<disclaimer>Ja, es ist keine wirkliche Neuigkeit, daß viele Smartphones/Computer/Programme/Apps mehr oder minder spannende Daten über das Nutzerverhalten sammeln und dann „nach Hause telefonieren“, um diese Daten an DatenfresserUnternehmen zur Auswertung oder gar zum Verkauf zu übermitteln. Und ja, wenn dies ohne informierte Zustimmung (z.B. durch Verschweigen oder Verschleierung mittels undurchschaubarer 6-Punkt-Formulierung in AGB-Konvoluten) des Nutzers und/oder unverschlüsselt passiert, ist dies eine inakzeptable Frechheit. Und auch ja, solche Dinge sind dann tatsächlich ein Fall für Datenschützer.</disclaimer>

Gestern war im (allgemein sehr lesenswerten) O’Reilly-Radar zu lesen, daß Apple iPhones und iPads mit iOS>=4 nicht nur (wie schon seit längerem bekannt) Lokalisierungsdaten aus GSM-Funkzellen/WLAN-Kennungen kumulieren, um diese alle 24 Stunden — sofern Wifi-Verbindung vorhanden — an Apple zu übertragen, sondern daß diese Daten im Gerät selbst offenbar über die gesamte Lebensdauer aggregiert und bei Synchronisationen/Datensicherungen mit iTunes entsprechend auf den jeweiligen Rechner übertragen werden. Dort sind sie dann über relativ simple Methoden aus einer Datei consolidated.db auslesbar (dies ist übrigens insofern ein Problem, daß natürlich dann lokale Spyware diese Daten abgreifen kann).

Mit dem iPhone-Tracker kann man diese Daten rudimentär visualisieren (das Programm ist letztlich ja nur proof-of-concept; je nach Zoomlevel rundet es die Ortungen auch; allerdings kann natürlich jeder das forken und verbessern). Das sieht dann ungefähr so aus:

Über die Privacy-Implikationen solcher faktisch Hidden-Features darf man sich IMHO grundsätzlich zu Recht aufregen (siehe sehr zutreffend Randnotiz: Bewegungsprofil@home). Aber das überlasse ich anderen :-) Denn ähnlich wie Johan und Sven kann ich dieser Datenerfassung durchaus etwas Positives abgewinnen. Denn seit vielen Jahren nutze ich beispielsweise auf Reisen und Ausflügen einen dedizierten GPS-Logger (insb. zur Georeferenzierung von Fotos) und bin bekanntermaßen auch ein Fan von Lokalisierungsdiensten.

Allerdings sind die vom Telefon gelogten Daten leider qualitativ minderwertig. Denn es werden eben außerhalb der Zeitfenster, in denen der GPS-Modus aktiv eingeschaltet wurden, letztlich nur sehr ungefähre Funkzellendaten verwendet. Das führt dann auch zur teilweisen Unbrauchbarkeit der Daten für eigene Zwecke, da diese teils (beispielsweise bei Zugfahrten) komplett falsch und irreführend sind. So war ich nicht an allen oben im Bild markierten Orten, insgesamt ist das doch alles eben sehr rudimentär. Ich kommentierte daher:

Was insg. fehlt ist eine richtige, über alle von einem genutzten Devices konsolidierte Datenbank, die umfangreiche Meta-, Attention- und Ambient-Data für Dateien, Programme/Apps und deren Inhalte (URLs, Mails) enthält. Echter Lifestream, am besten dazu noch für Quantified Self Dinge wie Mood, Körpertemperatur, Puls, Blutdruck, Adrenalin-/Cholesterin-/usw-Spiegel… #hach #träum #inflektivnutz

Wer beispielsweise The Numerati von Stephen Baker (s.a. thenumerati.net) gelesen hat, bekommt eine Ahnung davon, welche Daten man mit etwas Phantasie erfassen und — auch und insbesondere für sich selbst — aussagekräftig und hilfreich auswerten kann. Lifelogging/Lifestreaming, also Häufung und Langzeit-Archivierung solcher Daten sind ja kein Selbstzweck, sondern letztlich erst die Grundlage für einen m.E. richtungsweisenden Trend zum Quantified Self. Nicht umsonst werden langsam tragbare Daueraufzeichnungsgeräte wie Looxcie marktfähig (auch wenn sie heutzutage noch viel zu wenig Daten viel zu schlecht aufnehmen; siehe auch Microsoft Researchs SenseCam). Denn in der Regel ergibt sich die Auswertbarkeit ja erst bei Vorliegen großer Mengen kontinuierlich erfaßter unterschiedlicher Daten in entsprechender Qualität. Und in der Regel weiß man erst später, was man alles mit den Daten anstellen kann, da Phantasie für kreative Verknüpfbarkeit wie auch technische Möglichkeiten (noch) nicht vorhanden sind (siehe dazu OpenLiveStreetView3D wird kommen). Auch Informationen, mit denen man heute so in Rohform nichts meint anfangen zu können, können bzw. werden später durchaus spannend sein. Private (!) Vorratsdatenspeicherung ist insofern durchaus nicht abwegig. Absehbare Fortschritte in Sprach- und (Bewegt)Bilderkennung, Sensorik, Software, Preis pro Datenmenge usw. werden angesichts der zunehmend einfachen Möglichkeiten zu Visualisierung und Korrelation (Stichworte Google Visualisation API und Google Prediction API) mit Sicherheit Rahmenbedingungen für einen enormen Erkenntnisgewinn sein, minimiertes Vergessen durch dieses Exobrain eingeschlossen.

Was allerdings dramatisch fehlt ist eine solide, standardisierte Grundlage dafür. Eigentlich wäre meine Erwartung an das Jahr 2011, daß per OS-Integration in alle Geräte Erfassung von Attention-Data (welche Inhalte/Dateien/Programme/URLs besuche ich von wo wie lange) mit abgleichbaren Ambient-Metadaten (also welche Umgebungsbedingungen galten, s.o.) im Rahmen eines definierten Austauschformates transparent stattfindet. Aber das ist leider noch Zukunftsmusik; all’ diese tollen Informationen verpuffen erratisch oder gar nicht gespeichert :-(

Daher formuliere ich nun neben meinem Datenhaltungsmantra („Daten, die man hat, hat man.“) ein Datennutzungsmantra: Meine Daten gehören mir. Ich will diese Daten. Alle. Überall. Jederzeit.

Nun brauche ich nur Hard- und Software, die das auch umsetzt…

Further reading:

Und aus Gründen der Übersichtlichkeit und Praktikabilität die Buchtips als Amazon-Partnerlinks:

  • Stephen Baker: The Numerati
  • Constanze Kurz/Frank Rieger: Die Datenfresser
  • Gordon Bell: Total Recall: How the E-Memory Revolution Will Change Everything
  • Und als iTüpfelchen dann noch FWIW: Mehr Dünnschiss geht nicht: Merkbefreite Fanboys verteidigen Schnüffel-iPhone

    Dieser Text ist mir etwas wert:

    Mein Leben mit dem iPad

    Sonntag, 4. Juli 2010

    Seit nunmehr ca. zwei Wochen bin ich ja stolzer Besitzer meines STECKiPAD®. Und eigentlich wollte ich schon längst einen Erfahrungsbericht abgeben, aber aus unerfindlichen Gründen mußte ich mir erst meine erste Woche mit meinem iPhone von der Seele schreiben.

    Wie ist also dieses neue Gadget in der Praxis? Nun, ganz allgemein möchte ich sagen: Klasse. Punkt. Es ist ein völlig neues Nutzungsgefühl, um nicht das Wort „Erweckungserlebnis“ zu strapazieren. Denn offengestanden bin ich davon überzeugt, daß ich — ohne die Sache überhöhen zu wollen — damit Teil einer historischen Zäsur werde, oder (um mich ganz locker und komplett unbescheiden mal selbst zu zitieren):

    „Ich bin mir sicher: Heute hatte ich die Zukunft in der Hand!“

    Der Blick für’s große Ganze

    Nun ist die Idee eines Quasi-Screen-Only-Gerätes ja alles andere als neu. Sogenannte Tablet-PCs gab und gibt es in diversen Ausführungen. Nur waren diese bisher aller Miniaturisierung zum Trotz nach wie vor schwer, klobig — und eben richtige Computer mit allen Vor- aber auch allen Nachteilen. Das iPad ist daher ein klarer Einschnitt. Ähnlich konsequent wie 2007 das iPhone reduziert es bewußt die Komplexität seiner Geräteklasse (wenn man „Geräteklasse“ so weit dehnt, daß man es überhaupt zusammen mit Tablet-PCs in einer prinzipiell ähnlichen Kategorie sehen will). Es beschränkt auch bewußt User-Interface, Optionen und Konfigurationsmöglichkeiten. Und darüber hinaus beschränkt es auch noch (Stichworte Flash, Walled Garden für Apps) die Einsatzmöglichkeiten.

    Aber genau weil es das tut, ist es genaugenommen eine Klasse für sich, gewissermaßen der Anfang eines neuen Zeitalters, der Aufbruch in die Ära des (wie ich es mal nennen möchte) Convenience Computers.

    Anwendungslückenfüller

    Das iPad schließt aus meiner Sicht die Lücke zwischen Anwendungsbereichen, wo ein Smartphone aufgrund seiner sehr beschränkten Maße zu klein oder frickelig und unbequem zu handhaben ist oder ein Notebook bzw. selbst ein Netbook aufgrund der Ausmaße zu groß und schwer ist, zu heiß wird bzw. eine (ggf. akustisch und thermisch störende) Belüftung erforderlich macht oder die Klappmechanik des Displays gefährdet bzw. im Weg ist.

    Es ist aufgrund seiner Instant-On-Fähigkeit geradezu gemacht für das „mal eben schnell“-Nachschauen in Google/Wiki/IMDB & Co (kleine Anmerkung am Rande: Ich persönlich hätte das Gerät ja deshalb auch anders benannt, denn am Anfang nahm ich an, daß sein Haupteinsatzgebiet darin liegen würde, beim DVD-Schauen Infos zu Filmen und Schauspielern nachzuschlagen; daher wäre der Name iMDB sicher angemessener gewesen :-) ).

    Manko: Mangelnde Multiuserfähigkeit

    Aus meiner Sicht ist Apple mit dem Konzept noch nicht weit genug gegangen. Denn der eigentliche Markt dieser Geräte könnte und sollte IMHO im Bereich des Familien-Internet-Zugangsgerätes liegen. Optimalerweise stelle ich mir das so vor, daß man im Haus zwischen Wohn- und Eßzimmer, Küche und Schlafzimmer zwei bis drei oder gern auch mehr iPads verstreut hat, auf die jedes Familienmitglied bei Bedarf schnell zugreifen kann. Das Gerät würde per Frontkamera (die das iPad derzeit leider nicht hat) erkennen, wer es gerade nutzt und entsprechend diesen User einloggen mit entsprechend individuellen Einstellungen und Mailkonten etc.; bedauerlicherweise ist genau dieser Einsatzbereich derzeit nicht möglich, weil das iPad nicht für Multiuserbetrieb sondern nur als persönlicher Begleiter ausgelegt ist. Dies ist aus meiner Sicht das größte Manko neben der Tatsache, auch keine normale Kamera und klassische Telefonfunktionalität an Bord ist.

    Insofern hoffe ich im Interesse der technischen Emanzipation der Massen ;-) auf ein baldiges Nachfolgemodell, welches diese Schwachstellen behebt. Dies könnte dann auch helfen, Gelegenheitsnutzer und Senioren mit einem bequemen und vor allem extrem leicht zu bedienenden Wohnzimmer-Allzeitzugriffsgerät auszustatten.

    Meine Erfahrungen im Detail

    Aber genug der abstrakten Worte. Ich persönlich habe das iPad nicht nur als IMDB-Browser gekauft, sondern vor allem als E-Reader zur gemütlichen Lektüre von (multimedialen) Ebooks, Epapers und Feeds/Websites verbunden mit der Möglichkeit, mal eben Kalender/Kontakte/Mails zu checken oder Geo-Apps wie Google Earth bzw. Lokalisierungsdienste zu nutzen (übrigens ist gerade auch mit Blick auf Augmented Reality die fehlende Kamera ein wirkliches Ärgernis).

    Seitdem ich mein iPad habe, habe ich viel mehr Zeit lesenderweise auf der Terrasse verbracht (was mir leider einen recht üblen Sonnenbrand beschert hat; böses iPad…). Mein iPhone ist zwar für gelegentliche Lektüre geeignet, auf Dauer aber einfach zu klein. Mein Notebook ist zu wuchtig und wird zu heiß, als daß man es locker auf den Beinen ablegen würde; damit wäre man immer genötigt, aufrecht an einem Tisch zu sitzen — weshalb ich es selten „mal eben“ mit nach draußen genommen haben. Das Handling des iPad dagegen ist absolut klasse — ein völlig neues und schönes Nutzungsgefühl.

    Die erste Inbetriebnahme lief vollkommen problemlos, die Apps wurden alle reibungslos synchronisiert (es mußte nur hie und da Zugangsdaten oder kleinere Einstellungen erneut vorgenommen werden). Die Maße hätten gern noch minimal größer ausfallen können (z.B. auf A4-Format), aber man will ja nicht meckern. Das Display jedenfalls ist gut (wenn auch nicht vergleichbar mit dem Retina-Display des iPhone), auch wenn mich verspiegelte Displays generell recht nerven (wobei ich zugeben muß, daß diese naturgemäß genialer aussehen als die matten Konkurrenten).

    Sehr praktisch ist der Knopf für die Rotationssperre. Schade, daß diese Einstellung beim iPhone etwas unpraktischer ist (bzw. mit Geräten ohne iOS4 unmöglich). Allerdings fehlt mir doch der Stummschalt-Knopf ein wenig, zumal man eingelogt sein muß, um das Gerät leise zu stellen. Sprich: Wenn einem Nachts einfällt, daß man volle Lautstärke angeschaltet hatte und nicht von Erinnerungen geweckt werden will, muß man erst das Gerät einschalten und den Zahlencode zum Entsperren eingeben (also 5 laute Geräusche erzeugen, sofern man akustisches Tastenfeedback angestellt hat (was ich wiederum aus allgemeinen Ergonomiegründen habe)). Im Zweifel hat man damit andere Mitbewohner dann schon geweckt. Auch wenn das ein kleiner Punkt ist: Hier muß sollte mit einem Software-Update nachgebessert werden, daß man die Lautstärke auch uneingelogt ändern kann.

    Apropos Update. Schade ist, daß das iPad noch unter Version 3.2 des OS läuft. Damit fehlen Multitasking und Ordner, die ich beide sehr vermisse. Interessant ist, daß es dennoch Funktionen (oder praktische Bugs?) hat, die es auf dem iPhone mit iOS4 nicht gibt. So kann man beispielsweise häufig benutzte Sonderzeichen und Umlaute auf der Tastatur schneller erreichen, indem man über dem Grundbuchstaben einfach mit dem Finger nach oben wischt. Eine echt praktische Sache.

    Im Gegensatz zum iPhone scheint mir die Batterielaufzeit sehr gut zu sein. So konnte ich z. B. zwei komplette WM-Spiele von EyeTV auf meinem iMac mittels EyeTV-App am Pad anschauen und es war da nach noch mehr als genug Power über. Die Verwendung als Garten-Fernseher hatte ich vorher gar nicht im Auge gehabt, aber umso mehr bewährt hat sie sich… ;-)

    Schade ist, daß immer noch nicht alle Apps mit dem Format klarkommen. So werden die offiziellen Twitter- und Facebook-Apps nur auf iPhone-Größe dargestellt. Alternativ kann man diese um Faktor 2 zoomen, aber das sieht furchterregend aus, weil die Vergrößerung extrem pixelig wird. Toll aber sind Epaper-Anwendungen. Den Spiegel lese ich nun wesentlich intensiver; auch Welt HD ist klasse gemacht, aber bei weitem noch übertroffen von Wired, welches für nur 2,99 € pro Ausgabe zu lesen ist.

    Was mich etwas nervt ist, daß Safari nur neun geöffnete Tabs zuläßt und — schlimmer noch — bei weiteren Anforderungen neuer Tabs über „in neuem Fenster öffnen“ einfach mal sang- und klanglos ein bestehendes Tab überschreibt. Ebenfalls ärgerlich die Macke, Seiten beim Wechsel zwischen Tabs ohne Not zu reloaden, was mich vorhin (unter Beihilfe einer versagenden Autosave-Funktion in dieser Blogsoftware) einen längeren Text gekostet hat… :-( Insbesondere diese Macke verhindert effektive Recherche während man in einem Safari-Fenster tippt.

    Zubehör

    Spezielles iPad-Zubehör gibt es kaum. Ich habe mir bisher nur das offizielle Apple iPad-Case zugelegt, mit dem ich mich nicht so recht anfreunden kann. Es ist überteuert und funktionell nicht ausgereift, denn insb. steht es nicht gut hochkant; auch geht der iPad schwer rein und vor allem wieder raus. In Sachen Schutzhülle muß ich mich also noch mal umsehen.

    Das Tastatur-Dock mag ich etwas lieber. Denn für längere Texte ermöglicht es eben eine effizientere Texteingabe. Und es kompensiert partiell die mangelnde Standstabilität des Case; allerdings läßt sich das iPad dort nur hochkant stellen, was für viele Anwendungen suboptimal ist und auch ästhetisch fragwürdig. Schlimmer allerdings ist, daß es scheinbar bisher nicht möglich ist, mit den Cursortasten durch Tabs oder Apps zu navigieren. Auch kann man den Cursor nicht nutzen, um vorgeschlagene Autocomplete-Einträge auszuwählen oder im Text einer App oder Website zu scrollen. Hier ist softwaretechnische Nachbesserung wichtig.

    Fazit

    Völlig unkritisch habe ich mich dem Gerät nicht hingegeben. Man merkt, daß es nunmal das Erste seiner Art ist und es kleinere Macken hat. Insgesamt ist also wie immer noch Luft nach oben. Aber: Die Nutzung fühlt sich toll an, ist glatt und bequem und erfüllt exakt meine Vorstellungen und Anforderungen. Daher bin ich äußerst zufrieden, die Kaufentscheidung getroffen zu haben und kann das iPad wärmstens weiterempfehlen.

    Dieser Text ist mir etwas wert:

    Wie ich zu meinem Glück kam, weiß ich immer noch nicht: Vor nicht ganz einer Woche (am Donnerstag, den 24. Juni) hatte ich gleich morgens früh über die T-Mobile-Hotline ein iPhone 4 bestellt. Noch am selben Abend erhielt ich zu meiner großen Verwunderung eine SMS von DHL, daß die Telekom ein Paket an mich versandt habe. Und absolut unerwartet hielt ich das gute Gerät dann doch glatt am nächsten Tag — keine 30 Stunden nach Bestellung — in den Händen.

    Nach dem Öffnen der schicken Verpackung (nur halb so groß wie beim Vorgängermodell) war ich gleich angetan vom neuen Spielzeug. Denn es ist etwas schwerer als das 3 GS und liegt damit (subjektiv) besser in der Hand. Zwar fand ich schon den Vorgänger seiner herrlichen Rundungen wegen stilistisch außerordentlich gelungen. Aber das neue Design mit dem Metallband und beidseitig glatter Glasoberfläche sieht IMHO wesentlich hochwertiger aus, eben nicht so plastikmäßig.

    Das Inbetriebnehmen erwies sich leider als recht problematisch, aber nicht wg. Apple, sondern wegen der Telekom. Denn die Dame an der Telekom-Hotline wollte mir partout nicht glauben, daß ich das Gerät bereits habe und mir daher die legal und mit allen Authorisationsdaten vorliegende Mikro-SIM nicht freischalten (und hat sich daraufhin absolut unerhört benommen und nach einigem Pöbeln einfach aufgelegt. Ohne Worte). Naja, 25 weitere Minuten und mehrere Gesprächspartner später gelangte ich schlussendlich an eine gleichsam freundliche wie auch kompetente und bemühte Mitarbeiterin, die sich höflich für meine etwas abstruse Erfahrung entschuldigte und die Karte unverzüglich aktivierte, so daß der vollumfänglichen Verwendung des neuen Gadgets nichts mehr im Wege stand.

    Die Umstellung vom alten 3GS auf das 4er-Modell erwies sich als unerwartet unkompliziert. Daten gesichert, neues Telefon an iTunes ran, aktualisiert und Einstellungen und Apps wurden übernommen. Lediglich mußte ich bei ein paar Apps Zugangsdaten neu eingeben etc., aber der Aufwand war minimal.

    Was als allererstes sofort ins Auge fällt beim neuen iPhone 4 ist das sog. Retina-Display. Es ist wirklich extrem scharf, man sieht aus normaler Distanz absolut keine Pixel mehr (außer bei App-Icons, die noch nicht für diese Auflösung erstellt wurden). Das macht vor allem Websites und andere Anwendungen mit relativ zum Display kleinen Schriften plötzlich sehr gut les- und bedienbar. Allein das wäre meines Erachtens ein Grund, auf das neue Phone zu wechseln.

    Das nächste klare Pro ist die Kamera. Nicht nur reagiert und knipst sie deutlich schneller (was m. W. eine Optimierung im Rahmen des Updates von iPhone OS 3 auf iOS4 ist), sondern Auflösung und Bildqualität sind wesentlich besser und erstmals wirklich als (für eine Handycam) brauchbar zu bezeichnen. Auch bei leichter Dämmerung gelingen Bilder (und Filme) noch erstaunlich gut. Ansonsten gibt es jetzt ja einen Blitz, der weiterhilft — auch wenn ich bisher hiermit nur mittelprächtige Erfahrungen gemacht habe, weil die Farben recht verfälscht waren. Scheinbar aber gibt es noch ein kleines (vielleicht multitaskingbedingtes) Problem, welches sich bei mir mehrfach gezeigt hat: Ruft man Fotos auf, finden sich frisch geknipste Fotos nicht im Album. Erst wenn man aus der Kamera-App unten links auf die Aufnahmen klickt, werden diese im Album aktualisiert. Das ist verwirrend und sehr unpraktisch, wird aber hoffentlich gefixt.

    Apropos Multitasking: Da bisher fast keine Anwendung so richtig dafür optimiert/ausgelegt ist, kann ich hier noch keine Erfahrungen berichten.

    Eine andere Sache macht mir aber ernsthaft Sorgen: Rein subjektiv (leider keine belastbare Empirie vorhanden) scheint mir der Akku noch schneller leergelutscht zu sein. Woran dies genau liegt, kann ich nur mutmaßen. Möglicherweise eine Mischung aus besserem Display, Multitasking und vielleicht auch begeisterter Mehrnutzung meinerseits… ;-)

    Zu den sich häufenden Berichten über antennenkonzeptionsbedingte Empfangsprobleme kann ich bisher nichts sagen mangels hinreichender statistischer Basis. Ich jedenfalls hatte bislang keine Probleme beim Telefonieren oder Surfen. Auch kann ich auf meinem Display keine Verfärbungen feststellen. Vielleicht bin ich auch einfach nur nicht anspruchsvoll genug… :-)

    Ein wenig ärgere ich mich, daß ich mir im Bestell-Rausch bei Apple auch einen Bumper zum Schutz des iPhones bestellt habe. Irgendwie war mir nicht klar, daß es wirklich nur ein kleines Gummibändchen für den Rand ist (ich hatte gedacht, daß es auch die Rückseite abdeckt; nächstes Mal schaue ich mir Zubehör genauer an; denn 29 Euronen für das Busserl Gummi sind offengestanden frech).

    Insofern muß ich auch dringend noch eine für iPhone 4 geeignete Tasche/Hülle finden, denn ich habe schon Schiß um Glasfront- und Rückseite. Meine bisherige Ledertasche paßt zwar vom Format an sich, aber die Kamera wird dadurch abgeschattet. Aber man kann vermutlich nicht alles haben: Ein erstklassig designtes, stilisches Gerät, daß gleichzeitig obertaff ist.

    Summa summarum halte ich fest: Ich gebe mein iPhone 4 nicht wieder her (jedenfalls nicht, bis es dafür einen würdigen Nachfolger gibt). Und ich freue mich auf eure Erfahrungen!

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    Gestatten, mein Name ist Pad, STECKiPAD

    Dienstag, 22. Juni 2010

    Das war ein denkwürdiger Tag. Nicht nur, weil sich an diesem 22. Juni der Geburtstag des Computer-Pioniers Konrad Zuse zum 100. Mal jährte und dies u.a. mit einem tollen Google Doodle gewürdigt wurde. Und nicht einmal allein deswegen, daß Bundesinnenminister de Maizière mit seiner Grundsatzrede zur Netzpolitik richtungsweisend war.

    Nein, dieser Tag ist deshalb denkwürdig, weil ich heute um 11:44 Uhr von UPS ein unscheinbares kleines Päckchen geschickt bekommen habe: Mein eigenes iPad, das ich liebevoll STECKiPAD® getauft habe, ist da! (hier geht es zu den Unboxing-Fotos — einen Tag vorher hatte ich schon mal sozusagen als Generalprobe und leicht selbstironisch den vorab gekauften iPad-Case unboxed) Vielleicht ist es ja das Jubiläums-iPad, denn Apple gab am selben Tag bekannt, daß inzwischen drei Millionen iPads verkauft worden sind.

    Am iPad gab es (schon vor dem Verkaufsstart) viel (kleinliche) Kritik. Aus erster Hand werde ich es zwar erst in einiger Zeit umfassend beurteilen können, aber ich muß schon sagen: Ich bin beeindruckt. Das Teil hat bisher alle meine Erwartungen erfüllt. Es fühlte sich von der ersten Minute einfach toll an.

    Ich bin mir sicher: Heute hatte ich die Zukunft in der Hand!  

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    De Platt-App, een paßlich Ding

    Dienstag, 15. Juni 2010

    Auch wenn ich es leider mangels Sprachpraxis nicht im Ansatz unfallfrei sprechen kann und stets nach Worten ringen würde, wenn ich den untauglichen Versuch starten würde, so hänge ich doch sehr am Plattdeutschen. So bin ich nicht nur ein großer Fan von zweisprachigen Ortstafeln, weil dies gewissermaßen eine stete, dauerhafte Mahnung und Erinnerung an die örtliche Geschichte ist (und beispielsweise ein guter Ausgangspunkt für Schulklassen, sich mit der Heimat zu beschäftigen). Nein, ich habe deshalb extra mal die von mir co-gewebmasterte (schönes neudeutsch) Seite meiner Gemeinde Delingsdorf (aka Deinsdörp) „plattgemacht“. Und auch die Niederdeutsche Wikipedia finde ich genial.

    Plattdeutsch verstehen kann ich (jedenfalls die örtliche Variante) glücklicherweise ganz prima, schließlich haben das meine Großeltern untereinander und mit Freunden, Bekannten und Verwandten ständig gesprochen, es war nunmal deren Muttersprache. Insofern habe ich nicht wie angeblich 70 Millionen Deutsche ein Verständnisproblem (Dank an Lydia für den Video-Tip):

    Nur das mit dem Sprechen klappt eben nicht. Denn es fehlen einem immer die Worte. Es gibt zwar natürlich erstklassige Wörterbücher (auch online), aber die sind nicht so schnell zur Hand, wie man sie bräuchte, wenn man wirklich mal in die Situation kommt, von oder nach Platt zu übersetzen.

    Umso glücklicher bin ich nun, wo plattnet.de, eine meiner niederdeutschen Lieblingsseiten, im sehr empfehlenswerten Newsletter von einem Plattdeutschen Wörterbuch als iPhone-App berichtete, also quasi einer Platt-App.

    Sofort bin ich zur Hersteller-Seite (itx systems) gesurft, das einfache aber überzeugende Konzept und Screenshots für gut befunden und die 1,59 € im iTunes-Store investiert.

    Was soll ich sagen? Die Platt-App hält, was sie verspricht. Der Start könnte zwar einen Tick schneller sein, aber die eigentliche Aufgabe löst sie sehr straightforward. Man kann also einfach und bequem „mal eben“ ein nicht verstandenes Wort nachschlagen oder einen passenden Plattdeutschen Ausdruck finden. Das Vokabular scheint einigermaßen umfangreich zu sein und hat durchaus auch passende Begriffe für moderne Erscheinungen. Computer z. B. wird mit Blickbregen, Isernbreegen oder Rechenknecht übersetzt (für Blog hingegen habe ich nichts gefunden, etwas ausbaufähig ist es also schon noch). Einige der Wörter sind quasi geokodiert, so daß man erfährt, für welche Regionen diese gelten.

    Insgesamt kann ich diese Platt-App für uns Möchtegern-Plattsnacker also durchaus empfehlen. 

    Allerdings würde ich mir durchaus noch ein paar Ergänzungen wünschen. Beispielsweise eine Möglichkeit, Suche und Wortvorschläge von Hochdeutsch zu Plattdeutsch nur für bestimmte Bereiche durchzuführen (also Regionalfilter). So könnte man dann auch Wortspezialitäten einer Region filtern/anzeigen. Auch eine Unscharfsuche (oder habe ich die übersehen?) wäre sicher toll, denn die Schreibweise Plattdeutscher Wörter kann doch recht unerwartet sein.

    Laut Macfriesland wird es in der nächsten Version auch die Möglichkeit geben, fehlender Wörter/Alternativbegriffe vorzuschlagen — ein vielversprechender Crowdsourcing-Ansatz (den man dann vielleicht auch zu einem sozialen Netzwerk ausdehnen könnte).

    Nun denn, wie auch immer: Ich finde es toll, aber testet doch einfach selbst! 

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    Es gibt Dinge, da kann manMann nicht widerstehen. Vor einiger Zeit war ich schon mal auf den Lego Digital Designer (LDD) gestoßen (siehe Steckbausteine, virtuell-reloaded), mit dem man gewissermaßen Lego-CAD machen, also in 3-D direkt am Rechner mit Lego-Steinen spielenkonstruieren und dann diese eigene Kreation als Individual-Bausatz bestellen (!) kann. In einer wild durchsurften Nacht bin ich dann erneut auf die Lego-Seite gestolpert (wie so oft weiß ich gar nicht mehr, wie es mich dahin verschlagen hatte). Also schwups die Software zum Experimentieren runtergeladen und losgelegt.

    Lange überlegen, was ich bauen wollte, mußte ich gar nicht. Denn als Kind habe ich mit Begeisterung bevorzugt Häuser/Türme und jede andere Art von Gebäude aus meinen geschätzt paar Tausend Steinchen zusammengesteckt. Also gab ich mir den Auftrag, mein eigenes zuhause lego-technisch nachzuempfinden. Nachdem ich mich ein bisserl in das Programm reingefuchst hatte, insb. geschaut, welcher Maßstab/Größe von Grundplatte sinnvoll wäre (denn aus Kostengründen wollte ich bei diesem ersten Versuch keine teuren Unmengen von Klötzen verbrauchen). Ca. 1,5 h später (etwas Trial & Error, welche Fenstertypen am ehesten passen usw. dauerte nunmal etwas) war mein Design fertig:

    Anschließend ging alles erstaunlich schnell. Mit einem simplen Klick kann man für den Bausatz automatisch (!) eine Bauanleitung erstellen lassen. Und dann wieder mit einem Klick in den Shop wechseln, wo ich nach individueller Gestaltung der Verpackung (!!) die Bestellung aufgab.

    Nach nicht ganz drei Wochen Lieferzeit war es dann heute so weit. Das Paket von Lego war in der Post. Boah, was war ich happy. Natürlich habe ich es sofort ausgepackt (Unboxing-Fotos auf flickr). Alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Eine tolle Verpackung, schöne Bauteilliste, Plastiktüte mit allen Teilen, dazu farbig gedruckte und gebundene Bauanleitung. Einfach nur Wow:

    Hier ein Video vom Zusammenbauen:

    Und so sieht das Ergebnis aus (es hat schon seinen Ehrenplatz in einer Vitrine im Wohnzimmer gefunden):

    Boah, das war ein Spaß! Ich bin mir sicher, daß das nicht mein letzter eigener Lego-Bausatz gewesen sein wird, zumal man auch Lego Mindstorms NXT Bausätze erstellen kann…also Leute: Unbedingt selbst mal ausprobieren (nein, leider kriege ich keine Provision — ich gönne euch schlicht die Freude und den Spaß). Und dann unbedingt hier im Kommentar einen Link auf das Ergebnis hinterlassen, ok? Ich bin gespannt. Viel Vergnügen!

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