch Johan andeutet), sondern weil ich meiner Partei gern kostenlos Tips zur Verbesserung des eigenen Auftritts gebe, nicht aber politische Mitbewerber pro bono beraten möchte. Ich bitte um Verständnis.

Was für ein Quellcode!

Dennoch möchte ich ein paar Worte dazu loswerden: Ob man wirklich ein Layout auf 1280 Pixel konzipieren sollte, darf bezweifelt werden. Daß man den Relaunch nicht zum Einsatz von HTML5 genutzt hat, ist ein anderer suboptimaler Punkt. Sehr heftig finde ich, daß die Seite sportliche >150 Requests macht. Wenn man sich dann noch die Seitenlänge und Struktur anschaut (hier verkleinert), kann man nur den Kopf schütteln. Überfrachtet, unübersichtlich, man wollte alles unterbringen, was man irgendwie einbauen konnte. Dabei sollte man doch gerade in der Politik wissen, daß die Kunst darin besteht, Prioritäten zu haben, klare Aussagen zu treffen und nicht ein Catch-All-Sammelsurium von Inhalten zu produzieren. Nun denn, die SPD muß selbst wissen, womit sie glücklich wird. Der Nutzer der Seite wird es jedenfalls mit Sicherheit nicht.

Nachtrag 05.12.2011: Purpur-Blabla des neuen SPD-Designs

Dieser Text ist mir etwas wert:

Vorgestern berichtete Techcrunch über eine kleine aber relevante Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Google Contaces API (Techcrunch: “Google To Facebook: You Can’t Import Our User Data Without Reciprocity”, siehe auch heise: Google dreht Facebook den Datenhahn zu).

Und zwar erlaubt Google künftig nur noch solchen Diensten und Anwendungen Zugriff auf die Kontaktdaten eines Nutzers über die API, wenn diese ihrerseits vergleichbare Daten vergleichbar zugänglich machen. Ohne Reziprozität kein automatischer Datenaustausch, so die Botschaft:

5.8. Google supports data portability. By accessing Content through the Contacts Data API or Portable Contacts API for use in your service or application, you are agreeing to enable your users to export their contacts data to other services or applications of their choice in a way that’s substantially as fast and easy as exporting such data from Google Contacts, subject to applicable laws.

Nicht zu Unrecht hat diese Maßnahme einige Diskussionen im Netz angestoßen. Markus Spath (@hackr) sieht darin (so ein Kommentar im Blog von Kristian Köhntopp (@isotopp) den Übergang von einem Handeln nach einer impliziten Ethik zu einem (natürlich ethisch begründeten) Handel und ist beunruhigt:

[…] beunruhigender: Google erweist sich als erratisch. Bis dato konnte man Google mit etwas gutem Willen immer unterstellen, nach bestimmten Prinzipien und mit einer bestimmten Moral ausgestattet zu handeln. Dass ihnen dieses Handeln in der Folge auch immer selbst zugute kam, konnte als positiver Nebeneffekt beschrieben werden. Wenn sie aber beginnen diese Prinzipien dort zu verklausulieren, wo sie ihren unmittelbaren Vorteil plötzlich nicht mehr sehen oder um Druck auf einen Konkurrenten auszuüben (auch wenn das motiv nachvollziehbar ist), dann bedeutet das, dass man ihnen alles zutrauen kann.

Kristian Köhntopp weist allerdings auf den entscheidenden Punkt hin:

Google schneidet den Endbenutzer nicht von seinen Daten ab, er kann sie immer noch selber absaugen und wo anders hin schleppen. Google erlaubt auch die direkte Interoperation und den Datentausch mit anderen Diensten - wenn diese ebenso kooperativ sind und Daten austauschen. Dadurch trennt Google die kooperative von der kompetiven Sphäre, und das ist für eine friedliche Koexistenz der beiden Bereiche notwendig. Tut man das nicht, bekommt man ‘tragedy of the commons’-Probleme.

Sprich: Google hat hier eine Grundsatzentscheidung getroffen und strategische Ausrichtung vorgenommen, die für die weitere Entwicklung im Netz von wegweisender Bedeutung sein wird. Und dies kommt letztlich nicht überraschend. Denn seit längerem setzt Google sich für Datentransparenz und -portabilität ein, so z. B. im Rahmen der Data Liberation Front (@dataliberation):

Users should be able to control the data they store in any of Google’s products. Our team’s goal is to make it easier to move data in and out.

Durch Bestehen auf Gegenseitigkeit handelt Google meines Erachtens gerade nicht erratisch. Nein, diese Entscheidung fügt sich sehr genau in die bisherigen Verhaltensweisen ein und zwingt Facebook (welches ja seinerseits einfach mal den Nutzerabgleich mit Twitter geblockt hatte), Farbe zu bekennen: Wie steht Facebook zu grundlegenden, das Netz konstituierenden Prinzipien wie Offenheit und Interoperabilität? Wird Facebook weiterhin Netzwerkeffekte nur egoistisch als Einbahnstraße sehen und seinen Walled Garden bzw. Closed Shop mit maximalem User-Lock-In festigen? Oder wird es sich öffnen? Man darf sich fragen, ob dieser Schritt nicht möglicherweise ohnehin ein wenig zu spät ist angesichts seiner Dominanz und netzwerkeffektbasierten Sogwirkung.

Michael Arrington jedenfalls sieht einen Datenhandelskrieg heraufziehen (Data Protectionism Begins In Earnest):

But here’s the very worst part of protectionism. If you start it, you can expect the other side to start it too. That’s when you get what’s called a trade war, and lots of potential economic gain evaporates.

Meines Erachtens trifft zwar das Bild vom Handelskrieg um Daten zu. Nur findet dieser Krieg zum einen schon lange statt und zum anderen ist es ja gerade nicht nicht Google, welches Daten-Protektionismus gestartet hat. Am Ende stellt sich doch die Frage, welche Haltung netzadäquater ist und welche Mechanismen die spezifischen emanzipatorischen und partizipativen Eingenschaften, Möglichkeiten und Chancen des Netzes gewährleisten. Google scheint sich der Verantwortung aus dieser Herausforderung bewußt und hat sich entschlossen, Vorbild zu sein und mit gutem Beispiel voranzugehen. Natürlich tut es dies auch aus unternehmerischem Interesse. Aber daß Geschäftsinteressen hier weitgehend deckungsgleich mit Nutzerinteressen sind, kann man schwerlich zum Vorwurf erheben. Vielmehr sagt es auch aus: Seht her, wir wollen offen sein. Wir haben den Mut und die Souveränität, den Nutzer nicht zu fesseln und zu knebeln. Wir wollen uns das Vertrauen des Nutzers stattdessen täglich neu erkämpfen, stellen uns dem Wettbewerb und gehen das Risiko ein, daß er sich abwendet und seine Daten mitnimmt. Man darf nur hoffen, daß viele Netzakteure sich an dieser Haltung ein Beispiel nehmen.

Dieser Text ist mir etwas wert:

Gedanken zum Relaunch von bundestag.de

Mittwoch, 12. August 2009

Heute Morgen um 11 Uhr wurde der Internetauftritt des Deutschen Bundestages neu gestartet. Die neuen Seiten präsentieren sich sachlicher, übersichtlicher und wie ich finde optisch ansprechender.

Allerdings scheint sich meine These zu bestätigen, daß das Wort “Relaunch” heutzutage zum Synonym für “Verschlimmbesserung” geworden, wie ich schon anhand einiger aktueller Relaunches feststellen mußte. Dies scheint damit zusammenzuhängen, daß die Verantwortlichen/Entscheider sich nicht wirklich mit den technischen Hintergründen und Implikationen auskennen und auseinandersetzen, sondern den Wert eines Internetauftrittes primär an der Optik und oberflächlichen Bedienung festmachen.

Cool URIs don’t change

Was mich am allermeisten nervt ist, daß auch bei diesem Relaunch wieder ein nicht unerheblicher Teil des URL-Schemas umgestellt wurde. Denn grundsätzlich gilt: Coole URIs ändern sich immer noch nicht (siehe auch: Cool URIs don’t change).

In Ausnahmefällen kann aber eien Aktualisierung der URLs durchaus sinnvoll sein, so z. B.  wenn man auf sog. “sprechende URLs” umstellt. Aber dann ist zwingend sicherzustellen, daß die alten URLs per Status Code 301 Moved Permanently auf die neuen umgeleitet werden, damit Suchmaschinentreffer und bestehende Verlinkungen nicht ins Leere laufen. Das gehört zum Einmaleins jedes Webmaster. Oder besser: Es sollte zum Einmaleins jedes Webmasters gehören.

Ich hoffe also, daß die Internet-Redaktion von bundestag.de nun nachbessert und dafür sorgt, daß zum einen — nach dem Motto “wenn schon, denn schon” — vollständig auf sprechende URLs umgestellt wird und zum anderen alte Links nicht ins Nirwana gehen.

So fand sich “mein” Bundestagsabgeordneter Gero Storjohann bisher unter http://www.bundestag.de/mdb/bio/s/storjge0.html. Diese Seite geht nun ins Leere (immerhin kommt jetzt eine 404-Seite (leider aber ohne Suchmöglichkeit und Vorschläge ähnlicher/ggf. passender Seiten), vorhin war es nur die lieblose Serverstatusmeldung 404). Die richtige Adresse lautet nun http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete/bio/S/storjge0.html. Schade, daß man die Chance nicht genutzt hat, hier auch noch das unschöne storge0.html in sowas wie storjohann_gero.html o.ä. zu ändern.

Sauberer Code

Zum Quellcode sage ich einfach mal nichts. Da ist viel Luft nach oben :-)

Demokratie-API

Wirklich schade ist aber auch, daß man es versäumt hat, grundlegende funktionale Verbesserungen einzubauen. Um mich nicht falsch zu verstehen: Daß man nun Wahlkreise und seine Abgeordneten bequemer über Ort/PLZ mit Hilfe einer Google Map suchen kann, ist nett. Daß nun die Live-Coverage von öffentlichen Ausschußssitzungen und die Übertragung der Plenardebatten prominent auf der Startseite stattfinden wird, ist ebenfalls klasse. Aber letztlich sind das nur kleine graduelle Optimierungen.

Man hätte diesen Relaunch schön nutzen können, um einen großen Schritt für Bürgernähe und Transparenz zu machen, indem man beispielsweise den Weg hin zu einer Demokratie-API einschlägt, also die parlamentarischen Vorgänge und Aktivitäten quasi als programmiertechnisch abfragbare (und nicht nur manuell zu durchsuchende) Datenbank zur Verfügung stellt. Ich bin gespannt, ob und wann wir hier Fortschritt erleben.

Nichtsdestotrotz möchte ich bei aller berechtigten Kritik positiv anmerken, daß der Wille zu breiter Informationsvermittlung und Transparenz erkennbar ist. Vielleicht erleben wir ja tatsächlich irgendwann auf bundestag.de die Integration sozialer Netzwerke wie Twitter oder Facebook und eine Twitterwall im Bundestagsplanum. :-)

Nachtrag:

Die auführende Firma Babiel twittert gerade, daß die URLs im Laufe des Tages “nachgezogen” werden, also wohl dann nicht im Nichts landen. Das wäre schön. Noch besser wäre es gewesen, es gleich richtig zu machen.

Nachtrag 2:

Inzwischen sind werden die alten Links auf die neuen Seiten weitergeleitet (so Babiel auf Twitter). Habe dies nur stichprobenartig überprüft, scheint aber zu klappen. Warum nicht gleich so? :-)

Dieser Text ist mir etwas wert:

Zwischenruf zur Zensurdebatte

Sonntag, 14. Juni 2009

Vorwort: Ich habe folgenden Text “mal eben” locker runtergeschrieben. Vielleicht sind nicht alle Formulierungen genial, möglicherweise sind sogar einige zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht einmal grammatikalisch korrekt :-) (die Rechtschreibung ist es jedenfalls sicher nicht) und habe sicher viele Punkte vergessen oder nicht so umfassend beleuchtet, wie es vielleicht sein muß. Ggf. werde ich also den Text noch optimieren und/oder erweitern. Ich bitte um ein wenig Nachsicht…

Es gibt Situationen, ob in der Familie, auf der Arbeit oder in der Politik (der großen Familie sozusagen), da haben sich alle Beteiligten in Positionen hineinmanövriert und versteift, aus denen sie schwer wieder rauskommen, weil niemand sein Gesicht verlieren will. In solchen Situationen empfiehlt es sich, einmal innezuhalten, kurz durchzuatmen und nachzudenken. Ich glaube, im Rahmen der “Kinderpornoseitenstopschildzensurdebatte” sind wir in eine solche Situation geraten und sollten daher ein wenig deeskalieren.

Vielleicht können wir uns auf ein paar Fundamente einigen:

  1. Wir können mit Sicherheit davon ausgehen, daß vernünftigerweise niemand der Diskutanten — auf keiner Seite — für Kinderpornographie, den dazugehörigen Kindesmißbrauch und die Verbreitung entsprechender Materialien ist.
  2. Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat. In einem solchen machen demokratisch legitimierte Organe Gesetze, die sowohl abstrakt als auch konkret einer (Normen-)Kontrolle durch unabhängige Gerichte unterliegen.
  3. Wir akzeptieren Artikel 5 des Grundgesetzes, in dem es lautet: “Eine Zensur findet nicht statt. […] Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.”

Außerdem wäre es ergänzend hierzu hilfreich, wenn wir in einer Diskussion nicht gegenseitig anfangen, uns mehr zu unterstellen, als konkret beabsichtigt und beispielsweise in Gesetzentwürfen und konkreten Absichtsbekundungen hierzu zu Protokoll gegeben wird. Ein derartiges Theme ist nicht geeignet für Polemik, Wahlkampfgetöse und anderweitigen Populismus.

Meines Erachtens sind das Geschäftsbedingungen für jede sachliche und zielorientierte Diskussion, gerade bei einem so diffizilen Thema. Wer obige Rahmenbedingungen nicht akzeptiert, verfolgt m. E. andere Ziele als die konstruktive Beteiligung am Prozeß der demokratischen Meinungsfindung in der pluralistischen Gesellschaft.

Daher nun mal ein paar Fragmente zum Nachdenken, Versachlichen und gern auch Neujustieren von Positionen:

  1. Gern wird suggeriert (oder auch explizit behauptet), man wolle gar nicht wirklich gegen Kinderpornographie vorgehen und nur schöne Symbolpolitik betreiben. Ich muß offen sagen: Eine solche Argumentation ist grenzwertig bis böswillig. Die Sperrung von Seiten ist ein Baustein unter vielen. Selbstverständlich ist davon auszugehen, daß jeder Verdacht auf kinderpornographisches Material — sei es im Netz oder IRL — zu Strafverfolgung führt. Nur muß man eben auch festhalten, daß das im globalen Netz leicht gesagt, aber nur sehr sehr schwer getan ist. Internationale Strafermittlungen sind extrem aufwendig, zeitintensiv und zäh — und daher nur mittelfristig erfolgversprechend. Nichtsdestotrotz sind sie durchzuführen und alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Muß man deshalb andere Maßnahmen hintenanstellen und die langsamen Mühlen der internationalen Justiz malen lassen? Ich meine: Nein. Es gilt also, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen.
  2. Ein sehr starkes Argument ist die wie ich denke zugegebenermaßen unbestreitbare Tatsache, daß DNS-basierte Stopseiten bzw. Internetsperren relativ leicht zu umgehen sind. Ich betone aber das Wort relativ. Denn natürlich ist das für uns digital natives keine große Aktion. Allerdings bin ich mir sicher, daß es dennoch einen hinreichend großen Kreis technischer Analphabeten gibt, für die das zumindest eine echte Hürde ist. Das für mich entscheidende daran aber ist: Es wird auf diesem Wege weitestgehend ausgeschlossen, daß jemand aus Versehen über Suchmaschinen oder Links (beispielsweise durch URL-shortening-services wie tinyurl.de, tr.im oder bit.ly etc.) auf die Seiten gerät. Vor allem aber ist es ein sehr deutliches Mahnsignal an die “Umgeher” dieser Regelung: “Ihr begebt Euch ins Abseits der Illegalität, seid kriminell”. Niemand wird dann noch treudoof sagen können, es wäre ein Versehen gewesen, ihm sei nicht klar, was er da gemacht habe und überhaupt sei die Seite doch frei erreichbar gewesen.
  3. Natürlich ist die Pflege der Sperrlisten ein unaufhörliches Wettrennen. Aber mit Verlaub: Nur weil man stets Daten aktualiseren muß und es immer Seiten geben wird, die noch nicht entdeckt und gesperrt wurden, kann man doch nicht ernsthaft daraus den Schluß ziehen, daß die ganze Maßnahme blödsinnig ist. Die Problematik wohnt doch unendlich vielen Bereichen des Rechtsstaats inne und ich denke, daß es besser ist, (freie Schätzung) 90 % zu sperren als wg. der 10 %, die man (noch) nicht gesperrt hat die anderen 90 % erreichbar zu lassen. Natürlich kann eine solche Maßnahme nur sinnvoll sein, wenn gleichzeitig durch Strafverfolgung intensiv versucht wird, das Angebot immer weiter zu beschneiden. Nur wie gesagt: Besser als nichts.
  4. Sehr problematisch (=inaktzeptabel) scheint mir allerdings die Forderung von Bundesjustizministerin Zypries (SPD), die in den Gesetzentwurf hat aufnehmen lassen, daß bei einem Aufruf einer Stopseite die IP-Adresse gelogt und automatisch ein Ermittlungsverfahren in Gang gesetzt werden soll. Das geht in der Tat eindeutig zu weit. Es kann nicht sein, daß wir hier einen Generalverdacht implementieren und ein Nutzer hier kriminalisiert wird. Denn es liegt nunmal in der Natur des Netzes, daß man vor Aufruf einer Seite nicht wissen kann, was einen wirklich erwartet, denn Links könnten unverfänglich aussehen bzw. gänzlich keinen Rückschluß auf intendierten Inhalt zulassen (URL-Verkürzer) oder es könnte sich um gehackte Seiten (Defacement, Injections) handeln. Kurz und gut: Dieser Teil des Gesetzentwurfes ist vollständig zu streichen.
  5. Gern wird dann noch das (angeblich) mangelnde Technikverständnis unserer Politiker kritisiert. Da kann ich nur sagen: Wer im Glashaus sitzt… Denn wenn ich mir anschaue, auf welch billigem Niveau die Diskussion in vielen (nicht allen) Bereichen läuft, können viele froh sein, daß ihnen nicht von den bösen, inkompetenten Politikern mit ähnlicher Münze heimgezahlt und klargemacht wird, wie ahnungslos viele in Sachen Politikbetrieb und hinsichtlich unseres Rechtssystems sind. Mal abgesehen davon: Ein Landwirtschaftsminister muß keine Kuh melken können, ein Außenminister kein gelernter Diplomat und eine Familienministerin keine Internet-Expertin sein. Laßt also mal die Kirche im Dorf. Ihr dürft getrost davon ausgehen, daß die beiden agierenden Ministerinnen durch ihre Apparate, Experten, Anhörungen und nicht zuletzt auch das mediale Feedback hinreichend informiert und sensibilisiert sind.
  6. Einen andere Punkt hatte ich zwar mit meinen AGBs oben an sich schon ausgeschlossen, möchte aber noch einmal explizit darauf eingehen. Wer Angst davor hat, daß Internetsperren auf andere Bereich (z. B. politische Meinungsäußerungen etc.) ausgeweitet werden, befindet sich in guter Gesellschaft. Denn auch ich habe hier hinsichtlich der Anwandlungen Einzelner durchaus den Eindruck, daß einige Leute gern “mehr” wollen und die Kinderporno-Bekämpfung sozusagen nur der Fuß in der Tür sein soll. Das darf in der Tat nicht sein. Hier geht es um Kinderpornographie, Punkt. Alles andere ist eine andere Diskussion. Der (Kampf-)Begriff “Zensursula” ist und bleibt — ähnlich wie übrigens auch unsägliche “Stasi 2.0”-Insinuierungen — völlig daneben. Er tut Ursula von der Leyen Unrecht und der Sache keinen Gefallen.

Ich halte auch gern fest: Man kann durchaus zu einer anderen Bewertung kommen, ob die Einrichtung einer Sperrliste mit Stopseiten ganz grundsätzlich eine geeignete und verhältnismäßige Maßnahme ist. Aber das ändert nichts daran, daß deren Zielsetzung im ganz konkreten thematischen Bezug der Bekämpfung von Kinderpornogrphie ehrenwert und in keiner Weise unlauter — und eine zulässige (weil unter Gesichtspunkt des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes vertretbare) Maßnahme im Rahmen der Schranken-Schranken unseres Grundgesetzes ist. Ich persönlich kann mit solchen Sperren leben. Ich sehe auch keinen Anlaß, hier das berühmte Martin-Niemöller-Zitat einzusetzen. Es ist hier schlicht und ergreifend nicht einschlägig.

Meine Bitte daher: Macht keinen billigen Bohai um “Zensursula”, denn wir werden nicht “von Laien” regiert. Purer Populismus und dummdreiste Demagogie sind keine Methoden für verantwortungsvolle Politik. Helft durch Konstruktivität statt Konfrontation. Und vor allem: Sucht und führt die richtige Diskussion. Führt keine Stellvertreterdebatte auf dem Rücken mißbrauchter Kinder!

Dieser Text ist mir etwas wert:

Web 2.0 und das Leben in der Cloud ist ja schön und gut: Praktisch, vielfältig, ubiquitös. Was ich aber immer mehr vermisse, sind Möglichkeiten, einfach und bequem meine Daten zentral zu sichern. Dabei geht es mir nicht (primär) darum, einen persönlichen Lifestream zu aggregieren (um diesen beispielsweise auf dem eigenen Server zu hosten), sondern darum, alle von mir gespeicherten Daten (also auch “meine” Stamm-/Bestelldaten in Shops) auf simplem Wege sichern zu können.

Was mir vorschwebt ist eine Art Standard-Api vergleichbar mit OAuth, OBackup sozusagen. Ein offenes, standardisiertes System, welches Webdienste anbieten können, so daß man als Nutzer alle seine Daten abfragen und en bloc sichern kann. Und zwar so, daß man eben nicht für jeden Dienst, den man nutzt, eine Schnittstelle zur jeweiligen API programmieren muß (zumal die APIs ja meist nicht den Zugang zu Stammdaten und Attention-Data liefern).

Der Ablauf könnte so sein:

  1. Man installiert die OBackup-Infrastruktur auf einem oder mehreren seiner Rechner/Server.
  2. Dann werden die OBackup-Instanzen mit der eigenen OpenID verknüpft.
  3. OBackup-fähige Anbieter senden alle Datenänderungen (ob sofort oder in Zeitabständen sollte konfigurierbar sein) an den OBackup-Server bzw. dieser fragt regelmäßig Änderungen zwecks Sicherung ab.

(Warum) gibt es soetwas noch nicht?


Nachtrag (09.09.2009)

Ein lobenswerter Schritt in die richtige Richtung: heise.de: Google verkündet Offensive zur “Datenbefreiung”

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