Friedrich im netzpolitischen Tiefflug

Mittwoch, 30. November 2011

Heute fand in Berlin unter dem Titel „Digitale (Un)Kultur und Demokratie“ der 3. Demokratie-Kongress der Konrad-Adenauer-Stiftung statt. Ich hatte mich frühzeitig dazu angemeldet, war aber leider kurzfristig verhindert, was mich angesichts der Tatsache, daß neben einer Keynote von Jeff Jarvis auch eine netzpolitische Grundsatzrede von Innenminister Hans-Peter Friedrich angekündigt war, ziemlich ärgerte. Dankenswerterweise aber gab es einen funktionierenden Live-Stream (liebe KAS: Nächstes Mal bitte HTML5-Video nutzen mit Flash-Fallback), so daß ich weite Teile der Veranstaltung mehr oder weniger nebenbei schauen konnte. Nicht so toll, aber besser als nichts.

Chance vertan

Zur Rede: Man hatte schon den Eindruck, daß der Minister gekommen war, um etwas Positives über das Netz zu sagen. Die Kurzmeldung des Ministeriums titelte daher auch Friedrich sieht Chancen des Internets. Nur: Tut er das wirklich? Zunächst einmal ist festzustellen, daß man kein Heavy-User sein muß, um zu begreifen, welch grundlegender Wandel durch das Internet in Gang kommt. Dennoch offenbaren (sicherlich gut gemeinte) Aussagen wie die, daß seine 78-jährige Schwiegermutter begeistert über Skype mit ihren Enkeln kommuniziere und das Internet ja auch beim Auslandsaufenthalt seines Sohnes sehr hilfreich für den Familienzusammenhalt war, daß das Internet für ihn eher als Hilfsmittel verstanden wird, eher als graduelle Verbesserung von Möglichkeiten. Und natürlich ist dies das Internet auch. Aber es ist eben auch mehr als das, wesentlich mehr.

Das Internet ist mehr

Mal für Herrn Friedrich & Co: Das Internet ist mehr als ein besseres Telefon. Es ist mehr als ein besseres Fernsehen. Es ist mehr als ein besseres Fax. Das Internet reißt Hierarchien und Strukturen ein. Das klassische Sender-Empfänger-Modell ist nicht mehr. Das Internet emanzipiert Individuen, es gibt ihnen wesentlich mehr Möglichkeiten und Macht als früher. Es schafft Transparenz. Es entreißt Kontrolle. Es ermöglicht Teilhabe. Und als Resultat, Symptom von und Fundament technologischen Fortschritts verändert es die Rahmenbedingungen für Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft von Grund auf und nachhaltig.

Und es kommt noch schlimmer: Das ist alles erst der Anfang. Während Herr Friedrich noch „hin und wieder mit dem iPad ins Netz geht“ (oder wie Bärbel Höhn sagen würde „Internet guggt“), ist das dauerhaft Online-Sein für viele andere schon seit Jahren der Normalzustand. Da geht schon längst niemand ins Internet. Denn man ist die ganze Zeit drin. Und es ist eben auch kein anderer Ort mehr. Es ist da. Überall. Es ist quasi die Erweiterung des Ichs zum Exo-Brain.

Und es geht weiter. Längst sind wir auf dem Weg des Internets der Dinge, wo unsere Alltagsgegenstände integraler Bestandteil des Netzes werden, wo das Internet sprichwörtlich ubiquitär und allumfassend wird. Man kann nur erahnen, was das in Konsequenz bedeuten wird.

Exponentielle Entwicklung

Daher nochmal: Das ist erst der Anfang, genauergenommen sogar nur der Anfang vom Anfang. Man kann gar nicht häufig genug betonen, daß technologische Entwicklung (im Schnitt) sich selbst beschleunigt, also exponentiell entwickelt. Sprich: Der Blick zurück als Maßstab für Entwicklungsgeschwindigkeit ist ungeeignet. Ebenso wie die meisten Analogien stärker hinken als jeder Vergleich.

Um es anders zu sagen: Wer mit Methoden und Adaptionsrate von Gestern heute Politik für morgen machen will, hat schon verloren. Wer aber noch nicht mal wirklich im Heute angekommen ist, der sollte bitte ein anderes Hobby finden als ausgerechnet Zukunftsgestaltung.

Man kann das alles bösen Technikdeterminismus schimpfen und sich dagegen sträuben. Man kann auch die Augen verschließen. Oder sich auf den Kopf stellen. Es hilft alles nichts. Das Internet ist da. Es wird nicht wieder verschwinden. Und es nimmt keine Rücksicht darauf, ob man es toll findet oder nutzt oder versteht. Und daher wird der technologische Wandel stetig schneller. Und dieser wird gesellschaftlichen Wandel nach sich ziehen. Die Politik kann das versuchen, mitzugestalten. Ich würde das sehr begrüßen. Das setzt aber Kenntnis der Entwicklungen, Weitsicht und nach vorn gerichtetes Denken voraus.

Nach vorn denken

Wer — wie Friedrich in seiner Rede — ständig fast sentimental davon redet, wie es damals™ war und wie es jetzt sei (wohlgemerkt: Das Jetzt des Herrn Friedrich, nicht das Jetzt der Fortschrittlichen), der zeigt nur, daß er nicht wirklich verstanden hat, worum es geht. Der zeigt, daß er nicht erkannt hat, daß wir an einem Gesellschafts- und Politikentwurf arbeiten müssen, der zukunftsfähig ist. Daß wir netzpolitisch eben auch über den Tag denken müssen.

Man verstehe mich nicht falsch: Ein Innenminister soll sich um Extremismusbekämpfung im Jetzt kümmern. Und er soll alles tun, um dafür zu sorgen, daß Menschen Teilhabe am politischen Prozeß und der technischen Entwicklung haben, daß unser Land ein zukunftsfähiges Netz hat (und nicht das, was heute unter Breitbandinitiativen verstanden wird, die nicht vom Fleck kommen). Aber es muß eben weit darüber hinausgehen (einige Impulse dazu gab Jeff Jarvis, dessen Rede hoffentlich in voller Länge zur Verfügung gestellt wird; unten ein kurzes Interview der KAS mit ihm). Ich hoffe sehr, daß die Politik insb. in der Führungsriege begreift und dokumentiert, daß sie verstanden hat. ich kann verstehen, daß man vor lauter drängender Tagespolitik manchmal den Blick über den Tellerrand versäumt. Es darf nur nicht sein, daß unser Land deshalb den Anschluß verliert. Daher bin ich der KAS dankbar, daß sie mit dem Demokratie-Kongress ein wichtiges Zeichen gesetzt hat, das hoffentlich hilft, die Diskussion dort in Gang zu bringen, wo sie geführt werden muß.


Als kleinen Input und Denkanstoß folgende Links:

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Schwarze Netzpolitik am Black Friday

Freitag, 25. November 2011

Vergangene Woche hatte ich unter dem Titel CDU-AK-Netzpolitik wird sichtbar über die neuen Internetauftritt des CDU-AK-Netzpolitik geblogt. Nun hat auch der CDU-Netzexperte im Bundestag, Peter Tauber (@petertauber) erfreut gelobgt: Endlich! Schwarze Netzpolitik!.

Peter Tauber faßt in dem lesenswerten Beitrag auch einige Positionierungen in Sachen Internetpolitik zusammen. Dabei macht er deutlich, daß die Union die Welt auch im Netz nicht schwarz-weiß sieht und auf dogmatischen Extrempositionen beharrt, sondern differenzierend vermittelnde Lösungen sucht, die den unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen gerecht werden:

Das Thema Netzneutralität ist hierfür ein gutes Beispiel. Da die CDU eine gesetzliche Regelung nur für den Fall treffen will, dass Netzneutralität ernsthaft gefährdet sein sollte – und entgegen den Behauptungen der politischen Linken ist sie es in Deutschland derzeit nicht –, riecht manch einer sofort Verrat. Wer also nicht für eine „Vorratsgesetzbung“ zur Netzneutralität ist, der ist anscheinend grundsätzlich gegen Netzneutralität, so die Unterstellung. Das ist natürlich falsch. Die CDU ist für Netzneutralität. Kein Wunder, denn wir sehen darin einen Grundpfeiler des Internets.

[…]

Wir haben selten spektakuläre Ziele formuliert, sondern wir suchen meist nach einem dritten Weg. Die Soziale Marktwirtschaft redet weder dem Sozialismus noch dem Kapitalismus das Wort, sondern ist ein erfolgreicher Versuch, etwas Neues zu schaffen. Genauso wollen wir mit unseren netzpolitischen Vorstellungen einen anderen Weg suchen: Wir setzen weder auf die Regulierungsmacht des Staates noch auf die vollständige Freiheit – was immer darunter zu verstehen wäre.

Übrigens stelle ich immer wieder mit Erstaunen fest, dass es gerade diejenigen sind, die eben noch den Staat und seine Institutionen verdächtigen, Bürgerrechte aushöhlen zu wollen, die dann von eben diesem Staat erwarten, dass er das „freie Internet“ durch Gesetze sichert. Das ist ein Widerspruch, den die politische Linke bis heute nicht ausräumen kann.

Und ich schließe mich mit Blick auf den Diskurs um eine gute Netzpolitik dem Schlußsatz an und hoffe auf Diskussionen, die das Netz für die Gesellschaft voranbringen: Wie wir miteinander umgehen – gerade auch im Internet – wird am Ende zeigen, ob wir eine aufgeklärte, reife und wirklich tolerante Gesellschaft sind.

Also: Lest mehr zu schwarzer Netzpolitik.

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CDU-AK-Netzpolitik wird sichtbar

Samstag, 19. November 2011

Auch wenn bei mir arbeitsmäßig ein wenig landunter ist (so daß ich noch weniger (µ)blogge als sonst), für diesen wichtigen Hinweis muß Zeit sein: Netzpolitik in der Union wird nun sichtbar(er): www.netzpolitik.cdu.de

Kurzer historischer Exkurs

Spätestens seit den heißen Diskussionen um das Zugangserschwerungsgesetz Anfang 2009 fanden sich (primär über Twitter) eine ganze Reihe netzpolitisch Interessierter Mitglieder aus CDU/CSU bzw. JU informell zusammen, weil sie nicht mehr mit anschauen konnten und wollten, wie ihre Partei sich in Internetfragen positionierte. Heraus kam eine mehr oder minder lose Gruppierung von Netzaktiven, die sich intern traf und über Twitter/Facebook/Googlegroups miteinander kommunizierte und diskutierte. Auch gab es erste (leider gescheiterte) Gehversuche wie ein unter meiner Mitarbeit gebasteltes Webseitenprojekt unter dem Arbeitstitel „meine-union — das digitale Gewissen der Union“ ;-) und auch die Konrad-Adenauer-Stiftung rief einen bunt besetzten Gesprächskreis ins Leben.

Anfang 2010 wurde dann durch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe ein Arbeitskreis Netzpolitik der CDU unter der Leitung von Michael Kretschmer initiiert. Dieser traf sich seitdem im Schnitt alle zwei Monate und diskutierte wichtige Themen der Internetpolitik, in 2011 standen bereits Open Data, Netzneutralität, Rote-Linien-Gesetz, Jugendmedienschutz, Netzpolitik auf EU-Ebene, Datenschutz im Web 2.0 und ein Workshop zu den Grundsätzen einer CDU-Netzpolitik auf dem Programm (siehe Arbeitskalender). Sofern ich es zeitlich einrichten konnte, habe ich gern an den Sitzungen teilgenommen, weil sie sehr informativ und aufschlußreich waren.

Was bisher fehlte, war eine transparente Darstellung der Aktivitäten des AK-Netz (es fehlte nicht der Wille dazu). Natürlich wurde gelegentlich dazu von Teilnehmern ge(micro)blogt (ich selbst bekenne mich schuldig, zu wenig zur Vermittlung getan zu haben: Veranstaltungstwittern liegt mir (altersbedingt?) mangels Multitaskingfähigkeit nicht so und die Ruhe zum Bloggen finde ich zu selten).

Heraus aus dem Hinterzimmer

Zum Parteitag in Leipzig letzte Woche (an dem ich aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen konnte, was mich umso mehr ärgerte, da es dort auch ein vom Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Peter Altmaier (@peteraltmaier) eingeladenes Twitter-Treffen der Netzleute gab) legte der AK seinen 1. Bericht zur Netzpolitik vor. Und dank tatkräftigen Einsatzes (ein dicker Dank an alle Beteiligten) konnte dort auch die Site des AK Netzpolitik www.netzpolitik.cdu.de gestartet werden.

Die Seite soll als Anlaufstelle für das Thema Internet in der Union dienen. Sie soll Streitstände aufzeigen, zum Nachdenken und Diskutieren anregen und damit zur Plattform für die Entwicklung einer zukunftsfähigen Internet-Politik dienen. So werden die Grundwerte der CDU im Spiegel der Netzpolitik betrachtet, es werden zahlreiche Themen (bisher bereits zu finden sind Breitband-Ausbau, Datenschutz, Datenschutz in sozialen Netzwerken, E-Partizipation, Jugendmedienschutz, Medienkompetenz, Netzneutralität, Open Access, Open Data, Pseudonyme und Anonymität, Urheberrecht) dargestellt. Die Bandbreite von Meinungen in der Union wird am ersten Pro & Contra deutlich: Günter Krings pro „Speicherung von Telekommunikationsdaten“ vs. Michael Kretschmer contra Vorratsdatenspeicherung.

Das zeigt auch: In der großen Volkspartei ist Internetpolitik wirklich ein zartes Pflänzchen, es muß noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden (wie es auch der virtuelle Verband CSUnet in der Schwesterpartei tut). Aber es ist ein wichtiger Schritt, daß nun auch die breitere Öffentlichkeit gesucht wird und wir raus aus den Hinterzimmern kommen. Denn es gibt in der Union deutlich mehr progressive Kräfte (und es werden täglich mehr, sofern sie denn wie beispielsweise Peter Altmaier ihre Skepsis überwinden und es einfach mal selbst mit dem Netz probieren), die im Netz vor allem riesige Chancen sehen, die nicht nur den Blick auf Risiken verengen sondern ganz gelassen abwägen, die nicht ewiggestrig sind sondern nach vorn schauen und unserem Land und seinen Menschen die Nutzung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und partizipatorischen Potentiale ermöglichen wollen.

Auf dem Weg zu einer besseren Netzpolitik

Natürlich haben sowohl der AK als auch seine Site noch Luft nach oben. Aber die Einrichtung des Arbeitskreises war ein wichtiges Signal, die Arbeit, die der AK leistet, wird die Netzpolitik der Union besser machen und die Plattform für Aktivitäten im Internet wird helfen, Netzpolitik in Partei und Öffentlichkeit voranzubringen.

Insgesamt sehe ich es wie einer meiner Mitstreiter, Sven Przepiorka in seinem Blog schreibt:

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich es vor einem Jahr nicht möglich gehalten, dass so ein erstes gutes Ergebnis jemals online zu finden sein wird. Über technische und optische Unzulänglichkeiten kann man dieser Stelle getrost hinwegsehen. Dies kann später immer noch nachgeholt werden.

Kann man sich nun zurücklehnen und sich damit zufrieden geben, dass man die Grundwerte einer “konservativen” Netzpolitik definiert und sich zu jedem momentan wichtigen Themenschwerpunkt geäußert hat? Ich glaube nicht. Und meinem Gefühl nach hat dies auch keiner vor.

Viel mehr gilt es jetzt zu akzeptieren, dass wir gerade einmal die Grundpfeiler definiert und damit zu den meisten anderen Parteien aufgeschlossen haben.

Ich bin mir sicher, daß man vom AK Netzpolitik in Zukunft häufiger und mehr hören wird. Die Internetversteher ;-) in der Union werden sichtbarer und bekommen mehr Einfluß. Die Union ist auf dem Weg zu einer besseren Netzpolitik — weiter so!


Als kleinen Service habe ich einen Google+ Circle mit Mitgliedern des CDU-Arbeitskreises Netzpolitik erstellt.

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Der CDU ist nicht zu helfen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Die CDU-Schleswig-Holstein hat heute ihren Online-Auftritt erneuert (neogermanisch: gerelauncht): www.cdu-sh.de

Um es als tl;dr vorwegzunehmen: Leider bleibt das Thema Union und das Netz ein Trauerspiel.

Der Form halber aber wiederhole ich zunächst im Rahmen von full-disclosure meine Disclaimer aus dem vorstehenden Blog-Beitrag:

[Disclaimer: Ich bin Mitglied der CDU-Schleswig-Holstein und versuche manchmal Tipps zu geben, was man besser machen könnte. Nicht alles davon wird umgesetzt, aber manches wurde schon umgesetzt, weshalb die CDU-SH.de vielleicht nicht so schlecht abschneidet, wie sie es vor ein paar Monaten getan hätte…]

[Disclaimer2: Auch diese Seite hat noch viel Potenzial in vieler Hinsicht. Aber: Es handelt sich um eine private Seite eines Ehrenamtlichen im Vorruhestand und nicht um eine Seite einer großen Volkspartei…]

Und ich möchte auch nicht alle Punkte aus dem vorigen Artikel wiederholen, daher hier nur eine kurze Site-Analyse (vielen Dank an die Hinweise, die dazu auf facebook und Google+ zusammengekommen sind; ich hoffe, es geht ok, wenn ich das alles hier einmal aufliste ohne einzelne Credits). Die meisten hier aufgelisteten Punkte wurden über viele Monate mehrfach den Zuständigen bei der CDU-SH und ihrer sicherlich nicht unterbezahlten Agentur gemeldet, teils intensiv und mehrfach besprochen:

  • Keine OpenGraph-Tags implementiert. Egal wie man zu Sozialen Netzwerken steht: Das ist heutzutage schon ein echter Killer, der (virale) Verbreitungsmöglichkeiten deutlich dämpft und auch die Wirkung in Timelines unterminiert. Ob man additiv noch Facebook-Like-/Twitter-/Plus-One-Plugins implementiert (und wenn ja wie (z.B. mit heise-2-click)), sei dahingestellt. Man kann (wie auch ich hier im Blog) durchaus zu der Ansicht gelangen, daß man dieses bis zu einer endgültigen rechtlichen Klärung unterläßt. So oder so: og:title, og:image usw. sind zwingend zu implementieren.
  • Die URL-Struktur der Site ist nach wie vor desaströs. Pfade sind irre lang, weil da beispielsweise obsolete Dinge wie “CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein/Seiten” drin stehen. Das kann man ohne negative Konsequenzen löschen. Gerade aber wenn man den Pfad so lang läßt, wäre ein <link rel=“shorturl”> mit eigenem Shortener cdu.sh nicht ganz unclever.
  • Falls der Pfadbestandteil “CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein” aus SEO-Gründen beibehalten wurde, wäre es m. E. auch aus Branding-Gründen wesentlich zielführender, von cdu-sh.de auf cdu-schleswig-holstein.de zu redirecten.
  • Peinliche Keywords. Ganz ehrlich, wie kann man eine Site mit <meta name=“keywords” content=“cms, publish, e-commerce, content management, development framework”> freischalten
    [Nachtrag] Jetzt sind plötzlich zwei Zeilen mit Keywords drin :-D
    <meta name=“keywords” content=“cms, publish, e-commerce, content management, development framework”>
    <meta name=“keywords” content=“CDU, Schleswig-Holstein, Partei, Fraktion, Wahlen”>
  • Ein Fehler, der „nur“ Performance-Nachteile hat: Die ganzen JavaScripts werden alle am Anfang geladen statt am soweit möglich am Ende.
  • Man fragt sich auch, warum niemand merkt, daß die weiße Schrift auf hellgrauem Grund im Footer fast unlesbar ist.
  • Apropos nicht merken: Ich habe erst nach einem entsprechenden Hinweis auf Twitter die Subnavigation entdeckt. Vielleicht sollte da noch mal jemand aus UX-Perspektive draufschauen.
  • Lustig sind die auskommentierten Lorem Ipsums im Quelltext. Oder die ca. 150 Leerzeilen da drin :-)
  • Weniger cool ist, daß der Link auf den Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten www.jostdejager.de zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrages immer noch unkonnektiert ist.
  • Zu einer richtigen Fehlerseite hat es leider auch nicht gereicht, da kommt dann: “Modul nicht gefunden. Das angeforderte Modul CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein konnte nicht gefunden werden.”
  • Dinge wie <meta http-equiv=“Content-Type” content=“text/html” /><meta name=“Content-Type” content=“text/html; charset=utf-8”> sind auch ein bisserl, ähm, merkwürdig.
  • Niedlich auch: <!-- Google SEO --><meta name=“google-site-verification” content=“” /><meta name=“robots” content=“index,follow” /><meta name=“verify-v1” content=“” />
  • Und ob eine öffentlich erreichbare Seite mit Versionsnummern aller Plugins ganz glücklich ist, dürfte fraglich sein (insb. wenn diese dann nicht alle aktuell sind).
  • Schön auch: http://www.cdu-sh.de/CDU-Landesverband-Schleswig-Holstein/Seiten/Homepage = http://www.cdu-sh.de :-) (wobei canonical fast richtig, wenn auch unschön (weil auf die lange URL zeigen wollend (denn da ist eine relative URL drin!)) implementiert ist)
  • [Nachtrag] Ob und welche RSS-/Atom-Feeds implementiert sind, weiß ich nicht (habe noch nicht systematisch geprüft), aber Autodetect selbiger (absolut standard eigentlich) wird jedenfalls nicht unterstützt.
  • [Nachtrag] Äußerst schade auch (insb. aus SEO-Sicht), daß der Quelltext zwar HTML5 ist, aber die semantischen Möglichkeiten (section, article, header, footer, aside usw.) nicht nutzt.
  • [Nachtrag] Es sind viele Kleinigkeiten drin, aus denen man sehen kann, daß mit der heißen Nadel gestrickt wurde und man sich den Quellcode offenbar nicht wirklich angeschaut hat. Man könnte daher zum Urteil kommen: Hier wurde schlicht schlampig gearbeitet. So wird im Abstand von wenigen Zeilen zweimal das favicon definiert (<link rel=“Shortcut icon” href=“/design/CDU1/images/favicon.ico” type=“image/x-icon”>. Ein Copyright-Vermerk (mal vom Sinn eines solchen in D ganz abgesehen) <link rel=“Copyright” href=“/ezinfo/copyright”> verlinkt auf den Copyright-Text des eingesetzten CMS, der dann auch noch falsch escaped ist (\“). Auf der Suchseite erscheint dann u.a. ”/templates/content/search.tpl".
  • [Nachtrag] Und: Wer ist eigentlich Invitusfinanz und warum bindet das Onlineanmeldeformular einfach so https://www.invitusfinanz.de/cduonlineanmeldung/ ein und inwieweit korrespondiert das mit Angaben im Impressum (“Die Daten werden ausschließlich von der CDU Schleswig-Holstein, ihren Gliederungen, Vereinigungen und Sonderorganisationen genutzt und nicht an Dritte übermittelt.”)?
  • Immerhin scheint der abgebildete Leuchtturm wohl aus Schleswig-Holstein zu sein. Glück gehabt. Hoffentlich hat man neben Glück auch die Lizenz ;-)

(Screenshots reiche ich vielleicht nach, aus Zeitgründen habe ich das eben nur so runtergetippt; ggf. ergänze ich auch noch Punkte; ich habe mich auch auf formelle/handwerkliche Aspekte beschränkt, da ich davon ausgehe, daß sich inhaltlich noch im Rahmen des Wahlkampfes einiges tun wird)

Fazit

Es ist ganz schön traurig, was mein Landesverband und die Agentur hier handwerklich abgeliefert haben. Es bestätigt mich aber darin, keine weitere Zeit und Energie in Beratungen desselben zu investieren (ich habe sogar nicht unerhebliche Fahrtkosten für ehrenamtliche und zeitaufwendige Beratungsleistungen gehabt und erwäge nun, diese einzufordern). Schade.


Nachtrag 26.10.2011 11:50: Derzeit wird scheinbar fleißig an der Site gearbeitet. So wurde der (immer noch nicht funktionierende Link) auf jostdejager.de an eine andere (noch prominentere Stelle) verschoben; bis vorhin war er rechts unten am Footer, also der letzte, nun ist er links oben im Footer. Und an den Footer-Farben wurde auch gearbeitet. Auch eine bis vorhin nicht funktionierende Druckfunktion scheint nun zu funzen. Eigentlich mache ich es den Verantwortlichen und der Agentur mit diesem Blog-Beitrag viel zu leicht, die ganzen Fehler, die VOR einem Start hätten gefunden werden müssen (bzw. die bei hinreichender Kompetenz gar nicht erst hätten entstehen dürfen) nun schnell zu beheben. Vielleicht bekomme ich für meine Arbeit ja dann eine Aufwandsentschädigung :-P

Nachtrag 26.10.2011 12:00: Hm. Der Leuchtturm ist nun weg. Ob randomisiertes Hintergrundbild oder Rechte tatsächlich nicht vorhanden? Keine Ahnung, schaun mer mal.

Nachtrag 26.10.2011 12:30: Nun wurde aus dem nicht funktionierenden Link http://www.jostdejager.de/ der funktionierende Link http://jostdejager.cdu-sh.de/.

Nachtrag 26.10.2011 14:15: Johan von Hülsen hat sich eben auch seinen Frust von der Seele geblogt: CDU-SH.de – Relaunch: Eine Schaffhausen–Katastrophe die mich schafft. Besonders sehenswert bei ihm auch der Video-Ladezeitvergleich mit politischen Mitbewerbern.

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Die Union und das Netz — ein Trauerspiel

Donnerstag, 11. August 2011

Unter dem prägnanten, aber leider nicht unzutreffenden Titel Mies, mieser, richtig schlecht: CDU-Seiten (unbedingt lesen!) hat @Johanstormarn stahlharte Nerven bewiesen, indem er sich einmal Internet-Auftritte der Union im Netz etwas näher angeschaut und die technische Basis untersucht hat. Und ich danke ihm für diese tapfere Tat, um die er nicht zu beneiden ist, denn ich weiß nicht, ob ich mir das in dieser Konsequenz angetan hätte.

Zunächst aber zitiere ich hier Johans Disclaimer, weil sie auch für mich gelten und ich sie auch nicht schöner formulieren könnte ;-)

[Disclaimer: Ich bin Mitglied der CDU-Schleswig-Holstein und versuche manchmal Tipps zu geben, was man besser machen könnte. Nicht alles davon wird umgesetzt, aber manches wurde schon umgesetzt, weshalb die CDU-SH.de vielleicht nicht so schlecht abschneidet, wie sie es vor ein paar Monaten getan hätte…]

[Disclaimer2: Auch diese Seite hat noch viel Potenzial in vieler Hinsicht. Aber: Es handelt sich um eine private Seite eines Ehrenamtlichen im Vorruhestand und nicht um eine Seite einer großen Volkspartei…]

Validierung, Semantik, Speed oder: Was läuft alles schief?

Johan hat die Seiten auf elementare technische Aspekte geprüft, von korrekten Status-Codes und zu Nicht-Validierung führende Fehler in HTML und CSS über Barriereunfreiheit und LahmarschigkeitGeschwindigkeitsproblemen bis hin zu grundlegenden semantischen Schwierigkeiten in Sachen Überschriftenlogik und Seitenbeschreibungen/-titel.

Sein Ranking deckt im Ergebnis den Bereich von schlecht nach noch schlechter über mies bis richtig mies ab. Insgesamt vermag keine Site in technischer Hinsicht auch nur ansatzweise zu überzeugen oder auch nur einen guten Eindruck abzugeben. Und auch wenn er selbst darauf hinweist, daß seine Untersuchung weder wissenschaftlich noch gründlich (das wäre vermutlich für den Untersuchenden auch zu schmerzhaft) ist, so stimmt sie und auch seine Schlußfolgerungen mit meinen Beobachtungen überein.

SEO, mobile, Struktur oder: Was noch alles fehlt…

Natürlich könnte man (Delegativ I) wenn man Zeit hat (Delegativ II) die Untersuchung noch verfeinern. Denn neben Standardkonformität, Barrierefreiheit, Geschwindigkeit und Grundsemantik wären ja viele weitere technische und strukturelle Aspekte interessant, um die technische Qualität zu bewerten (spontan fragt man sich, inwieweit die Sites optimal von Suchmaschinen ausgewertet werden können oder auf mobilen Geräten auch nur halbwegs nutzbar sind). Und viele andere Dinge wären schon auch interessant: Wie steht es grundlegend um Usability und Ergonomie? Sind die erzeugten URLs kurz, prägnant, les- und merkbar (und wie halten die Systeme es mit cool uris never change?)? Wie findet der Besucher die gewünschten Informationen? Funktioniert die Suchfunktion brauchbar? Sind die Informationen logisch strukturiert, gibt es Tags und/oder Kategorien oder vielleicht sogar Georeferenzierung? Wie steht es um Feeds, Microformats/Microdata/schema.org/openGraph-Tags etc.?

Fragen über Fragen…(ihr könnt das ja gerne mal systematischer angehen, ich habe da eine hinreichend fundierte Ahnung; und ja: inhaltliche Aspekte sind dabei noch nicht mal thematisiert)

Warum?

Am Ende aber grübelt man: Warum ist das so? Warum scheitern solche Sites häufig schon an den technischen Fundamenten? Ist den Machern nicht klar, daß eine formal-technisch defekte und/oder schlicht lahme Seite den Nutzer bestenfalls zumindest subliminal negativ voreinnimmt? Sind die teils gravierenden Konsequenzen hinsichtlich Auffindbarkeit durch Suchmaschinen und damit Sichtbarkeit im Netz bewußt? Kommt es den Verantwortlichen überhaupt in den Sinn, daß Seiten, die nur unter erschwerten Bedingungen oder mit erhöhtem Aufwand gefunden und aufgerufen werden können, weit unter Potential liegen? Daß man seine Inhalte nicht an den Mann bringt, wenn man Menschen durch mangelnde Mobilunterstützung oder Unzugänglichkeit mangels Barrierefreiheit ausschließt? Und daß man seine Informationen nur schlecht (insb. nicht viral und schnell) streuen kann, wenn An- und Einbindungsmöglichkeiten in Soziale Netzwerke fehlen?

Einfache Antworten gibt es darauf sicher nicht. Aber wer in Slate Overdone – Why are restaurant websites so horrifically bad? gelesen hat, kann einige der dort herausgearbeiteten Gründe auch im politischen Umfeld finden.

Meine persönliche Erfahrung zeigt, daß die Ursachen unter anderem (nicht abschließend) in einer Melange folgender Problemkreise liegen:

  • Häufig wird eine Webpräsenz als notwendiges Übel gesehen. Muß man haben. Darf aber nichts kosten. Und auch keine Arbeitszeit binden. Entsprechend folgt daraus eine finanziell, konzeptionell und personell problematische Prioritätensetzung.
  • Dies ist den Verantwortlichen (lies: Vorständen) in der Regel nicht einmal (zumindest nicht in vollem Umfang) klar, da sie gar kein Gefühl für die Materie haben. Wenn überhaupt, nutzen Sie nur kleine Teile des Netzes. Vielleicht bisserl Email. Mal was googlen (Vanity-Searches?). Gelegentlich mal eine Website anschauen. Aber eben auch nicht ernsthaft nutzen, sprich: Keine Feeds abonniert haben, alles nur oberflächlich erleben.
  • Die mangelnde Erfahrung möchte ich dabei niemandem vorwerfen. Denn natürlich sollen Politiker primär ihren eigentlichen Job machen (bitter wird es, wenn Netzpolitik zum Betätigungsfeld gehört, aber das ist eine andere traurige Baustelle). Und wenn sie das mit alten Mitteln und Werkzeugen tun wollen, dann soll das eben so sein. Daß dies nicht zeitgemäß ist, ihnen dabei viele wichtige Erfahrungen und viel Austausch fehlt, ist dann eben so. Nur: Dann sollen sie eben bitte auch nicht entscheiden, wie ein Internetauftritt auszusehen hat.
  • Neben (in technischen Internetfragen) inkompetenten Entscheidern liegt eine Ursache natürlich auch in Dienstleistern, die es sich leicht machen. Sieht die Seite nett aus, ist alles gut. Ob dahinter technisch alles zusammenbricht oder nicht, bekommt der Kunde ja nicht mit. Und ob bzw. wie die Seite genutzt wird, ja auch nicht wirklich (Johan hatte hier auch extra über Trackingtools geschrieben: Ich persönlich glaube, daß nur ein minimaler Bruchteil der Daten überhaupt zur Analyse genutzt wird).

Was tun?

Offengestanden bin ich hier fatalistisch. Denn ich beschäftige mich seit bald zwei Jahrzehnten mit der Thematik Internet und Politik. Zwar geht es (natürlich) in der Politik auch Stück für Stück voran. Aber eben auch zu langsam. Denn der Rest der Welt bewegt sich schneller vorwärts. Sprich: Auch wenn natürlich die Internet-Auftritte von heute nicht mehr so mies sind wie vor einigen Jahren, sind sie gemessen an zeitgemäßen Präsenzen relativ mieser.

Vor allem scheint Online-Kommunikation nach wie vor zu wenig strategisch ausgelegt. Und nach wie vor sieht man mindestens in der Union Websites wie früher primär als Visitenkarte mit paar Kontaktinfos und etwas News-Broadcasting. Ohne Interaktion und Partizipation als Schlagwörter überstrapazieren zu wollen, müssen Parteien im Internet lernen, auf gleicher Augenhöhe mitzukommunizieren. Sie müssen also auch zuhören und antworten. Und sie müssen echte Transparenz schaffen. Die Zeiten bloßen Rauspustens von Pressemitteilungen ist lang vorbei. Auch die professionelle Politik muß das Internet als echte Arbeitsplattform (nicht als Alibi) erkennen und nutzen. Funktionäre und Mitglieder müssen befähigt, geschult und motiviert werden. Ich kenne viele Leute, die sich gern mehr einbringen würden, denen aber schlicht die Werkzeuge und das Wissen fehlen.

Wo sind denn die Verbände in der Union (neben meinem eigenen kleinen Ortsverband), die für Mitglieder (aber gern durchaus auch offen) Wikis als institutionalisiertes Gedächtnis nutzen oder kollaborativ in Docs oder Etherpads Dinge erarbeiten?

Bottom-Up funktioniert hier nicht unbedingt immer, solange übergeordnete Ebenen/Vorstände bestimmte Dinge einfach totlaufen lassen bzw. nicht ernst genug nehmen, um entsprechende Priorität einzuräumen. Wenn die Union den Anschluß nicht verlieren will, muß etwas geschehen.

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit…

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Habemus PolitCamp e.V.

Montag, 8. August 2011

Aus einer Idee…wird eine Veranstaltung…wird ein Verein…

Tja, dem gemeinen Deutschen wird ja allgemein ein gewisser Hang zur Vereinsmeierei nachgesagt. Dennoch liegt manchmal nichts näher, als eben diese Form einer organisierten Zusammenarbeit anzustreben, wenn gemeinsame Ideen und Ziele verwirklicht werden wollen.

In diesem Geiste trafen sich am vergangenen Wochenende netzpolitisch Engagierte aus dem gesamten Bundesgebiet in Hamburg zur Gründungsversammlung des PolitCamp e.V. — und als #pc09/10/11-Veteran war auch ich sehr gern dabei.

Wir Gründungsmitglieder haben dort über Ziele, Aufgaben und Arbeitsweise gesprochen, eine Satzung beschlossen (die vollständig veröffentlicht wird, sobald der Verein offiziell eingetragen ist) und einen Vorstand gewählt.

Der PolitCamp e.V. soll keine klassische Lobby-Organisation sein, die konkrete politische Vorstellungen durchsetzen oder inhaltliche Kampagnen durchziehen will. Vielmehr geht es darum, gemeinnützig auf der Meta-Ebene die Netzpolitik zu befördern und ihr in Politik, Parteien und Gesellschaft mehr Gewicht zu verleihen. Die Satzung formuliert:

„Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

Zweck des Vereins ist

  1. die allgemeine Förderung des demokratischen Staatswesens; hierzu gehören nicht Bestrebungen, die nur bestimmte Einzelinteressen staatsbürgerlicher Art verfolgen oder die auf den kommunalpolitischen Bereich beschränkt sind;
  2. die Förderung der überparteilichen netz- und medienpolitischen Diskussionen, um weiterhin einen offenen und konstruktiven Austausch zu ermöglichen;
  3. die Vernetzung netzpolitischer Kompetenzen überparteilich zu unterstützen;
  4. netz- und medienpolitische Diskussionen innerhalb der Parteien voran zu treiben, ohne jedoch konkrete Handlungsempfehlungen zu geben;
  5. die Förderung von medienpolitischen Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen.“

Ich freue mich sehr, daß sich aus den gelungenen PolitCamps — auf denen man eben auch überparteilich (gewissermaßen als Leidensgenossen) zusammengefunden hat — nun ein festeres Fundament mit schlagkräftiger Struktur gebildet hat. Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit tollen Leuten, die bei allen politischen Unterschieden eben auch große Gemeinsamkeiten haben und sich für diese einsetzen.

Ich bin also nun ein happy PolitCamper ;-)


Infos über den PolitCamp e.V.:

Und natürlich freut sich der PolitCamp-Verein über jeden, der mitmachen udn/oder fördern will…

Dieser Text ist mir etwas wert:

Am vergangenen Freitag strahlte Radio Schleswig-Holstein im Frühstücksclub mit Carsten Köthe ein kurzes Interview mit mir zum Ausstieg Delingsdorfs aus den Sozialen Netzwerken Facebook und Twitter aus, das ich hier der Vollständigkeit halber dokumentiere:

Die Veröffentlichung des Mitschnittes erfolgt mit freundlicher Genehmigung von RSH.


P.S.: Wie nicht anders zu erwarten war (und wie ich der Gemeinde auch vorhergesagt habe, siehe Web 2.0? Ohne Delingsdorf :-(), ist heute nun eine neue Delingsdorf-Seite auf Facebook entstanden. Ich weiß leider nicht, wer dahintersteckt. Aber ich hoffe, daß dort kein Schindluder getrieben wird. Bisher sieht das dort aber alles ganz ok aus.

Dieser Text ist mir etwas wert:

Vor einigen Tagen hatte ich unter dem Titel Web 2.0? Ohne Delingsdorf :-( vom Ausstieg meines Dorfes aus Sozialen Netzwerken berichtet.

Heute halte ich das — wie üblich per Schneckenpost — übermittelte Protokoll der Gemeindevertretersitzung vom 28.06.2011 in der Hand (zwischenzeitlich habe ich es auf Delingsdorf/Politik/Protokolle hochgeladen, es ist zum Download als PDF verfügbar). Zur Dokumentation gebe ich den betreffenden Abschnitt hier (inkl. vorhandener Formulierungsfehler) wieder:

Punkt 10, betr.: Internetseite der Gemeinde Delingsdorf, hier: Verlinkung zu „sozialen Netzwerken (Internet)“

Herr Knudsen berichtet, dass auf der Internetseite der Gemeinde Delingsdorf Links auf Facebook, Twitter und flickr vorhanden sind, und dies als Werbung für diese sozialen Netzwerke angesehen werden könnte. Er hält dies für fragwürdig und regt an, diese Verlinkung zu entfernen. Weiterhin existiert auf Facebook ein Account „Delingsdorf“, auf dem auch das Delingsdorfer Wappen verwendet wird, so dass hier der Eindruck entsteht, es handele sich um einen offiziellen Auftritt der Gemeinde in diesem Netzwerk. Dieser Account wurde von den Betreuern der Webseite als zusätzliches Angebot eingerichtet.

Es entwickelt sich eine ausführliche und kontroverse Diskussion über Sinn, Nutzen, Gefahren und positive oder negative Effekte, die eine Registrierung der Gemeinde in den genannten sozialen Netzwerken und die Verlinkung darauf von der Homepage der Gemeinde haben kann. Insbesondere wird auch die Verwendung der Hoheitszeichen thematisiert.

Abschließend stellt Herr Knudsen folgende Frage zur Abstimmung:

Soll die Gemeinde einen offiziellen Account bei Facebook und Twitter führen?

Abstimmungsergebnis: 2-Ja-Stimmen, 8 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen

Daraus ergibt sich, dass die im Namen der Gemeinde eingerichteten Accounts für Facebook und Twitter zu löschen und die Links auf Facebook und Twitter von www.delingsdorf.de zu entfernen. Die Verlinkung zu anderen externen Dienstleistern (für Bilder, Videos etc.) sind davon nicht erfasst.

Ich lasse das jetzt mal unkommentiert wirken. Es ist schon generell immer sehr interessant, wie wenig (und welche Teile/Redner) sich in Protokollen wiederfinden. Mein Ratschlag (ganz allgemein): Verlaßt euch nicht auf Protokolle, geht am besten (soweit zeitlich machbar) selbst zu den Sitzungen oder sprecht mit Leuten (Plural, sprich: holt mehrere Berichte, möglichst aus unterschiedlichen Perspektiven, ein), die dabei waren.

Link-Dump

Da die ganze Geschichte (nicht zu Unrecht) einiges an Staub aufgewirbelt hat, hier ein kleiner Link-Dump:

Zeitungen

Blogs

Ansonsten findet man Reaktionen und Diskussionen dazu bei diversen Leutchen auf Facebook oder auch über eine Twitter-Suche.

Zu guter letzt…

Wer weiterhin „sozialmedial“ über Delingsdorf auf dem Laufenden sein möchte, der möge bei facebook.com/delingsdorf auf “gefällt-mir” klicken und/oder @cdu_delingsdorf bei Twitter folgen — denn meinem CDU Ortsverband Delingsdorf ist auch der virtuelle Kontakt und Austausch wichtig. Wir stehen für Transparenz, Bürgernähe und Partizipation!


Technischer Hinweis: Keine Ahnung warum, aber die Facebook-Like-Box funktioniert bei diesem Beitrag nicht. Verschluckt Sie sich evtl. am em-Dash im Titel? Kann es derzeit nicht prüfen/ändern…


Nachtrag 18.07.2011: Siehe auch Delingsdorf steigt aus — Interview-Mitschnitt aus RSH.

Dieser Text ist mir etwas wert:

Web 2.0? Ohne Delingsdorf :-(

Mittwoch, 29. Juni 2011

Die Gemeindevertretung Delingsdorf hat auf ihrer gestrigen Sitzung (Tagesordnung) mit deutlicher Mehrheit beschlossen, Facebook und Twitter nicht als Kanal der Onlinekommunikation zu nutzen und angewiesen, die entsprechenden Accounts (facebook.com/delingsdorf und @delingsdorf) zu löschen.

Google startet sein Soziales Netzwerk. Der Papst twittert. Und @Delingsdorf steigt aus Facebook und Twitter aus. #nuffsaid

Unter dem Tagesordnungspunkt Internetseite der Gemeinde Delingsdorf, hier: Verlinkung zu „sozialen Netzwerken (Internet)“ wurde rund eine Stunde bei tropischen Temperaturen im Bürgerhaus diskutiert und es hat schon eine gewisse Ironie, daß die Gemeinde den Ausstieg just am selben Tag beschließt, an dem Google sein Soziales Netzwerk Google+ der Öffentlichkeit vorstellt und der Papst seinen ersten Tweet absetzt.

Hintergrund/Disclaimer

Zunächst einmal ein paar Fakten zur Einordnung: Seit Anfang 2003 betreue ich zusammen mit Constantin Dabelstein die Website der Gemeinde Delingsdorf www.delingsdorf.de in technischer wie auch redaktioneller Hinsicht. Sprich: Die Site ist damals komplett in Eigenarbeit entstanden (ich möchte nicht wissen, wie viele hundert (oder gar tausend) Mannstunden wir über die Jahre in Programmierung des Content-Management-Systems, der Templates und vor allem der stets nach Kräften möglichst umfangreichen und aktuellen Inhaltspflege gesteckt haben, ehrenamtlich und mit Spaß an der Sache). Dies geschah quasi im Auftrag der Gemeinde und mit selbiger, vertreten durch den Bürgermeister, im Impressum. Ich schreibe hier quasi, weil man uns sehr freie Hand gelassen hat und die Gemeinde(vertreter) auch kein besonderes Interesse hatten sich auch nicht wirklich mit Micromanagment der Angelegenheit beschäftigt haben. Wir haben daher stets versucht, den Onlineauftritt verantwortungsvoll, fair, objektiv und vor allem natürlich im Sinne der Gemeinde zu administrieren und es spricht insofern denke ich auch für sich, daß es in diesem Zusammenhang auch nie Ärger o.ä. gab.

Irgendwann kamen dann Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter auf die Bildfläche. Da wir verhindern wollten, daß die Gemeinde durch Aktivitäten von Trollen/Name-Grabbern/Fake-Accounts in ein schlechtes Licht gerückt wird und in der Annahme, daß mangels anderer aktiver und kompetenter Akteure diese Dienste letztlich auch nur weitere Kommunikationskanäle sind, die insofern unter unseren Auftrag und Autorisierung fallen, haben wir die jeweiligen Zugänge gesichert, aktiviert und stets aktuell befüllt. Es gab auf den Accounts keinerlei Probleme, alles verlief social-media-technisch normal.

Und was ist passiert?

Nichts. Jedenfalls nichts, was ich wüßte. Auf einem Ausschuß vor ein paar Wochen (habe die analogen Akten hier gerade nicht zur Hand) wurde unter dem Catch-All-TOP „Anfragen und Mitteilungen“ einmal kurz problematisiert, ob es gut sei, daß es von delingsdorf.de Links zu Facebook gäbe. Weitere Anfragen (beispielsweise direkt an einen der beiden Webmaster) gab es zu dem Thema zwischenzeitlich nicht. Bis zur gestrigen Sitzung.

Dort trug Bürgermeister Knudsen vor, daß er große Probleme darin sehen würde, daß von der Gemeindeseite aus Links zu Facebook & Co existieren würden. Hier handele es sich um US-amerikanische und nicht Delingsdorfer Unternehmen, die von dieser „Werbung“ profitieren und Geld verdienen würden. Darüber hinaus könne es nicht angehen, daß „irgendjemand“ unter dem Wappen der Gemeinde dort Informationen verbreiten würde. Es schlossen sich Beiträge anderer Gemeindevertreter (u.a. die Fraktionsvorsitzenden von WGD und SPD (Sitzverteilung in der Gemeinde ist 12 WGD, 3 CDU, 2 SPD)) an. Aufgrund der Länge der Diskussion ist es mir offengestanden nicht möglich, alle Aussagen im Einzelnen zuzuordnen. Ich versuche die Punkte zusammengefaßt und entsprechend paraphrasiert wiederzugeben:

  1. US-amerikanisches Unternehmen, das damit Geld verdient
  2. Unzulässige Werbung für 1.
  3. Wappenmißbrauch
  4. Datenschutz
  5. Da könne ja jeder etwas schreiben.
  6. Im Netz sei nur eine bestimmte Schicht/ein bestimmter Typus unterwegs.
  7. Kann man eine Sperre einrichten, damit Delingsdorfer Inhalte nicht auf Facebook erscheinen? (im konkreten Fall wollte man nicht, daß die Tagesordnung der Sitzung bei Facebook erscheint, dabei handelte es sich schlicht um einen Link zur Tagesordnung auf delingsdorf.de).
  8. Soziale Netzwerke seien Zeitverschwendung, denn es würde [den Vortragenden] nicht interessieren, was Person xy von sich gibt.
  9. Wer etwas über Delingsdorf wissen will, möge die Internetpräsenz der Gemeinde besuchen oder enstprechend Googeln.

Ich habe versucht, auf alle Punkte sachlich und differenziert einzugehen. Dabei muß ich einräumen, daß es bei solchen Situationen nicht leicht fällt, alle Diskussionspartner dort abzuholen, wo sie mit ihrem Wissen um Funktionsweise des Internets stehen (man kann da ja keinen mehrstündigen Schulungs-Exkurs mit reinpacken). Insbesondere fehlten völlig eigene praktische Erfahrungen mit der Nutzung Sozialer Netzwerke. Jeder, der Facebook und/oder Twitter lebt, hat eine Ahnung, was das heißt ;-)

Ob es also wirklich Werbung für Facebook ist, wenn die Gemeinde darauf verlinkt, dürfte recht zweifelhaft sein angesichts Größe und Trafficmenge der Gemeinde aber vor allem mit Blick darauf, daß Facebook nun wirklich ständig und überall auftaucht (Medienberichte, Werbung, Smalltalk) und ohnehin ca. die Hälfte der Internetnutzer in Deutschland dort bereits aktiv ist. Viel eher hat die Aktivität Delingsdorfs auf Facebook den Blick der Nutzer sowie Traffic auf die Gemeindeseite und ihre Informationen gelenkt.

Auch hatte sich uns als Befüllern der Accounts nie die Frage des Wappenmißbrauchs gestellt, weil wir davon ausgegangen waren und IMHO auch ausgehen konnten, daß genau das von unserem Auftrag hinsichtlich der Online-Kommunikation der Gemeinde umfaßt (und wie oben erläutert auch erforderlich) war. Das Argument hatte mich auch insofern überrascht, da wir den Facebook-Account z.B. schon seit fast 1,5 Jahren betreuten.

Objektiv bestehende Datenschutzproblematiken kamen kaum zur Diskussion. Hier stehe auch ich insb. FB durchaus kritisch gegenüber (auch wenn mein Abwägungsergebnis wie man auf dieser Seite sieht pro FB-/RT-Button ausfällt (ich aber derzeit auch an einer datenschutzrechtlich unproblematischen Version zum Nachladen der iframes bastele)).

Daß jeder kommentieren und posten könne, tja, was soll man dazu sagen? So ist das im Web 2.0. Kommunikation auf Augenhöhe, den Nutzern ein Forum bieten, sie aktivieren. Genau das, was eigentlich im Interesse der Gemeinde liegen sollte, weil es die Gemeinschaft zusammenbringt.

Und wie soll ich erklären, daß man das Setzen von Links und auch Deeplinks auf Inhalte nicht (wirksam|sinnvoll) unterbinden kann, diese Diskussion aus den Urzeiten des Webs stammt und Verlinkungen nun geradezu konstitutiv für selbiges sind‽

Die Diskussion über Filtersouveränität und Sinn/Funktion/Mechanismen bestimmter Statusmeldungen/Posts und der daraus entstehenden Kommunikation, war in der erforderlichen Tiefe leider nicht zu führen, auch wenn ich versucht habe, das anzuschneiden.

Zum „man kann ja Googeln“-Argument muß ich glaube ich dann nicht mehr viel sagen (und konnte auf der Sitzung leider nicht in der gebotenen Tiefe auf die darin befindliche Realsatire eingehen, ebenso wie ich nur am Rande darauf verweisen konnte, daß es sehr inkonsequent sei, dann nicht auch das Embedding von Google Maps, Youtube und Verlinkungen zu externen Services wie Picasa zu unterlassen).

Ich hatte noch versucht anzuregen, den TOP zu vertagen und im Rahmen eines Ausschusses, einer Klausursitzung oder einer Projektgruppe einmal ganz grundlegend darüber zu sprechen, wie eine zeitgemäße Online-Kommunikationsstrategie für das Dorf aussehen könnte. Ich erwähnte Dinge wie Email-/SMS-Verteiler, niederschwellige digitale Einsehbarkeit des Flächennutzungsplans und der Bebauungspläne etc. pp. (was heutzutage eben auch für eine Amtsgemeinde unserer Größenordnung (Amt=ca. 15.000 Einwohner, Gemeinde=ca. 2.200) darstellbar oder zumindest mittelfristig erstrebenswert wäre. Ich wies hin auf Aspekte wie Bürgernähe und Transparenz der Kommunalpolitik sowie auf die aktuelle Allensbach-Infosys-Studie „Social Media, IT & Society 2011“ (68% der Bevölkerung ab 16 Jahre für mehr Online-Beteiligung zu lokalen Themen). Es hat alles nichts genützt.

Am Ende habe ich selbst dann (um eine explizite, klare Ansage zu haben) gefragt, ob die Gemeinde nun auf Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter vertreten sein möchte oder diese Account zu löschen seien.

Für Nutzung Sozialer Netzwerke stimmten zwei Gemeindevertreter (mein CDU-Fraktionskollege und ich), gegen die Nutzung gab es acht Stimmen (7×WGD, 1×SPD) bei drei Enthaltungen aus der WGD (vier der 17 Gemeindevertreter waren verhindert).

Weisungsgemäß werde ich diesen Beschluß — auch wenn er mich persönlich außerordentlich hart trifft — umsetzen. Die Links von der Gemeindeseite sind (sofern ich nichts übersehen habe) allesamt entfernt. Die Accounts sind „entwappnet“ und werden nachher, so schade es um die ganzen Beiträge dort ist, unwiderbringlich gelöscht. Was dann bzgl. Delingsdorf auf den entsprechenden Plattformen passiert, kann ich nicht sagen. Ich hoffe, daß dort niemand böswillig die freigewordenen Namen abgreift. Man kann davon ausgehen, daß eine entsprechende Vernetzung dort früher oder später stattfinden wird.

Wer weiterhin „sozialmedial“ über Delingsdorf auf dem Laufenden sein möchte, dem lege ich zwischenzeitlich facebook.com/delingsdorf und @cdu_delingsdorf ans Herz — denn dem CDU Ortsverband Delingsdorf ist auch der virtuelle Kontakt und Austausch wichtig (auch wenn dessen digitaler Auftritt so manches Mal darunter litt, daß ich ihn als Admin gegenüber dem überparteilichen Gemeindeauftritt gelegentlich hintangestellt habe).

Fazit

Mich läßt die gestrige Sitzung jedenfalls sehr traurig und nachdenklich zurück. Für mich stellen sich durchaus sehr grundlegende Fragen nach dem mehrheitlichen Selbstverständnis Delingsdorfer Kommunalpolitik und auch des Sinns ehrenamtlichen Engagements. Vor allem kann ich schlicht und ergreifend die Entscheidung wirklich nicht verstehen. Sie paßt nicht in diese Zeit.

Hoffen kann ich nur, daß nicht ein Kommentator meines Facebook-Threads zu dem Thema mit seiner Spekulation recht hat:

Kann es sein, das Du der einzige, bzw der kompetenteste und aktivste Anwender von Social Media in der Gemeindevertretung bist, und Dir die anderen Ratsherren nur dieses Meinungsverbreitungsmonopol aus der Hand nehmen wollten? So eine Motivation würde in einer Sitzung ja nicht zugegeben werden.

Meine Antwort darauf war jedenfalls:

Wenn dem so sein sollte, hat die Mehrheit leider den Weg mit den größtmöglichen Kollateralschäden für die Delingsdorfer gewählt :-(

Allgemeiner Hinweis: Ich habe obigen Text in knapp bemessener Zeit verfaßt, um dem Informationsbedürfnis im Dorf Rechnung zu tragen. Der Text gibt den Sachverhalt nach bestem Wissen und Gewissen so wieder, wie er sich für mich darstellt. Ich spreche auch nur für mich persönlich, nicht für meinen Cowebmaster oder meine Partei. Sollten inhaltliche Mißverständnisse, Fehler oder falsch zu verstehende Formulierungen entstanden sein, bitte ich um Hinweis und Entschuldigung.


Nachtrag 07.07.2011: Siehe auch Delingsdorf steigt aus — Protokoll und Link-Dump.

Nachtrag 18.07.2011: Siehe auch Delingsdorf steigt aus — Interview-Mitschnitt aus RSH.

Dieser Text ist mir etwas wert:

re:trospektive: re:infall re:publica

Freitag, 15. April 2011

Ok, vielleicht ist der Titel ein bisserl dolle, zu re:ißerisch gewissermaßen ;-) Und zugegeben: Ich habe jetzt nicht noch eine Nacht darüber geschlafen und schreibe daher in einem recht angefressenen Zustand. Und natürlich war nicht alles schlecht. Aber irgendwie muß man den leicht aufgestauten Frust ja loswerden…

Und es ging ja schon mit einem — sagen wir mal — suboptimalen Auftakt los. Denn die Startup-Session Design Thinking versprach mehr als sie hielt und war latent einschläfernd. Ein schlechtes Omen sozusagen. An so eine herausragende Stelle der Konferenz hätte etwas anderes gehört; etwas, daß dem Event einen Kickstart verpaßt und/oder ihn auch thematisch mitbestimmt (denkbar wäre da beispielsweise die Digitale-Gesellschaft-Erklärbär-Session gewesen).

Durch die Langeweile beim Auftakt wurde natürlich auch gleich das nächste Problem deutlich, nämlich das wie immer im wesentlichen non-funktionale Netz. Aber zum einen ist man das ja gewöhnt, zum anderen denke ich mal, daß bei der hohen Funkdevicedichte zufriedenstellende Anbindungen faktisch nach heutiger Technik unmöglich sind. Dennoch fühlt man sich durch faktisch fast fehlendes Netz fast schon kastriert, so abhängig ist man (ich verallgemeinere das sicherheitshalber mal) davon. Denn man wird eigene Gedanken oder Memo-Tweets nicht los und hat auch nicht den Überblick, was in anderen Räumen so läuft und die anderen Anwesenden mental so umtreibt.

Dann gab es diesmal ja leider keine Killer-Keynote. Letztes Mal waren mit Jeff Jarvis und Peter Kruse ja zwei wirkliche Highlights dabei. Das wiederum hatte zur Folge, daß der Friedrichstadtpalast selber eigentlich kaum so richtig doll voll war, was seinerseits dazu führte, daß das Raumchaos in der Kalkscheune um Größenordnungen schlimmer war als letztes Jahr. In viele der eigenen Wunsch-Sessions kam man gar nicht erst rein, scheiterte ja sogar mal noch vor der Kalkscheune. Und wenn man es in einen der Räume schaffte, war er so überbelegt, daß man stehen durfte und Angst um den Sauerstoffgehalt der Luft hatte :-) Um dann getrost dem Motto erst hat man kein Glück und dann kommt noch Pech hinzu Vorträge zu erwischen, die ihrer Ankündigung oder jedenfalls den in sie gesetzten Erwartungen nicht gerecht wurde. Für meinen Geschmack jedenfalls waren viele Inhalte (ich kann natürlich nur von denen sprechen, die ich aufgrund der widrigen Umstände mitkriegen konnte — und erspare mir die Auflistung, weil ich auch niemanden dissen möchte) zu rückwärtsgewandt, Internet-Archäologie quasi, sprich: Zu viel was war, zu wenig was wird. Oder sie kamen jedenfalls um eine Grundeinführung nicht hinaus. Wirklich Neues, Denkanstößiges oder Überdentaghinausdauerndes habe ich leider kaum mitgenommen. Ich will zwar nicht von GAU sprechen, aber eine Verkettung unglücklicher Umstände war es insofern schon :-(

Die inoffiziellen Komponenten der #rp11 hingegen waren dann doch schon nicht schlecht. Viele nette Gespräche gab es, dazu wieder einen Haufen Leute mal live und in Farbe gesprochen, die man sonst nur virtuell kennen- und schätzengelernt hatte. Und auch die Mittags-Sessions schmeckten mir ganz gut.

Das Beste zum Schluß: Wer nicht im Workshop Information, Gestalt und Prognosen zum Leben von morgen war, hat IMHO den absoluten Top-Act der re:publica Ⅺ (man beachte den Unicode “Roman numeral eleven“; SCNR) verpaßt. Steffen Hoellein hat mit viel Charme, Ausstrahlung und (Wort-)Witz über die Essenz der Klassischen Moderne referiert. Inspiration pur! Seine Begeisterung war ansteckend und ich werde von diesem Vortrag (dessen Slides hoffentlich online gestellt werden?) noch lange zehren!

Insgesamt überwiegen was das offizielle Programm anbelangt leider also die negativen Erfahrungen. Ob ich beim nächsten Klassentreffen dabei bin, kann ich daher noch nicht sagen. Ich hoffe jedenfalls darauf, daß klare organisatorische Konsequenzen gezogen werden.

So, jetzt ist der Frust runtergeschrieben und ich entspanne mich dann mal…CU


Hier eine weitere (ähnliche) Stimme:

Und dann war da noch der etwas andere #rp11-Rückblick von PattyRo: Die Geschichte von Nerdjunge und Bloggermädchen.

Dieser Text ist mir etwas wert:
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