Google Me — das Soziale Netzwerk der nächsten Generation?
Samstag, 17. Juli 2010
Vor kurzem hatte ich folgenden Blog-Eintrag geschrieben: Was fehlt: Qualitativ ausdifferenziertes Soziales Meta-Netzwerk. Dank eines Tweets von Jens Best wurde ich aufmerksam auf die Story Google Me: Mitarbeiter enthüllt erste Details, in der auch die unten angezeigte ausführliche und sehr lesenswerte Präsentation The Real Life Social Network v2 des Google-User-Experience-Researchers Paul Adams eingebettet war.
Die Präsentation ist sowohl für Profis als auch Neulinge im Bereich Sozialer Netzwerke m.E. Pflichtlektüre; sie geht auf Schwachstellen und Erfordernisse hinsichtlich einer zeitgemäßeren Online-Repräsentation von persönlichen Netzwerkstrukturen ein und deutet an, wo die Fahrt hingehen könnte — auch wenn ich nach wie vor einige Aspekte zu wenig berücksichtigt finde (angefangen bei der Erforderlichkeit einer simplen Grundeinstellung, damit beispielsweise neu hinzugefügte Kontakte nicht per Default potentiell kompromittierende (möglicherweise Jahre) alte Einträge einsehen können bis hin zu halb- oder gar vollautomatischer Metrik hinsichtlich der Intensität und des Types einer Verbindung).
Da mich das Thema jedenfalls fasziniert, habe ich mir sicherheitshalber sofort auch das im August erscheinende Buch von Paul Adams Social Circles: How Offline Relationships Influence Online Behavior and What It Means for Design and Marketing (Voices That Matter) vorbestellt… ![]()
Als kleine Ergänzung empfehle ich von Philip Banse in der heutigen Breitband-Sendung „Facebook-Killer? Spekulationen um Googles Social Network“ den Podcast „Besprechung: Google Me“. Man darf — unabhängig von der Frage, ob/was Google in diesem Segment plant und umsetzen wird — auf die weiteren Entwicklungen gespannt sein. Nach meiner Einschätzung droht Facebook mittelfristig (wenn es nicht die Kurve kriegt) am eigenen Erfolg zu scheitern, da die Wehklagen über schwierige Bedienbarkeit und intransparente Einstellungen zum Persönlichkeitsschutz zunenehmen, während gleichzeitig die Anforderungen an individuell präziserer Sichtbarkeitssteuerung von Daten angesichts stark steigender Nutzerzahlen immer komplexer und dringlicher werden und Facebook dieses Problem meines Erachtens nicht hinreichend ernst nimmt bzw. es nicht konsequent und schnell genug angeht. Schau’n mer mal…
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Zur Breitband-Bedarfsanalyse des Amtes Bargteheide-Land
Freitag, 16. Juli 2010
Soeben erfuhr ich bei der Lektüre der Stormarn-Beilage des Hamburger Abendblatts: Bargteheide-Land will wissen, wie langsam das Internet wirklich ist — Amt hat E.on Hanse beauftragt, eine Analyse zu erstellen (Paywall durch First-Click-Free via Googe-Suche umgehen).
Dazu gibt es zum einen folgenden Fragebogen, den Bürger/Unternehmen bis zum 27.08.2010 absenden können; ferner sollen die Bürgermeister Auskunft hinsichtlich gemeindespezifischer Bandbreiten-Anforderungen (beispielsweise bzgl. Gewerbegebieten) geben und es werden 30 Internet-Diensleister befragt.
Ich möchte festhalten, daß ich in der Tat mit Blick auf technische digitale Spaltung zwischen Stadt und Land grundsätzlichen Optimierungsbedarf hinsichtlichtlich der Breitbandversorgung sehe und daher alle Maßnahmen, die zur Verbesserung der Situation geeignet sind, begrüße und unterstütze.
Etwas schade finde ich, daß ausgerechnet der Fragebogen qualitativ nicht das hergibt, was er könnte und meines Erachtens müßte. Folgende Aspekte fehlen aus meiner Sicht:
- Es fehlt die wichtige Frage, welchen Upstream-Bandbreite man hat und welchen man erwünscht/benötigt (Upstream ist zB für Webentwickler/Medienkleingewerbe kampfentscheidend, nicht Downstream).
- Es fehlt die Frage, ob man eine feste IP braucht (ausgerechnet die teilweise ja vorhandenen schnellen Anbieter wie KabelDeutschland bieten das nicht; feste IPs sind aber für Unternehmen sehr wichtig).
- Es wird zwar gefragt, welche Downstream-Bandbreite man hat; aber gerade bei Kabel-Kunden ist es so, daß aufgrund der technischen Rahmenbedingungen die nominelle Bandbreite und die reale teils stark voneinander abweichen (ich habe z.B. nominell 32 MBit/s Downstream und 2 MBit/s Upstream; aber der Anschluß erreicht faktisch aufgrund Bandbreitenteilung mit anderen nur ca. 8-1 down); würde ich also meine nominelle Bandbreite “>16” ankreuzen, entspräche das nicht meiner faktischen Bandbreite.
Unabhängig davon hoffe ich, daß der Bedarf nicht nur auf konkreten Fragebogenantworten basierend berechnet wird, da ich mir nicht sicher bin, ob alle Umfrageteilnehmer wirklich abschätzen können, wie sich die Bandbreitenerfordernisse in Zukunft entwickeln werden (siehe auch meine Ausführungen zu Breitband im Bericht vom JU-Deutschlandrat) bzw. wissen, was in unmittelbarer Nähe in Bargteheide bereits für Bandbreiten verfügbar sind oder werden usw.
Mich würden nun zum einen Infos von „Lesern auf dem Land“
interessieren, wie vor Ort mit der Thematik umgegangen wird
, zum anderen natürlich gern allgemeine Rückmeldungen zur Thematik. Ich bin gespannt.
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The Web is Agreement
Donnerstag, 15. Juli 2010
Ich habe mir überlegt, gelegentlich ein paar (gar nicht zwingend brandaktuelle) Dinge zu posten, die vielleicht in die Kategorie Inspiration/Serendipität fallen. Ein schönes Fundstück, das schon seit Jahren großformatig ausgedruckt an meiner Bürowand hängt, ist “The Web is Agreement” von Paul Downey. Wenn man es in Ruhe betrachtet, wird es zum Quell freier Assoziationsströme. Bei jedem Betrachten eröffnen sich neue Perspektiven. Schaut selbst (unbedingt auch die flickr-Version mit Tag-Map anschauen; weitere Links dazu auf thewebisagreement.com; Material ist CC):
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Notizen zum Qualitätsjournalismus, Teil 3
Dienstag, 6. Juli 2010
Gerade habe ich mir mal wieder ein paar Minuten Zeit genommen, um meine geöffneten 2read-Tabs „wegzulesen“. Darunter ein Interview in der Welt mit Annabella Weisl, ihres Zeichens “Strategic Partner Manager Google Book Search” mit der — wie ich finde recht niedlichen — Überschrift „Am Strand wird sich das Taschenbuch bewähren“.
Das Interview gibt wenig Neues her — im Prinzip wird eigentlich im Wesentlichen erklärt, was Google Books ist und welche Implikationen es für Bibliotheken und Verlage hat. Dabei wird auch auf die bekannte unterschiedliche Zugänglichmachung von gemeinfreien Werken und Büchern aus dem aktuellen Verlagsprogramm eingegangen:
Bei uns ist kein einziges Buch eines urheberrechtlich geschützten Titels ohne die ausdrückliche Genehmigung des Rechteinhabers vollständig einsehbar. Man kann allenfalls hineinschauen, um sich einen Eindruck zu verschaffen.
Offenbar war diese ganze Thematik aber für Jacques Schuster, der das Interview führte, wohl zu neu oder unübersichtlich, so daß er sich folgende, eine bedrohliche Uninformiertheit offenbarende, Frage stellte (die Frau Weisl höflich aber intern sicher kopfschüttelnd beantwortet hat):
WELT ONLINE: Kommen wir noch einmal zum Stand der Digitalisierung. Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass manche eingescannten Bücher im Grunde unleserlich sind, weil immer wieder Seiten fehlen und man oft den Inhalt des Buches gar nicht mitbekommt.
Annabella Weisl: Wenn Seiten fehlen, dann werden Sie wahrscheinlich in Büchern aus dem Verlagsprogramm geblättert haben. Wir wollen Ihnen aus diesem Bereich nur eine Kostprobe bieten. Sie sollen entscheiden, ob Sie das Buch kaufen wollen oder nicht. Gesamte Inhalte eines Buches zeigen wir nur bei gemeinfreien Büchern.
Oder habe ich nur hochdidaktische und geschickt getarnte Maieutik übersehen? Ich glaube nicht…
Es sind dies solche Sachverhalte, die einen an dem vorgeblichen Qualitätsjournalismus zweifeln lassen. Internetkompetenz oder zumindest eine gewisse Recherche und Vertrautmachen mit dem Thema scheinen dort als obsolet eingestuft zu werden (vielleicht weil man meint, daß man sowieso von allem genug Ahnung hat, da man Qualitätsjournalist ist?). Es ist dieselbe Kategorie wie das Reinfallen auf Twitter-Fake-Accounts. Es zeigt, daß man Funktionsweisen und Mechanismen der betrachteten Dienste nicht erfaßt, seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.
Schlimmer: Solche Fehler sind von jedem Wissenden (iSv Menschen, die ihre Internetsphäre verstanden haben) sofort zu entlarven und befördern daher die Annahme oder Extrapolation, daß nämlich der Qualitätsjournalismus (der ja letztlich als Begründung für das Leistungsschutzrecht herhalten soll) ein Fall für die rote Liste bedrohter Medienbiotope ist.
In lockerer Folge blogge ich hier kurze Notizen zum Qualitätsjournalismus, siehe auch Teil 1 und Teil 2.
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Gesichtserkennung: Normen vs. normative Kraft des Faktischen
Dienstag, 6. Juli 2010
Unter der Überschrift „Gesichtserkennung: Machen, was machbar ist?“ fragt @Johanstormarn:
„Datenschutz ist ein wichtiges Thema, aber es ist absehbar, dass die Macht des Möglichen den Datenschutz in der heutigen Form außer Kraft setzen wird. Wenn also die normative Kraft des Faktischen zuschlagen wird, warum dann nicht heute schon den Nutzen nutzen?“
Dieselbe Frage habe ich mir auch schon gestellt (siehe in diesem Zusammenhang Lächerliche Lex Google: OpenLiveStreetView3D wird kommen und Laßt uns über die wirklichen Probleme reden…).
Hinsichtlich der Frage, warum Google zwar (selbstverständlich) technisch über hochwertige Bilderkennungstechnologie verfügt, diese Endnutzern auch via Picasa verfügbar macht, sie aber bei Diensten wie Google Goggles bewußt unter Hinweis auf Datenschutzproblematiken nicht aktiviert, vermute ich, daß insb. Google nach den Erfahrungen mit zunehmender Problematisierung seiner (All)macht (Krake, Analytics, StreetView, unameit) neue Funktionalitäten vermutlich nicht mehr ganz so blauäugig-naiv-technobegeistert aktiviert, weil es weiter am “don’t be evil”-Slogan zehren würde. Sprich: Google verzichtet derzeit schlicht darauf, sich noch intensiver ins Visier von Datenschützern und Politik zu befördern.
Aber natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Google Gesichtserkennung im großen Stil implementieren wird. Ohnehin sollte man klar und deutlich sagen: Professionelle Gesichtserkennung ist jetzt ja schon für jeden machbar. Zum einen kann man mit Picasa sein eigenes Bildarchiv in kürzester Zeit scannen lassen; zum anderen wird aber niemand davon abgehalten, beispielsweise gezielt Websites, Feeds oder seinen Social Graph (bzw. darüber zugängliche Alben) automatisiert auszulesen und erkennen zu lassen — entweder durch Nutzung einer lokalen Picasa-Software quasi als Proxy (was angesichts der simplen Datenhaltung in picasa.ini-Dateien trivial ist) oder durch Nutzung von APIs wie der von face.com.
Wir sind also ohnehin auch hier an einem Punkt, wo schon jedem Einzelnen ganz erhebliche technologische (und kostenlose oder zumindest relativ extrem billige) Möglichkeiten zur Verfügung stehen (Möglichkeiten von denen Polizeien, Geheimdienste & Co vor ein paar Jahren noch geträumt haben). Und wenn es ohnehin jeder, also nicht nur Big Player, im großen Stil machen kann, stellt sich eben die Frage, was andere davon noch abhält und warum man sich nicht (fatalistisch?) dem Unausweichlichen ergibt.
Und der nächste Schritt ist ja auch absehbar: Es wird (falls es das nicht sogar schon gibt) sich ein Datenaustauschformat für Gesichts-/Personencharakteristika (denn bei reiner Gesichtserkennung wird es nicht bleiben: Mit mehr verfügbaren Daten (also Bild-/Video-/Tonmaterial sowie Zusatzinformationen (Social Graph, Lebenslauf-Daten aus Profilen, persönliche Routinen (Geo-Infos)) die die statistischen Erkennungswahrscheinlichkeiten verbessern) werden immer mehr Erkennungsmöglichkeiten kommen) etablieren, quasi Personenfingerprinting. In einer kleinen XML- oder JSON-Datei wird dann kompakt die mathematische Kodifizierung der Erkennungsparameter einer Person sein (so wie die biometrischen Merkmale eines Ausweises).
Wir landen also immer wieder bei einer Fragestellung: Wie gehen wir damit um, daß heutzutage Individuen Möglichkeiten haben, die früher weder technisch, noch kapazitativ oder finanziell selbst von Staaten nicht umgesetzt werden konnten? Wie soll ein deutsches Datenschutzrecht, daß primär auf Unternehmen und logischerweise auf nationale Regulierung zugeschnitten ist, auch nur ansatzweise noch wirksam sein können? Wie klar sind sich Politik und Gesellschaft in der Breite dieser Problematik bewußt?
Es mag zwar unbefriedigender Kontrollverlust für alle Beteiligten sein, aber ich fürchtevermute ähnlich wie Johan, daß die normative Kraft des Faktischen den Großteil der Diskussion schnell verobsoletieren wird. Ich sehe kaum ernsthaft umsetzbare Vorschriften, die die sich exponentiell beschleunigende Entwicklung in den Griff bekommen könnten, da der systemimmanente Gesetzeslag und die sich zwangsläufig ergebenden Vollzugsdefizite stetig größer und nicht kleiner werden werden.
Mein Leitmotto in diesem Zusammenhang ist:
„Herr, gib mir Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Ich für meinen Teil werde versuchen, zu akzeptieren, daß bestimmte Entwicklungen kommen werden. Und ich werde diese dann nicht sinnlos verzögern wollen, sondern stattdessen die sich daraus ergebenden Chancen nutzen und helfen, die entstehende Risiken zu minimieren. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, diesen Wandel positiv mitzugestalten, der Technophobie keinen Vorschub zu leisten, sich den Herausforderungen mit positiver Grundhaltung zu stellen. Wir werden nicht drumherumkommen!
Nachtrag: Siehe auch Netzwertig: Technischer Fortschritt - heißes Eisen Gesichtserkennung.
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Mein Leben mit dem iPad
Sonntag, 4. Juli 2010
Seit nunmehr ca. zwei Wochen bin ich ja stolzer Besitzer meines STECKiPAD®. Und eigentlich wollte ich schon längst einen Erfahrungsbericht abgeben, aber aus unerfindlichen Gründen mußte ich mir erst meine erste Woche mit meinem iPhone von der Seele schreiben.
Wie ist also dieses neue Gadget in der Praxis? Nun, ganz allgemein möchte ich sagen: Klasse. Punkt. Es ist ein völlig neues Nutzungsgefühl, um nicht das Wort „Erweckungserlebnis“ zu strapazieren. Denn offengestanden bin ich davon überzeugt, daß ich — ohne die Sache überhöhen zu wollen — damit Teil einer historischen Zäsur werde, oder (um mich ganz locker und komplett unbescheiden mal selbst zu zitieren):
„Ich bin mir sicher: Heute hatte ich die Zukunft in der Hand!“
Der Blick für’s große Ganze
Nun ist die Idee eines Quasi-Screen-Only-Gerätes ja alles andere als neu. Sogenannte Tablet-PCs gab und gibt es in diversen Ausführungen. Nur waren diese bisher aller Miniaturisierung zum Trotz nach wie vor schwer, klobig — und eben richtige Computer mit allen Vor- aber auch allen Nachteilen. Das iPad ist daher ein klarer Einschnitt. Ähnlich konsequent wie 2007 das iPhone reduziert es bewußt die Komplexität seiner Geräteklasse (wenn man „Geräteklasse“ so weit dehnt, daß man es überhaupt zusammen mit Tablet-PCs in einer prinzipiell ähnlichen Kategorie sehen will). Es beschränkt auch bewußt User-Interface, Optionen und Konfigurationsmöglichkeiten. Und darüber hinaus beschränkt es auch noch (Stichworte Flash, Walled Garden für Apps) die Einsatzmöglichkeiten.
Aber genau weil es das tut, ist es genaugenommen eine Klasse für sich, gewissermaßen der Anfang eines neuen Zeitalters, der Aufbruch in die Ära des (wie ich es mal nennen möchte) Convenience Computers.
Anwendungslückenfüller
Das iPad schließt aus meiner Sicht die Lücke zwischen Anwendungsbereichen, wo ein Smartphone aufgrund seiner sehr beschränkten Maße zu klein oder frickelig und unbequem zu handhaben ist oder ein Notebook bzw. selbst ein Netbook aufgrund der Ausmaße zu groß und schwer ist, zu heiß wird bzw. eine (ggf. akustisch und thermisch störende) Belüftung erforderlich macht oder die Klappmechanik des Displays gefährdet bzw. im Weg ist.
Es ist aufgrund seiner Instant-On-Fähigkeit geradezu gemacht für das „mal eben schnell“-Nachschauen in Google/Wiki/IMDB & Co (kleine Anmerkung am Rande: Ich persönlich hätte das Gerät ja deshalb auch anders benannt, denn am Anfang nahm ich an, daß sein Haupteinsatzgebiet darin liegen würde, beim DVD-Schauen Infos zu Filmen und Schauspielern nachzuschlagen; daher wäre der Name iMDB sicher angemessener gewesen
).
Manko: Mangelnde Multiuserfähigkeit
Aus meiner Sicht ist Apple mit dem Konzept noch nicht weit genug gegangen. Denn der eigentliche Markt dieser Geräte könnte und sollte IMHO im Bereich des Familien-Internet-Zugangsgerätes liegen. Optimalerweise stelle ich mir das so vor, daß man im Haus zwischen Wohn- und Eßzimmer, Küche und Schlafzimmer zwei bis drei oder gern auch mehr iPads verstreut hat, auf die jedes Familienmitglied bei Bedarf schnell zugreifen kann. Das Gerät würde per Frontkamera (die das iPad derzeit leider nicht hat) erkennen, wer es gerade nutzt und entsprechend diesen User einloggen mit entsprechend individuellen Einstellungen und Mailkonten etc.; bedauerlicherweise ist genau dieser Einsatzbereich derzeit nicht möglich, weil das iPad nicht für Multiuserbetrieb sondern nur als persönlicher Begleiter ausgelegt ist. Dies ist aus meiner Sicht das größte Manko neben der Tatsache, auch keine normale Kamera und klassische Telefonfunktionalität an Bord ist.
Insofern hoffe ich im Interesse der technischen Emanzipation der Massen
auf ein baldiges Nachfolgemodell, welches diese Schwachstellen behebt. Dies könnte dann auch helfen, Gelegenheitsnutzer und Senioren mit einem bequemen und vor allem extrem leicht zu bedienenden Wohnzimmer-Allzeitzugriffsgerät auszustatten.
Meine Erfahrungen im Detail
Aber genug der abstrakten Worte. Ich persönlich habe das iPad nicht nur als IMDB-Browser gekauft, sondern vor allem als E-Reader zur gemütlichen Lektüre von (multimedialen) Ebooks, Epapers und Feeds/Websites verbunden mit der Möglichkeit, mal eben Kalender/Kontakte/Mails zu checken oder Geo-Apps wie Google Earth bzw. Lokalisierungsdienste zu nutzen (übrigens ist gerade auch mit Blick auf Augmented Reality die fehlende Kamera ein wirkliches Ärgernis).
Seitdem ich mein iPad habe, habe ich viel mehr Zeit lesenderweise auf der Terrasse verbracht (was mir leider einen recht üblen Sonnenbrand beschert hat; böses iPad…). Mein iPhone ist zwar für gelegentliche Lektüre geeignet, auf Dauer aber einfach zu klein. Mein Notebook ist zu wuchtig und wird zu heiß, als daß man es locker auf den Beinen ablegen würde; damit wäre man immer genötigt, aufrecht an einem Tisch zu sitzen — weshalb ich es selten „mal eben“ mit nach draußen genommen haben. Das Handling des iPad dagegen ist absolut klasse — ein völlig neues und schönes Nutzungsgefühl.
Die erste Inbetriebnahme lief vollkommen problemlos, die Apps wurden alle reibungslos synchronisiert (es mußte nur hie und da Zugangsdaten oder kleinere Einstellungen erneut vorgenommen werden). Die Maße hätten gern noch minimal größer ausfallen können (z.B. auf A4-Format), aber man will ja nicht meckern. Das Display jedenfalls ist gut (wenn auch nicht vergleichbar mit dem Retina-Display des iPhone), auch wenn mich verspiegelte Displays generell recht nerven (wobei ich zugeben muß, daß diese naturgemäß genialer aussehen als die matten Konkurrenten).
Sehr praktisch ist der Knopf für die Rotationssperre. Schade, daß diese Einstellung beim iPhone etwas unpraktischer ist (bzw. mit Geräten ohne iOS4 unmöglich). Allerdings fehlt mir doch der Stummschalt-Knopf ein wenig, zumal man eingelogt sein muß, um das Gerät leise zu stellen. Sprich: Wenn einem Nachts einfällt, daß man volle Lautstärke angeschaltet hatte und nicht von Erinnerungen geweckt werden will, muß man erst das Gerät einschalten und den Zahlencode zum Entsperren eingeben (also 5 laute Geräusche erzeugen, sofern man akustisches Tastenfeedback angestellt hat (was ich wiederum aus allgemeinen Ergonomiegründen habe)). Im Zweifel hat man damit andere Mitbewohner dann schon geweckt. Auch wenn das ein kleiner Punkt ist: Hier muß sollte mit einem Software-Update nachgebessert werden, daß man die Lautstärke auch uneingelogt ändern kann.
Apropos Update. Schade ist, daß das iPad noch unter Version 3.2 des OS läuft. Damit fehlen Multitasking und Ordner, die ich beide sehr vermisse. Interessant ist, daß es dennoch Funktionen (oder praktische Bugs?) hat, die es auf dem iPhone mit iOS4 nicht gibt. So kann man beispielsweise häufig benutzte Sonderzeichen und Umlaute auf der Tastatur schneller erreichen, indem man über dem Grundbuchstaben einfach mit dem Finger nach oben wischt. Eine echt praktische Sache.
Im Gegensatz zum iPhone scheint mir die Batterielaufzeit sehr gut zu sein. So konnte ich z. B. zwei komplette WM-Spiele von EyeTV auf meinem iMac mittels EyeTV-App am Pad anschauen und es war da nach noch mehr als genug Power über. Die Verwendung als Garten-Fernseher hatte ich vorher gar nicht im Auge gehabt, aber umso mehr bewährt hat sie sich… ![]()
Schade ist, daß immer noch nicht alle Apps mit dem Format klarkommen. So werden die offiziellen Twitter- und Facebook-Apps nur auf iPhone-Größe dargestellt. Alternativ kann man diese um Faktor 2 zoomen, aber das sieht furchterregend aus, weil die Vergrößerung extrem pixelig wird. Toll aber sind Epaper-Anwendungen. Den Spiegel lese ich nun wesentlich intensiver; auch Welt HD ist klasse gemacht, aber bei weitem noch übertroffen von Wired, welches für nur 2,99 € pro Ausgabe zu lesen ist.
Was mich etwas nervt ist, daß Safari nur neun geöffnete Tabs zuläßt und — schlimmer noch — bei weiteren Anforderungen neuer Tabs über „in neuem Fenster öffnen“ einfach mal sang- und klanglos ein bestehendes Tab überschreibt. Ebenfalls ärgerlich die Macke, Seiten beim Wechsel zwischen Tabs ohne Not zu reloaden, was mich vorhin (unter Beihilfe einer versagenden Autosave-Funktion in dieser Blogsoftware) einen längeren Text gekostet hat…
Insbesondere diese Macke verhindert effektive Recherche während man in einem Safari-Fenster tippt.
Zubehör
Spezielles iPad-Zubehör gibt es kaum. Ich habe mir bisher nur das offizielle Apple iPad-Case zugelegt, mit dem ich mich nicht so recht anfreunden kann. Es ist überteuert und funktionell nicht ausgereift, denn insb. steht es nicht gut hochkant; auch geht der iPad schwer rein und vor allem wieder raus. In Sachen Schutzhülle muß ich mich also noch mal umsehen.
Das Tastatur-Dock mag ich etwas lieber. Denn für längere Texte ermöglicht es eben eine effizientere Texteingabe. Und es kompensiert partiell die mangelnde Standstabilität des Case; allerdings läßt sich das iPad dort nur hochkant stellen, was für viele Anwendungen suboptimal ist und auch ästhetisch fragwürdig. Schlimmer allerdings ist, daß es scheinbar bisher nicht möglich ist, mit den Cursortasten durch Tabs oder Apps zu navigieren. Auch kann man den Cursor nicht nutzen, um vorgeschlagene Autocomplete-Einträge auszuwählen oder im Text einer App oder Website zu scrollen. Hier ist softwaretechnische Nachbesserung wichtig.
Fazit
Völlig unkritisch habe ich mich dem Gerät nicht hingegeben. Man merkt, daß es nunmal das Erste seiner Art ist und es kleinere Macken hat. Insgesamt ist also wie immer noch Luft nach oben. Aber: Die Nutzung fühlt sich toll an, ist glatt und bequem und erfüllt exakt meine Vorstellungen und Anforderungen. Daher bin ich äußerst zufrieden, die Kaufentscheidung getroffen zu haben und kann das iPad wärmstens weiterempfehlen.
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Eine Woche iPhone 4 — ein kleiner Erfahrungsbericht
Donnerstag, 1. Juli 2010
Wie ich zu meinem Glück kam, weiß ich immer noch nicht: Vor nicht ganz einer Woche (am Donnerstag, den 24. Juni) hatte ich gleich morgens früh über die T-Mobile-Hotline ein iPhone 4 bestellt. Noch am selben Abend erhielt ich zu meiner großen Verwunderung eine SMS von DHL, daß die Telekom ein Paket an mich versandt habe. Und absolut unerwartet hielt ich das gute Gerät dann doch glatt am nächsten Tag — keine 30 Stunden nach Bestellung — in den Händen.
Nach dem Öffnen der schicken Verpackung (nur halb so groß wie beim Vorgängermodell) war ich gleich angetan vom neuen Spielzeug. Denn es ist etwas schwerer als das 3 GS und liegt damit (subjektiv) besser in der Hand. Zwar fand ich schon den Vorgänger seiner herrlichen Rundungen wegen stilistisch außerordentlich gelungen. Aber das neue Design mit dem Metallband und beidseitig glatter Glasoberfläche sieht IMHO wesentlich hochwertiger aus, eben nicht so plastikmäßig.
Das Inbetriebnehmen erwies sich leider als recht problematisch, aber nicht wg. Apple, sondern wegen der Telekom. Denn die Dame an der Telekom-Hotline wollte mir partout nicht glauben, daß ich das Gerät bereits habe und mir daher die legal und mit allen Authorisationsdaten vorliegende Mikro-SIM nicht freischalten (und hat sich daraufhin absolut unerhört benommen und nach einigem Pöbeln einfach aufgelegt. Ohne Worte). Naja, 25 weitere Minuten und mehrere Gesprächspartner später gelangte ich schlussendlich an eine gleichsam freundliche wie auch kompetente und bemühte Mitarbeiterin, die sich höflich für meine etwas abstruse Erfahrung entschuldigte und die Karte unverzüglich aktivierte, so daß der vollumfänglichen Verwendung des neuen Gadgets nichts mehr im Wege stand.
Die Umstellung vom alten 3GS auf das 4er-Modell erwies sich als unerwartet unkompliziert. Daten gesichert, neues Telefon an iTunes ran, aktualisiert und Einstellungen und Apps wurden übernommen. Lediglich mußte ich bei ein paar Apps Zugangsdaten neu eingeben etc., aber der Aufwand war minimal.
Was als allererstes sofort ins Auge fällt beim neuen iPhone 4 ist das sog. Retina-Display. Es ist wirklich extrem scharf, man sieht aus normaler Distanz absolut keine Pixel mehr (außer bei App-Icons, die noch nicht für diese Auflösung erstellt wurden). Das macht vor allem Websites und andere Anwendungen mit relativ zum Display kleinen Schriften plötzlich sehr gut les- und bedienbar. Allein das wäre meines Erachtens ein Grund, auf das neue Phone zu wechseln.
Das nächste klare Pro ist die Kamera. Nicht nur reagiert und knipst sie deutlich schneller (was m. W. eine Optimierung im Rahmen des Updates von iPhone OS 3 auf iOS4 ist), sondern Auflösung und Bildqualität sind wesentlich besser und erstmals wirklich als (für eine Handycam) brauchbar zu bezeichnen. Auch bei leichter Dämmerung gelingen Bilder (und Filme) noch erstaunlich gut. Ansonsten gibt es jetzt ja einen Blitz, der weiterhilft — auch wenn ich bisher hiermit nur mittelprächtige Erfahrungen gemacht habe, weil die Farben recht verfälscht waren. Scheinbar aber gibt es noch ein kleines (vielleicht multitaskingbedingtes) Problem, welches sich bei mir mehrfach gezeigt hat: Ruft man Fotos auf, finden sich frisch geknipste Fotos nicht im Album. Erst wenn man aus der Kamera-App unten links auf die Aufnahmen klickt, werden diese im Album aktualisiert. Das ist verwirrend und sehr unpraktisch, wird aber hoffentlich gefixt.
Apropos Multitasking: Da bisher fast keine Anwendung so richtig dafür optimiert/ausgelegt ist, kann ich hier noch keine Erfahrungen berichten.
Eine andere Sache macht mir aber ernsthaft Sorgen: Rein subjektiv (leider keine belastbare Empirie vorhanden) scheint mir der Akku noch schneller leergelutscht zu sein. Woran dies genau liegt, kann ich nur mutmaßen. Möglicherweise eine Mischung aus besserem Display, Multitasking und vielleicht auch begeisterter Mehrnutzung meinerseits… ![]()
Zu den sich häufenden Berichten über antennenkonzeptionsbedingte Empfangsprobleme kann ich bisher nichts sagen mangels hinreichender statistischer Basis. Ich jedenfalls hatte bislang keine Probleme beim Telefonieren oder Surfen. Auch kann ich auf meinem Display keine Verfärbungen feststellen. Vielleicht bin ich auch einfach nur nicht anspruchsvoll genug… ![]()
Ein wenig ärgere ich mich, daß ich mir im Bestell-Rausch bei Apple auch einen Bumper zum Schutz des iPhones bestellt habe. Irgendwie war mir nicht klar, daß es wirklich nur ein kleines Gummibändchen für den Rand ist (ich hatte gedacht, daß es auch die Rückseite abdeckt; nächstes Mal schaue ich mir Zubehör genauer an; denn 29 Euronen für das Busserl Gummi sind offengestanden frech).
Insofern muß ich auch dringend noch eine für iPhone 4 geeignete Tasche/Hülle finden, denn ich habe schon Schiß um Glasfront- und Rückseite. Meine bisherige Ledertasche paßt zwar vom Format an sich, aber die Kamera wird dadurch abgeschattet. Aber man kann vermutlich nicht alles haben: Ein erstklassig designtes, stilisches Gerät, daß gleichzeitig obertaff ist.
Summa summarum halte ich fest: Ich gebe mein iPhone 4 nicht wieder her (jedenfalls nicht, bis es dafür einen würdigen Nachfolger gibt). Und ich freue mich auf eure Erfahrungen!
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Lächerliche Lex Google: OpenLiveStreetView3D wird kommen
Donnerstag, 24. Juni 2010
Was sich schon seit einigen Wochen angesichts der teils fast schon hysterische Züge annehmende Diskussion abzeichnete, konkretisiert sich nun wie erwartet. Die Justizministerkonferenz hat beschlossen (PDF), durch eine Lex GoogleGesetzesinitiative einen „wirksamen Schutz der Betroffenen zu gewährleisten.
Der Hamburger Justizsenator, von dem die Initiative ausgeht, sagt dazu:
“Die Persönlichkeitsrechte und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht länger vom Wohlwollen der Anbieter abhängen.“
Nun kann man lange diskutieren, welche konkreten Persönlichkeitsrechte denn nun wirklich betroffen sind und inwiefern die Sicherheit der Bürger bedroht ist. Die Argumente dazu sind hinlänglich ausgetauscht und mein Standpunkt dazu ist klar.
Die Politik wäre gut beraten, einen Gang zurückzuschalten, verbal abzurüsten und weniger Angst vor Neuem zu schüren. Es geht mir nicht darum, Probleme zu bagatellisieren. Aber Google macht durch Verpixelung von Personen und Autokennzeichen schon mehr als alle andere, die Bilder ins Netz stellen.
Was mich aber nun eigentlich bewegt, sind folgende Aspekte:
Die Justizminister haben — auch wenn man stets betont, daß es anders sei — ganz im Wesentlichen ein Einzelfallgesetz vor, das von seiner Stoßrichtung auf einen Großanbieter wie eben Google ausgerichtet ist. Und es mag sein, daß man es schafft, Google regulatorisch am Nasenring durch sein Google Earth zu ziehen. Nur: Sollte Google als Folge der rechtlichen Einschränkungen nicht so interessant und attraktiv sein, wie es sich die potentiellen Nutzer wünschen, dann ist die logische Konsequenz, daß diese die Sache in die eigene Hand nehmen und crowdsourcen. @JensBest hatte dies als erster auf Twitter deutlich ausgesprochen (und wurde deswegen in der FAZ unter „Googles windige Helfer“ rubriziert).
Und natürlich startete sofort das Projekt openstreetview.org. Auch wenn dieses bisher letztlich nur symbolischen Wert hat: Es sollte jedem der Beteiligten klar sein, daß es technisch angesichts schierer Unmengen von georeferenzierten Bildern im Netz nur eine Frage der Zeit ist, bis diese mit hinreichender Dichte und Aktualität zu einem StreetView-Analogum aggregiert werden.
Und was genau will die JMK dann tun? Oder warum besteht sie dann nicht auch darauf, daß schon jetzt jeder, der Bilder ins Netz einspeist, die Einwilligung „betroffener“ Hauseigentümer oder -bewohner einholt bzw. einen Mechanismus zur Einlegung eines Widerspruchs vor Veröffentlichung implementiert?
Solche Bildaggregationen im großen Stil werden kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Und mit Techniken wie Photosynth werden diese zu 3D-Welten werden, gegen die StreetView nur ein zaghafter Anfang war.
Und man muß auch nur ein bißchen weiter in die Zukunft schauen: Wie lange noch wird es dauern, bis wir möglicherweise zu wirklichen Lifestreaming-Devices aufgemotzte PDAs/Handys mit uns herumtragen, die (so wir dies wollen) die ganze Zeit Livebilder ins Netz übertragen, welche dann mit einer Art Realtime-Videosynth zusammengefügt werden zu einem OpenLiveStreetView3D‽
Bundesinnenminister de Maizière hat den Punkt in seiner Grundsatzrede „Grundlagen für eine gemeinsame Netzpolitik der Zukunft“ (siehe dazu auch meine Materialsammlung) sehr gut deutlich gemacht:
„Nehmen wir das Beispiel Google Street View. Der Bundesrat berät hier gerade über einen Gesetzentwurf. Der Ansatz dieses Entwurfs ist aller Ehren wert, aber nach meiner Überzeugung falsch: Wir sollten gesetzgeberisch nicht den Weg einschlagen, dass wir für jeden neuen Dienst ein neues und eigenes Gesetz schaffen. Bei einer solchen Einzelfallgesetzgebung würden wir bald hoffnungslos hinterherhinken. Das Recht wäre dann weder technikneutral noch entwicklungsoffen.“
Einen solchen Wettstreit mit der globalen Innovationskraft des Netzes wird die deutsche Politik nicht gewinnen, sofern sie nicht mehr und mehr Freiheiten beschränken und Menschen bevormunden will. Die Justizminister der Länder sollten sich die ganze Sache unter besonderer Berücksichtigung der deutlichen Ausführungen des Bundesinnenministers noch einmal überlegen…
Nachtrag (25.06.2010 11:00): Zu recht fragt Jens Best in den Kommentaren bei Telemedicus nach einer wirklich nachvollziehbaren Begründung.
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Gestatten, mein Name ist Pad, STECKiPAD
Dienstag, 22. Juni 2010
Das war ein denkwürdiger Tag. Nicht nur, weil sich an diesem 22. Juni der Geburtstag des Computer-Pioniers Konrad Zuse zum 100. Mal jährte und dies u.a. mit einem tollen Google Doodle gewürdigt wurde. Und nicht einmal allein deswegen, daß Bundesinnenminister de Maizière mit seiner Grundsatzrede zur Netzpolitik richtungsweisend war.
Nein, dieser Tag ist deshalb denkwürdig, weil ich heute um 11:44 Uhr von UPS ein unscheinbares kleines Päckchen geschickt bekommen habe: Mein eigenes iPad, das ich liebevoll STECKiPAD® getauft habe, ist da! (hier geht es zu den Unboxing-Fotos — einen Tag vorher hatte ich schon mal sozusagen als Generalprobe und leicht selbstironisch den vorab gekauften iPad-Case unboxed) Vielleicht ist es ja das Jubiläums-iPad, denn Apple gab am selben Tag bekannt, daß inzwischen drei Millionen iPads verkauft worden sind.
Am iPad gab es (schon vor dem Verkaufsstart) viel (kleinliche) Kritik. Aus erster Hand werde ich es zwar erst in einiger Zeit umfassend beurteilen können, aber ich muß schon sagen: Ich bin beeindruckt. Das Teil hat bisher alle meine Erwartungen erfüllt. Es fühlte sich von der ersten Minute einfach toll an.
Ich bin mir sicher: Heute hatte ich die Zukunft in der Hand!
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De Platt-App, een paßlich Ding
Dienstag, 15. Juni 2010
Auch wenn ich es leider mangels Sprachpraxis nicht im Ansatz unfallfrei sprechen kann und stets nach Worten ringen würde, wenn ich den untauglichen Versuch starten würde, so hänge ich doch sehr am Plattdeutschen. So bin ich nicht nur ein großer Fan von zweisprachigen Ortstafeln, weil dies gewissermaßen eine stete, dauerhafte Mahnung und Erinnerung an die örtliche Geschichte ist (und beispielsweise ein guter Ausgangspunkt für Schulklassen, sich mit der Heimat zu beschäftigen). Nein, ich habe deshalb extra mal die von mir co-gewebmasterte (schönes neudeutsch) Seite meiner Gemeinde Delingsdorf (aka Deinsdörp) „plattgemacht“. Und auch die Niederdeutsche Wikipedia finde ich genial.
Plattdeutsch verstehen kann ich (jedenfalls die örtliche Variante) glücklicherweise ganz prima, schließlich haben das meine Großeltern untereinander und mit Freunden, Bekannten und Verwandten ständig gesprochen, es war nunmal deren Muttersprache. Insofern habe ich nicht wie angeblich 70 Millionen Deutsche ein Verständnisproblem (Dank an Lydia für den Video-Tip):
Nur das mit dem Sprechen klappt eben nicht. Denn es fehlen einem immer die Worte. Es gibt zwar natürlich erstklassige Wörterbücher (auch online), aber die sind nicht so schnell zur Hand, wie man sie bräuchte, wenn man wirklich mal in die Situation kommt, von oder nach Platt zu übersetzen.
Umso glücklicher bin ich nun, wo plattnet.de, eine meiner niederdeutschen Lieblingsseiten, im sehr empfehlenswerten Newsletter von einem Plattdeutschen Wörterbuch als iPhone-App berichtete, also quasi einer Platt-App.
Sofort bin ich zur Hersteller-Seite (itx systems) gesurft, das einfache aber überzeugende Konzept und Screenshots für gut befunden und die 1,59 € im iTunes-Store investiert.

Was soll ich sagen? Die Platt-App hält, was sie verspricht. Der Start könnte zwar einen Tick schneller sein, aber die eigentliche Aufgabe löst sie sehr straightforward. Man kann also einfach und bequem „mal eben“ ein nicht verstandenes Wort nachschlagen oder einen passenden Plattdeutschen Ausdruck finden. Das Vokabular scheint einigermaßen umfangreich zu sein und hat durchaus auch passende Begriffe für moderne Erscheinungen. Computer z. B. wird mit Blickbregen, Isernbreegen oder Rechenknecht übersetzt (für Blog hingegen habe ich nichts gefunden, etwas ausbaufähig ist es also schon noch). Einige der Wörter sind quasi geokodiert, so daß man erfährt, für welche Regionen diese gelten.
Insgesamt kann ich diese Platt-App für uns Möchtegern-Plattsnacker also durchaus empfehlen.
Allerdings würde ich mir durchaus noch ein paar Ergänzungen wünschen. Beispielsweise eine Möglichkeit, Suche und Wortvorschläge von Hochdeutsch zu Plattdeutsch nur für bestimmte Bereiche durchzuführen (also Regionalfilter). So könnte man dann auch Wortspezialitäten einer Region filtern/anzeigen. Auch eine Unscharfsuche (oder habe ich die übersehen?) wäre sicher toll, denn die Schreibweise Plattdeutscher Wörter kann doch recht unerwartet sein.
Laut Macfriesland wird es in der nächsten Version auch die Möglichkeit geben, fehlender Wörter/Alternativbegriffe vorzuschlagen — ein vielversprechender Crowdsourcing-Ansatz (den man dann vielleicht auch zu einem sozialen Netzwerk ausdehnen könnte).
Nun denn, wie auch immer: Ich finde es toll, aber testet doch einfach selbst!
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